Für die erfolgreiche Integration und das Zusammenleben sind gleiche Chancen unerlässlich, viel ist noch zu tun und hinzuzulernen.
Inhaltsverzeichnis
1 Ausgangslage/ Ist-Situation
2 Geschichte der Anwerbung
2.1 Die GastarbeiterInnen und ihre Einwanderungsgründe
2.2 1973 Anwerbestop
2.3 Probleme, die insbesondere mit dem Anwerbestop begonnen haben
2.3.1 Wohnsituation
2.3.2 Arbeit und Arbeitsmarkt
2.3.3 Verhältnis zwischen den Nichtdeutschen und der Mehrheitsgesellschaft
2.4 Die Zweite Generation
3 Ausländer-/Zuwanderungspolitik seit Beginn der Anwerberbung
4 Die Familie mit Migrationshintergrund heute
5 Die Bildungspolitik seit der Anwerbung
5.1 Zweitsprache und Zweisprachigkeit
5.2 Förderung der deutschen Sprache
5.3 Umgang und Förderung von Muttersprachen
6 Vorschulischer Bildung
7 Zuweisungsverfahren in die Sekundarstufe I
7.1 Zuweisung an Sonderschulen
8 Ausbildungsbeteiligung
9 Interkulturelle Öffnung der Schule
10 Diskriminierung/Rückzug
11 Schlussbemerkung
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Hintergründe der prekären Bildungssituation von Kindern und Jugendlichen nichtdeutscher Herkunftssprache mit einem Fokus auf Berlin, um die Ursachen für bestehende Bildungsbenachteiligungen zu analysieren und kritisch zu hinterfragen.
- Historische Entwicklung der Gastarbeiteranwerbung und Zuwanderungspolitik
- Sozioökonomische Situation von Migrantenfamilien und deren Einfluss auf den Bildungserfolg
- Effektivität bildungspolitischer Maßnahmen wie Sprachförderung und bilinguale Angebote
- Strukturelle Hürden im deutschen Bildungssystem, insbesondere bei der Zuweisung in die Sekundarstufe I
- Rolle von Diskriminierung und gesellschaftlichem Rückzug im Bildungsprozess
Auszug aus dem Buch
Die Zweite Generation
Die ausländerpolitische Leitlinie der Bundesregierung seit 1974 war: Eingliederung ja – Einwanderung nein. Durch diese Konzeption der Integration auf Widerruf ist eine für die zweite Generation in Deutschland besonders schwierige Lage entstanden. Kinder der ersten Generation sollten in das deutsche Schulsystem integriert werden, anderseits aber, um die Rückkehroption offen zu halten, den Kontakt zur Kultur und Sprache der Heimat nicht verlieren. Besonders schwierig war die Situation für Jugendliche, die erst später nach Deutschland kamen. Sie erlebten den mit der Übersiedlung verbundenen „Kulturschock“ in der Pubertät, sie hatten in der Regel keinen Beruf erlernt, sie verstanden kaum Deutsch, waren im kulturellen Umfeld ihres Heimatlandes sozialisiert worden und sahen sich vor entsprechend großen Problemen, sich an die neue Umgebung zu gewöhnen und mit deren Anforderungen fertig zu werden (Herbert 2001).
Die Arbeitslosigkeit wurde in der zweiten Generation mehr und mehr zum Problem. Drei Viertel aller 15 bis 24 Jährigen in der Bundesrepublik besaßen 1980 keinen Hauptschulabschluss, der sie zu einer qualifizierenden Berufsausbildung überhaupt erst befähigt hätte. Nach Umfragen bei den Eltern hatten 46 Prozent der 16 bis 20jährigen Kinder keine Arbeit oder Lehrstelle, noch gingen sie zur Schule. Zwei Drittel der 15 bis 19 Jährigen erhielten keinerlei berufliche Ausbildung; nur die Hälfte von ihnen kam der Berufsschulpflicht nach (Herbert 2001). Schon damals waren also ausländische Jugendliche von Arbeitslosigkeit viel stärker betroffen als deutsche Jugendliche. Diese junge Generation von EinwanderInnen saß regelrecht zwischen den Stühlen. Der Kontakt zum Herkunftsland der Eltern war oftmals nur noch mäßig ausgeprägt. Die Muttersprache wurde immer weniger beherrscht. Auch die Beherrschung der deutschen Sprache ließ zu wünschen übrig. Viele verließen die Schule ohne einen Abschluss.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Ausgangslage/ Ist-Situation: Analysiert die aktuelle statistische Datenlage zur Bildungsbeteiligung von Kindern und Jugendlichen nichtdeutscher Herkunftssprache in Berliner Schulen.
2 Geschichte der Anwerbung: Beleuchtet die historischen Anwerbeabkommen seit 1955 und die sozioökonomischen Rahmenbedingungen, die zur Etablierung einer dauerhaften Einwanderung führten.
3 Ausländer-/Zuwanderungspolitik seit Beginn der Anwerbung: Beschreibt die politische Weigerung Deutschlands, sich als Einwanderungsland zu definieren, und die Auswirkungen restriktiver Maßnahmen.
4 Die Familie mit Migrationshintergrund heute: Untersucht die Lebensumstände von Migrantenfamilien und die Auswirkungen bildungsferner Milieus auf die Zukunftschancen der Kinder.
5 Die Bildungspolitik seit der Anwerbung: Analysiert bildungspolitische Reaktionen, wie Sprachförderung und bilinguale Ansätze, auf die Migrationssituation.
6 Vorschulischer Bildung: Diskutiert die Bedeutung der frühkindlichen Bildung und die Problematik von Sprachstandsfeststellungen wie „Deutsch Plus“.
7 Zuweisungsverfahren in die Sekundarstufe I: Thematisiert die strukturelle Selektion im deutschen Schulwesen und die Überpräsentation von Migrantenkindern an Sonderschulen.
8 Ausbildungsbeteiligung: Beleuchtet die Barrieren für Jugendliche mit Migrationshintergrund beim Übergang in das duale Ausbildungssystem.
9 Interkulturelle Öffnung der Schule: Plädiert für Anerkennung und Mehrsprachigkeit als notwendige Prinzipien für eine moderne, inklusive Schulkultur.
10 Diskriminierung/Rückzug: Reflektiert über die Auswirkungen von Diskriminierungserfahrungen in Bildungsinstitutionen auf das Integrationsverhalten.
11 Schlussbemerkung: Zieht ein kritisches Fazit zur aktuellen Bildungs- und Integrationspolitik und fordert ein Umdenken zugunsten von Chancengleichheit.
Schlüsselwörter
Bildungssituation, Migrationshintergrund, Anwerbung, Gastarbeiter, Berlin, Sprachförderung, Zweitsprache, Sonderschule, Diskriminierung, Integration, Bildungschancen, Schulsystem, Ausländerpolitik, Mehrsprachigkeit, Chancengleichheit
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit untersucht die Hintergründe der schwierigen Bildungssituation von Kindern und Jugendlichen nichtdeutscher Herkunftssprache in Deutschland mit einem spezifischen Fokus auf der Hauptstadt Berlin.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Zu den Schwerpunkten zählen die Geschichte der Arbeitsmigration, die Auswirkungen der deutschen Zuwanderungspolitik, die sozioökonomische Lage von Migrantenfamilien sowie die Hürden im Bildungssystem, von der Vorschule bis zur Berufsausbildung.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage der Untersuchung?
Das Ziel ist es, die strukturellen Ursachen der Bildungsbenachteiligung von Kindern nichtdeutscher Herkunftssprache aufzudecken, die Rolle von Diskriminierung zu beleuchten und kritisch zu hinterfragen, wie das Bildungssystem mit dieser Heterogenität umgeht.
Welche wissenschaftliche Methode wird in der Arbeit verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer fundierten Literaturanalyse, der Auswertung statistischer Daten des Berliner Senats sowie der kritischen Auseinandersetzung mit bildungspolitischen Studien und Berichten zur Migrationsproblematik.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine historische Aufarbeitung der Anwerbung, eine Analyse der Bildungspolitik sowie der spezifischen Probleme bei Sprachförderung, Selektionsverfahren an Schulen und der Hürden beim Übergang in den Arbeitsmarkt.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren diese Arbeit?
Wichtige Begriffe sind unter anderem Migrationshintergrund, Bildungsintegration, Sprachkompetenz, Selektion, institutionelle Diskriminierung und interkulturelle Bildung.
Warum konzentriert sich die Arbeit explizit auf den Standort Berlin?
Da Bildungspolitik in Deutschland auf Länderebene geregelt wird, dient Berlin als repräsentatives Fallbeispiel, um die aktuelle Situation vor Ort detailliert und präzise untersuchen zu können.
Wie bewertet die Autorin die Wirksamkeit von Sprachfördermaßnahmen wie „Deutsch Plus“?
Die Arbeit stellt fest, dass diese Maßnahmen zwar notwendig sind, aber in der praktischen Umsetzung an Personalmangel und mangelnder Ausbildung der Erzieherinnen scheitern, was den immensen Handlungsbedarf verdeutlicht.
Welche Rolle spielen Sonderschulen im Kontext dieser Bildungsanalyse?
Die Arbeit kritisiert, dass Kinder nichtdeutscher Herkunftssprache an Sonderschulen überpräsent sind, da Sprachdefizite von Institutionen teils fälschlicherweise als generelle Lernbehinderung diagnostiziert werden, was den eigentlichen Förderauftrag der Sonderschule verfehlt.
Welche Schlussfolgerung zieht die Arbeit aus der historischen Rückschau?
Die Arbeit folgert, dass die jahrelange Weigerung der Politik, Deutschland als Einwanderungsland anzuerkennen, zu einem "Integrationsstau" geführt hat, dessen Folgen nun besonders im Bildungssystem sichtbar werden.
- Citation du texte
- Christian Winkelmann (Auteur), 2007, Hintergründe der Bildungssituation von Kindern und Jugendlichen nichtdeutscher Herkunftssprache mit Berlin als Schwerpunkt, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/193942