Didaktik der Metapher - Analyse und Vergleich in ausgewählten Schulbüchern der Sekundarstufe I


Hausarbeit, 2012
18 Seiten, Note: 2,7

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung: Gegenstand und Fragestellung

2. Hauptteil: Analyse der Schulbücher
2.1 „ Deutschbuch 5“
2.1.2 „Deutschbuch 6“
2.1.3 „Deutschbuch 7“
2.1.4 „Deutschbuch 8“
2.1.5 „Deutschbuch 9“
2.1.6 „Deutschbuch 10“
2.2 „Kombi Deutschbuch 5“
2.2.1 „Kombi Deutschbuch 6“
2.2.2 „Kombi Deutschbuch 7“
2.2.3 „Kombi Deutschbuch 8“
2.2.4 „Kombi Deutschbuch 9“
2.2.5 „Kombi Deutschbuch 10“

3. Fazit: Vergleich und Kritik der Didaktik der Metapher in der Schulbuchreihe „Deutschbuch“ und in der Reihe „Kombibuch Deutsch“ für die Sekundarstufe 1

1 Einleitung: Gegenstand und Fragestellung

Die beiden amerikanischen Linguisten Georg Lakoff und Mark Johnson kommen in ihren Forschungsergebnissen zu dem Schluss, dass „[u]nser alltägliches Konzeptsystem, nachdem wir sowohl denken als auch handeln, […] im Kern und grundsätzlich metaphorisch“[1] ist. Dieses Forschungsergebnis zeigt nicht nur die hohe Bedeutung der Metapher im Allgemeinen, sondern auch explizit die Bedeutung für den Sprachgebrauch, da wir unsere strukturierten Gedanken in Schrift und Sprache äußern. Lesen, schreiben und sprechen sind existenzielle Grundlagen des Menschen und werden täglich, wie selbstverständlich, in jeder Lebenssituation angewendet. Wenn die These von G. Lakoff und M. Johnson also stimmt, ist der Metapher und ihrem richtigen Verständnis eine hohe Relevanz in der Kommunikation der Menschen auf allen Ebenen zuzuordnen. Die Metapher bekommt somit neben ihrer „sprachlichen schönen“ Funktion in der Poesie und Lyrik also einen noch viel bedeutenderen Stellenwert: Nur durch das richtige Verstehen bzw. durch das passende Anwenden von Metaphern kann es zu einer unmissverständlichen zwischenmenschlichen Kommunikation kommen. Die grundlegenden Kenntnisse über den sprachlichen und schriftlichen Ausdruck und deren Verständnis sollen in der Schule durch die Hilfe von Schulbüchern im Deutschunterricht erworben werden. Im Jahr 2004 ist Buch „Didaktik der Metapher. Perspektiven für den Deutsch Unterricht“ von Gerd Katthage erschienen. In diesem untersucht er exemplarisch die Didaktik der Metapher in 3 Deutschbuchreihen für das Gymnasium für die Sekundarstufe 1: „Verstehen und Gestakten“ aus dem Oldenbourg-Verlag, „Deutsch in…“ aus dem Schönigh-Verlag und das „Deutschbuch“ aus dem Cornelsen-Verlag. Es geht hierbei nicht in erster Linie darum, das Auftreten des Themenkomplexes „Metapher“ zu analysieren, sondern vielmehr darum, das ganzheitliche Konzept der Didaktik der Metapher hinsichtlich auf Strukturierung, Schlüssigkeit und didaktische Hilfsmittel im Gesamtkontext darzustellen. Das Ergebnis von Katthage zeigt auf, dass es keine Indizien dafür gibt, das man von einer Didaktik der Metpaher in Deutschbüchern für die Sekundarstufe 1 sprechen kann. Der Themenkomplex Metapher wird entweder marginalisiert oder findet seinen Platz in der Lyrikanalyse, wird aber immer als untergeordnetes sprachliches Phänomen behandelt und dargestellt. Grundsätzlich stützt sich die Metapherndidaktik auf veraltete Theorien (Substitutionstheorie) und aktuelle Forschungsergebnisse bzw. Metapherntheorien nach Lakoff/Johnson oder Baldauf finden keinen Platz im Deutschunterricht. Katthage stellt weiterhin fest, dass die Didaktik der Metapher lediglich in einem „Dazwischen“, zwischen Schule und Wissenschaft, existiert.

Diese Hausarbeit soll sich daher im Folgenden damit auseinandersetzen wie die Metapher in ausgewählten Deutsch-Schulbüchern in der Sekundarstufe 1 didaktisch vermittelt wird. Hierzu wird zum Einem die Reihe „Deutschbuch“[2] (2004) genauer analysiert und meine Ergebnisse mit denen von Gerd Katthage verglichen und zum Anderen die Buchreihe „Kombi Deutschbuch. Lese und Deutschbuch für Gymnasien“[3] (2005) hinsichtlich ihres Aufbaus, der Gesamtstrukturierung und den didaktischen Hilfsmitteln in Bezug auf die Didaktik der Metapher genauer betrachtet. Desweiteren soll herausgearbeitet werden, ob die Aufgabenstellung angemessen und motivierend für die Schülerinnen und Schüler der jeweiligen Jahrgangstufe ist und für welchen Bereich die Bedeutung der Metapher eine Rolle spielt. Abschließend werden die Ergebnisse im Fazit vergleichend betrachtet und kritisch hinterfragt.

2 Hauptteil: Analyse der Schulbücher

2.1 „Deutschbuch 5“

In dem „Deutschbuch“ für die 5. Klasse wird die Metapher nicht berücksichtigt. Es gibt ein Kapitel mit dem Thema „Gedichte machen Spaß“ in dem den Schülerinnen und Schülern (Im Folgenden SuS) spielerisch, auf dem produktionsorientierten Ansatz basierend, eine Einführung in die Lyrik vermittelt wird. Es ist hier zu keinem Zeitpunkt die Rede von bildlichen Vergleichen oder ähnlichem, schon gar nicht von Metaphern. Gerd Katthage sieht in dieser Einführung eine Vorbereitung auf die Lyrik im Allgemeinen und somit auch eine Vorbereitung auf das Thema der Bildhaftigkeit in dem „Deutschbuch 6“. Es handelt sich jedoch ausschließlich um eine formale Analyse und das Vortragen der Gedichte, die für mich nicht zwingend zu der Hinführung des Themenkomplexes der Metapher dazugehören müssen. Meiner Meinung nach ermöglicht das „Deutschbuch 5“ Kindern einen guten, auf Grund der des alters angemessenen gerechten Themen der Gedichte und der visuellen Aufmachung eine gute Einführung in die Lyrik, bereitet aber zu keinem Zeitpunkt das Thema der Metapher oder etwas Vergleichbares vor.

2.1.2 „Deutschbuch 6“

In dem „Deutschbuch 6“ findet sich das große Kapitel mit dem Thema: Lyrische Jahreszeiten. Hier wird zum ersten Mal in der Schulbuchreihe der Begriff der Metapher eingeführt. Bevor jedoch der Begriff der Metapher fällt, werden die SuS über Aufgaben an den Begriff herangeführt. Erstmalig sollen sie aus einem Gedicht von Elisabeth Borchers Vergleiche, die die Abnahme der Kraft der Sonne darstellen, herausarbeiten. In der darauffolgenden Aufgabe sollen die SuS selbst etwas schreiben und überlegen inwiefern sie Vergleiche nutzen können, um ihre Schilderungen möglichst ausdrucksvoll zu gestalten. Desweiteren wird der Begriff bildliche Ausdrucksweise eingeführt um die rhetorische Figur der Personifikation zu erklären. Ähnliches geschieht auf Seite 212; dort sollen die SuS wieder Vergleiche aus einem Gedicht herausarbeiten. In der Aufgabe 1a auf Seite 213 wird von den SuS verlangt, dass sie die sprachlichen Bilder eines Gedichtes auf ihre komische Wirkung hin überprüfen. Im Anschluss daran wird der Begriff „Vergleiche“ erläutert. Dieser Aufbau ist für Kinder der Klassenstufe 6 verwirrend und nicht logisch aufgebaut. Die Reihenfolge der Einführung der Begriffe ist hier zu kritisieren. Es wirkt eher verwirrend als erkenntnisgewinnend, wenn zuerst der Begriff „Vergleich“ und daraufhin der Begriff „sprachliche Bilder“ eingeführt wird, um dann anschließend den Begriff „Vergleich“ zu erläutern. Zumal die Verwirrung auf Seite 214 ihre Klimax findet und hier der Begriff Metapher eingeführt. Auf Seite 215 werden dann alle vorher eingeführten Begriffe zusammen zu der Definition Metapher vereint: „Sprachliche Bilder wie in Georg Brittings Gedicht nennt man Metaphern. Metaphern sind Wörter mit einer übertragenen Bedeutung; die übertragende Bedeutung wird aber nicht durch ein Vergleichswort (z.B. „wie“) deutlich gemacht.“[4] Katthage ist mit dieser Definition unzufrieden, da er der Meinung ist, dass die Metapher hier auf eine Unterform des Vergleiches reduziert wird. Viel entscheidender ist für mich an dieser Stelle, dass die vorher eingeführte Definition von Vergleich, die durch die Komponente des sprachlichen Bildes schon verwirrend beschrieben wurde, lediglich dazu dient, den Begriff der Metapher zu beschreiben bzw. zu definieren. Nach der Definition erfolgt der Versuch, die Metaphern in lexikalische, konventionelle und innovative Metaphern zu unterteilen, ohne dass diese Begriffe explizit genannt werden. In der daran gekoppelten Aufgabe, sollen die SuS gemalte Bilderrätsel in denen sich Metaphern „Bergrücken“ oder „Baumgabel“ befinden lösen und selbst welche malen. In diesem Fall stimme ich mit der Meinung von Katthage überein, dass es für ein Schulkind der 6 klasse nicht nur eines hohen künstlerischen Talents bedarf, sonder auch die kognitiven Fähigkeiten überfordert. Die Aufmachung ist permanent mit passenden Bildern untermalt und durch den hohen Eigenproduktionsanteil, der von den SuS in den Aufgaben gefordert wird, ein motivierender Weg gefunden worden den Begriff der Metapher zu erarbeiten. Abschließend sollte vor Allem angemerkt werden, dass das Thema der Metapher lediglich an den Bereich der Lyrik gekoppelt auftritt, in Themengebieten wie „Wörter bilden – Bedeutung untersuchen“ oder „Es war einmal…Alte und neue Märchen“ spielt die Metapher keine Rolle. Hier zu deckt sich meine Meinung wieder mit der von katthage, der als Fazit festhält, dass die Metapher auf das sprachliche Phänomen in Gedichten reduziert wird.[5]

2.1.3 „Deutschbuch 7“

Im „Deutschbuch 7“ findet die Metapher keinen Platzt. Einmal wird der Begriff in einer textanalytischen Aufgabe („ Durch welche Vergleiche und Metaphern gelingt es Yukio Mishima, die Bewegung der Wellen besonders lebendig zu beschreiben?“ S. 55) verwendet. Der Begriff Metapher wird hier aus dem lyrischen Bereich in den textanalytischen übertragen. Dies geschieht im Buch kommentarlos und wird nach der lyriklastigen Einführung wie selbstverständlich dargestellt. Es wird vorausgesetzt, dass jeder SuS weiß was eine Metapher ist. Aufgrund der marginalisierten Erscheinung der Metapher in diesem Buch ist eine Wertung ihrer Didaktik nicht möglich. Einzig anzufügen wäre, dass die Chance nicht wahrgenommen wird, den bis hierher an die Lyrik gekoppelten Themenbereich „Metaphorik“ auf andere Bereiche auszuweiten.

2.1.4 „Deutschbuch 8“

Das „Deutschbuch 8“ hat eine Überraschung zu bieten. Hier wird erneut das Thema der Gedichte aufgegriffen. Diese dienen jedoch zu der Festigung und dem Erlernen der formalen Analyse. Es gibt nur eine Aufgabe (Seite 235) in der Sprachbilder auf ihre mögliche Bedeutung hin untersucht werden sollen. Der Komplex der Metapher ist in dem Kapitel „Jugendsprache – die eigene Sprache finden“ (Seite 139-157) in dem Unterpunkt „Sprachbilder – Bildsprache“ (Seite ab 146) integriert. Die Metaphorik der Alltagssprache wird am Beispiel der Fußballsprache verdeutlicht. Der Begriff der Metapher wird zu Beginn wieder mit dem Begriff „sprachliches Bild“ erklärt. Die SuS sollen anhand zweier sich überlappender Bilder, wobei in dem einen Bild ein Fußballspieler grätscht und in dem anderen Bild ist der Aufkleber einer Notbremse eines Zuges abgebildet ist, die Funktion der Metapher erklären. Der Begriff der Metapher wird hier unvorbereitet und auch unerwartet einfach in den Raum gestellt, bzw. vorausgesetzt, dass jeder SuS bereits weiß, was eine Metapher ist. Die aufbauenden Aufgaben erscheinen logisch und gut strukturiert. Es wird viel mit Bildern gearbeitet, die zu visuellen Unterstützungen dienen und die Denkprozesse der SuS positiv beeinflussen, sodass die Funktion eines Bildspenders und eines Bildempfängers in der Metaphorik verständlich herausgearbeitet werden kann. Katthage kritisiert den geschlechterspezifischen Zugang zu dem Thema, mit dem ich übereinstimme. Hier könnte die Gefahr entstehen, dass den Schülerinnen der Zugang zu der Thematik fehlt oder die Thematik alleine schon demotivierend wirkt. Das Nichtwissen von SuS über die Sportart Fußball könnte evtl. zu Problemen bei dem Modell der Bedeutungsübertragung führen. Desweiteren ist es sehr misslich, dass die SuS ohne jegliche Wiederholung mit dem Thema der Metapher konfrontiert werden, gerade vor dem Hintergrund, dass das Wissen hier auf das „Deutschbuch 6“ aufbaut und somit zwei Schuljahre nicht mehr behandelt wurde. Sehr positiv ist anzumerken, dass im „Orientierungswissen“ auf Seite 328 noch einmal alle bereits im „Deutschbuch 6“ eingeführten und hier wieder aufgegriffenen Begriffe (Metapher, Vergleich, Personifikation) klar beschrieben und deutlich voneinander abgegrenzt werden. Durch die Ansiedelung der Metaphorik in der Rhetorik, wird der Grundstein gelegt um SuS zu verdeutlichen, dass Metaphern nicht ausschließlich ein sprachliches Phänomen der Lyrik sind sondern eine weitaus essenziellere Bedeutung, nicht nur für die Sprache, sondern auch für jeden einzelnen haben. Zu unterstreichen ist der Kritikpunkt von Katthage, der feststellt: „Die zuvor betonte ästhetische Qualität von Metaphern wird hier von einer kommunikativen Funktionalisierung verdrängt.“[6]

[...]


[1] Lakoff, George/Johnson, Mark: Leben in Metaphern. Konstruktion und Gebrauch von Sprachbildern. Heidelberg 7. Aufl. 2011, S. 11

[2] Biermann, Heinrich/Schurfdorf, Bernd (Hrsg.) unter Beratung von Karlheinz Fingerhut, erarbeitet von Heinrich Biermann et. Al: Deutschbuch. Sprach- und Lesebuch. Berlin 2002, Band 5-10

[3] Gaiser, Gottlieb (Hrsg.) unter Mitarbeit von Karla Müller, bearbeitet von Susann Braun-Bau et.al: Kombibuch Deutsch. Lese- und Sprachbuch für Gymnasien. Bamberg 2008, Band 5-10

[4] Deutschbuch 6, S. 215

[5] Vgl. Katthage, Gerd: Didaktik der Metapher. Perspektiven für den Deutschunterricht. S. 80

[6] Katthage, Gerd: Didaktik der Metapher. Perspektiven für den Deutschunterrich. S. 83

Ende der Leseprobe aus 18 Seiten

Details

Titel
Didaktik der Metapher - Analyse und Vergleich in ausgewählten Schulbüchern der Sekundarstufe I
Hochschule
Christian-Albrechts-Universität Kiel
Veranstaltung
Kreativität-Konzeptualisierung-Kommunikation: Metaphern im Lexikon. Sprachwissenschaftliche und sprachdidaktische Modellierungen
Note
2,7
Autor
Jahr
2012
Seiten
18
Katalognummer
V194156
ISBN (eBook)
9783656199281
ISBN (Buch)
9783656199311
Dateigröße
467 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
didaktik, metapher, analyse, vergleich, schulbüchern, sekundarstufe
Arbeit zitieren
Robert Heinrichs (Autor), 2012, Didaktik der Metapher - Analyse und Vergleich in ausgewählten Schulbüchern der Sekundarstufe I, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/194156

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