Ziele der Studie waren, die Auswirkungen einer Insolvenz auf Unternehmer und dabei notwendige Unterstützung zu analysieren sowie den Bedarf bei der beruflichen Neuorientierung zu erfassen. Ausgehend von theoretischen Erkenntnissen aus der Entrepreneurship-Forschung konnte angenommen werden, dass Unternehmer eine besondere Gruppe in der Arbeitswelt darstellen, welche sich sowohl in ihren Zielen, als auch in Persönlichkeitsmerkmalen von Nicht-Unternehmern unterscheidet. Um ein umfassendes Bild über die Belastungsfaktoren zu erhalten, wurde ein facettierter Gesprächsleitfaden entwickelt, welcher nach der Verhaltensgleichung von Westhoff & Kluck (2008) alle relevanten Bereiche erfasste.Es nahmen 19 insolvente Unternehmer an der Befragung teil, wobei in dieser ersten explorativen Untersuchung keine Auswahlkriterien getroffen wurden. Die Ergebnisse zeigen, dass die Insolvenz folgende Bereiche: Wohnsituation, finanzielle Situation, familiäre Situation, gesundheitliche Situation, gesellschaftliche Situation und Freizeit, beeinflusst und die Unternehmer teilweise mit extremen Veränderungen konfrontiert werden. Zudem wurde deutlich, dass die Insolvenz mit einem negativen Stigma einhergeht. Des Weiteren hat die registrierte Kreditunwürdigkeit Folgen für alle vertragsbasierten Geschäftsbeziehungen der Unternehmer, z.B. Kontogewährung oder Kommunikationsmodalität, und erschwert eine reibungslose weitere berufliche Entwicklung. Insbesondere die Dauer des Verfahrens und die damit verbundenen Negativ-Einträge bei Schuldnerregistern stellt eine besondere Belastung für die Unternehmer dar. Sowohl der zeitliche Rahmen einer Insolvenz als auch die Auswirkungen in den genannten Lebensbereichen erleben die Unternehmer als psychische Beanspruchung und sehen diesbezüglich die Notwendigkeit für externe Unterstützung.
Mit der vorliegenden Untersuchung konnte deutlich gemacht werden, dass die Insolvenz ein kritisches Lebensereignis für die Unternehmer darstellt, welches Folgen in wesentlichen Bereichen des Lebens haben kann. Des Weiteren wurde die Notwendigkeit für eine Beratung hinsichtlich der Bewältigung der Folgen einer Insolvenz aufgezeigt. Der Unterstützungsbedarf für die berufliche Neuorientierung liegt vorrangig im Eruieren neuer Perspektiven für den Unternehmer.
Inhaltsverzeichnis
1 Ziele der Arbeit
2 Theoretischer Hintergrund
2.1 Entrepreneurship
2.1.1 Begriff
2.1.2 Die Bedeutung des Entrepreneurs
2.1.3 Beweggründe bei der Unternehmensgründung
2.1.4 Die Person des Unternehmers
2.2 Die Insolvenz
2.3 Outplacement - ein Konzept für den sozialverträglichen Weg der Trennung des Arbeitgebers vom Arbeitnehmer
2.3.1 Ursprünge und Entwicklung in Deutschland
2.3.2 Begriff und Begriffsabgrenzung und Formen des Outplacements
2.3.3 Ursachen
2.3.4 Bedeutung von Erwerbstätigkeit und Folgen des Arbeitsplatzverlustes
2.3.5 Ziele des Outplacement
3 Fragestellung
4 Untersuchungsmethodik
4.1 Auswahl und Zusammensetzung der Stichprobe
4.2 Beschreibung der Stichprobe
4.3 Eingesetzte Verfahren
4.3.1 Beck-Depression-Inventar (BDI-Beck, A. & Steer, R., 1987)
4.3.2 Subjective entrepreneurial success – importance Scale (SES - IS, Dej, 2011)
4.3.3 Konstruktion des Interviewleitfadens für das Qualitative Interview
4.4 Untersuchungsablauf
4.5 Auswertung
5 Ergebnisse
5.1 Insolvenz
5.1.1 Insolvente Unternehmen
5.1.2 Wohnsituation
5.1.3 Finanzielle Situation
5.1.4 Familiäre Situation
5.1.5 Beziehung zu Freunden
5.1.6 Freizeit
5.1.7 Weitere beeinflusste Lebensbereiche
5.1.8 Gesundheitliche Situation
5.1.9 Stigmatisierung
5.1.10 Externe Beratung
5.1.11 Gemeinsamkeiten & Unterschiede eines insolventen Unternehmers und eines gekündigten Arbeitnehmers
5.2 Berufliche Neuorientierung
5.2.1 Ziele
5.2.2 Form des Erwerbs
5.2.3 Zeitpunkt der Planung
5.2.4 Probleme und Hindernisse
5.2.5 Erfahrene Unterstützung bei der beruflichen Neuorientierung
5.2.6 Gewünschte Unterstützung
6 Diskussion
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die psychologischen Auswirkungen einer Insolvenz auf Unternehmer sowie deren Bedarf an Unterstützung bei der beruflichen Neuorientierung, um ein umfassendes Bild der Belastungsfaktoren zu erstellen.
- Psychische und psychosoziale Auswirkungen einer Insolvenz auf Unternehmer
- Analyse der Belastungsfaktoren in verschiedenen Lebensbereichen
- Erfassung des Bedarfs an beruflicher Neuorientierung
- Übertragbarkeit von Outplacement-Konzepten auf insolvente Unternehmer
- Vergleich der Situation von insolventen Unternehmern und gekündigten Arbeitnehmern
Auszug aus dem Buch
2.1.1 Begriff
Der aus dem angloamerikanischen Raum übernommene Begriff findet seinen Ursprung im französischen Sprachraum, wie das französische Verb „endreprendre“ (frz.: etwas unternehmen, etwas versuchen) verdeutlicht (Langenscheidt, 2010).
Der Begriff steht eher für einen Prozess, wobei es um das Ausnutzen unternehmerischer Gelegenheiten bzw. der kreativen und gestalterischen Handlung in einer Phase des Wandels geht (Gabler, 2010). So sieht Kwiatkowski (2004, vgl. Chell , 2008, S.2) Unternehmertum als die Fähigkeit an, Möglichkeiten am Markt zu erfassen, während gleichzeitig die zugänglichen, nutzbaren Ressourcen berücksichtigt werden. Von wesentlicher Bedeutung ist dabei der bereitgestellte Kredit (finanzielles, soziales und intellektuelles Kapital), welcher dem Unternehmertum Zugang zu den Ressourcen verleiht. Für Chell ist Unternehmertum ein Prozess des Registrierens und Verfolgens von Opportunitäten, wobei die übertragbaren und nichtkäuflichen Ressourcen berücksichtigt und auf Gewinn hin gesteuert werden (Chell, 2008).
Zusammenfassung der Kapitel
1 Ziele der Arbeit: Diese Einführung erläutert die Relevanz des Themas Insolvenz für Unternehmer und definiert die Forschungsziele der Studie.
2 Theoretischer Hintergrund: Es werden die Grundlagen zum Unternehmertum, die juristischen Rahmenbedingungen der Insolvenz sowie das Konzept des Outplacements theoretisch aufgearbeitet.
3 Fragestellung: In diesem Kapitel werden die zentralen Forschungsfragen zur Situation des insolventen Unternehmers und dessen Unterstützungsbedarf hergeleitet.
4 Untersuchungsmethodik: Hier werden die Auswahl der Stichprobe, die Erhebungsinstrumente wie das BDI und der SES-IS sowie der Ablauf der Befragung und die Datenauswertung beschrieben.
5 Ergebnisse: Die Untersuchungsergebnisse zu den Auswirkungen der Insolvenz auf verschiedene Lebensbereiche sowie zur beruflichen Neuorientierung werden detailliert dargestellt.
6 Diskussion: Die Ergebnisse werden interpretiert, in Bezug auf die Theorie reflektiert und Handlungsempfehlungen für die Praxis abgeleitet.
Schlüsselwörter
Insolvenz, Unternehmer, berufliche Neuorientierung, Outplacement, psychische Belastung, Stigmatisierung, Existenzangst, Arbeitsplatzverlust, Beratungsbedarf, Unternehmertum, Psychologie, Krisenmanagement, Selbstständigkeit, Schuldnerberatung, persönliche Entwicklung
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Diplomarbeit befasst sich mit den persönlichen, psychologischen und sozialen Auswirkungen einer Insolvenz auf Unternehmer sowie deren Bedarf an professioneller Beratung für eine berufliche Neuorientierung.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Arbeit verknüpft Erkenntnisse aus der Entrepreneurship-Forschung mit den Folgen von Arbeitsplatzverlust und der Anwendung von Outplacement-Konzepten auf Selbstständige.
Was ist das primäre Ziel der Studie?
Das Ziel ist es, die Belastungsfaktoren in verschiedenen Lebensbereichen durch eine Insolvenz zu analysieren und aufzuzeigen, wie Unternehmer bei der beruflichen Umorientierung unterstützt werden können.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Studie nutzt einen explorativen, qualitativen Ansatz, basierend auf problemzentrierten Interviews mit 19 betroffenen Unternehmern.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretische Fundierung, die methodische Vorgehensweise und die detaillierte Ergebnispräsentation der Interviews, unterteilt in Insolvenzfolgen und Neuorientierungsaspekte.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wesentliche Begriffe sind Insolvenz, Unternehmer, Outplacement, Stigmatisierung, berufliche Neuorientierung und psychische Belastung.
Welchen Einfluss hat die Stigmatisierung auf die Unternehmer?
Die Ergebnisse zeigen, dass die Stigmatisierung als "Scheiternder" eine hohe psychische Last darstellt, die soziale Isolation begünstigen und die berufliche Reintegration erschweren kann.
Welche Bedeutung hat externe Beratung laut der Studie?
Die meisten Teilnehmer äußerten einen Wunsch nach psychosozialer Unterstützung, insbesondere in der Krisenphase und zur Bewältigung der emotionalen Folgen, um neue berufliche Perspektiven zu entwickeln.
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- Ramona Hoffiller (Author), 2012, Der Unternehmer in der Insolvenz: Eine erste explorative Studie, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/194163