Umgang mit der Sexualität von Bewohnern im Pflegeheim

Wie gehe ich als Pflegeperson mit der Sexualität von Bewohnern im Pflegeheim um?


Hausarbeit, 2010

22 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Definitionen
2.1 Sex
2.2 Sexualität
2.3 Liebe
2.4 Libido3
2.5 Masturbation
2.6 Geschlechterrollen

3 Sexualität von klein bis groß - Entwicklung

4 Veränderungen der Sexualität mit zunehmendem Alter
4.1Alter – wann ist das?
4.2 Sexualität in unserer Gesellschaft6
4.3 Altersbedingte Veränderungen
4.4 Krankheitsbedingte Veränderungen
4.5 Allgemeine Veränderungen

5 Veränderte Sexualität in neuen Lebenssituationen

6 Auswirkungen auf die Pflege und die Mitarbeiter

7 Dokumentation

8 Sexualität im Pflegeheim – Was ist möglich

9 Nachwort

10 Literaturverzeichnis

1 Einleitung

Ich habe mich für das Thema Sexualität im Alter entschieden, da ich der Auffassung bin, dass die Enttabuisierung zwar begonnen hat, aber noch nicht Einzug in die tägliche Praxis gefunden hat und noch viele Vorbehalte, Ängste und Unsicherheiten existieren, leider auch in unserer Einrichtung.

Wir haben in unserer Einrichtung einige Bewohner, die gerne noch sexuell aktiv wären. Da muss die Pflege unterstützen und Rat geben sowie Hilfen anbieten. Das trauen sich aber nur die Wenigsten und nach Möglichkeit wird das Thema auch nicht angesprochen. Ich möchte mit dieser Arbeit dazu beitragen, dass das Thema Sexualität im Alter in unserer Einrichtung offener angegangen und ein Verständnis für die Bedürfnisse der Bewohner im Hinblick auf Sexualität entwickelt wird.

In meiner Ausbildung wurde dieses Thema nur kurz behandelt und somit wurden auch keine ausreichenden Kenntnisse vermittelt. Ich habe von einigen Schülern gehört, dass das Thema noch immer nicht ausführlich genug in der Schule behandelt wird und dadurch der Einzug des Themas in die Praxis nach wie vor erschwert ist, deshalb möchte ich diese Arbeit auch dazu nutzen um Schüler für das Thema Sexualität im Alter zu sensibilisieren, damit der Einzug des Themas in die tägliche Praxis erleichtert wird. Darum werde ich nicht nur auf die Möglichkeiten Sexualität im Heim zu leben, sowie die Auswirkungen auf die Pflege und Mitarbeiter eingehen, sondern auch die Begrifflichkeiten definieren und die Entwicklung der Sexualität erläutern.

Des Weiteren möchte ich kurz auf die Dokumentation in Bezug auf Sexualität eingehen mittels des AEDL`s (Aktivitäten und existentielle Erfahrungen des Lebens, Krohwinkel) “sich als Mann oder Frau fühlen und verhalten“.

Dieses AEDL wird meist nur lückenhaft ausgefüllt und mit standardisierten Sätzen geschrieben. Dort möchte ich ansetzen um die Bedürfnisse festzuhalten und gegebenenfalls auch zu planen.

Das Ziel dieser Arbeit soll eine Handlungshilfe für Pflegekräfte und Schüler zur Integration des Themas in die tägliche Praxis sein. Damit können im besten Falle Ängste abgebaut, Unsicherheiten und Vorbehalte ausgeräumt und Professionalität im Umgang mit der Sexualität der Bewohner aufgebaut werden.

2 Definitionen

2.1 Sex

Das Wort Sex stammt aus dem lateinischen (sexus) und steht für Geschlecht, im Sinne von Mann und Frau. In die Wissenschaft, vor allem in die Medizin, Psychologie und Soziologie zog der Begriff um die Wende zum 20. Jahrhundert ein. In den sechziger und siebziger Jahren drang dieser und davon abgeleitete Begriffe immer mehr in die Alltagskultur ein. Im deutschen Wörterbuch heißt es:

Sex < lat. – engl. > der; - sexueller, intimer, körperlicher Kontakt

- sexuelle, erotische Ausstrahlung, Anziehungskraft
- kurz für sexus = natürliches Geschlecht

Im medizinischen Wörterbuch wird auf den Geschlechtsakt, auch Koitus (Synonym Kohabitation) und Beischlaf genannt, verwiesen. Dort steht, dass dies „die geschlechtliche Vereinigung zweier verschiedengeschlechtlicher Personen“[1] ist, auch als „heterosexueller Geschlechtsverkehr (mit Einführen des Penis in die Vagina)“[2] bezeichnet.

2.2 Sexualität

Laut klinischem Wörterbuch heißt Sexualität Geschlechtlichkeit, aber damit ist wesentlich mehr verbunden. Eine eindeutige Definition gibt es nicht, es ist aber mehrfach zu lesen, dass zu Sexualität die Fortpflanzung, soziale Kommunikation und Beziehung, sowie der Lustgewinn und die Befriedigung zählen. Auch ist die Sexualität immer individuell verschieden und die Art und Weise diese zu leben variiert stak. Des Weiteren ist sie auch von der Gesellschaft und dem kulturellen Umfeld abhängig. Wenn, in Bezug auf die Sexualität, von Masturbation gesprochen wird, betrifft diese nur das Individuum, ansonsten aber auch immer unsere Mitmenschen und ist somit niemals ausschließlich Privatsache.

In der geschichtlichen Entwicklung ist aus der Sexualität als Fortpflanzungsfunktion eine Funktion geworden, die eine Vielzahl von Tätigkeiten, Denk- und Gefühlsinhalten, aber auch kulturelle Ausdrucksformen (z.B. Mode) umfasst.

2.3 Liebe

Das Wort Liebe kommt aus dem mittelhochdeutschen liob = gut. Es bezeichnet die größtmögliche Zuneigung zu einem anderen Menschen, aber auch zu anderen Lebewesen oder Dingen. Diese Zuneigung kann sich auf die Eltern, Geschwister, Freunde aber auch den Partner oder den, der es sein soll, beziehen. Liebe kann auch für mehr als eine Person empfunden werden. Sie kann mit Sexualität verbunden sein, muss dies aber nicht. Weiterhin kann sich die Liebe auch auf die Religion beziehen, aber auch auf Objekte (z.B. ich liebe mein Auto) und Ideen. Der Begriff wird auch in der Werbung eingesetzt (Mc Donalds).

2.4 Libido

Unter dem Begriff Libido, der aus dem lateinischen kommt und Wolllust, Begierde bedeutet und als Synonym zu sexueller Lust und Begehren verwendet wird, versteht man die psychische Energie, die mit den sexuellen Trieben verknüpft ist. Er stammt aus der Psychoanalyse und ist mittlerweile nicht mehr nur an die sexuellen Triebe geknüpft, sondern es zählen auch der Lebens-, der Selbsterhaltungs-, und der – wenn auch sehr umstritten- Todestrieb dazu.

Der Geschlechtstrieb wird nach Freud in drei Phasen unterteilt:

- orale Phase (Mund)
- anale Phase (Analbereich)
- phallische Phase (äußere Geschlechtsorgane)

2.5 Masturbation

Der Begriff Masturbation kommt ebenfalls aus dem lateinischen und bedeutet ,sich selbst befriedigen’. Synonyme sind Onanie und Ipsation. Er bezeichnet biographisch eine meist manuelle Stimulation der Genitalien, die häufig zum Orgasmus führt. Es können aber auch Hilfsmittel (z.B. Vibrator) zum Einsatz kommen. Oft ist die Masturbation auch von Phantasien begleitet.

2.6 Geschlechterrollen

Darunter versteht man die Verhaltensweisen die für ein Geschlecht typisch oder zu erwarten sind. Beispielsweise ist der Mann das Familienoberhaupt, der Ernährer, stark und rational und die Frau emotional, für die Erziehung zuständig. Diese Rollen sind mittlerweile nicht mehr so starr wie früher und werden auch von dem anderen Geschlecht ausgefüllt. Beispielsweise erziehen heute auch die Männer den Nachwuchs, sind emotional und Frauen machen mittlerweile auch Karriere und sind rational.

3 Sexualität von klein bis groß – Entwicklung

Man kann sagen dass vier Bereiche die sexuelle Entwicklung des Kindes prägen. Erstens die familiäre Beziehungserfahrung, zweitens das Geschlechterrollenlernen, drittens die sexuelle Erkundung und als viertes und letztes die Aufklärung.

Sexualität beginnt schon im Säuglingsalter. Das Kuscheln gehört genauso dazu, wie das Baby auf dem Arm zu halten und es zu trösten. Sexualität ist demnach ganzheitlich zu sehen und heißt somit auch Nähe, Geborgenheit und alles was dazu gehört. Diese ersten und oft entscheidenden Erfahrungen werden bereits sehr früh und in der Familie gemacht. Von großer Bedeutung ist die emotionale Wärme und Zärtlichkeit, ohne die auf Dauer schwere emotionale, kognitive, soziale und motorische Entwicklungsrückstände entstehen können.

Die Geschlechterrollen sind ein wichtiger Teil der sexuellen Entwicklung. Die so genannten Doktorspiele fördern die Entwicklung der Geschlechterrollen. Die Kinder erkunden auf spielerische Weise den Körper eines anderen Kindes, merken so, dass andere Kinder genauso aussehen wie sie selbst und dass es Unterschiede und Besonderheiten gibt. Sie lernen die sozialen Geschlechterrollen-Unterschiede bereits bevor sie Kenntnisse über die anatomischen Unterschiede haben. Dies geschieht auch durch die Geschlechterrollen der Eltern.

In der Zeit der Pubertät beginnt auch die sexuelle Erkundung. Der Körper verändert sich schnell und spürbar durch die vermehrt ausgeschütteten Geschlechtshormone. Die Mädchen werden mit der ersten Regelblutung konfrontiert und Jungen haben in aller Regel ihren ersten Samenerguss.

Es werden sexuelle Phantasien entwickelt und ein Großteil der Jugendlichen macht erste Erfahrungen mit Selbstbefriedigung, wobei dies eher auf die Jungen zutrifft und viele Mädchen die ersten Erfahrungen im heterosexuellen Liebesspiel machen. Man könnte sagen, dass sie die Sexualität vom männlichen Geschlecht lernen. Die Wahl der Liebesbeziehungen und erotischen Bindungen knüpft meist an die frühkindlichen Erfahrungen an und ist somit kein Zufall.

Die Aufklärung beginnt schon von Geburt an. Zu einer gelungenen Sexualerziehung gehören die positive Einstellung, das positive Gefühl zum eigenen Körper, aber auch Geborgenheit, Vertrauen und schöne, sinnliche Erfahrungen und Erlebnisse. Wie die erste Regelblutung empfunden wird, hängt davon ab, wie das Mädchen darauf vorbereitet wurde und wie sie dies bei anderen (z.B. der Mutter) miterlebt hat. Diese bilden eine Basis für spätere Beziehungen und die Möglichkeit Bindungen einzugehen und Lieben zu können. Auch der offene Umgang mit Sexualität und Liebe ist wichtig. Natürlich ist auch die Aufklärung an sich wichtig, sollte aber nicht ein peinlich berührtes Erlebnis darstellen.

„Für den Zeitabschnitt zwischen Lebensmitte und Pflegeheim interessierten sich die Sozial- und Sexualwissenschaften lange Zeit nur wenig. Grund dafür ist die Annahme, dass Menschen in diesem Alter ihre Identität gefunden haben, meistens in stabilen Berufs- und Familiensituationen leben. Manifestiert sich die Sexualität in dieser Lebensphase nicht als klinisches Symptom mit Krankheitswert, findet sie seitens der Wissenschaft wenig Beachtung. Es liegt möglicherweise die Vorstellung zu Grunde, dass sich die Sexualität in der zweiten Lebenshälfte eher in ruhigen Bahnen verläuft.“[3]

4 Veränderungen der Sexualität mit zunehmendem Alter

4.1 Alter – wann ist das?

Ab wann spricht man überhaupt von Alter beziehungsweise Älteren? Frauen bemerken mit Eintreten der Wechseljahre, dass sie älter werden, Männer meist erst mit Austreten aus dem Berufsleben. Eine genaue Definition diesbezüglich gibt es nicht, aus geriatrischer Sicht wird vom höheren Alter meist ab 60 oder 65 Jahren gesprochen. Zu der Gruppe der jungen Alten gehören die bis 75jährigen und zu der Gruppe der alten Alten die über 75jährigen.

Geht man aber von den hormonellen Veränderungen aus, spricht man schon ab dem 40. Lebensjahr von Älteren.

4.2 Sexualität in unserer Gesellschaft

Durch den christlichen Glauben wurde lange (noch vor hundert Jahren) nicht über Sex gesprochen, es gab – zumindest offiziell – nur ehelichen Sex. Und wenn überhaupt durfte nur der Mann außereheliche Erfahrungen sammeln. Dies galt in etwa bis zum Anfang der siebziger Jahre. Durch die Studenten- und Frauenbewegung in den 60er und 70er Jahren wandelte sich dies jedoch in übertriebene Freizügigkeit. Mittlerweile hat sich das wieder normalisiert. Heutzutage herrscht in den Familien und Liebesbeziehungen meist ein gleichberechtigtes Verhältnis.

Die jetzt über 80 jährigen sind der Sexualität deshalb sehr skeptisch gegenüber. Sie können die heutige Freizügigkeit nicht nachvollziehen. Das liegt zum einen an der Unüblichkeit über dieses Thema zu sprechen und zum anderen daran, dass Sexualität mit Fortpflanzung in Zusammenhang gebracht wurde. Auch heute noch ist das Bild der asexuellen Alten vorhanden. Die Betroffenen selbst beschreiben sich selbst als asexuell aufgrund des gesellschaftlichen Bildes, obwohl sie nicht so empfinden. Es muss aber erwähnt werden, dass sie durchaus von der heutigen Offenheit bezüglich der Sexualität profitieren, denn wer konnte sich noch vor einigen Jahren überhaupt vorstellen, dass Mama und Papa oder schlimmer noch Oma und Opa Sex haben? Fast niemand wollte oder konnte dies. Heutzutage ist dies durchaus nachvollziehbar und denkbar. Des Weiteren ist zu bedenken, dass die in Partnerschaft lebenden älteren Menschen wesentlich häufiger Sex haben als die Alleinstehenden. Bei den Frauen um das achtfache, bei den Männern nicht ganz so hoch, aber immerhin noch das vierfache.

[...]


[1] Roche Lexikon Medizin, Urban & Fischer, 4. neubearbeitete und erweiterte Auflage, 1998, Seite 174

[2] Roche Lexikon Medizin, Urban & Fischer, 4. neubearbeitete und erweiterte Auflage, 1998, Seite 926

[3] http://www.hausarbeiten.de/faecher/vorschau/78864.html siehe Punkt 2 Forschungsstand

Ende der Leseprobe aus 22 Seiten

Details

Titel
Umgang mit der Sexualität von Bewohnern im Pflegeheim
Untertitel
Wie gehe ich als Pflegeperson mit der Sexualität von Bewohnern im Pflegeheim um?
Veranstaltung
Weiterbildung zur verantwortlichen Pflegefachkraft
Note
1,0
Autor
Jahr
2010
Seiten
22
Katalognummer
V193760
ISBN (eBook)
9783656195993
ISBN (Buch)
9783656196891
Dateigröße
441 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
umgang, sexualität, bewohnern, pflegeheim, pflegeperson
Arbeit zitieren
Marius Wittmann (Autor), 2010, Umgang mit der Sexualität von Bewohnern im Pflegeheim , München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/193760

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