Die „Zwei Abhandlungen über die Regierung“ des englischen Sozialphilosophen John Locke sind Gegenstand der vorliegenden Studienarbeit. Dies geschieht vor dem Hintergrund des herausragenden politischen Ereignisses am Ende des 17. Jahrhunderts in England, der ‚Glorious Revolution‘ in den Jahren 1688-89. Die Anregung dazu gab der Studienbrief „Sozialphilosophie des 18.Jahrhunderts“ im Rahmen des Masterstudienganges „Europäische Moderne: Geschichte und Literatur“. Die Wirkung Lockes philosophischen Werkes ist bis heute spürbar.1 Aufgrund des begrenzten Rahmens einer Studienarbeit erfolgt die Fokussierung auf sein sozialpolitisches Hauptwerk, im Kontext zum politischen Zeitgeschehen in England. Primär herangezogen wird die deutsche Übersetzung „Zwei Abhandlungen über die Regierung“, herausgegeben und eingeleitet von Walter Euchner. Zur Kenntnis genommen wurde auch der englische Text „Two Treatises of Government“, herausgegeben, kommentiert und mit einem Vorwort versehen von Peter Laslet. Die Intentionen Lockes und der Kontext seiner „Zwei Abhandlungen über die Regierung“ zur ‚Glorious Revolution‘ der Jahre 1688- 89 sollen hier untersucht werden. Zur Einführung in das Thema ist es hilfreich zunächst einen kurzen Blick auf den Werdegang von John Locke zu werfen. Anschließend werden die „Zwei Abhandlungen über die Regierung“ vorgestellt, welche das wesentliche Werk des Autors, auf dem Gebiet der politischen Philosophie darstellen. Es folgt ein kurzer Überblick über die politische Situation Englands am Ende des 17. Jahrhunderts, die ‚Glorious Revolution‘ und ihre Beteiligten. Im Hauptteil wird der Bezug der zwei Abhandlungen zur Revolution betrachtet. Was bewog John Locke seine Anforderungen an eine ihm als wünschenswert erscheinende Form von Regierung zu stellen? Inwieweit wurden diese Erwartungen durch die ‚Glorious Revolution‘ erfüllt? [...] 1 Günther Nonnenmacher: Die Ordnung der Gesellschaft. Mangel und Herrschaft in der
politischen Philosophie der Neuzeit: Hobbes, Locke, Adam Smith, Rousseau. Weinheim: VCH,
Acta Humaniora, 1989, S. 72.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
1.1 Vorgehensweise
2 Leben und frühe Arbeiten
2.1 Ausbildung und Werdegang
2.2 Frühe politische Äußerungen John Lockes
3 Die ‚Glorious Revolution‘
3.1 Vorgeschichte im England des 17. Jahrhunderts
3.2 Politische und konfessionelle Strömungen vor der ‚Glorious Revolution‘
3.3 Die Revolution als Beendigung der Restauration
4 John Locke und seine Vorstellungen über Regierung
4.1 Die erste Abhandlung: Kritik am Absolutismus
4.2 Die zweite Abhandlung
4.2.1 Ursprung, Reichweite und Zweck von Regierung
4.2. Gewaltenteilung
4.2. Der Staat im Grenzbereich: Umgang mit Krisen
5 Die zwei Abhandlungen vor dem Hintergrund der ‚Glorius Revolution‘
5.1 Position des Autors im politischen Umfeld
5.2 Die Wirkung von John Lockes politischen Theorien auf die Revolution
5.3 Wurden die Forderungen der zwei Abhandlungen durch den Umsturz erfüllt ?
6 Fazit und Ausblick
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht das Verhältnis zwischen John Lockes Werk „Zwei Abhandlungen über die Regierung“ und dem historischen Kontext der ‚Glorious Revolution‘ in England (1688-89). Ziel ist es zu analysieren, welche Intentionen Locke mit seinem Hauptwerk verfolgte und inwieweit seine dort formulierten politischen Anforderungen durch den historischen Umsturz tatsächlich erfüllt wurden.
- Biografische Einordnung von John Locke und sein politischer Werdegang.
- Analyse der politischen und konfessionellen Bedingungen in England im 17. Jahrhundert.
- Untersuchung der Kernargumente von Lockes „Zwei Abhandlungen“ (Kritik am Absolutismus, Gewaltenteilung, Naturrecht).
- Bewertung der tatsächlichen Wirksamkeit von Lockes Theorien auf den Verlauf und die Ergebnisse der ‚Glorious Revolution‘.
Auszug aus dem Buch
4.2.2 Gewaltenteilung
Lockes politischer Entwurf der Gewaltenteilung im Staat mutet teilweise heute noch modern an. Unter der Legislative versteht Locke die höchste Autorität im Staat, das gesetzgeberische Organ:
„Die legislative Gewalt ist die Gewalt, die ein Recht hat zu bestimmen, wie die Macht des Staates zur Erhaltung der Gemeinschaft und ihrer Glieder gebraucht werden soll.“
Die Exekutive ist die vollziehende Gewalt, die stets im Amt präsent sein soll, jedoch keinesfalls ranghöher als die Legislative anzusehen sei. Im Falle Englands sind für Locke damit der Fürst oder Herrscher, die Gerichte und alle Amtsträger für innere Angelegenheiten gemeint:
„[…] ist es notwendig, daß eine ständige Gewalt vorhanden sei, die auf die Vollziehung der erlassenen und in Kraft bleibenden Gesetze achten soll.“
Legislative und Exekutive sollen personell strikt voneinander getrennt sein, um Missbräuchen vorzubeugen. Die Funktion der Legislative wird in England zur Zeit Lockes, aber auch schon in den Jahrhunderten davor, durch das Parlament, bestehend aus Oberhaus und Unterhaus bekleidet. Dies ist also kein Novum, welches durch die „Zwei Abhandlungen über die Regierung“ begründet würde. Föderative Gewalt ist, nach Locke, die Macht des Staates nach außen mit Zuständigkeit über Außenpolitik und Krieg oder Frieden.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Einführung in das Thema, die Forschungsabsicht und die Vorgehensweise innerhalb der Studienarbeit.
2 Leben und frühe Arbeiten: Überblick über John Lockes Ausbildung, seinen Werdegang und seine anfängliche konservative politische Einstellung.
3 Die ‚Glorious Revolution‘: Analyse der politischen Vorgeschichte Englands und der revolutionären Ereignisse zum Ende des 17. Jahrhunderts.
4 John Locke und seine Vorstellungen über Regierung: Detaillierte Darstellung der „Zwei Abhandlungen“, einschließlich Kritik am Absolutismus, Naturrecht und der Konzeption von Gewaltenteilung.
5 Die zwei Abhandlungen vor dem Hintergrund der ‚Glorius Revolution‘: Einordnung der Entstehungsgeschichte des Werks in das politische Umfeld des Earl of Shaftesbury und kritische Reflexion zur Wirksamkeit der Theorie.
6 Fazit und Ausblick: Zusammenfassende Einschätzung der historischen Rolle von Lockes Werk und sein Einfluss auf die politische Theoriegeschichte.
Schlüsselwörter
John Locke, Zwei Abhandlungen über die Regierung, Glorious Revolution, England, 17. Jahrhundert, Absolutismus, Gewaltenteilung, Exekutive, Legislative, Whigs, Tories, Eigentum, Naturrecht, Parlamentarismus, Politische Philosophie
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die politische Philosophie von John Locke, insbesondere seine „Zwei Abhandlungen über die Regierung“, vor dem spezifischen Hintergrund der englischen ‚Glorious Revolution‘.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Die Themen umfassen die Geschichte der englischen Monarchie des 17. Jahrhunderts, die Biografie Lockes, die theoretische Abgrenzung vom Absolutismus sowie das Verhältnis von politischer Theorie zu den Ereignissen von 1688/89.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist herauszufinden, ob Lockes Werk als direkte Rechtfertigungsschrift für die ‚Glorious Revolution‘ fungierte oder ob die Entstehung des Werks in einem anderen historischen Kontext, etwa der ‚Exclusion Crisis‘, begründet liegt.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine politikwissenschaftliche und historische Analyse, die auf der Auswertung primärer Quellentexte von John Locke sowie auf einer fundierten Sekundärliteratur zur englischen Geschichte basiert.
Welche Inhalte werden im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine historische Analyse der ‚Glorious Revolution‘, eine detaillierte Auseinandersetzung mit Lockes Staatsverständnis und eine kritische Gegenüberstellung von Lockes Forderungen mit den tatsächlichen politischen Ergebnissen in England.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die zentralen Begriffe sind John Locke, Absolutismus, Gewaltenteilung, ‚Glorious Revolution‘, Whigs, Tories und Parlamentarismus.
War John Locke direkt am Umsturz der ‚Glorious Revolution‘ beteiligt?
Nein, Locke befand sich zum Zeitpunkt der Revolution im Exil in Holland, und sein Werk war zu diesem Zeitpunkt noch nicht veröffentlicht, weshalb ein direkter Einfluss auf die Ereignisse als gering eingestuft wird.
Wie unterscheidet Locke zwischen der Legislative und der Exekutive?
Für Locke ist die Legislative die gesetzgebende höchste Gewalt im Staat, während die Exekutive die vollziehende Gewalt darstellt, die für die Umsetzung der Gesetze verantwortlich ist und eng mit der föderativen Gewalt (Außenpolitik) verzahnt bleibt.
Warum widmet Locke dem Begriff „Eigentum“ so viel Aufmerksamkeit?
Locke versteht Eigentum nicht nur als materiellen Besitz, sondern als Schutzrecht für die eigene Person und Arbeitskraft, was in der damaligen politischen Situation eine entscheidende Gegenposition zum absolutistischen Anspruch des Königs auf alles Land und alle Macht darstellte.
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- Andreas Donay (Autor), 2012, John Lockes „Zwei Abhandlungen zur Regierung“ vor dem Hintergrund der ‚Glorious Revolution‘ in England, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/194187