Das folgende Kapitel beschreibt zunächst die Grundannahmen der Informationsverarbeitung, um diese, anhand des Sequenzmodells von Bless, Fiedler und Strack (2004), im weiteren Verlauf noch genauer zu behandeln. Im zweiten Kapitel werden die vier großen Heuristiken der Urteilsbildung erläutert, wobei der Fokus auf der Anker- und Anpassungsheuristik liegt.
Am Ende dieser Arbeit, werden relevante Aspekte, in der Zusammenfassung noch einmal kurz aufgeführt.
Inhaltsverzeichnis
1. Die menschliche Informationsverarbeitung
1.1. Sequenzmodell der Informationsverarbeitung
1.2. Zusammenfassung
2. Heuristiken der Urteilsbildung
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die menschliche Informationsverarbeitung unter dem Aspekt kognitiver Ressourcenbeschränkungen und analysiert, wie Menschen durch den Einsatz von Heuristiken trotz Informations- und Zeitmangel zu effizienten Urteilen gelangen.
- Grundannahmen der Informationsverarbeitung und das Sequenzmodell
- Kognitive Ökonomie und die Rolle von Schemata
- Differenzierung zwischen Repräsentations-, Verfügbarkeits-, Simulations- und Ankerheuristik
- Analyse der Robustheit der Anker- und Anpassungsheuristik in wirtschaftlichen und juristischen Kontexten
Auszug aus dem Buch
Die Anker- und Anpassungsheuristik
Die Anker- und Anpassungsheuristik, bezieht sich auf quantitative Schätzurteile. Wird eine Person mit einem Ankerwert konfrontiert (anchoring), wird dieser an die situativen Bedingungen solange angepasst, bis ein adäquates Urteil erreicht wird (adjustment). Da der justierte Wert aber von dem Ausgangswert ausgeht, lässt sich bei einer Analyse der quantitativen Schätzungen von Probanden stets eine deutliche Verzerrung in Richtung des Ankerwertes feststellen. Der Ankereffekt ist vor allem auch durch seine außerordentliche Robustheit von großer Bedeutung. Verschiedene Untersuchungen zeigten, dass eine Abschwächung/ Vernichtung dieses Effektes nahezu unmöglich ist.
So zeigte eine Aufklärung über den Ankereffekt und die ausdrückliche Aufforderung, sich nicht von vorangegangenen Werten beeinflussen zu lassen (Wilson, Houston, Etling, Brekke, 1996), ebenso wenig Wirkung, wie eine finanzielle Belohnungen für möglichst exakte Antworten (Wright, D. ,Anderson, A. (1989). Zeitverlauf (sofern der Anker nicht ganz vergessen wurde) hat einen eben mäßigen Einfluss auf die Stärke des Effekts, wie Strack & Mussweiler (1997) in einer Untersuchung über die Durchschnittstemperatur in Deutschland zeigten. Befragte man Probanden ob diese über oder unter 5°C bzw. 20°C liege, antworteten die Teilnehmer auch nach einer Woche noch im Durchschnitt mit 9,91°C bzw. 16,44°C. Selbst absurd hohe Anker können das Urteil kaum beeinflussen, wie eine Studie von Quattrone et al. (1982) zeigte. Studentinnen schätzten den Wert eines Schulbuches als höher ein, wenn sie zuerst gefragt wurden, ob der Wert über oder unter $ 7128.53 liege.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Die menschliche Informationsverarbeitung: Dieses Kapitel erläutert die Grundannahmen der menschlichen Informationsverarbeitung unter Berücksichtigung begrenzter kognitiver Ressourcen und führt das Sequenzmodell von Bless, Fiedler und Strack ein.
1.1. Sequenzmodell der Informationsverarbeitung: Hier wird die Abfolge von Wahrnehmung, Enkodierung, Kategorisierung und Inferenzbildung detailliert beschrieben und grafisch veranschaulicht.
1.2. Zusammenfassung: Dieser Abschnitt rekapituliert den Kreislauf der Informationsverarbeitung und leitet zur Notwendigkeit von Heuristiken als effiziente Bewältigungsstrategie über.
2. Heuristiken der Urteilsbildung: Das Kapitel definiert Heuristiken als Faustregeln zur schnellen Entscheidungsfindung und stellt vier zentrale Gruppen vor, wobei der Fokus auf der Anker- und Anpassungsheuristik liegt.
Schlüsselwörter
Informationsverarbeitung, Heuristiken, Urteilsbildung, kognitive Ressourcen, Sequenzmodell, Ankerheuristik, Repräsentationsheuristik, Verfügbarkeitsheuristik, Simulationsheuristik, Ankereffekt, kognitive Täuschung, Entscheidungsfindung, Schemata, kognitiver Geizhals, Basisraten.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht die menschliche Informationsverarbeitung vor dem Hintergrund, dass kognitive Ressourcen begrenzt sind und Menschen daher auf effiziente Strategien angewiesen sind.
Was sind die zentralen Themenfelder der Publikation?
Die Themenfelder umfassen die kognitive Psychologie der Informationsverarbeitung, das Sequenzmodell nach Bless, Fiedler und Strack sowie die Anwendung und Wirkung verschiedener Urteilsheuristiken.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie der Mensch trotz Informationsflut und Zeitdruck zu Entscheidungen kommt und warum dabei systematische Verzerrungen, insbesondere durch den Ankereffekt, entstehen.
Welche wissenschaftlichen Methoden werden verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer theoretischen Literaturanalyse und der Auswertung empirischer Studien, wie etwa dem Experiment zur Ankerheuristik im juristischen Kontext.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Darstellung des Sequenzmodells der Informationsverarbeitung und eine detaillierte Erläuterung der vier großen Heuristiken der Urteilsbildung.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit lässt sich durch Begriffe wie Informationsverarbeitung, Heuristiken, Ankereffekt, kognitive Ökonomie und Urteilsfehler beschreiben.
Warum ist der Ankereffekt besonders für wirtschaftliche Kontexte relevant?
Der Ankereffekt ist in wirtschaftlichen und juristischen Kontexten bedeutend, da er selbst bei Experten zu signifikanten Verzerrungen bei Preisbildungen oder Urteilsfindungen führen kann.
Wie robust ist der Ankereffekt gegenüber Gegenmaßnahmen?
Die Forschung zeigt, dass der Ankereffekt äußerst robust ist; weder Aufklärung über den Effekt noch finanzielle Anreize für Genauigkeit können ihn zuverlässig eliminieren.
Können mehrere Anker den Effekt aushebeln?
Nein, die in der Arbeit zitierte Studie von Schweizer verdeutlicht, dass selbst das Setzen eines Gegenankers nicht in der Lage ist, den Einfluss des initialen Ankers signifikant zu neutralisieren.
- Citar trabajo
- Julia Becker (Autor), 2012, Die menschliche Informationsverarbeitung im Rahmen der Heuristiken der Urteilsbildung, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/193853