Die gegenwärtige deutsche Gesellschaft als ein Teil der Weltrisikogesellschaft


Hausarbeit, 2012

17 Seiten, Note: 2,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einführung

I. Die theoretischen Grundlagen der Weltrisikogesellschaft
1. Das Konzept der Weltrisikogesellschaft von Ulrich Beck
a) Die Risikogesellschaft als Grundlage für die Weltrisikogesellschaft
b) Besonderheiten des Konzeptes der Weltrisikogesellschaft
2. Alternative Verständnisse der Risikogesellschaft
3. Allgemeine Kriterien der Weltrisikogesellschaft

II. Die Entwicklungslage der gegenwärtigen deutschen Gesellschaft
1. Definition von Begriffen
2. Herleitung einer wissenschaftlichen Hypothese
3. Subsumierung der Kernelemente und Kerninstitutionen der gegenwärtigen deutschen Gesellschaft unter das allgemeine Konzept der Weltrisikogesellschaft

Fazit

Literaturverzeichnis

Einführung

In der modernen Politikwissenschaft wird „ökologisches politisches Denken“ als die vierte politische Strömung neben Konservatismus, Liberalismus und Sozialismus betrachtet. Da die ökologischen Probleme sich vermehren, erhebliche Gefahren für die menschliche Zivilisation darstellen und sogar im bestimmten Grad ihre Existenz bedrohen, werden sie immer öfter auf dem wissenschaftlichen und politischen Niveau betrachtet. In diesem Bezug werden im Rahmen des Ökologismus im 20. Jahrhundert mehrere Theorie und Konzeptionen entwickelt, und die Theorie der Weltrisikogesellschaft von Ulrich Beck gehört zu den bedeutsamsten von ihnen, weil er die ganze Welt als eine Gemeinschaft betrachtet, die sich in der Umwandlung befindet und somit die neuen Herausforderungen für die Politik, Wirtschaft und den sozialen Bereich bringt. Selbstverständlich kann solche gesellschaftliche Umstrukturierung auch für Deutschland aktuell sein.

In dieser Hinsicht lässt sich die folgende Fragestellung formulieren: ob sich in der deutschen Gesellschaft die gleichen Merkmale zeigen, die aus der wissenschaftlichen Sicht als typisch für die Weltrisikogesellschaft angesehen werden? Um die vorliegende Fragestellung zu beantworten, werden vor allem die theoretischen Grundlagen der Weltrisikogesellschaft betrachtet, die von Ulrich Beck und anderen Sozial- und Politikwissenschaftlern ausgearbeitet wurden. Aufgrund dieser theoretischen Grundlagen werden die Kernelementen und Kerninstitutionen bestimmt, die für die Weltrisikogesellschaft typisch sind, ihre allgemeinen Kriterien bilden und gleichzeitig empirisch überprüfbar sind. Danach werden die entsprechenden Kernelementen und Kerninstitutionen der gegenwärtigen deutschen Gesellschaft unter den allgemeinen Kriterien der Weltrisikogesellschaft subsumiert, indem sie auch durch qualitative oder quantitative Daten bestätigt oder widerlegt werden. Außerdem wird vorher die Gesamtheit des Begriffs „gegenwärtige deutsche Gesellschaft“ definiert und die wissenschaftlich operationalisierbare Hypothese entwickelt, die vermutet, dass die gegenwärtige deutsche Gesellschaft ein Teil der Weltrisikogesellschaft ist.

I. Die theoretischen Grundlagen der Weltrisikogesellschaft

Die ersten wissenschaftlichen Grundlagen der Weltrisikogesellschaft wurden durch das bereits erwähnte Werk von Ulrich Beck im Jahre 1986 formuliert. Danach hat Beck sein Konzept weiterentwickelt, indem er die theoretischen Grundlagen für die Weltrisikogesellschaft ausgearbeitet hat. Außerdem werden die beiden Konzepte von Ulrich Beck kritisiert und gleichzeitig sind alternative und ergänzende Definitionen der Weltrisikogesellschaft im Laufe der Zeit entstanden. Heute bilden sie alle die theoretischen Grundlagen der Weltrisikogesellschaft.

1. Das Konzept der Weltrisikogesellschaft von Ulrich Beck

a) Die Risikogesellschaft als Grundlage für die Weltrisikogesellschaft

Die Grundlage der von Ulrich Beck dargestellten Theorien der Risikogesellschaft und der Weltrisikogesellschaft ist der Kernbegriff von Risiko, durch das die ganze moderne Gesellschaft geprägt wird. In dem vorliegenden theoretischen Rahmenbezug wird ein Risiko als zukünftige globale Gefährdungslage verstanden, die durch das menschliche Handeln, insbesondere durch die industrielle Fortschrittsmaschinerie und die Entscheidungen technisch-ökologischer Art entsteht, für die ganze Menschheit und Natur droht, sich mit der weiteren Entwicklung von Industrie und Technik weiter verschärft und deren Konsequenzen unabsehbar werden (vgl. Beck 1986: 28-29; vgl. Beck 1989: 3; vgl. Beck 2007: 29; Krücken 1997: 31). Ein Risiko hat die folgenden Merkmale (vgl. Beck 1986: 29-31):

- es setzt oft irreversible Schädigungen frei, bleibt im Kern unsichtbar und wird nur durch das menschliche Wissen wahrgenommen;
- es produziert soziale Gefährdungslagen, die auch für seine Verursacher gelten und vor allem solche Bereiche wie Gesundheit, Legitimation, Besitz und Gewinn betreffen;
- internationale Ungleichheiten, einerseits zwischen Dritter Welt und Industriestaaten, andererseits zwischen den Industriestaaten untereinander, entstehen durch Risiken;
- ein Risiko enthält ein politisches Potential von Katastrophen, deren Abwehr und Handhabung eine Reorganisation von Macht und Zuständigkeit einschließen kann; somit kann der Ausnahmezustand zum Normalzustand werden.

Als Beispiele für Risiken können industrielle Unfälle, Kriege, terroristische Anschläge, Erdbeben, Tsunami, Klimakatastrophen, globale Finanz- und Wirtschaftskrisen dienen (vgl. Beck 2007: 48).

Außerdem zeichnet sich die Risikogesellschaft durch die folgenden Veränderungen der sozialen Beziehungen:

- Einführung von Grenzwerten, der sozialen Konstruktionen, die die Menge von Emissionen angeben, die ohne bedenkliche Nebenfolgen für Menschen und Natur ausgestoßen werden dürfen, und somit die Umweltverschmutzung legitimieren (vgl. Beck 1986: 85-87; vgl. Stein 2007: 732 -733);
- Entstehung der „institutionenabhängigen Individuallagen“, indem ein Individuum einerseits seine soziale Verortung oder Klassen- und Schichtzugehörigkeit verliert und selbst für seine Schicksal verantwortlich wird; andererseits bleibt er aber von solchen ihn umgebenden Strukturen und Institutionen, wie Bildungssystem, Arbeitsmarkt, sozialpolitische Fixierung des Rentenalters, Mobilitätschancen, Familienverhältnisse abhängig (vgl. Beck 1986: 211-212; Stein 2007: 734);
- Auflösung von traditionellen Familienformen mit gleichzeitiger Stärkung des Individualismus, indem das traditionelle Rollenmuster für Geschlechter sich aufbricht und die soziale Gleichstellung von Mann und Frau rechtlich und tatsächlich stärker wird (vgl. Beck 1986: 169-172; vgl. Stein 2007: 735);
- die Wissenschaft wird „reflexiv“, weil sie sich mit den Ursachen, Definitionen und Quellen von Risiken beschäftigt, die selbst als Produkte des wissenschaftlichen Denkens und der wissenschaftlichen Tätigkeit gelten (vgl. Beck 1986: 254-255); andererseits werden Technik und Wissenschaft Monopolisten in der Gefahrendiagnose und auf diese Weise erwerben sie einige Instrumente der gesellschaftlichen und politischen Steuerung (vgl. Beck 2007: 75);
- das politische System verändert sich grundlegend, indem auf der einen Seite nur ein Teil der gesellschaftsgestaltenden Entscheidungskompetenzen im politischen System gebündelt und den Prinzipien der parlamentarischen Demokratie unterworfen wird; der andere Teil der gesellschaftsgestaltenden Entscheidungskompetenzen (insbesondere wissenschaftlicher und wissenschaftlich-technischer Art) wird dabei an die Unternehmen und der Wissenschaft delegiert und somit den Regeln öffentlicher Kontrolle und Rechtfertigung entzogen; auf der anderen Seite werden die vormals unpolitischen Sachfragen zu den politischen und sie werden oft durch die sozialen Bewegungen und anderen außerparlamentarischen Institutionen vertreten (vgl. Beck 1986: 302, 305; vgl. Stein 2007: 736-737).

[...]

Ende der Leseprobe aus 17 Seiten

Details

Titel
Die gegenwärtige deutsche Gesellschaft als ein Teil der Weltrisikogesellschaft
Hochschule
Christian-Albrechts-Universität Kiel  (Institut für Sozialwissenschaften)
Veranstaltung
Seminar: Ökologisches politisches Denken: theoretische Debatten und politische Programme
Note
2,0
Autor
Jahr
2012
Seiten
17
Katalognummer
V193796
ISBN (eBook)
9783656190073
ISBN (Buch)
9783656192176
Dateigröße
498 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Ökologie, Risikogesellschaft, Weltrisikogesellschaft, Ökologismus, Deutschland, gegenwärtige Gesellschaft, Ulrich Beck
Arbeit zitieren
Andrei Horlau (Autor), 2012, Die gegenwärtige deutsche Gesellschaft als ein Teil der Weltrisikogesellschaft, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/193796

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