1. Einleitung
Plötzlich hat man hunderte von Freunden und Freundinnen, von denen man die meisten noch nicht einmal gesehen hat. Man erzählt ihnen, wo man gerade Urlaub macht, was man als nächstes vor hat, wie man sich gerade fühlt, in wen man gerade verliebt ist und wen man gerade gar nicht leiden kann.
In sozialen Netzwerken, auch bekannt unter "Online-Communities" oder "Social Networks", präsentieren sich Nutzer/-innen in einem eigenen Profil mit möglichst vielen Angaben zu ihren Hobbies, Interessen, aktuellen Aktivitäten etc..
Fotos und Videos werden miteinander verlinkt, in so genannten "Chat-Rooms" tauscht man sich aus, Interessensgruppen werden gebildet und Spiele werden gemeinsam gespielt. So entsteht in rasanter Geschwindigkeit ein Netzwerk aus Personen, die miteinander in Kontakt stehen und Fremde werden schnell zu "Freunden".
Dass soziale Netzwerke aber auch Gefahren im Hinblick auf die eigene soziale Entwicklung in sich bergen, ist insbesondere unseren Heranwachsenden nicht bewusst. Der Wunsch nach Austausch mit anderen und ein Teil des großen Ganzen zu sein, zieht Jugendliche in soziale Netzwerke, sie bedenken dabei aber meist nicht, dass dies eine "Abstumpfung" ihrer sozialen Kompetenzen wie etwa Teamfähigkeit, Konfliktfähigkeit, Empathie, Selbstwertgefühl, Kritikfähigkeit, Kompromissfähigkeit etc. bedeuten kann.
Auf der anderen Seite bieten Online-Communities aber auch positive Aspekte in Bezug auf die soziale Entwicklung Jugendlicher. Letztendlich geht es für die Heranwachsenden um den Aufbau einer gesunden und stabilen Identität, die wiederum im Zusammenhang mit dem sozialen Zusammenleben steht. Die Identitätsentwicklung ist ein Prozess, der von sozialer Interaktion geprägt ist und gerade hier spielt soziales Feedback eine große Rolle. Freundschaften sozialisieren Jugendliche in Form von Vertrauen, Spaß, emotionaler Unterstützung, aber auch in Konflikten, Ängsten oder Verletzungen.
Soziale Netzwerke bilden somit also durchaus eine Möglichkeit, die Entwicklung der eigenen Identität zu fördern.
In dieser Seminararbeit beschäftige ich mich mit der Frage, welche potentiellen negativen als auch positiven Auswirkungen Online-Communities auf die soziale Entwicklung der Jugendlichen haben können.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Was sind soziale Netzwerke?
2.1 Die größten und bekanntesten sozialen Netzwerke
2.1.1 Facebook
2.1.2 StudiVZ
2.1.3 Xing und Twitter
2.2 Gründe für die Nutzung sozialer Netzwerke
3 Soziale Netzwerke im Zusammenhang mit der sozialen Entwicklung Jugendlicher
3.1 Was bedeutet der Begriff „soziale Entwicklung“?
3.1.1 Sozialkompetenz
3.1.2 Selbstkompetenz
3.1.3 Auswirkungen sozialer Netzwerke auf ausgewählte Bereiche der Sozial- und Selbstkompetenz
3.1.3.1 Verbale und nonverbale Kommunikation
3.1.3.2 Vertrauen und Selbstvertrauen
3.1.3.3 Empathie
3.1.3.4 Verantwortung
3.1.3.5 Kooperation und Teamfähigkeit
3.1.3.6 Konfliktfähigkeit
3.1.4 Fazit
4 Versuch „Offline“ an der PTS Thalgau
Zielsetzung und Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Auswirkungen der Nutzung sozialer Netzwerke auf die soziale Entwicklung Jugendlicher. Dabei wird insbesondere der Frage nachgegangen, welche potenziellen negativen Konsequenzen für soziale Fähigkeiten bestehen und inwieweit Online-Plattformen die Identitätsbildung beeinflussen.
- Definition und Funktionen sozialer Netzwerke
- Analyse der sozialen und Selbstkompetenz bei Jugendlichen
- Auswirkungen digitaler Kommunikation auf zwischenmenschliche Fertigkeiten
- Gefahrenpotenziale durch exzessive Nutzung virtueller Plattformen
- Empirischer Vergleich zwischen Online- und Offline-Nutzergruppen
Auszug aus dem Buch
3.1.3.1 Verbale und nonverbale Kommunikation
„Sobald ein Mensch einen Raum betritt, in dem sich schon jemand befindet, gibt es eine Beziehung zwischen ihnen beiden. Es findet Kommunikation statt. Auch ohne Worte.“ (Mitschka 1997, S. 33)
Es kommt bei der Kommunikation nicht nur auf das Gesprochene, sondern ebenso darauf an, was man zusätzlich zu Worten ausdrückt, wie etwa den Gesprächspartner anzulächeln, ihn ernst anzusehen, ihn intensiv anzusehen oder gar den Blick zu senken. Unsere Körpersprache vermittelt Botschaften – diese nonverbale Kommunikation (Mimik, Gestik, Körperhaltung, Blick etc.) wirkt laut komplizierten Untersuchungen von Werbepsychologen viermal so stark auf andere, wie der Inhalt der gesprochenen Worte. (Vgl. Mitschka 1997, S. 34 f.)
Beziehungen entstehen durch wechselseitige Kommunikation – wer Beziehungen positiv gestalten möchte, sollte also richtig kommunizieren können. Diese, in der Fachsprache genannte Kommunikationsfähigkeit, bezeichnet demnach die Fähigkeit, sich sowohl auf verbaler als auch auf nonverbaler Ebene verständlich auszudrücken, als auch Botschaften des Kommunikationspartners oder der Kommunikationspartnerin angemessen interpretieren zu können. Dabei ist beispielsweise von Bedeutung, die Körpersprache und das Gesprochene aufeinander abzustimmen, aktiv zuzuhören und generell Gespräche sinnvoll beginnen, aufrechterhalten und beenden zu können. Es braucht dabei natürlich Mut, die Verantwortung für das Ausdrücken eigener Gefühle zu übernehmen.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Einführung in die Thematik der sozialen Netzwerke und deren Bedeutung für das moderne Leben sowie Formulierung der zentralen Forschungsfrage.
2 Was sind soziale Netzwerke?: Definition und historische Einordnung sozialer Netzwerke sowie Vorstellung gängiger Plattformen wie Facebook, StudiVZ und Twitter.
3 Soziale Netzwerke im Zusammenhang mit der sozialen Entwicklung Jugendlicher: Detaillierte Untersuchung der Auswirkungen digitaler Medien auf die Sozial- und Selbstkompetenz sowie auf Kernbereiche wie Kommunikation, Vertrauen und Konfliktfähigkeit.
4 Versuch „Offline“ an der PTS Thalgau: Präsentation einer empirischen Untersuchung an einer Polytechnischen Schule, bei der der Einfluss eines zweiwöchigen Verzichts auf soziale Netzwerke auf die Sozialkompetenz von Schülern analysiert wurde.
Schlüsselwörter
Soziale Netzwerke, soziale Entwicklung, Jugendliche, Sozialkompetenz, Selbstkompetenz, Kommunikation, Identitätsbildung, Online-Communities, Facebook, Konfliktfähigkeit, Empathie, Vertrauen, Teamfähigkeit, digitale Medien, Verhaltensänderung
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Seminararbeit grundlegend?
Die Arbeit befasst sich mit der Fragestellung, wie sich die Nutzung von sozialen Netzwerken auf die soziale Entwicklung Jugendlicher auswirkt und welche Vor- oder Nachteile damit verbunden sind.
Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Die Schwerpunkte liegen auf der Definition von Kompetenzen wie Sozial- und Selbstkompetenz, der Analyse der Kommunikationsformen in sozialen Netzwerken und deren Auswirkungen auf reale zwischenmenschliche Beziehungen.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es herauszufinden, ob soziale Netzwerke primär negative Auswirkungen auf die soziale Kompetenz haben oder ob sie auch positive Identitätsaspekte fördern können.
Welche wissenschaftliche Methode wurde angewandt?
Die Autorin kombiniert eine theoretische Literaturanalyse mit einem eigenen empirischen Feldversuch ("Versuch Offline") an der PTS Thalgau.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Im Hauptteil werden zentrale Kompetenzbereiche wie verbale Kommunikation, Empathie, Verantwortung, Kooperation und Konfliktfähigkeit detailliert definiert und im Kontext der Onlinenutzung kritisch reflektiert.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Untersuchung?
Die Untersuchung lässt sich vor allem durch Begriffe wie soziale Kompetenz, Jugendliche, soziale Netzwerke, Online-Communities und Identitätsentwicklung beschreiben.
Warum spielt die Unterscheidung zwischen verbaler und nonverbaler Kommunikation eine so große Rolle?
Die Arbeit argumentiert, dass wesentliche Teile der zwischenmenschlichen Kommunikation (Mimik, Gestik) in virtuellen Chats verloren gehen, was die Entwicklung sozialer Kompetenzen langfristig schwächen könnte.
Was kam bei dem "Versuch Offline" heraus?
Die teilnehmenden Schüler, die zwei Wochen auf soziale Netzwerke verzichteten, erzielten im Fragebogen zur Sozialkompetenz signifikant höhere Werte als die Vergleichsgruppe, was auf einen positiven Einfluss des "realen" sozialen Lebens hindeutet.
- Arbeit zitieren
- Eva Gasperl (Autor:in), 2012, Soziale Netzwerke und deren Auswirkungen auf die soziale Entwicklung von Jugendlichen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/194209