Elitenrekrutierung in der BRD - Hat die Bildungsexpansion ihr Ziel verfehlt?


Hausarbeit, 2003

19 Seiten, Note: 2,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Die Bildungsexpansion
2.1 Ursachen der Bildungsexpansion
2.2 Folgen der Bildungsexpansion

3 Elitenrekrutierung in der BRD
3.1 Zum Begriff „Elite“
3.2 Soziale Herkunft der akademischen, bzw. wirtschaftlichen Elite
3.3 Die Bildungsexpansion und die Rekrutierung der Wirtschaftselite
3.4 Soziale Herkunft und Berufschancen
3.5 Schichtspezifischer Habitus

4 Resumée

5 Literaturverzeichnis

1 Einleitung

Seit der sogenannten Bildungsexpansion wurde vielfach diskutiert, ob im Zuge dessen die Chancen auf einen hohen akademischen Bildungsgrad für Kinder nicht- großbürgerlicher sozialer Herkunft verbessert und in dem Zusammenhang auch die Chancen auf eine hohe Position in der Wirtschaft erhöht wurden. In diesem Text soll nun beleuchtet werden, welchen Einfluss die Bildungsexpansion auf die Entwicklung einer Schicht-unabhängigen Chancengleichheit im Bereich Bildung und Qualifikation und letztlich im Bereich der Elitenrekrutierung gehabt hat und immer noch hat. Dabei werden zunächst die Ursachen und Folgen der Bildungsexpansion und schließlich, stützend auf eine empirische Untersuchung der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG)[1], die Elitenrekrutierung an deutschen Universitäten betrachtet.

2 Die Bildungsexpansion

Die Bedeutung des Begriffs „Bildungsexpansion“ lässt sich davon ableiten, dass seit den 50er Jahren ein „Ausbau der sekundären und tertiären Bereiche des Bildungswesens“ stattfand.[2] „Ausbau“ meint in diesem Sinne die kontinuierlich ansteigende Zahl von Menschen, die einen höheren Bildungsabschluss erlangen und somit auch längere Ausbildungszeiten absolvieren. Neben dem starken Zuwachs der Zahl der Abiturienten und Studenten an Universitäten, sind es zudem auch Merkmale, wie die „Einführung eines 9. (Vollzeit-) Pflichtschuljahres“, die „Einrichtung von Fachoberschulen als Brücke zwischen Realschulen und Fachschulen“ und die „Zunahme der Ausbildung an Vollzeitberufsschulen“[3], die das Phänomen und die Entwicklung der Bildungsexpansion sichtbar machen.

2.1 Ursachen der Bildungsexpansion

Die Ursachen der Bildungsexpansion liegen vor allem in der zunehmenden Wichtigkeit wissenschaftlicher, fachlich spezifischem Wissens im Zuge der fortschreitenden Differenzierung der Gesellschaft. Wissen, bzw. Bildung gilt als Humankapital, auf dessen Grundlage gesellschaftliche Zusammenhänge und Entwicklungen stattfinden, und ist zu einer maßgeblichen Bedingung für das Wachstum der Wirtschaft geworden.[4] Um auf dem Weltmarkt bestehen zu können, müssen Nationen beispielsweise in der Lage sein, technologische Neuerungen anwenden oder entwickeln zu können. Auch die Korrespondenz zwischen den Wirtschaftsnationen erfordert Kompetenzen, die nur durch höhere Bildungsstandards erreicht werden können. Gleiches gilt für die immer komplexer werdenden politischen Anforderungen, insbesondere im außenpolitischen Bereich. Im Zusammenhang damit, besteht auch innerhalb der Gesellschaften ein ständiger Wettbewerb um das Erlangen und Verbessern des individuellen sozialen und ökonomischen Status’. Besonders seit dem von Beck beschriebenen Individualisierungsschubes, wird das Individuum mit zahlreichen Anforderungen konfrontiert, die zur Findung und Anwendung von Bewältigungsstrategien einen weitaus höheren Bildungsstandard benötigen, als es vorher der Fall war. Wechselwirkend hatte die allgemeine Steigerung des Bildungsniveaus zur Folge, dass es erst zu den vielfach beschriebenen Individualisierungstendenzen kommen konnte. Hierzu zählen vor allem die „Verringerung der sozialen Ungleichheit zwischen den Geschlechtern“, die „Differenzierung der Formen privaten Zusammenlebens“ und die „Entstandardisierung des Lebenslaufs“.[5]

2.2 Folgen der Bildungsexpansion

Die Prinzipien einer kapitalistisch-marktwirtschaftlich geprägten Gesellschaft, wie die der BRD, verlangen dem Individuum ab, sich ohne die traditionalen leitgebenden Handlungsmuster einer ständisch geprägten Gesellschaft auf sein eigenes Schicksal zu konzentrieren, um nicht zuletzt auch durch das Erreichen von materiellem Wohlstand sozial aufzusteigen und gesellschaftlich unabhängig zu werden. Im Zuge der Verbesserung des Bildungsstandards und der Erhöhung der Chancen auf einen höheren Bildungsabschluss, der vielfach mit einem sozialen Aufstieg verbunden ist, tritt, nach Ulrich Beck, der so genannte ‚Fahrstuhleffekt’ zutage[6], der sich in einer generell besseren Lebenssituation für alle Bürger bemerkbar macht. Trotz der Tatsache, dass es im Allgemeinen zu mehr Wohlstand gekommen ist, bleiben aus einer Vielzahl von Gründen soziale Ungleichheiten bestehen. So steht zwar für jeden der (Aus-)Bildungssektor offen, dennoch fällt es Kindern niedrigerer Sozialmilieus nach wie vor schwerer einen höheren akademischen Bildungsgrad zu erlangen. Gründe dafür liegen vor allem in den Lerninhalten akademischer Ausbildungen und ihrer „Ferne zum kulturellen und sprachlichen Milieu der Unterschichten“[7] und in der damit zusammenhängenden, je nach Schicht- oder Milieuzugehörigkeit unterschiedlichen, Grundhaltung bezüglich der Förderung einer akademischen Bildung. „Die Sozialisationsvorteile der Kinder aus den oberen Schichten hängen mit der privilegierten finanziellen Situation dieser Familien zusammen, aber auch mit der höheren Bildung und der höheren Arbeitsqualität zumindest eines Elternteils, die wiederum das kommunikative und erzieherische Klima der Familie positiv beeinflussen.“[8]

Empirisch betrachtet zeigt sich am Beispiel des Freistaates Bayern im Jahre 1992, dass „94% der Oberschichtkinder“, „69% der Mittelschichtkinder“ und „38% der Unterschichtkinder“ bei „guten Schulnoten“ den Weg von der Grundschule hin zum Gymnasium einschlagen.[9]

[...]


[1] Vgl.: http://www.dfg.de/

[2] Geissler, Rainer (1996): Die Sozialstruktur Deutschlands, Opladen, S. 250.

[3] Geissler, Rainer (1996): Die Sozialstruktur Deutschlands, Opladen, S. 254.

[4] Vgl. Geissler, Rainer (1996): Die Sozialstruktur Deutschlands, Opladen, S. 252 ff.

[5] Geissler, Rainer (1996): Die Sozialstruktur Deutschlands, Opladen, S. 257.

[6] Vgl. Treibel, Annette (2000): Einführung in die soziologischen Theorien der Gegenwart, Stuttgart, S. 237.

[7] Geissler, Rainer (1996): Die Sozialstruktur Deutschlands, Opladen, S. 270.

[8] Geissler, Rainer (1996): Die Sozialstruktur Deutschlands, Opladen, S. 285 ff.

[9] Geissler, Rainer (1996): Die Sozialstruktur Deutschlands, Opladen, S. 268.

Ende der Leseprobe aus 19 Seiten

Details

Titel
Elitenrekrutierung in der BRD - Hat die Bildungsexpansion ihr Ziel verfehlt?
Hochschule
Ruhr-Universität Bochum  (Lehrstuhl Arbeitsorganisation und Arbeitsgestaltung)
Veranstaltung
Soziologie des Managements
Note
2,0
Autor
Jahr
2003
Seiten
19
Katalognummer
V19387
ISBN (eBook)
9783638235273
Dateigröße
487 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Elitenrekrutierung, Bildungsexpansion, Ziel, Soziologie, Managements
Arbeit zitieren
Linda Mathews (Autor), 2003, Elitenrekrutierung in der BRD - Hat die Bildungsexpansion ihr Ziel verfehlt?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/19387

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