Dieses Buch offenbart die klare, scharfe, subtile und oft gewagte Beschreibung von allen Entwicklungsaspekten (prämorbid, subklinisch und klinisch) des Erlebens der Parkinson-Krankheit aus erster Hand. Denn der Autor Mark Hurni ist selbst von dieser Krankheit betroffen.
Während der Lektüre eröffnet sich dem Leser eine mitreißende Beschreibung des gesamten, äußerst komplexen Krankheits-Prozesses im Zusammenhang mit der Annahme und Bewältigung von Parkinson - einer Krankheit für die es bis heute keine Prävention oder Heilung gibt. Im Fall von Mark trat sie im Leben einer jungen, vitalen Person auf und veränderte sein ganzes Leben. Es musste in dem Maß neu gestaltet werden. in dem der Betroffene die Krankheit akzeptiert und sie lebt.
Diese mitreißende Beschreibung des Patienten wird durch Anmerkungen seines Neurologen Dr. Rafael González Maldonado ergänzt, welche als Ergänzung, Klarstellung oder Erläuterung der Darstellung seines Patienten dienen. So kann der Leser durch dieses Werk aus allererster Hand verstehen, wie man Parkinson erlebt und erfährt, was ein spezialisierter Arzt dazu sagt.
Inhaltsverzeichnis
Einleitung
Anamnese eines Syndroms
Ausgangspunkt einer Reise
Teil I
Die Suche
Aus heiterem Himmel
Ein grauer Novembertag
Der Schwung in der Schrift
Zur Säule erstarrt
Diagnose oder Urteil
Wegstecken
Lückenlose Kontrolle
Selbsterfahrung
Alltägliche Beobachtungen
Allein mit Dr. Parkinson
Bewegungsarmut
Der Dreh beim Parkieren
Die verflixte Kasse
Paradoxe Beweglichkeit
Die präklinische Phase
Eine unauffällige Kindheit
Einzelkämpfer
Festung
Das Muster
Romanze in Manhattan
Die tiefere Einsicht
Identität und Kontrolle
Erlernte Hilflosigkeit
Die Symptome, einmal anders
Am Ende stottern sie wohl alle
Blockadenbrecher
Die experimentelle Phase
Flucht mit der Wunderpille
Der erste Test: der Opiat-Antagonist
Der zweite Test: das homöopathische Opium
Sturm im Gehirn
Gegen die Gefühle schreiben
Und wieder Experimente
Die Neuauflage des Opiattests
Ermächtigung
Ohne Belohnung keine Motivation: das Antriebsmangel-Syndrom
Antriebsmangel-Syndrom
Teil II
Umdenken
Frustration
Selbst-Bewusstheit
Selbstverteidigung
Lebendigkeit
Berg- und Talfahrt
Hilflosigkeit und Ohnmacht
Die Hilflosigkeit des Kranken
Inselhüpfer
Liebe deinen Parkinson
Präsenz und Bewusstheit
Das innere Kind
Neue Wohnung, altes Muster
Der vermeintliche Tiefpunkt
Weitersuchen
Weiterleiden
Wer ist der Boss?
Hilflosigkeit und Urheberschaft
Peterli
Zurück zur Mutter
Annäherung
Konversionsneurose
Heilung des Traumas
Und doch auf dem Sofa
Fussverletzung
Das Erwachen des Tigers
Annäherungs-Schmerz
Teil III
Trauma
Null-Dopa
Scham
Scheibenwischer-Technik
Auf die Zehen getreten
Horror der Genesung
Verlassenheitsangst
Die Entscheidung
Es geht auch ohne
Schüttellähmung
Traumatherapie
Der Tiger in deinem Tank
Versprechen und Irrtum
Geschüttelt und nicht gerührt
Ausgezittert
Bestätigung
Zeichen aus Chile
Dr. Parkinson
Der vierte Musketier
Der normative Partner
Der Mord am Ehepartner
Carpe Diem
Verrückt werden oder der Irr-Sinn der Heilung
Quadratur des Kreises
Die „genügend gute“ Mutter
Struktur des emotionalen Traumas
Teil IV
Heilung
Achterbahn
Parkinson als künstlicher Schutz
Natürliche Schutzmechanismen
Komplexe Ursache
Körpersprache
Emotionale Heilung
Kuriositäten
Natürliche Energie
Immer wieder
Hilfe, ich werde gesund
(Kein) Ende
Die Ohnmacht des Neurologen
Leiden und Entdecken
Phantom der Krankheit
Neuronales Feuerwerk
Die verlorene Wut
Ärger
Stadt- oder Landneurotiker
Verloren und gefunden (Lost and found)
Abschluss ohne Ende
Nachwort
Und wieder ein Muster
Mit Mut in die Zukunft
Zielsetzung & Themen
Das Buch stellt eine sehr persönliche Auseinandersetzung mit der Parkinson-Krankheit dar, wobei der Autor, der selbst Betroffener und Psychologe ist, die Wechselwirkung zwischen neurologischen Symptomen und psychologischen Traumata erforscht. Die zentrale Forschungsfrage liegt in der Hypothese, dass die Krankheit nicht rein biologisch bedingt ist, sondern durch verdrängte Emotionen, Hilflosigkeit und traumatische Erlebnisse beeinflusst oder gar mitverursacht wird, und wie durch die Integration dieser verdrängten Anteile eine Verbesserung des Wohlbefindens und der motorischen Kontrolle erreicht werden kann.
- Psychologische Ursachen und emotionale Blockaden bei Parkinson
- Die Bedeutung von Traumata und deren Auswirkung auf die motorische Kontrolle
- Interaktion zwischen Patient und Neurologe in der therapeutischen Bewältigung
- Die Rolle der "verlorenen Wut" und die Wiederherstellung der emotionalen Lebendigkeit
- Neuropsychologische Konzepte wie die "erlernte Hilflosigkeit" im Kontext der Krankheit
Auszug aus dem Buch
Die verlorene Wut
Ich gehe davon aus, dass meine Ärzte und Therapeuten das Bestmögliche machten oder jedenfalls in bester Absicht. Das war vielleicht auch der Grund, weshalb ich mich (fast) nie ärgerte, oder zumindest nicht wirklich.
Ich reagierte früh auf die Warnsignale und suchte Hilfe. Das erste Mal war das an der Universität, als ich feststellte, dass emotionale Nähe zu einem Freund Stress hervorrief. Nach ein paar Sitzungen resultierte jedoch keine Therapie-Empfehlung und das Problem verschwand mit der Beziehung. Der nächste Versuch folgte zehn Jahre später. Ich war in den Beratungsgesprächen stets unter Stress und schwitzte fürchterlich. Ich landete auf der Couch einer Psychoanalytikerin, welche nicht verstehen wollte, dass ich jemanden benötigte, um zu reden. Weiterempfehlen wollte sie mich auch nicht und daher liess ich die Therapie fallen. Wieder rund zehn Jahre später klappte es dann mit einer Gesprächstherapie. Dass die Therapeutin sauer auf meine Frauengeschichten reagierte, war ja nicht gerade hilfreich, genau so wenig das Verhalten der darauf folgenden Körperpsychotherapeutin.
Ihre konfrontative Sitzweise mir gegenüber veranlasste mich wohl, in Abwehrstellung zu gehen, und dazu pflegte sie noch meinen stärksten Abwehrmechanismus, indem sie mich in meiner intellektuellen Verarbeitung unterstützte. Sie glaubte, mit Informationen über die Parkinson-Krankheit auf dem Laufenden sein zu müssen, damit sie mit mir darüber sprechen konnte. Wir diskutierten stundenlange bis zur Herausforderung der letzten Reserven, welche mich oft sinnlos in Argumenten Kreise drehen liess. Ich verliess die Therapie oft völlig frustriert, weil keine Körperpsychotherapie stattgefunden hatte und ich ausserdem meine Argumente nicht anbringen konnte. Das war wieder das Trauma der Kindheit. Ich wurde weder gesehen noch gehört.
Zusammenfassung der Kapitel
Einleitung: Der Autor schildert den Beginn seiner Parkinson-Erkrankung und die schwierige Suche nach einer Diagnose, begleitet von persönlichen Erinnerungen an seine Kindheit.
Teil I: Die Suche: Dieses Kapitel dokumentiert die ersten Jahre der Krankheitsentwicklung, die psychologische Auseinandersetzung damit sowie erste gescheiterte und erfolgreiche therapeutische Versuche.
Teil II: Umdenken: Hier reflektiert der Autor über die erlebte Hilflosigkeit, die Verbindung zwischen emotionalen Mustern aus der Kindheit und dem Fortschreiten der physischen Einschränkungen.
Teil III: Trauma: Der Autor vertieft das Verständnis der Parkinson-Symptome als Ausdruck eines traumatischen Prozesses und berichtet von spezifischen Körpertherapiemethoden zur Traumaauflösung.
Teil IV: Heilung: Das letzte Hauptkapitel fokussiert auf die emotionale Integration, das Loslassen alter Kontrollzwänge und die Erkenntnis, dass eine ganzheitliche Betrachtung von Körper und Emotion für das Wohlbefinden entscheidend ist.
Schlüsselwörter
Parkinson-Krankheit, Trauma, Emotionale Blockade, Hilflosigkeit, Psychosomatik, Körperpsychotherapie, Scham, Angst, motorische Kontrolle, Stress, Dissoziation, Lebensenergie, Eigenverantwortung, Neuropsychologie.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit ist ein sehr persönlicher Erfahrungsbericht über das Leben mit Parkinson, in dem der Autor die psychologischen Aspekte seiner Krankheit hinterfragt und mit dem medizinischen Krankheitsbild verknüpft.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen umfassen die Rolle von unterdrückten Emotionen, kindlichen Traumata, soziale Isolation, die Suche nach Kontrolle und die Bedeutung von Körperarbeit für die Symptomlinderung.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Der Autor verfolgt die Forschungsfrage, inwieweit Parkinson-Symptome als körperlicher Ausdruck von emotionalen Blockaden, wie Angst und Scham, zu verstehen sind und ob eine psychologische Integration zur Heilung beitragen kann.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um einen auto-ethnographischen und phänomenologischen Ansatz. Der Autor nutzt seine Ausbildung als Psychologe und seine eigene Krankheitsgeschichte, um Hypothesen über die psychosomatische Komponente von Parkinson zu formulieren und diese durch Selbstversuche und therapeutische Interventionen zu prüfen.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in verschiedene Phasen: die Suche nach Erklärungen (Teil I), das Umdenken durch neue therapeutische Erkenntnisse (Teil II), die Auseinandersetzung mit dem Trauma als Ursache (Teil III) und Ansätze zur emotionalen Heilung (Teil IV).
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit lässt sich am besten mit Schlüsselwörtern wie Parkinson-Krankheit, Trauma, emotionale Blockade, Hilflosigkeit, Psychosomatik und Körperpsychotherapie zusammenfassen.
Wie bewertet der Autor die Rolle des Neurologen?
Der Autor sieht den Neurologen als eine notwendige Instanz für die medizinische Diagnose und Behandlung, betont jedoch, dass dieser oft an die Grenzen stösst, wenn die "Psyche" des Patienten die neurologische Symptomatik massgeblich beeinflusst.
Welche Bedeutung hat das "innere Kind" in diesem Dokument?
Das "innere Kind" dient als Metapher für die frühkindlichen Erfahrungen des Autors und dessen verdrängte Ängste und Hilflosigkeit, deren Integration als essenziell für die Verbesserung seines Gesundheitszustands angesehen wird.
- Quote paper
- Mark Peter Hurni (Author), 2007, Parkinson: Die verlorene Wut, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/194046