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Nationsbildung und Zusammenbruch der multiethnischen Gesellschaft im ehemaligen Jugoslawien

Titel: Nationsbildung und Zusammenbruch der multiethnischen Gesellschaft im ehemaligen Jugoslawien

Hausarbeit (Hauptseminar) , 2010 , 29 Seiten , Note: 1,4

Autor:in: Diplom Politologe Robert Offermann (Autor:in)

Soziologie - Politik, Majoritäten, Minoritäten
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Zusammenfassung Leseprobe Details

In der vorliegenden Arbeit beschäftige ich mich mit den Prozessen der Nationsbildung im ehemaligen Jugoslawien.
Zunächst ist es sicherlich für das allgemeine Verständnis wichtig, einen kurzen Überblick über die Nationalismusforschung zu geben und auf verschiedene Theoretiker und Denklinien näher einzugehen.
Die ethnischen Säuberungen und die damit verbundenen Völkermordaktivitäten sind unauflöslich mit dem Scheitern der jugoslawischen Idee des 19. Jahrhunderts, dem Zusammenbruch des jugoslawischen Staates im 20. Jahrhundert und den Kriegen um die Nachfolge Jugoslawiens verknüpft. Der Vorgang ist längst nicht abgeschlossen. Die Bildung neuer Staaten ist längst nicht vollzogen. Der Zusammenbruch Jugoslawiens und die Entstehung neuer Staaten wurzeln in der Geschichte von Nationalismus und Krieg in dieser Region im 20. Jahrhundert (vgl. Naimark, 2009, 175).
Im weiteren Verlauf der Arbeit gehe ich auf konkrete Nationsbildungsprozesse im ehemaligen Jugoslawien ein, um schließlich einen kurzen Überblick über die Historiographie einzubringen. Ich werde mich auf den Zeitrahmen von der Gründung der ersten Republik in Jugoslawien 1918 und dem vollkommenen Zusammenbruch 1991 beschränken müssen. Allerdings ist es außerordentlich wichtig für das Verständnis der Konfliktsituation im (heutigen) ehemaligen Jugoslawien, dass man die Schlacht vom Amselfeld im 14. Jahrhundert und die Entstehungsgeschichte zum Ersten Weltkrieg näher beleuchtet. Ferner ist es für das
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Verständnis der Nationsbildung notwendig, dass man auf Ereignisse im 18. und 19. Jahrhundert zurückblickt.
Räumlich wende ich mich Jugoslawien und teilweise den Nachbarstaaten zu. Beim geschichtlichen Überblick betrachte ich in erster Linie die innenpolitischen Ereignisse und vernachlässige soziale und wirtschaftliche Entwicklungen. Lediglich, wo ich dies für das weitere Verständnis für angebracht halte, werde ich darauf näher eingehen. Abschließend erörtere ich in den Schlussbetrachtungen die Gründe für die Kriege im ehemaligen Jugoslawien und versuche, zu einem Ausblick zu gelangen.

Leseprobe


Inhaltsverzeichnis

1. Einführung

2. Nationalismstheorien

2.1. Ernest Gellner

2.2. Benedict Anderson

2.3. Eric Hobsbawm

2.4. Ernest Renan

2.5. Anthony D. Smith

3. Geschichte Jugoslawiens von 1918 bis 1991

4. Nationsbildung im ehemaligen Jugoslawien

5. Schlussbetrachtungen

Zielsetzung & Themen

Diese Arbeit analysiert die komplexen Prozesse der Nationsbildung im ehemaligen Jugoslawien sowie die Ursachen für den Zerfall des multiethnischen Staates. Im Zentrum steht dabei die Untersuchung, wie historisch gewachsene Mythen, nationale Identitätskrisen und politische Fehlentwicklungen zur Eskalation ethno-nationaler Konflikte beigetragen haben.

  • Überblick über grundlegende Nationalismustheorien (Gellner, Anderson, Hobsbawm, Renan, Smith)
  • Historische Aufarbeitung der jugoslawischen Geschichte von 1918 bis 1991
  • Analyse der Nationsbildungsprozesse und der Bedeutung von Mythen (z.B. Amselfeld-Mythos)
  • Diskussion der Gründe für das Scheitern des jugoslawischen Zusammenlebens
  • Betrachtung der Folgen politischer Hegemoniebestrebungen und ethnischer Identitätskonflikte

Auszug aus dem Buch

2.4. Ernest Renan

Ernest Renan war ein französischer Schriftsteller und Gelehrter. Er beschäftigte sich im 19. Jahrhundert mit dem Nationalismus. 1882 hielt er eine Rede an der Universität Sorbonne in Paris, wo er die Frage stellte: „Was ist eine Nation?“.

Das 19. Jahrhundert war eine Hochzeit des Nationalismus und Renan verstand eine Nation als neuartiges Phänomen. Ein wesentliches Merkmal von einer sich konstituierenden Nation ist das Vergessen beziehungsweise der historische Irrtum, den Nationen an den Tag legen. Zu den Kennzeichen von Nationen schreibt er: „Es macht jedoch das Wesen einer Nation aus, dass alle Individuen vieles miteinander gemein haben, und auch, dass sie viele Dinge vergessen haben. Eine moderne Nation ist demnach das historische Ergebnis einer Reihe von Tatsachen, die in dieselbe Richtung weisen“.

Für Renan gibt es mehrere Faktoren, die für eine Nationsbildung wesentlich sind, wie zum Beispiel Rasse, Sprache, Religion, Interessen und Geographie, die er nach deren Wirkmächtigkeit untersucht. Nach Ansicht von Renan bleibt die Rasse der Bevölkerung gleich, so dass diese daraus eine Legitimität begründet. Allerdings räumt er ein, dass keine Rasse wirklich rein sein kann und die Rasse als konstituierender Faktor immer mehr an Bedeutung verliert.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einführung: Darstellung der Ausgangslage des Konflikts im ehemaligen Jugoslawien und Definition des thematischen Rahmens sowie der wissenschaftlichen Zielsetzung.

2. Nationalismstheorien: Theoretische Auseinandersetzung mit verschiedenen Ansätzen zur Entstehung von Nationen und Nationalismus durch namhafte Theoretiker wie Gellner und Anderson.

3. Geschichte Jugoslawiens von 1918 bis 1991: Historischer Abriss über die wechselvolle Geschichte des Staates, geprägt von ethnischen Spannungen und den Versuchen der Hegemoniebildung.

4. Nationsbildung im ehemaligen Jugoslawien: Untersuchung der spezifischen Prozesse der Identitätsstiftung und der Rolle von Mythen für die Nationalbewegungen im jugoslawischen Raum.

5. Schlussbetrachtungen: Reflexion über die Ursachen des Zerfalls, die Rolle von Mythenbildung und die kritische Bewertung der Zukunftsaussichten für die Region.

Schlüsselwörter

Jugoslawien, Nationalismus, Nationsbildung, Ethno-nationaler Konflikt, Amselfeld-Mythos, Zerfall Jugoslawiens, Identität, Konstruktivismus, Slobodan Milošević, Ethnische Säuberung, Südosteuropa, Staatsbildung, Titoismus, Geschichte, Minderheiten

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit befasst sich mit der soziologischen und historischen Analyse der Nationsbildung und den Ursachen für den Zerfall des multiethnischen Staates Jugoslawien.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Die zentralen Felder umfassen Nationalismustheorien, die Geschichte Jugoslawiens im 20. Jahrhundert, die Bedeutung historischer Mythen für politische Prozesse sowie die Problematik ethnischer Konflikte.

Was ist das primäre Ziel der Arbeit?

Das Ziel ist es, die tieferliegenden Prozesse und Identitätskonflikte offenzulegen, die den Zusammenbruch des jugoslawischen Staates und die nachfolgenden ethno-nationalen Kriege erklärbar machen.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Es handelt sich primär um eine theoretische Literaturanalyse, die verschiedene nationalismustheoretische Ansätze und historische Fakten verknüpft, um das Phänomen des Nationsbildungsprozesses zu dekonstruieren.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil erstreckt sich von einer theoretischen Fundierung durch Nationalismustheorien über eine chronologische Geschichtsaufarbeitung bis hin zur detaillierten Analyse der Nationsbildungsprozesse und der zerstörerischen Rolle politischer Mythen.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie Nationalismus, Nationsbildung, Jugoslawien, Identität, Konflikt, Mythos und Zerfall charakterisiert.

Welche Rolle spielte der Kosovo-Mythos für die serbische Politik in den 1980er Jahren?

Der Kosovo-Mythos diente Slobodan Milošević als zentrales Instrument der Mobilisierung. Durch die historische Aufladung der Niederlage von 1389 wurde ein Gefühl der Bedrohung und des notwendigen Widerstands erzeugt, das die Eskalation im Kosovo vorantrieb.

Wie bewertet der Autor die Zukunft der Region?

Der Autor ist skeptisch bezüglich der Zukunft der Region, da sich in der langen Geschichte eine tiefe "Gewaltkultur" herausgebildet habe. Hoffnung wird lediglich auf eine friedliche Koexistenz als souveräne Nachbarstaaten gesetzt.

Ende der Leseprobe aus 29 Seiten  - nach oben

Details

Titel
Nationsbildung und Zusammenbruch der multiethnischen Gesellschaft im ehemaligen Jugoslawien
Hochschule
Philipps-Universität Marburg  (Institut für Soziologie)
Veranstaltung
Zur Soziologie der Konflikte im ehemaligen Jugoslawien
Note
1,4
Autor
Diplom Politologe Robert Offermann (Autor:in)
Erscheinungsjahr
2010
Seiten
29
Katalognummer
V193794
ISBN (eBook)
9783656188575
ISBN (Buch)
9783656189398
Sprache
Deutsch
Schlagworte
nationsbildung zusammenbruch gesellschaft jugoslawien
Produktsicherheit
GRIN Publishing GmbH
Arbeit zitieren
Diplom Politologe Robert Offermann (Autor:in), 2010, Nationsbildung und Zusammenbruch der multiethnischen Gesellschaft im ehemaligen Jugoslawien, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/193794
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Leseprobe aus  29  Seiten
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