Griechische Mythologie im Zeitalter der Kolonisation


Hausarbeit, 2011

17 Seiten, Note: 2,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Mythologie in der Zeit der Kolonisation in Bezug auf das delphische Orakel
2.1 Entstehung und Verwendung der griechischen Mythologie
2.2 Das delphische Orakel und dessen Bedeutung in der Kolonisationszeit
2.3 Die Gründung Kyrenes bei Pindar und Herodot
2.4 Der Mythos bei der Gründung von Syrakus

3. Schlussteil

4. Literaturverzeichnis

5. Quellenverzeichnis

1 Einleitung

„[…] und da die Theraier nicht wußten, warum sie Mißgeschick auf Mißgeschick traf, schickten sie nach Delphi wegen des ständigen Unglücks. Die Pythia aber gab ihnen den Spruch, wenn sie mit Battos Kyrene in Lybien neu begründen, würde es ihnen aber besser gehen.“[1]

Die Übersiedlung nach Kyrene in Lybien war nur eine von vielen Expansionsbewegungen der archaischen Zeit, weitere folgten. Neben Thukydides und Isokrates war Herodot ein weiterer wichtiger Geschichtsschreiber der damaligen Epoche, der sich speziell mit Gründungen von Kolonien und deren Übersiedlung beschäftigte.

Die griechische Mythologie beinhaltet eine gewisse Problematik, die sich in der Abgrenzung zur Religion zeigt. Der Mythos spielte in der griechischen Religion jedoch eine wesentliche Rolle, nämlich bei der Definition von Göttern und Heroen.[2] Hierbei zeigt sich schon, dass das eine dem anderen entspringt, der Begriff jedoch noch nicht klar definiert ist. Im Folgenden wird eine Definition gegeben, die aus mehreren Quellen zusammengefügt wurde.

Mythologie ist die Gesamtheit der überlieferten Mythen einer bestimmten Kultur, sowie deren wissenschaftliche Darstellung und Erforschung. Der Mythos ist eine Erzählung mit einem religiös-weltanschaulichen Gehalt, im Allgemeinen eine Legende, die den Ursprung der grundlegenden Umstände und Voraussetzungen einer Kultur beschreibt und schildert.[3] Auf genauere Kennzeichen und deren Entstehung gehe ich dann noch einmal genauer im Hauptteil ein.

Um die griechischen Expansions- bzw. Kolonisationsbewegungen einzugrenzen, wird im Folgenden nur Bezug auf das Zeitalter der „Großen griechischen Kolonisation“, von der Mitte des Achten Jahrhunderts bis ungefähr 500 v. Chr., genommen. In diesem Zeitraum entstanden die meisten Poleis, die sich über den ganzen Mittelmeerraum ausbreiteten. Das Hauptaugenmerk wird auf den Poleis Kyrene und Syrakus liegen, da diese mit ihren Gründungssagen ein besonderes Bild auf die Mythologie werfen.

Doch wie beeinflusste das delphische Orakel die Kolonisationszüge und die damit verbundenen Städteneugründungen? Wie beschrieben antike Autoren die Kolonisationsgründungen in der Literatur und wie verhielt es sich mit den einzelnen Mythen bei diesen Neugründungen?

Die Problematik wird mit der überaus schlechten Überlieferung von Quellenmaterial verschärft, da wir aus dieser Epoche sehr wenige schriftliche Zeugnisse vorfinden. Die bekanntesten antiken Autoren sind Homer, Hesiod, Herodot und Pindar, um nur einigen von ihnen zu nennen, die durchaus informationshaltige Geschichten zur Kolonisation und die damit verbundenden Mythen überlieferten. Aber auch hellenistische Dichter wie Kallimachos und andere trugen zur Bedeutung der griechischen Mythologie bei. Man muss einzelne Geschichten jedoch mit Vorsicht betrachten, weil sie sich häufig absichtlich auf ganz abseitige Erscheinungen beschränken, die nicht zur allgemeinen Mythologie der Griechen gehören. Einzig archäologische Funde geben einen hinreichenden Aufschluss und lassen eine Deutung zu.

Deskriptive Sekundärliteratur zur griechischen Mythologie ist durchaus im Allgemeinen vorhanden, jedoch musste diese in den Kontext der Kolonisationsbewegung gebracht werden, um ein einheitliches Bild von Götterkult und Expansionsbestrebungen zu erschaffen.

Der Forschungsstand zur griechischen Mythologie ist vielfältig belegt und diskutiert worden, obwohl über manche Problematiken immer noch Uneinigkeit herrscht. Zahlreiche Autoren äußern sich zumeist sehr allgemein über die Götter und deren Genealogien und Bedeutungen, lassen aber meist zu wenig Aufschluss über das Gesamtbild, speziell zur griechischen Kolonisation, zu. Problematisch wurde auch die Frage nach dem delphischen Orakel behandelt. Delphis Rolle ist umstritten. In der früheren Forschung wurde Delphi oft als Knotenpunkt angesehen, was sich aber in den letzten Jahren änderte. Orakelsprüche im Kontext der Kolonisationsbewegung mögen erst im Nachhinein entstanden sein, um das Ansehen einer Stadt zu erhöhen.[4]

Um die Glaubhaftigkeit der Orakellegenden, die im Zusammenhang mit den Koloniegründungen stehen, nachzuweisen, ist man auf literarische Zeugnisse angewiesen, um gewisse Erfindungen zu widerlegen.[5]

Apollon, einer der zwölf olympischen Götter, wird dabei im Hauptteil der Arbeit eine tragende Funktion übernehmen, weil dieser in enger Verbindung mit dem delphischen Orakel stand. Anschließend wird das Orakel eine wichtige Rolle spielen, da dieses den Mittelpunkt, besser gesagt den Startpunkt, einer jeden Gründung darstellte. Kyrene und Syrakus werden mit ihren Gründungsmythen, die von Pindar und Herodot aufgeschrieben wurden, in dieser Arbeit im Mittelpunkt stehen. Natürlich kann man noch zahlreiche andere Belege zum Mythos anfügen, jedoch würde das den Rahmen dieser Hausarbeit bei Weitem sprengen.

2. Mythologie in der Zeit der Kolonisation in Bezug auf das delphische Orakel

2.1 Die Entstehung und Verwendung der griechischen Mythologie

Nach einer umfangreichen Literaturrecherche zur Mythologie und nachdem der Begriff in der Einleitung schon definiert wurde, möchte ich nun kurz auf die Entstehung zu sprechen kommen. Die griechische Mythologie entstand aus einer Vermischung der Glaubensvorstellungen der vorgriechischen Bevölkerung mit denen der eingewanderten Kolonisten. In dieser Volksreligion mischten sich Vorstellungen lokaler Gottheiten mit der Personifizierung von Naturkräften. Die Kreter zum Beispiel glaubten, dass alle Dinge „beseelt“ seien und bestimmte Gegenstände über besondere magische Kräfte verfügten. Im Laufe der Zeit führten diese Überzeugungen zu einer Reihe von Legenden, die Gegenstände, Tiere und Götter in Menschengestalt zum Thema hatten. Die Mythologie der archaischen und klassischen Periode war ein Konglomerat aus alten und neuen, einheimischen und importierten Elementen. Die Mythen von Achilleus, Arion, Helena und dem Viehräuber Herakles scheinen alle auf indo-europäische (Herakles vielleicht sogar noch frühere) Zeiten zurückzuführen.[6]

Der geographische Ursprung muss ebenfalls erwähnt werden, da dieser die Unterschiede zwischen griechischen und orientalischen Versionen kennzeichnet. Vorwiegend kamen diese aus den Gebieten Anatoliens, Mesopotamiens und der Levante, also Gegenden im Orient, vermutlich Nordsyrien und/oder Zypern. Griechische Händler hörten orientalischen Sängern oder Geschichtenerzählern zu und brachten die wahrgenommenen Mythen den heimischen Dichtern mit, die diese dann in den weiteren Umlauf brachten.

Die Frage stellt sich jedoch, wofür dieser Mythos eigentlich verwendet wurde?

Die reine Unterhaltungsfunktion in Form von Chorlyrik, mit ihren Kombinationen von Musik, Tanz und Lied, ist am bekanntesten und erinnert gleich an die Vortragslyrik am mittelalterlichen Hofe.[7] Mythen haben auch andere Funktionen, die hier kurz genannt werden sollen. Eine Funktion des Mythos war es, dass Menschen in ihrem Verhalten geändert werden konnten. Die weitere Funktion ist eher auf die dichterische Kunst des Autoren Homer zurückzuführen. Dieser konnte den Mythos in seinen Geschichten so darstellen, dass er in den von ihm gewählten Kontext passte. Diese verschiedenen Aspekte wurden aus Homers „Ilias 9,529-99“ zusammengefasst. Somit kann der Mythos auch ständig angepasst und verändert werden. Mythen zeigten den Menschen aber auch die fürchterlichen Folgen, wenn man den Göttern das ihnen Zukommende vorenthielt. Dazu folgendes Beispiel: „ Tyndareus vergaß einmal, Aphrodite einzubeziehen, was die Göttin so gezürnt hatte, daß sie seine Töchter Helena und Klytaimnestra dazu brachte, ihre Männer zu verlassen und zu betrügen: Tyndareus Auslassung führte also zum Trojanischen Krieg! Und der Zorn der Hera, den Pelias dadurch ausgelöst hatte, daß er die Göttin nicht geehrt hatte, war die Ursache für den Zug der Argonauten.“[8]

[...]


[1] Hdt. IV, 156-157

[2] Bremmer, Jan: Götter, Mythen und Heiligtümer im antiken Griechenland. Darmstadt 1996, S.62.

[3] Rose. Herbert J.: Griechische Mythologie. Ein Handbuch. 8. Aufl. München 1992, S. 54. ; Kirk, Geoffrey: Griechische Mythen: ihre Funktion und Bedeutung. Reinbek 1987.

[4] Murray, Oswyn: Das frühe Griechenland. 6. Aufl. München 1999, S. 146 f.

[5] Miller, Theresa: Die griechische Kolonisation im Spiegel literarischer Zeugnisse. 14. Aufl. Tübingen 1997, S. 90 f.

[6] Vgl. Bremmer, S.65 f.

[7] Vgl. Bremmer, S.67 f.

[8] Aphrodite: Stesichoros, Frg. 223. Hera: Apollonios Rhodios 1,14; Apollodoros 1,9,16.

Ende der Leseprobe aus 17 Seiten

Details

Titel
Griechische Mythologie im Zeitalter der Kolonisation
Hochschule
Ernst-Moritz-Arndt-Universität Greifswald  (Historisches Institut)
Veranstaltung
Enstehung der Poliswelt
Note
2,0
Autor
Jahr
2011
Seiten
17
Katalognummer
V193723
ISBN (eBook)
9783656194149
ISBN (Buch)
9783656194378
Dateigröße
509 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
griechische, mythologie, zeitalter, kolonisation
Arbeit zitieren
Tobias Noack (Autor), 2011, Griechische Mythologie im Zeitalter der Kolonisation, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/193723

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