Don Giovanni und die Frauen - Eine Analyse des Erfolges Don Giovannis bei den weiblichen Figuren in der Mozart-Oper


Seminararbeit, 2009

11 Seiten, Note: 2,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Don Juan – der Frauenverführer?

2. Don Giovanni und Donna Anna

3. Don Giovanni und Zerlina

4. Don Giovanni und Donna Elvira

5. Fazit – Don Juan, der Frauenverführer

Literaturverzeichnis

1. Don Juan – Der Frauenverführer?

Wir alle kennen „unseren“Don Juan, diese Figur, die skrupellos Frauen und Mädchen umgarnt, ihnen die Unschuld oder die Ehre raubt, diesen Libertin aus der spanischen Literatur, diese Personifizierung des Frauenverführers.

Don Juan ist „mehr als eine Theaterfigur“[1], er ist ein Mythos.

Sobald jemand von einem Mann erzählt, der bei Frauen recht erfolgreich ist – und dies im für ihn besten Falle auch schamlos ausnutzt -, wird jener nur allzu häufig als „Don Juan“ bezeichnet. Selbst wenn man keines der zahlreichen Bücher über den Verführer gelesen hat, so ist er doch den meisten ein Begriff. Der Charakter Don Juan ist dafür bekannt, jede Frau in sein Bett zu bekommen, die er ins Auge gefasst hat.

Betrachtet man nun die allgemein bekannte Oper „Don Giovanni“ von Mozart, so muss man jedoch verblüfft feststellen, dass die Titelfigur ihrem Ruf so gar nicht gerecht werden will. Ein Blick auf die drei weiblichen Protagonistinnen des Stückes zeigt, „Donna Anna vermag sich rechtzeitig seines Überfalls erwehren, die kokette Zerlina entgeht ihrer Verführung infolge eines Eingreifens von Donna Elvira. Und letztere selbst? Nicht wird sie von Don Giovanni verfolgt, vielmehr ist sie es, die den treulosen Eheversprecher jagt, um ihn erneut an sich zu binden.“[2]

Diese Beobachtung hat bereits zu vielen Spekulationen und Theorien geführt, es ist absolut augenscheinlich, dass ein erfolgloser Don Juan nicht so ins allgemeine Konzept passt. Ausgehend von jener Erkenntnis werde ich im Folgenden Don Giovannis Beziehungen zu Donna Anna, zu Zerlina und zu Donna Elvira untersuchen, alles unter dem fraglichen Aspekt eines „siegreichen Verführers“. Es wird bei einer reinen Textanalyse bleiben. Gewiss gibt es zahlreiche Inszenierungen, welche die These des „untypischen“ Helden unterstützen, oder konträr dazu wirken, in jedem Fall jedoch einen Kontrast setzen. Aber sie sind für die Argumentation nicht notwendig.

In diesem Sinne werde ich mich fast ausschließlich auf das Libretto beziehen, indem ich die Textstellen herausarbeite, die von Verführung handeln und der Einstellung der drei jeweiligen Damen zu Don Giovanni.

2. Don Giovanni und Donna Anna

Anders als bei vielen anderen Texten über Don Juan – beispielsweise in dem Theaterstück „Der Betrüger von Sevilla und der steinerne Gast“ von Tirso de Molina, dem literarischen Begründer Don Juans – beginnt die Oper „Don Giovanni“ bereits mit einem sexuellen Misserfolg. Don Giovanni versucht sich der jungen Donna Anna körperlich zu bemächtigen, doch das Ganze läuft lediglich darauf hinaus, dass er ihren Vater, den Komtur, ermordet.[3]

Stellt sich nicht bereits hierbei die Frage, ob das Unternehmen von Erfolg hätte gekrönt sein können, wenn nicht der besagte Komtur dazwischen gekommen wäre?

Zwar ist auch er kein gefährlicher Gegner für den Protagonisten, ihn „zu besiegen wär wenig Ehre“[4], dennoch scheint er der Einzige zu sein, der Donna Annas Hilferufe überhaupt wahrgenommen hatte.

Gerade ihre Hilferufe sind ein deutliches Zeichen dafür, dass Donna Anna nicht aus freiwilligem Antrieb ein Techtelmechtel mit Don Giovanni beginnen würde. Wahrscheinlich aus dem Grund, da sie mit Don Ottavio eine Verlobung eingegangen ist. Dieses Verhältnis wirft allerdings auch so seine Zweifel auf. Bietet Don Ottavio der Donna Anna Trost und Liebe an, weist sie ihn lediglich mit den Worten „O Gott, was verlangst du?“[5] zurück, als wäre der Gedanke, ihn demnächst zu heiraten, das Letzte, was sie wolle. Sicherlich steht die Rache für ihren Vater vorerst im Vordergrund, doch auch wenn diese mehr oder weniger vollzogen wurde, beziehungsweise der Übeltäter dem Jenseits angehört, ändert sich nichts an Donna Annas Verhalten. Weiterhin hält sie ihren Verlobten hin, vertröstet ihn lediglich damit, dass man in einem Jahr heiraten werde.[6]

Warum macht sie das? Sie selbst spricht davon, dass sie Ruhe für ihre Schmerzen braucht[7], doch welcher Art könnten diese Schmerzen sein? Ist sie tatsächlich noch so in ihrer Trauer um den Vater verfangen, dass sie deshalb den Verlobten auf Abstand halten muss? Oder steckt da was anderes dahinter? Würde es zu weit gehen, einen theoretischen Ansatz aufzustellen, Donna Anna könnte sich zu Don Giovanni entgegen ihrer Aussagen hingezogen fühlen?

Das harmonische Ende ihres Geständnisses vor Don Ottavio, lässt einen vermuten, dass „sie lügt; sie ist der Glut ihres Verführers erlegen, das grandiose Pathos ihrer folgenden Rachearie kommt aus dem Herzen einer tödlich verwundeten Frau.“[8]

Es bleibt immerhin zu beachten, dass in der Nacht ihrer missglückten Vergewaltigung sie es ist, die Don Giovanni aus dem Haus hinterherläuft. Und nicht umgekehrt.[9]

Ihren Verlobten holt sie erst hinzu, nachdem der Vater bereits aufgetaucht ist. Es wäre notwendig, sich einmal die exakten Geschehnisse der versuchten Vergewaltigung genauer anzusehen. Doch gerade das weist ein Problem auf.

Gegen die Verführungskünste eines galanten Don Juans spricht die ausführliche Beschreibung Donna Annas. Statt sie mit Charme und männlicher Ausstrahlung zu umgarnen, dringt Don Giovanni heimlich in ihre Gemächer ein, scheint ihr vorzuspielen, er sei Don Ottavio und packt sie schließlich fest mit den Armen, sobald sie diese Täuschung erkennt.[10] Mit einer Hand hält er sie fest, mit der anderen ihren Mund zu und nur mit Mühe, nur „durch heft’ges Ringen, Sträuben und Entwinden“[11] gelingt es Donna Anna, sich zu befreien. Wenn man die Sache einmal recht bedenkt, dann gelangt man unweigerlich zu der Erkenntnis, dass Don Giovanni selbst mit aggressivem Gewalteinsatz nicht sein gewünschtes Ziel erreicht. Dies lässt ohnegleichen nicht auf einen erfolgreichen Verführer deuten.

Kommen wir zu dem angedeuteten Problem zurück: woher weiß man genau, was sich zwischen Don Giovanni und Donna Anna abgespielt hat? Ihre Aussage ist die einzige, auf die man sich stützen kann und dabei muss zwingend berücksichtigt werden, wem gegenüber sie sich äußert. Und hierbei handelt es sich um niemand anderen, als um ihren Verlobten Don Ottavio. Wenn auch die Eheschließung von ihrer Seite aus immer wieder hinausgezögert wird, so scheint es jedoch nicht in ihrer Absicht zu liegen, Don Ottavio ganz zu verlieren. Wäre es nun nicht regelrecht unüberlegt, um nicht zu sagen dumm, dem Verlobten zu gestehen, man habe mit einem anderen Mann verkehrt, noch schlimmer, eventuell sogar Gefallen daran gefunden? Und wäre der Zusammenstoß zwischen Don Giovanni und Donna Anna rein theoretisch auf solcherlei Art und Weise abgelaufen, sprich: hätte Don Giovanni Erfolg gehabt, so würde Donna Anna dies Don Ottavio gewiss nicht auf die Nase binden. Mit einem Satz: Es lässt sich nicht mit Sicherheit feststellen, ob es Don Giovanni gelungen ist, sich des Körpers der Donna Anna zu bemächtigen oder eben nicht.

[...]


[1] Ulrich Schulz Buschhaus: Don Giovanni oder die Wandlungen eines Libertin. In: Dieter Borchmeyer (Hg.): Mozarts Opernfiguren. Bern u.a. 1992, S.71-92, hier S. 71

[2] Horst Albert Glaser: Don Giovannis Liste. Zur Textgeschichte der Registerarie. In: Dieter Borchmeyer (Hg.): Mozarts Opernfiguren. Bern u.a. 1992, S.93-114, hier S.95

[3] Vgl. Mozart: Don Giovanni. Frankfurt am Main 1989, S.17-19

[4] Vgl. Mozart, S.19

[5] Vgl. Mozart, S.165

[6] Vgl. Mozart, S.189

[7] Vgl. Mozart, S.189

[8] Oehlmann, Werner: Don Juan. Dichtung und Wirklichkeit. Frankfurt am Main 1965, S.29-30

[9] Vgl. Mozart, S.17

[10] Vgl. Mozart, S.69

[11] Vgl. Mozart, S.69

Ende der Leseprobe aus 11 Seiten

Details

Titel
Don Giovanni und die Frauen - Eine Analyse des Erfolges Don Giovannis bei den weiblichen Figuren in der Mozart-Oper
Hochschule
Ludwig-Maximilians-Universität München
Note
2,0
Autor
Jahr
2009
Seiten
11
Katalognummer
V193884
ISBN (eBook)
9783656191162
ISBN (Buch)
9783656191704
Dateigröße
421 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
giovanni, frauen, eine, analyse, erfolges, giovannis, figuren, mozart-oper
Arbeit zitieren
Stefanie von Rossek (Autor), 2009, Don Giovanni und die Frauen - Eine Analyse des Erfolges Don Giovannis bei den weiblichen Figuren in der Mozart-Oper, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/193884

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