Social Business als zukunftsträchtiges Unternehmensmodell


Hausarbeit, 2011

15 Seiten, Note: 1,7


Leseprobe

Gliederung

1. Das Konzept des Social Business erläutert an Hand der Grameen-Veolia Water Ltd. In Bangladesch
1.1 Die Idee des Social Business
1.2 Grameen Veolia Water.

2. Social Business in Deutschland
2.1 Notwendigkeit und Potential

3. BrauchtSocial BusinessWirtschaftskommunikation?
3.1 Bedeutung der Unternehmenskommunikation für Social Business

Literaturangaben

1. Das Konzept des Social Business erläutert an Hand von Grameen- Veolia Water Ltd. In Bangladesch

1.1 Die Idee des Social Business

Der enorme Anstieg von Armut und sozialen Problemen in der Welt ist nicht erst seit heute ein Anliegen, welches die Politik an ihre Grenzen bringt. Bisweilen scheint die Bewältigung dieser Missstände trotz ihrer Unabdingbarkeit noch völlig fern zu sein, schlagen von der Politik und Organisationen veranlasste Initiativen, wie beispielsweise die Reduktion der Hunger Notleidenden innerhalb eines bestimmten Zeitraumes, doch zumeist fehl und verlieren hierdurch zunehmend an Glaubwürdigkeit. Die Notwendigkeit einer Kooperation zwischen Politik und Wirtschaft ist längst erkannt, jedoch ist bisher keine ausreichende Umsetzung zu erkennen.

Der Friedensnobelpreisträger Muhammad Yunus mag zwar nicht der Erste sein, welcher sich dieser Schwierigkeiten annimmt, aber er scheint zumindest ein Unternehmenskonzept entwickelt zu haben, welches in der Bewältigung sozialer Probleme ein Meilenstein ist. Im folgenden wird auf das Prinzip des Social Business eingegangen.

Social Businesses sind zwar klassisch wirtschaftlich orientierte Unternehmen, sie bedienen sich jedoch einer abgewandelten Form zur Behebung sozialer Probleme. Im Klartext heißt das, dass sie im Gegensatz zu gängigen Unternehmensformen nicht an einer Gewinnmaximierung orientiert sind. Es gibt zwar Investoren, ohne die die Gründung eines solchen Unternehmens nicht möglich wäre, jedoch erhalten diese keinerlei Dividende oder sonstige finanzielle Vorteile aus dem Unternehmen. Zurückgezahlt wird maximal das, was ursprünglich investiert wurde, ohne Rücksicht auf Inflationsraten oder anderes. Zu beachten hierbei ist jedoch, dass es sich dennoch um Unternehmen handelt, die wirtschaftlich komplett selbstständig sind. Sie sind nicht zu verwechseln mit Organisationen und Stiftungen, welche sich durch Spenden finanzieren, auch wenn das Ziel, ein soziales Problem zu beheben, das Gleiche ist. Außerdem lässt sich die Unternehmensform Social Business in zwei weitere Formen unterteilen. Bei der ersten fließen sämtliche erwirtschaftete Gewinne in das Unternehmen selbst und in die Verbesserung dieses. Bei der zweiten Form fließen die Gewinne direkt den Armen zu, die auch Eigentümer des Unternehmens sind. Hierdurch wird ein weiteres soziales Problem behoben. Die Gewinnausschüttung an Eigentümer, welche selber in Armut leben, widerspricht also nicht dem Prinzip des Social Business.

Das Social Business ist ein ausgesprochen zukunftsträchtiges Unternehmensmodell. Da es sich für seine Existenz nicht finanzieller Zuwendungen bedienen muss, ist es für sozial Benachteiligte ein Weg in die Unabhängigkeit und somit ein bahnbrechender Schritt zur Bekämpfung der weltweiten Armut.[1]

1.2 Grameen Veolia Water

Während in vielen Regionen der Welt zunehmende Wasserknappheit beklagt wird, ist das Problem in Bangladesch ein ganz anderes. Es gibt hier zwar reiche Wasservorkommen[2], jedoch sind diese zum größten Teil mit hohen Mengen gesundheitsschädlichem Arsen belastet. Festgestellt hat man dies erst im Jahr 1993, auf der Suche nach Ursachen für die hohe Zahl an Krankheitsfällen. Die gängigsten Auswirkung des Arsens auf den Menschen sind Hautschäden und Krebs. Davon am schlimmsten betroffen ist die Landbevölkerung, welche den schlechtesten Zugang zu sauberem Wasser hat. Genaue Zahlen sind hierüber nicht bekannt, aber man spricht von 35 bis 80 Millionen Menschen, die auch heute noch stark belastetes Wasser zu sich nehmen müssen.[3]

Auf die Idee, aus diesem Problem ein Social Business zu machen, ist zunächst nicht wie erwartet Yunus selbst gekommen, sondern Eric Lesuer. Dieser ist Spitzenmanager bei dem französischen Unternehmen Veolia Water, das weltweit agiert und sich hauptsächlich mit der Planung, dem Bau und der Verwaltung von Wasser- und Abwassersystemen beschäftigt. Im Jahr 2007 stellte er Yunus die Frage, ob „es eine Möglichkeit für ein Social Business gibt, das sie gemeinsam ins Leben rufen können, um die Qualität des den Armen von Bangladesch zugänglichen Trinkwassers zu verbessern“.[4]

Zunächst hielt Yunus dies nicht für möglich, da das aufbereitete Wasser für die Bevölkerung keinenfalls mehr als einen Taka pro zehn Liter hätte kosten dürfen (zum Vergleich: 1 Taka entspricht 0,0094 Eurocent[5] ). Lesuer, welcher über großes Wissen im Bereich Umweltmanagementsysteme verfügt, ließ aber dennoch nicht locker, und das war der Beginn des Social Business Grameen Veolia Water.[6]

Man begann relativ zeitnah zur ursprünglichen Idee einen geeigneten Standort zu finden, das fünfzig Kilometer von Dhaka entfernte Dorf Goalmari, und fing auch sogleich mit der Arbeit an. Das Projekt wurde direkt angegangen und es wurde keine Zeit für lange Analyse oder Ähnliches verschwendet, da man aus dem Prozess der Arbeit heraus lernen wollte. Durch diesen vereinfachten Einstieg, waren zunächst auch nur geringe Investitionssummen vonnöten.[7]

Durch das bereits vorhandene Wissen der Veolia Water Experten, ließen sich die technischen Probleme der Wasserversorgung schnell lösen. Man entschied sich zunächst, das Wasser aus dem Meghna-Fluss zu verarbeiten, da die Aufbereitung von Oberflächenwasser weitaus günstiger ist, als die des Grundwassers. Hierfür wurden kleine Anlagen fest installiert, welche mittels Aktivkohlefilter und Chlorung arbeiten. Da die ländliche Bevölkerung nur geringe Mengen Wasser zum Kochen und Trinken benötigt, muss die Anlage auch keine übermäßig großen Mengen Wasser abgeben. Tatsächlich entsprach der Preis zunächst auch dem veranschlagtem einen Taka pro zehn Liter, dieser galt aber nur für direkt an der Anlage entnommenes Wasser. Dadurch musste noch geklärt werden wie die Verlegung von Rohrsystemen für den Transport des Wasser sowie die „Grameen-Ladys“, die örtlichen Wasserverkäuferinnen, finanziert werden können.[8]

Da man davon ausging, dass die Dorfbewohner unterschiedliche Preise für Wasser an unterschiedlichen Orten nicht akzeptieren würden, gleichte man die Preise direkt auf drei Taka pro zehn Liter an. Dies sollte sich gerade noch im finanziell möglichen Rahmen für die Kunden befinden, angenommen wurde der Preis aber trotzdem nicht, auch wenn die Begeisterung über das Projekt groß war. Die Gründe hierfür liegen wohl in erster Linie darin, dass sich die gesundheitlichen Schäden einer Arsenvergiftung erst langfristig zeigen und sich die eh schon arme Bevölkerung nicht auch noch Gedanken darüber machen möchte, teures Wasser kaufen zu müssen, da finanzielle Engpässe sich schneller bemerkbar machen, als gesundheitliche Probleme. Es wurde daraufhin lange nach Lösungen für dieses Rentabilitätsproblem gesucht und man kam zu verschiedenen Ansätzen. Der erste Ansatz war, die ungenutzten Kapazitäten der Wasseranlagen dafür zu gebrauchen, größere Mengen Wasser an Großkunden zu verkaufen und den in diesem Bereich erzielten Gewinn auf den Preis des Wassers für die Bewohner Goalmaris umzuschlagen, um dieses so zu vergünstigen. Der zweite Ansatz war, ohne Zwischenhändler das Wasser an Gruppen von Haushalten zu verkaufen oder auch direkte Wasserlieferungen ins Haus von wohlhabenden Bewohnern des Dorfes. Dies führte letztendlich zu der Erkenntnis, dass zur Erreichung des angestrebten Ziels, der Weg in jedem Fall auch über Quersubventionen führt. D.h. dass das Wasser an diejenigen, welche es sich leisten können, zu einem höheren Preis verkauft wird und so das Wasser für die Armen zu Teilen gleich mitfinanziert wird.[9]

Das Goalmari-Projekt ist zwar noch nicht abgeschlossen, aber es ist auf dem besten Weg sich langfristig zu einem wirtschaftlich rentablen System zu etablieren. Grameen Veolia Water wird auch in Zukunft nicht aufhören, neue Marketing- und Vertriebssysteme zu entwickeln, um die Planung und den Bau von neuen Wasseraufbereitungsanlagen für weitere Dörferzu verwirklichen.[10]

[...]


[1] Vgl. Yunus 2010, S. 25-34

[2] Vgl. Grameen Creative Lab

[3] Vgl. Yunus 2010, S.181-182

[4] Vgl. Yunus 2010, S. 182-183

[5] Wechselkurs vom 07.07.2011

[6] Vgl. Yunus 2010, S. 183

[7] Vgl. Yunus 2010, S. 192-193

[8] Vgl. Yunus 2010, S. 194

[9] Vgl. Yunus 2010, S. 196-198

[10] Vgl. Yunus2010, S. 199

Ende der Leseprobe aus 15 Seiten

Details

Titel
Social Business als zukunftsträchtiges Unternehmensmodell
Hochschule
Hochschule für Technik und Wirtschaft Berlin
Note
1,7
Autor
Jahr
2011
Seiten
15
Katalognummer
V193739
ISBN (eBook)
9783656188742
ISBN (Buch)
9783656189312
Dateigröße
423 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
social, business
Arbeit zitieren
Teresa Höhn (Autor), 2011, Social Business als zukunftsträchtiges Unternehmensmodell, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/193739

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