Die beiden amerikanischen Linguisten Georg Lakoff und Mark Johnson kommen in ihren Forschungsergebnissen zu dem Schluss, dass „[u]nser alltägliches Konzeptsystem, nachdem wir sowohl denken als auch handeln, […] im Kern und grundsätzlich metaphorisch“ ist. Dieses Forschungsergebnis zeigt nicht nur die hohe Bedeutung der Metapher im Allgemeinen, sondern auch explizit die Bedeutung für den Sprachgebrauch, da wir unsere strukturierten Gedanken in Schrift und Sprache äußern. Lesen, schreiben und sprechen sind existenzielle Grundlagen des Menschen und werden täglich, wie selbstverständlich, in jeder Lebenssituation angewendet. Wenn die These von G. Lakoff und M. Johnson also stimmt, ist der Metapher und ihrem richtigen Verständnis eine hohe Relevanz in der Kommunikation der Menschen auf allen Ebenen zuzuordnen. Die Metapher bekommt somit neben ihrer „sprachlichen schönen“ Funktion in der Poesie und Lyrik also einen noch viel bedeutenderen Stellenwert: Nur durch das richtige Verstehen bzw. durch das passende Anwenden von Metaphern kann es zu einer unmissverständlichen zwischenmenschlichen Kommunikation kommen. Die grundlegenden Kenntnisse über den sprachlichen und schriftlichen Ausdruck und deren Verständnis sollen in der Schule durch die Hilfe von Schulbüchern im Deutschunterricht erworben werden. Im Jahr 2004 ist Buch „Didaktik der Metapher. Perspektiven für den Deutsch Unterricht“ von Gerd Katthage erschienen. In diesem untersucht er exemplarisch die Didaktik der Metapher in 3 Deutschbuchreihen für das Gymnasium für die Sekundarstufe 1: „Verstehen und Gestakten“ aus dem Oldenbourg-Verlag, „Deutsch in…“ aus dem Schönigh-Verlag und das „Deutschbuch“ aus dem Cornelsen-Verlag. Es geht hierbei nicht in erster Linie darum, das Auftreten des Themenkomplexes „Metapher“ zu analysieren, sondern vielmehr darum, das ganzheitliche Konzept der Didaktik der Metapher hinsichtlich auf Strukturierung, Schlüssigkeit und didaktische Hilfsmittel im Gesamtkontext darzustellen. Das Ergebnis von Katthage zeigt auf, dass es keine Indizien dafür gibt, das man von einer Didaktik der Metpaher in Deutschbüchern für die Sekundarstufe 1 sprechen kann. Der Themenkomplex Metapher wird entweder marginalisiert oder findet seinen Platz in der Lyrikanalyse, wird aber immer als untergeordnetes sprachliches Phänomen behandelt und dargestellt. Grundsätzlich stützt sich die Metapherndidaktik auf veraltete Theorien (Substitutionstheorie) und aktuelle Forschungsergebnisse bzw. Metapherntheorien...
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung: Gegenstand und Fragestellung
2. Hauptteil: Analyse der Schulbücher
2.1 „ Deutschbuch 5“
2.1.2 „Deutschbuch 6“
2.1.3 „Deutschbuch 7“
2.1.4 „Deutschbuch 8“
2.1.5 „Deutschbuch 9“
2.1.6 „Deutschbuch 10“
2.2 „Kombi Deutschbuch 5“
2.2.1 „Kombi Deutschbuch 6“
2.2.2 „Kombi Deutschbuch 7“
2.2.3 „Kombi Deutschbuch 8“
2.2.4 „Kombi Deutschbuch 9“
2.2.5 „Kombi Deutschbuch 10“
3. Fazit: Vergleich und Kritik der Didaktik der Metapher in der Schulbuchreihe „Deutschbuch“ und in der Reihe „Kombibuch Deutsch“ für die Sekundarstufe 1
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die didaktische Vermittlung der Metapher in den beiden Schulbuchreihen „Deutschbuch“ und „Kombibuch Deutsch“ für die Sekundarstufe I. Ziel ist es zu analysieren, wie diese Lehrmittel das Konzept der Metaphorik strukturieren, welche didaktischen Hilfsmittel sie verwenden und inwieweit sie motivierende Aufgabenstellungen für die jeweilige Jahrgangsstufe bieten, um eine kritische Bewertung der aktuellen Metapherndidaktik im Deutschunterricht zu ermöglichen.
- Analyse und Vergleich der Schulbuchreihe „Deutschbuch“
- Untersuchung der Reihe „Kombibuch Deutsch“
- Bewertung der didaktischen Strukturierung und Aufbereitung des Metaphernbegriffs
- Kritische Reflexion der Aufgabenstellungen und Motivationsfaktoren
- Diskussion der Kopplung des Themas Metapher an den Bereich Lyrik
- Gegenüberstellung der Ergebnisse mit der Forschung von Gerd Katthage
Auszug aus dem Buch
2.1.2 „Deutschbuch 6“
In dem „Deutschbuch 6“ findet sich das große Kapitel mit dem Thema: Lyrische Jahreszeiten. Hier wird zum ersten Mal in der Schulbuchreihe der Begriff der Metapher eingeführt. Bevor jedoch der Begriff der Metapher fällt, werden die SuS über Aufgaben an den Begriff herangeführt. Erstmalig sollen sie aus einem Gedicht von Elisabeth Borchers Vergleiche, die die Abnahme der Kraft der Sonne darstellen, herausarbeiten.
In der darauffolgenden Aufgabe sollen die SuS selbst etwas schreiben und überlegen inwiefern sie Vergleiche nutzen können, um ihre Schilderungen möglichst ausdrucksvoll zu gestalten. Desweiteren wird der Begriff bildliche Ausdrucksweise eingeführt um die rhetorische Figur der Personifikation zu erklären. Ähnliches geschieht auf Seite 212; dort sollen die SuS wieder Vergleiche aus einem Gedicht herausarbeiten. In der Aufgabe 1a auf Seite 213 wird von den SuS verlangt, dass sie die sprachlichen Bilder eines Gedichtes auf ihre komische Wirkung hin überprüfen. Im Anschluss daran wird der Begriff „Vergleiche“ erläutert. Dieser Aufbau ist für Kinder der Klassenstufe 6 verwirrend und nicht logisch aufgebaut.
Die Reihenfolge der Einführung der Begriffe ist hier zu kritisieren. Es wirkt eher verwirrend als erkenntnisgewinnend, wenn zuerst der Begriff „Vergleich“ und daraufhin der Begriff „sprachliche Bilder“ eingeführt wird, um dann anschließend den Begriff „Vergleich“ zu erläutern. Zumal die Verwirrung auf Seite 214 ihre Klimax findet und hier der Begriff Metapher eingeführt. Auf Seite 215 werden dann alle vorher eingeführten Begriffe zusammen zu der Definition Metapher vereint: „Sprachliche Bilder wie in Georg Brittings Gedicht nennt man Metaphern. Metaphern sind Wörter mit einer übertragenen Bedeutung; die übertragende Bedeutung wird aber nicht durch ein Vergleichswort (z.B. „wie“) deutlich gemacht.“ Katthage ist mit dieser Definition unzufrieden, da er der Meinung ist, dass die Metapher hier auf eine Unterform des Vergleiches reduziert wird.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Gegenstand und Fragestellung: Diese Einleitung führt in die Bedeutung der Metapher für das menschliche Konzeptsystem ein und umreißt die Untersuchung der didaktischen Vermittlung in ausgewählten Schulbuchreihen.
2. Hauptteil: Analyse der Schulbücher: Dieser Teil bietet eine detaillierte, schulstufenbezogene Analyse der Behandlung des Metaphernbegriffs in den Reihen „Deutschbuch“ und „Kombibuch Deutsch“ von der 5. bis zur 10. Klasse.
3. Fazit: Vergleich und Kritik der Didaktik der Metapher in der Schulbuchreihe „Deutschbuch“ und in der Reihe „Kombibuch Deutsch“ für die Sekundarstufe 1: Das Fazit stellt die beiden Reihen vergleichend gegenüber und kritisiert, dass die Metapherndidaktik überwiegend an die Lyrik gekoppelt und insgesamt reformbedürftig ist.
Schlüsselwörter
Didaktik, Metapher, Deutschbuch, Kombibuch Deutsch, Sekundarstufe I, Lyrik, sprachliche Bilder, Vergleich, Sprachdidaktik, Schulbuchanalyse, Metapherntheorie, Bildhaftigkeit, Aufgabenkultur, Sprachgebrauch, Katthage
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit analysiert kritisch, wie das Konzept der Metapher in den gängigen Schulbuchreihen „Deutschbuch“ und „Kombibuch Deutsch“ für die Sekundarstufe I didaktisch vermittelt und strukturiert wird.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Zentrale Themen sind die didaktische Strukturierung von Metaphern, die Qualität der Aufgabenstellungen, der Vergleich verschiedener Schulbuchjahrgänge und die kritische Auseinandersetzung mit der oftmals engen Kopplung von Metaphorik an den Lyrikunterricht.
Welches primäre Ziel verfolgt die Forschungsarbeit?
Das Ziel ist es zu prüfen, ob die in den Schulbüchern gewählten Methoden und Definitionen schlüssig sind und ob sie das Potenzial der Metapherndidaktik zur Förderung der Sprachkompetenz angemessen ausschöpfen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine vergleichende Analyse von Schulbuchinhalten, die durch den Abgleich mit der fachdidaktischen Forschung, insbesondere den Ergebnissen von Gerd Katthage, fundiert wird.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil widmet sich der detaillierten Untersuchung jeder Jahrgangsstufe (5 bis 10) beider Schulbuchreihen hinsichtlich der Einführung, Definition und Anwendung von Metaphern.
Welche Begriffe charakterisieren diese Arbeit am besten?
Die wichtigsten Begriffe sind Didaktik der Metapher, Sekundarstufe I, Schulbuchanalyse, Lyrikdidaktik und sprachliche Bildlichkeit.
Wie unterscheidet sich die Vermittlung der Metapher im „Deutschbuch“ vom „Kombibuch Deutsch“?
Während das „Deutschbuch“ einen teils verwirrenden, aber variablen Ansatz zeigt, verfolgt das „Kombibuch Deutsch“ eine konsequentere, aber sehr stark auf den Lyrikbereich begrenzte Linie.
Welche Kritik übt die Autorin an der aktuellen Didaktik der Metapher?
Die Autorin kritisiert, dass Metaphern in Schulbüchern meist nur als Unterpunkt der Lyrikanalyse behandelt werden, statt sie als grundlegendes Phänomen der allgemeinen Kommunikation und Alltagssprache zu vermitteln.
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- Robert Heinrichs (Author), 2012, Didaktik der Metapher - Analyse und Vergleich in ausgewählten Schulbüchern der Sekundarstufe I, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/194156