In der vorliegenden Arbeit möchte ich zunächst einen kurzen Überblick über das interessante, aber tragisch endende Leben von Antonio Gramsci geben. Im Anschluss daran versuche ich einen kurzen Überblick über Gramscis Konzeption von „Bewegungskrieg“ und „Stellungskrieg“ darzulegen. Darauffolgend widme ich mich Gramscis Konzeption der Hegemonie. Selbstverständlich bietet Gramscis Werk eine Vielzahl weiterer Aspekte und Ansätze, allerdings muss ich diese Perspektiven aufgrund Platzmangels vernachlässigen.
In den folgenden Kapiteln wende ich mich der Neuen Rechten in der Bundesrepublik Deutschland zu. Hier wird es sich als äußerst wichtig erweisen, die Zeitschrift Criticón näher zu betrachten, um dann im Anschluss daran auf die genauere Rezeption Gramscis bei dem französischen Vordenker der Neuen Rechten Alain de Benoist einzugehen.
Zu guter Letzt versuche ich in meinen Schlussbetrachtungen zu einem Fazit gelangen.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Antonio Gramsci - eine kurze Biographie
2.1. Stellungskrieg und Bewegungskrieg
2.2. Hegemoniekonzeption
3. Die Neue Rechte in der Bundesrepublik Deutschland
3.1. Criticón
3.2. Adaption Gramscianischer Konzepte bei Alain de Benoist
4. Schlussbetrachtungen
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Rezeption und Adaption der Hegemoniekonzeption von Antonio Gramsci durch die Neue Rechte in der Bundesrepublik Deutschland. Dabei wird analysiert, inwieweit die Neue Rechte versucht, Gramscis Konzepte zur kulturellen Macht und Hegemonie für eine eigene metapolitische Strategie zu nutzen und wo die theoretischen Diskrepanzen zwischen dem marxistischen Ausgangspunkt Gramscis und der neurechten Interpretation liegen.
- Biographische Grundlagen zu Antonio Gramsci
- Gramscis Theorie von Stellungskrieg und Hegemonie
- Die politische Strategie der Neuen Rechten in Deutschland
- Analyse der Rolle der Zeitschrift Criticón
- Kritische Bewertung der Gramsci-Rezeption bei Alain de Benoist
Auszug aus dem Buch
3.2. Adaption Gramscianischer Konzepte bei Alain de Benoist
Alain de Benoists viel gelesenes und zitiertes Werk aus den 80ziger Jahren war die „Kulturrevolution von rechts. Gramsci und die Nouvelle Droite“. Dieses Werk des französischen Philosophen versucht Gramscis Ansatz der kulturellen Hegemonie für ihre Zwecke zu erschließen. Daraus wollte die NR ein metapolitisches Konzept herausbilden, um in einem langfristigen Kulturkampf das Konfliktfeld von politischen Institutionen sowie von Regierung und Parlament in die politische Agitation, von tagespolitischen Auseinandersetzungen hin zu den Debatten ums Grundsätzliche, herausarbeiten (vgl. Pfeiffer, 2004, 58/59).
Alain de Benoist stellt in seinem Werk die Frage, ob das Wesentliche noch in der Arena der „Politik der Politiker“ ausgefochten wird. „Sind die Wahlkämpfe nicht eher die Gelegenheit, auf konkrete Weise die politischen Resultate eines diffusen Handelns „metapolitischen“ Typs zu messen, das anderswo als im engen Kreis der Parteistäbe ins Werk gesetzt wird? Diese Frage zu stellen heißt, die Existenz einer kulturellen Macht zur Sprache zu bringen, die sich parallel zur politischen Macht installiert hat und dieser in gewisser Weise vorausgeht“ (de Benoist, 1985, 40). Er erkennt hier also den ungeheuren Gehalt der kulturellen Macht, die einer politischen Macht immer vorausginge. De Benoist ist der Ansicht, dass man künftig nicht mehr von einer Neutralität ausgehen kann, weil zu schweigen bedeute nur, dass denjenigen, die reden, zusätzlich Macht erteilt werde.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einführung thematisiert die Rezeption Gramscis in der Bundesrepublik Deutschland und erläutert die Bedeutung der Begrifflichkeiten "links" und "rechts" für die Fragestellung der Arbeit.
2. Antonio Gramsci - eine kurze Biographie: Das Kapitel zeichnet den Lebensweg und die politischen Erfahrungen Gramscis nach, die maßgeblich zur Entwicklung seiner zentralen Theoriekonzepte beitrugen.
2.1. Stellungskrieg und Bewegungskrieg: Hier werden die theoretischen Überlegungen Gramscis zum Wandel revolutionärer Strategien vom Bewegungskrieg zum Stellungskrieg in westlichen Gesellschaften dargelegt.
2.2. Hegemoniekonzeption: Dieses Kapitel definiert den für Gramsci zentralen Hegemoniebegriff und grenzt ihn von reiner staatlicher Herrschaft und Zwang ab.
3. Die Neue Rechte in der Bundesrepublik Deutschland: Es erfolgt eine definitorische Annäherung an das Spektrum der Neuen Rechten und deren Bemühen um eine kulturelle Hegemonie.
3.1. Criticón: Das Kapitel analysiert die Rolle der Zeitschrift Criticón als publizistisches Forum und Brückenelement für neurechte Diskurse.
3.2. Adaption Gramscianischer Konzepte bei Alain de Benoist: Hier wird untersucht, wie der Vordenker Alain de Benoist Gramscis Theorien in ein metapolitisches Konzept für die Rechte übersetzt.
4. Schlussbetrachtungen: Das Fazit bewertet den Rekurs der Neuen Rechten auf Gramsci als weitgehend oberflächlich und strategisch misslungen.
Schlüsselwörter
Antonio Gramsci, Hegemonie, Neue Rechte, Stellungskrieg, Kulturrevolution, Criticón, Alain de Benoist, Metapolitik, Zivilgesellschaft, Rechtsintellektuelle, Gegenkultur, Theorie der Praxis, politischer Diskurs, Machtstrategie, Ideologie.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die Übernahme und Verwendung von Konzepten des italienischen Marxisten Antonio Gramsci durch Vertreter der Neuen Rechten in Deutschland.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Im Zentrum stehen die Begriffe der kulturellen Hegemonie, des Stellungskrieges sowie die Strategien der metapolitischen Einflussnahme und Kulturrevolution.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie die Neue Rechte versucht, Gramscis Theorie für eigene Zwecke zu adaptieren und inwiefern dies eine theoretische Umdeutung oder sogar eine "soziologische Blindheit" darstellt.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit stützt sich auf eine politikwissenschaftliche Diskurs- und Literaturanalyse, wobei primäre Texte der Neuen Rechten sowie theoretische Werke zu Gramsci ausgewertet werden.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Fundierung (Gramscis Konzepte) und eine empirisch-analytische Untersuchung der neurechten Praxis (Zeitschrift Criticón, Alain de Benoist).
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die wichtigsten Begriffe sind Hegemonie, Neue Rechte, Kulturrevolution, Stellungskrieg und Metapolitik.
Welche Rolle spielt die Zeitschrift Criticón in dieser Analyse?
Criticón wird als zentrales publizistisches Organ analysiert, das als intellektuelle Schnittstelle und Brückenelement für neurechte Ideologien fungierte.
Wie bewertet der Autor die neurechte Rezeption von Gramsci?
Der Autor kommt zu dem Schluss, dass die Rezeption oberflächlich bleibt und die Neue Rechte lediglich Bruchstücke der Hegemoniekonzeption für ihre Zwecke herausbricht.
- Arbeit zitieren
- Robert Offermann (Autor:in), 2010, Gramscis Konzeption der Hegemonie und die versuchte Adaption der Neuen Rechten in der Bundesrepublik Deutschland, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/193782