Die Schlacht bei Marathon


Seminararbeit, 2010

12 Seiten, Note: 2

T. Schlipfinger (Autor)


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

Hintergrund

Landung bei Marathon
Persische Truppenstärke
Griechische Reaktion auf persische Landung
Route nach Marathon
Schlachtvorbereitungen

Die Schlacht
Verlauf
Persische Flucht
Bedeutung der Schlacht

Zusammenfassung

Quellen- und Literaturverzeichnis

Quellen

Literatur

Einleitung

Es gibt wohl so viele Interpretationen der Schlacht von Marathon, wie es Historiker gibt, die sich mit ihr beschäftigen. Allein bei einem Satz sind sich die meisten einig (dieser findet sich daher auch in vielen der Einleitungen der jeweiligen Texte): „Herodotus’ narrative of marathon will not do.“[1] Doch wie umgeht man nun dieses Problem und welche Schlüsse ziehen die Historiker daraus? Kann man einen glaubwürdigen Schlachtverlauf rekonstruieren? Um diese Fragen soll es in dieser Arbeit gehen.

Dabei werde ich die Interpretationen dreier Historiker – namentlich N. A. Doenges, J. A. S. Evans und N. G. L. Hammond – analysieren und besonders auf die Gemeinsamkeiten in deren Theorien eingehen um daraus den wahrscheinlichsten Schlachtverlauf herauszufinden.

Die Arbeit wird sich dabei nach der Chronologie der Ereignisse in drei Teile gliedern. Erstens die Gründe für die Schlacht. Zweitens die Geschehnisse ab der Landung der Perser in Marathon. Als letzter Punkt werden die Schlacht selbst inklusive der mittelbaren und unmittelbaren Folgen derselben sowie deren Bewertung im Lauf der Geschichte behandelt. Dabei werde ich immer zum einen den von Herodot hinterlassenen Text und die Theorien der drei genannten Forscher gegenüberstellen um so den wahrscheinlichsten Hergang zu eruieren.

Ziel soll es also einerseits sein, einen auf die Fakten heruntergebrochenen Ablauf der Schlacht sowie die Gründe und die Folgen derselben zu erhalten. Zum anderen sollen die fragwürdigen Passagen in Herodot’s Erzählung anhand der Interpretationen dreier moderner Historiker betrachtet und auf ihre Bedeutung hin analysiert werden.

Somit sollte es gelingen, ein wenig Licht auf eine, wenn schon nicht herausragend bedeutende, dann aber doch viel erforscht und heiß umstrittene Schlacht der Weltgeschichte zu werfen.

Hintergrund

Die Gründe für die Schlacht von Marathon sind relativ eindeutig zu identifizieren. Es handelte sich hierbei um eine persische Strafexpedition. 492 v. Chr. hatte Athen den sogenannten Ionischen Aufstand[2] unterstützt, indem es, zusammen mit Eretria, Truppen zur Unterstützung schickte. Die Revolte scheiterte letztendlich und der persische König Dareios I. schickte sich an, Athen und Eretria für ihr Einmischen zu bestrafen. Erschwerend kam hierbei noch hinzu, dass sich Athen in den Augen Dareios’ in einem Status, ähnlich dem eines Untertanen, befand, seit es 506 v. Chr. einmal um persische Hilfe angesucht hatte. So sendete er dann schließlich 490 v. Chr. Datis und Artaphernes in die Ägäis, mit dem Ziel Athen und Eretria einzunehmen.[3]

Dem ging ein missglückter erster Versuch unter Mardonios, dem Vetter und Schwager des späteren persischen Königs Xerxes I. voran. Dieser kenterte am Berg Athos mit seiner Flotte und verlor dabei laut Herodot dreihundert Schiffe sowie zwanzigtausend Mann. Schon damals sah Herodot den Aspekt der Strafe allerdings nur als Vorwand, in Wahrheit wollte Dareios „so viele hellenische Städte wie nur eben möglich unterwerfen“.[4] Norman Doenges geht noch weiter und vertritt die Ansicht, dass auch die kykladischen Inseln unmittelbare Ziele der Perser gewesen wären und nicht, wie von Herodot angedeutet, eben nur auf der Ausweichroute rund um Athos gelegen hätten.[5] Fakt ist jedenfalls, dass sie auf ihrem Weg nach Athen und Eretria auch noch andere Orte wie zum Beispiel Naxos und – nach einer kurzen Schlacht – Karystos einnahmen.[6] Schließlich landeten die Perser bei Eretria. Bei Herodot lesen wir weiter, dass es zwei Parteien in der Stadt gab. Die eine wollte die Stadt aufgeben und flüchten, die andere aber war bereit, die Stadt an die Perser zu verraten, da sie sich daraus Vorteile erhoffte. Letztendlich entschieden sie sich dazu, in der Stadt zu bleiben und diese so lange wie nur möglich zu verteidigen.[7] Nach sechs Tagen voll schwerer Kämpfe wurde die Stadt schließlich verraten und eingenommen. Deren Bevölkerung wurde versklavt.[8] Zuvor hatte Eretria noch Athen um Hilfe gebeten, der ankommende Trupp von viertausend Mann wurde aber über den bevorstehenden Verrat informiert und wieder zurückgeschickt.[9]

Landung bei Marathon

Durch diesen Erfolg bestärkt, gedachten die Perser offensichtlich, die gleiche Taktik bei den Athenern anzuwenden. Auch hier hoffte man auf einen Verrat, und diese Hoffnung war auch nicht unbegründet. Es gab in Athen tatsächlich politischen Rückhalt für den ehemaligen Tyrannen Hippias, der die Perser begleitete.[10]

Warum aber entschloss sich die persische Führung dazu, genau in Marathon zu landen? Herodot gibt als Grund die Nähe zu Eretria an und erwähnt weiters die Tatsache, dass Marathon der einzige Ort war, an dem man vernünftig eine Kavallerie einsetzen konnte.[11] Evans zweifelt allerdings an diesen Gründen und gibt an, dass zum Beispiel Oropos dafür besser geeignet gewesen wäre.[12] Die Athener selbst rechneten dabei mit einer Landung in Aegina, das war auch der Grund, warum sie es als Gefahr neutralisierten.[13]

Evans sieht den wahren Grund der Landung bei Marathon in Hippias. Dieser hatte dieselbe Taktik schon einmal erfolgreich versucht – einige Jahrzehnte zuvor war er ebenfalls in Marathon gelandet und die Athener hatten nichts unternommen, bis er mit seiner Armee in Pallene war. Dort besiegte er die Athener dann auch. Hippias hoffte also, dass sich die Geschichte wiederholen würde.[14]

Persische Truppenstärke

Ein äußerst umstrittener Faktor bei dieser Landung in Marathon ist die Truppenstärke der Perser. Herodot spricht zum Beispiel alleine schon von sechshundert Schiffen, mit denen die Perser ihre Truppen nach Marathon schickten.[15] Doenges zweifelt diese Zahl massiv an, auch aufgrund der mangelnden Notwendigkeit, angesichts der eher schwachen nautischen Ausstattung der Athener. Er rechnet dabei mit höchstens einhundert Schiffen.[16] Auch die Anzahl der Infanterie, auf die sich nur aufgrund Herodots erwähnten 6.400 Toten[17] schließen lässt, zweifelt er an. Hammond rechnet nämlich damit, dass die 6.400 Gefallenen mindestens ein Drittel der kämpfenden Perser repräsentierten und schätzt so deren Stärke auf rund 25.000 Mann. Dazu rechnet er allerdings noch Ruderer und unterstützende Kräfte hinzu und kommt so auf eine Zahl von 90.000 Persern in Marathon.[18] Diese Zahl hält Doenges für völlig übertrieben und geht selbst von einer wesentlich niedrigeren Zahl aus. Er sieht das ganze aus einem eher praktischen Gesichtspunkt und vertritt die Ansicht, dass eine Armee von mehr als 15.000 Mann, egal wie schwach sie auch ausgerüstet gewesen sein mögen, die Athener auf jeden Fall besiegt hätte. Außerdem hat Doenges, indem er diese Zahl so niedrig ansetzt, damit gleich eine Erklärung für die Niederlage der Perser parat.[19]

[...]


[1] A. W. Gomme, Herodotus and Marathon, in: Phoenix 6 (1952), S. 77-83, hier S. 77.

[2] Mit dem Ionischen Aufstand bezeichnet man die Revolte der griechischen Städte in Ionia (Westanatolien) gegen die persische Herrschaft, die durch dessen erweiterte Expansion nach Westen und die daraus resultierenden Folgen wie Einschränkungen des Handels oder auch steigende Steuern und Zwang zur Heeresfolge ausgelöst wurde: Elke Stein-Hölkeskamp, Ionischer Aufstand, in: Hubert Cancik/Helmuth Schneider (Hrsg.), Der Neue Pauly, Brill Online, [http://www.paulyonline.brill.nl/subscriber/entry?entry=dnp_e526560], eingesehen 15.03.2010.

[3] Hans Lohmann, Marathon, in: Hubert Cancik/Helmuth Schneider (Hrsg.), Der Neue Pauly, Brill Online, [http://www.paulyonline.brill.nl/subscriber/entry?entry=dnp_e721950], eingesehen 15.03.2010.

[4] Hdt. 6.44.

[5] Norman A. Doenges, The Campaign and Battle of Marathon, in: Historia: Zeitschrift für alte Geschichte 47 (1998), Heft 1, S. 1-17, hier S. 2.

[6] J. A. S. Evans, Herodotus and the Battle of Marathon, in: Historia: Zeitschrift für alte Geschichte 42 (1993), Heft 3, S. 279-307, hier S. 282.

[7] Hdt. 6.100

[8] N. G. L. Hammond, The Campaign and the Battle of Marathon, in: The Journal of Hellenic Studies 88 (1968), S. 13-57, hier S. 32.

[9] Hdt. 6.100.

[10] Doenges, Campaign, S. 4.

[11] Hdt. 6.102.: Das Argument bezüglich der Nähe zu Eretria funktioniert allerdings in beide Richtungen. Laut Doenges war zum Beispiel die geplante Landung in Marathon überhaupt erst einer der Gründe, warum die Perser auch Eretria einnehmen wollten. Mit der Stadt in persischer Hand hatten die Angreifer den Rücken frei, außerdem konnte sie als Basis und Stützpunkt für die Kämpfe in Marathon dienen: Doenges, Campaign, S. 3.

[12] Evans, Herodotus, S. 283.

[13] Doenges, Campaign, S. 3.

[14] Evans, Herodotus, S. 283.

[15] Hdt. 6.95.

[16] Doenges, Campaign, S. 5.

[17] Hdt. 6.117.

[18] Hammond, Marathon, S. 33.

[19] Doenges, Campaign, S. 6.

Ende der Leseprobe aus 12 Seiten

Details

Titel
Die Schlacht bei Marathon
Hochschule
Leopold-Franzens-Universität Innsbruck  (Geschichte)
Veranstaltung
Alte Geschichte
Note
2
Autor
Jahr
2010
Seiten
12
Katalognummer
V193963
ISBN (eBook)
9783656195160
ISBN (Buch)
9783656194903
Dateigröße
469 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Altes Griechenland Marathon Schlacht, Herodot, altes griechenland, marathon, schlacht, antike
Arbeit zitieren
T. Schlipfinger (Autor), 2010, Die Schlacht bei Marathon, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/193963

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