Die Rolle des Mahdī in der Verfassung der Islamischen Republik Iran


Hausarbeit, 2012
32 Seiten, Note: 1,7

Leseprobe

Inhalt

1 Einleitung

2 Der Mahdl im schiitischen Glauben

3 Die Entstehung der Verfassung

4 DieRolledesMahdl
4.1 DieRolleinder Politik vor 1979
4.2 Die Rolle in der Verfassung von 1979

5 Der Oberste Rechtsgelehrte als Mahdl? - Auswirkungen auf die irani- 23 sche Politik

6 Fazit

7 Anhang
7.1 Abbildungsnachweis
7.2 Literaturverzeichnis

1 Einleitung

Am Freitag, den 21. Oktober 2011 sollte - mal wieder - die Welt untergehen. Der US-amerikanische Prediger Harold Camping scheiterte erneut mit seiner Prophe- zeiung, nachdem schon am 21. Mai dieses Jahres ebenfalls die Apokalypse aus- blieb. Trotzdem fuhlten sich wieder viele Menschen von der Botschaft beruhrt, gaben ihr Hab und Gut auf und taten Bufie, um auf den Jungsten Tag vorbereitet zu sein.[1]

Offensichtlich ubt der Weltuntergang auf die Menschen noch immer eine Faszina- tion aus. Der Christ der Antike und des Mittelalters lebte in standiger Erwartung der Wiederkehr Christi und damit der Apokalypse. Immer wieder wurde versucht, ein Datum des Untergangs zu ermitteln, trotz des biblischen Verbotes[2]. Das Ende der Welt wird mit Natur- und kosmischen Katastrophen verbunden sowie mit der Ruckkehr des Retters. Auch die Juden erwarten einen Messias vor dem Weltunter­gang. Die dritte monotheistische Religion, der Islam, kennt ebenfalls eine solche eschatologische Figur: den MahdI. Die Sunna erwartet diesen als einen „Uber- menschen“ aus der Familie des Propheten Muhammad, der am Ende der Welt er- scheint, um das Reich Gottes auf Erden zu errichten. Die Schiiten[3] dagegen ken- nen den MahdI als eine bestimmte Personlichkeit, Muhammad ibn Hassan, der in der „Verborgenheit“ existierende zwolfte Imam, der ebenfalls kurz vor dem Welt­untergang ein Reich des Friedens auf Erden errichten wird. Im sunnitischen Glau- ben war es entsprechend moglich, sich selbst als MahdI auszugeben, andere Mus- lime hinter sich zu bringen und einen Aufstand zu wagen; die eschatologische Fi­gur also zu politisieren. Eines der beruhmtesten Beispiele ist der MahdI-Aufstand im Sudan 1881 bis 1899, als unter der Fuhrung Muhammad Ahmads, der sich zum MahdI ausrief, gegen die anglo-agyptische Herrschaft rebelliert wurde.[4] Im schiiti- schen Glauben hingegen konnte man nur als Stellvertreter des MahdI auftreten.

Mit der Islamischen Revolution 1978/79 in Iran wurde der zwolfte Imam endgul- tig politisiert. Die Verfassung des Landes, welche nach der Revolution in Kraft trat, richtet sich vollig auf die Wiederkehr des Mahd! aus.

Der Iran ist heute das einzige Land mit einer schiitisch gepragten Staatsordnung. Die Schia, ubersetzt „Partei“, entstand aus dem innerislamischen Konflikt um die Nachfolge Muhammads. Zu ihr gehorten diejenigen, die Muhammads Schwieger- sohn All als einzig rechtmafiigen Nachfolger ansahen. Da keine Einigung uber die Nachfolge gefunden werden konnte, zerbrach schon wenige Jahre nach dem Tode des Propheten die islamische Gemeinschaft in Anhanger der nunmehr folgenden Kalifendynastie und die Anhanger Alls und seiner Nachkommen, die mit dem Tod Husseins 680 bei Kerbala eine religiose Richtung mit einer eigenen Theologie und Ritualspraxis herausbildete.

Schon im 7. Jahrhundert drangen islamische Einflusse nach Persien vor, vor allem durch Eroberungen. Die Araber ubernahmen die vorgefundenen Verwaltungsstruk- turen. Unter dem Kalifat der Abbasiden wurde Persien endgultig islamisiert. Die Schiawurde ab 1501 unter der Herrschaft der Safawiden Staatsreligion.[5] Eine Trennung von Staat und „Kirche“, wie im heutigen westlich-christlichen Raum, kennt das islamische Recht nicht. Dort verschmelzen religiose und weltli- che Ansichten, auch in der Staatsfuhrung, da die Geschichte einem gottlichen Heilsplan folge. Somit ist es Aufgabe der Gesellschaft, schon auf Erden eine gott- gefallige Staatsordnung zu schaffen. Jedes politische Handeln hat daher auch eine religiose Bedeutung.[6] Der Iran wird auch oft als „Theokratie“ bezeichnet. Die Schia hatte keine politische Legitimationsmoglichkeit mehr, als der Kontakt zum Mahdl, der per Brief aus der sogenannten kleinen Abwesenheit mit seiner Ge- meinde verbunden war, abbrach. So zog sich die Schia in die Religiositat und den Quietismus zuruck, zeigte also bis auf weiteres keine politischen Ambitionen.[7] Als einzige Autoritaten werden nur noch zur schiitischen ulama gezahlte Gelehrte an- gesehenen, die nun statt der „Bevollmachtigten“ des Imam in seinem Namen spra- chen, jedoch auf Grund der Illegitimitatjeder Regierung keine politischen Amter ubernehmen konnten.[8] Denn das Problem liegt darin, dass die Schiiten annehmen, dass nur der Imam All die effektive Nachfolge Muhammads und damit die Herr- schaft uber die umma wahrnehmen konnte. Die ihm nachfolgenden Imame erlang- ten faktisch ihre Macht nie, da sie sich meist in Gefangenschaft des Kalifen befan- den. Somit standen die schiitischen Glaubigen immer unter illegitimer Herrschaft, nur die Herrschaft des Mahdl kann wieder als legitim anerkannt werden.[9] Jeder weltliche Herrscher war somit illegitim, konnte aber geduldet werden, wenn er nach den islamischen Gesetzen handelte. Wie also legitimiert sich die iranische Regierung? Khomeinis[10] [11] Antwort ist die ,,stellvertretende Herrschaftsausubung der Rechtsgelehrten“n, mit der er sich gegen die quietistischen Gelehrten durch- setzte. Doch wie steht diese im Verhaltnis zum Mahdl?

Die quietistische Haltung der Schia wurde in Iran wahrend der Tabak-Proteste 1891-1892 kurz aufgehoben.[12] In der Konstitutionellen Revolution 1905-1911 trat der Quietismus ebenfalls in den Hintergrund. Dort wurde der Geistlichkeit eine Kontrolle der Gesetzgebung zugebilligt. Doch erst in den 1970er Jahren begann die Schia sich endgultig aus der passiven Haltung zu losen und nach der politi- schen Macht zu streben. Das programmatische Ziel der Kontrolle der Herrschaft durch die Geistlichkeit wurde durch die Revolution nach Jahrhunderten der quie­tistischen Zuruckhaltung nun durchgesetzt - Herrschaft und Geistlichkeit fallen nun sogar zum Teil zusammen.[13]

Wer ist nun der Mahdl und welche Stellung hat er in der Verfassung des Irans in- ne? Am Beispiel des Ayatollah Khomeinis soil untersucht werden, wie diese Vor- stellung in die Politik des Landes hineinwirkt.

Die westliche Offentlichkeit begann sich erst nach der Revolution von 1978/79 ausdrucklich far den Islam zu interessieren, wie Tibi feststellt, doch beklagt er 1981 noch das Fehlen an ernstzunehmenden Publikationen im deutschsprachigen Raum.[14] Inzwischen liegen diverse Grundlagenwerke zur Schia vor[15], weiterhin aber vor allem in englischer Sprache. In deutscher Sprache ist vor allem Heinz Halm zu nennen.[16] Ebenso gibt es Studien zum Messianismus im Islam[17], auch Religion und Staatstheorie im Iran sind beleuchtet[18]. Hervorzuheben ist Mariella Ourghis Studie zum neuzeitlichen schiitischen Messianismus[19], was jedoch zu die- sem Thema das einzig bedeutende in deutscher Sprache ist. Diese Arbeit legt den Fokus auf die MahdI-Vorstellung in der iranischen Verfassung von 1979.

2 Der Mahdl im schiitischen Glauben

Al-MahdI ist der Ehrentitel des Imam Muhammad ibn Hassan und bedeutet ,,der Rechtgeleitete“. Ursprunglich hatte dieser Titel keinen messianischen Bezug, son- dern wurde besonderen Glaubensvorbildern zugestanden, beispielsweise auch Abraham {Ibrahim). Am Ende des 7. Jahrhunderts ubertrug sich der Titel immer mehr auf einen noch zu erwartenden Herrscher, der den Islam in seiner ursprungli- chen Perfektion wieder herstellen wird. Die islamische Geschichte kennt diverse Personlichkeiten, die den MahdI-Titel oder seine Stellvertreterschaft fur sich bean- spruchten.[20]

Als Imame werden im schiitischen Glauben zwolf Manner angesehen, die in agna- tischer Linie von All abstammen. Sie sind von Gott berufen, gelten als unfehlbar, sundlos und besitzen grofie Weisheit; sie allein konnen Koran und Hadith umfas- send auslegen. Somit zeichnen sie sich als Fuhrer der Muslime aus. Muhammad ibn Hassan ist der letzte in dieser Reihe. Ein Kennzeichen des zwolften Imam ist seine „Abwesenheit“ oder „Entruckung“ (ghaiba), also sein mystisches Ver- schwinden, um irgendwo auf der Erde sich verborgen zu halten und auf seine glor- reiche Ruckkehr zu warten. Erste Vorstellungen von Verborgenheit finden sich sehr fruh bei verschiedensten religiosen Fuhrern, wie beim sechsten Imam Dscha- far as-Sadiqs (699/700 oder 702/703-765), der nur entruckt sein sollte, um im Tri­umph zuruck zu kehren.[21] Dieser Glaube setzte sich jedoch nicht durch, da seine Sohne das Imamat fortsetzen konnten.[22] Die genealogische Linie endet, vor allem nach sunnitischer Auffassung, mit dem elften Imam Hassan al-Askari (846-874), der keine mannlichen Nachfolger hinterliefi. Dies sollte die schiitische Gemein- schaft in eine Krise sturzen, was als „Verwirrung“ (haira) bezeichnet wird. Eine dieser Gruppen, in die die „Partei“ zerfallen war, ging davon aus, dass es doch ei- nen mannlichen Nachkommen, also einen zwolften Imam, gebe. Muhammad sei 869 von einer byzantinischen Sklavin in Samarra geboren[23] und von seinem Vater versteckt worden. Somit konnten nur wenige Vertraute und Verwandte Muham­mad ibn Hassans ansichtig werden. Auch nach dem Tod seines Vaters sei er nicht in die Offentlichkeit getreten, sondern wurde durch ein Wunder in die „Verborgen- heit“ entruckt. Uber vier Generationen (874-941) blieb er per Briefkontakt uber Botschafter (sufara) mit den Glaubigen verbunden, in denen er seine Anordnun- gen Kund tat (al-ghaiba al-Sugrah, „Kleine Abwesenheit/ Verborgenheit“).[24] Nach Abriss des Kontaktes trat die „Grofie Abwesenheit“ (al-ghaiba al-kubra) ein. Je­doch wurde eine baldige Ruckkehr nicht erwartet, sondern erst wenn die Erde von Tyrannei erfullt sei. Sein Wiedererscheinen in Mekka werde von himmlischen Zeichen, wie Sonnenfinsternissen, und Naturkatastrophen angekundigt. Ein himmlischen Herold ruft die Worte: „Ebenjener wird euch fuhren!“ angekundigt.

Er werde die Tyrannen vemichten und ein Reich des Friedens und der Gerechtig- keit errichten - also eine ahnliche Vorstellung, die auch dem Christentum mit dem Tausendjahrigen Friedensreich aus der Offenbarung bekannt ist. Des Weiteren wird er die Spaltung der Muslime aufheben. Das Reich erstrecke sich uber den ge- samten Globus. Zur Gerechtigkeit kommt allgemeiner Wohlstand. Danach wird die Apokalypse erwartet, ebenso die Auferstehung der Toten. Auch sein Aufieres wird genau beschrieben - so soll er trotz seines hohen Alters wie ein Mann um die 40 aussehen. Eine jungere Vorstellung geht vom Erscheinen des Imams aus einem Brunnen in Jamkaran bei Qom aus.[25] Die Dauer seiner Herrschaft wird von den Sunniten mit nur sieben oder neun Jahren angesetzt. Die Schiiten dagegen erwar- ten eine 309 oder 490 Jahre andauernde Herrschaft.[26]

Der Mahdl schafft also nichts radikal Neues in der Errichtung seines Friedens- reichs, sondern der ursprungliche Islam wird wieder hergestellt und der Mensch kann wieder er selbst sein. Auch wird mit seinem Erscheinen nur sichtbar, was im Glauben der Schiiten standig prasent ist. Trotzdem stellt es fur die Menschen eine Revolution dar, da es fur sie selbst etwas ganz Neues ist.

Es dauerte etwa 200 Jahre, bis der MahdI-Glaube die anderen aus der haira ent- standenen Vorstellungen verdrangte.[27]

Eine Beeinflussung der MahdI-Vorstellung durch die eschatologische Bedeutung Christi, der ebenfalls vor dem Ende der Welt wiederkehren soll, ist zu vermuten, da der Prophet Muhammad und die fruhe islamische Gemeinde in Kontakt zu Christen standen. ,,Die Vorstellung von der 'Wiederkehr' selbst ist nicht ihr [der Schia] origineller Gedanke. Dem Islam ist dieser Glaube wahrscheinlich aus ju- disch-christlicher Einwirkung zugeflossen.“[28], so Goldziher. Diverse islamische Schulen setzen sich mit dieser Vorstellung auseinander, die von verschiedenen po- litischen Fuhrer als Mahdl ausgingen, bis dahin, dass Jesus (Isa) auch als islami- scher Messias gedeutet wurde.[29]

Dem Mahdl werden ubernaturliche Fahigkeiten zugeschrieben, beispielsweise das Wissen um Vergangenheit und Zukunft. Die wichtigsten Merkmale des Imamats sind Gnade und Unfehlbarkeit. Aus dem Konzept seiner Verborgenheit entstand die Moglichkeit fur die Schiiten, in Notsituationen in Anlehnung daran ihren Glauben verleugnen zu durfen, um sich vor Zugriffen der Feinde zu schutzen.[30] Eine weitere Grundlage des MahdT-Glaubens liegt in der Aussage des sechsten Imam Dschafar begrundet, dem die Tradition die Worte in den Mund legt, dass kein Tag auf Erden vergehen werde, ohne dass ein Imam auf ihr sei.[31] Darin ist vermutlich die Ursache zu sehen, dass der MahdT durch das Wunder nur dem menschlichen Blicken entzogen wurde, er aber noch auf Erden weile, um die An- wesenheit eines Imams sicher zu stellen. Hinzu kommt das Prinzip der Gnade: Gott sei auf Grund seiner Gerechtigkeit verpflichtet, alles zu tun, um den Mensch von Sunde fern zu halten und gehorsam gegen Gott zu sein. Dafur braucht man ei- nen unfehlbaren Fuhrer, der auch standig anwesend ist, da der Imam verpflichtet ist, das Gesetz Gottes zu bewahren und so eine Verbindung zwischen den Glaubi- gen und Gott aufrecht erhalten.[32]

3 Die Entstehung der Verfassung

Die Wurzeln der Verfassung liegen in der Revolution von 1978/79. Die viel- schichtigen Ursachen der Revolution sind unter anderem in den wirtschaftlichen und sozialen Spannungen zu suchen, aber auch an der despotischen Regierung des Schahs[33] [34] , der mit seinen Modernisierungsversuchen[35] [36] sich immer weiter von seinem Volk[37] [38] entfernte und die Geistlichkeit gegen sich aufbrachte, auch durch die starke Betonung vorislamischen Aspekte der iranischen Kultur. Ebenso machte sich eine geistige Leere breit, die auch auf die Verwestlichung des Irans zuruck zu fuhren sei. Trager dieser Verwestlichung waren in den Augen vieler Iraner die USA und die [39] iranischen Eliten. Die Geistlichkeit. [40]

[...]


[1] Vgl. u.a. DIE WELT vom 22.05.2011 „Christen warten vergeblich auf Weltuntergang“ (Online- Versionen http://www.welt.de/vermischtes/kurioses/article13386944/Christen-warten- vergeblich-auf-Weltuntergang.html. Zugriff 01.11.2011) und vom 19.10.2011 „Am Freitag soll die Welt untergehen - Ganz sicher“ (Online-Versionen

http://www.welt.de/vermischtes/weltgeschehen/article13668675/Am-Freitag-soll-die-Welt- untergehen-Ganz-sicher.html, Zugriff01.11.2011).

[2] Matthaus 24, 36 und Markus 13, 32.

[3] Ist nachfolgend von Schiiten die Rede ist, so sind immer die Zwolfer-Schiiten gemeint, da die Funfer- und Siebener-Schiiten einen zwolften Imam nicht anerkennen.

[4] Ausfuhrlich zum MahdIaufstand: Heinrich Pleticha (Hrsg.): Der MahdIaufstand in Augenzeu- genberichten, Dusseldorf 1981; Wilfried Westphal: Sturm uber dem Nil. Der MahdI-Aufstand. Aus den Anfangen des islamischen Fundamentalismus, Sigmaringen 1998.

[5] Monika Gronke: Geschichte Irans, 3. durchgesehene und aktualisierte Auflage, Munchen 2009, S. 12ff., 26 ff., 64.

[6] Ebd., S. 22.

[7] Wilfried Buchta: Schiiten, Kreuzlingen/ Munchen 2004, S. 26.

[8] Karen Armstrong: Im Kampf fur Gott - Fundamentalismus in Christentum, Judentum und Is­lam, Munchen 2007, S. 86.

[9] Gronke(wie Anm.5),S.25.

[10] Grofi-Ayatollah Ruhollah Musavi Khomeini (1902-1989): Politischer und spiritueller Fuhrer der Islamischen Revolution. Seine Familie soll sich auf den siebenten Imam, Musa al-Kazim ,,der Zuruckhaltende“, zuruckfuhren konnen. Politisch in Erscheinung trat er erst 1963 mit ei- ner Reden gegen den Schah. Nur ein Jahre spater wurde er ins Exil geschickt, so dass er sich in Irak niederliefi. Er verbreitete Tonkassetten mit weiteren Ermunterungen zur Revolution, so dass auch Irak ihn 1978 auswies, und er in der Nahe von Paris Zuflucht fand. Ihm gelang es auch aus der Entfernung Massenproteste in Iran zu aktivieren. Nach der Grundung der Repu- blik hatte er bis zu seinem Tod das Amt des Obersten Rechtsgelehrten inne.

[11] Ausfuhrlich legt Khomeini dieses Konzept in seinem Buch ,,Der Islamische Staat“ dar, welches er 1970 basieren auf seinen Vorlesungen, herausgab. Deutsche Ubersetzung: Der Islamische Staat, Berlin 1983.

[12] 1890 verkaufte der Schah Naser ad-DTn (1831-1896, reg. 1848-1896) das Monopol auf Tabak an das britische Unternehmen Imperial Tobacco Corporation. Daraufhin weigerten sich viele Tabakbauern, ihre Ernte an die Briten zu verkaufen. Unter dem Namen des angesehenen Imam Mirza Schirazi wurde die sogenannte Tabak-Fatwa veroffentlicht, die Tabakkonsum als Kriegs- erklarung gegen den 12. Imam deklarierte. Nach Bekanntgabe der Fatwa hielten sich die meis- ten Iraner daran - sogar die Frauen des Schahs sollen das Wasserpfeiferauchen eingestellt ha- ben. Unter diesem Druck musste der Schah die Konzession zuruck nehmen. Somit wurde hier die Geistlichkeit politisch aktiv.

[13] Kurt Greussing: Vom ,,guten Konig“ zum Imam - Staatsmacht und Gesellschaft im Iran, Bre- genz 1987, S. 20.

[14] Basam Tibi: Die iranische Revolution und die Re-Islamisierung im Lichte des Nord-Sud-Kon- fliktes. In: Aus Politikund Zeitgeschichte B 14, S. 12-26, hier, S. 12f.

[15] Unter anderem: Moojan Momen: An Inroduction to Schi'i Islam - The History and Doctrines of Twelver Schi'sm, New Haven, London 1985; Buchta {wie Anm. 7).

[16] Heinz Halm: Die Schia, Darmstadt 1988; Ders.: Der schiitische Islam - von der Religion zur Revolution, Munchen 1994; Ders.:Die Schiiten, Munchen 2005.

[17] Unter anderem: Abbas Amanat: Apocalyptic Islam and Iranian Shi'ism, New York 2009; Mo­hammad Serdani: Der verborgene Imam - eine Untersuchung der chiliastischen Gedanken im schiitischen Islam nach Ibn Babuya {gest. 991), Bochum 1979; Abdulaziz Abdulhussein Sache- dina: Islamic Messianism - The Idea of Mahdl in Twelver Shi'ism, New York 1981; Ders.: The just ruler {al-sultan al-‘adil) in Shl’ite Islam, New York {u.a.) 1988.

[18] Unter anderem: Greussing {wie Anm. 13); Reza Hajatpour: Iranische Geistlichkeit zwischen Utopie und Realismus - zum Diskurs uber Herrschafts- und Staatsdenken im 20. Jahrhundert, Wiesbaden 2002.

[19] Mariella Ourghi: Schiitischer Messianismus und MahdI-Glaube in der Neuzeit, Wurzburg 2008.

[20] Ausfuhrliche Darstellung zu den diversen Mahdl in der islamischen Geschichte in Wilferd Ma- delung: al-MahdI. In: Encyclopedia of Islam, Second Edition {Online-Version, Zugriff: 01.11.2011) und zum Konzept des MahdI in: Sachedina 1981 {wie Anm. 17).

[21] Ausfuhrlicher zu den diversen verborgenen Fuhrern im fruhen Islam in: Hannes Mohring: Die Mahd! - Vorstellung der Muslime, In: Der Weltkaiser der Endzeit - Entstehung, Wandel und Wirkung einer tausendjahrigen Weissagung, Stuttgart 2000, S. 377ff.

[22] Halm 2005 (wie Anm. 16), S. 22; Buchta (wie Anm. 7), S. 22f.

[23] Andere Legenden sprechen von einer byzantinischen Prinzessin als Mutter. Um Schwanger- schaft und Geburt ranken sich ebenfalls diverse mystische Geschichten.

[24] Halm 2005 (wie Anm. 16), S. 31f.

[25] Gudmar Aneer: Imam Ruhallah Khumaini, Shah Muhammad RiZa Pahlavi and the religious traditions of Iran, Uppsala 1985, S. 66; Buchta (wie Anm. 7), S. 23; Armstrong (wie Anm. 8), S. 83 ff.; Greussing (wie Anm. 13), S. 262f.; Amanat (wie Anm. 17), S. 5f. Ausfuhrlich dazu im Kapitel 5 “The Return of the Mahdi” in Sachedina 1981 (wie Anm. 17), S. 150ff. und Kapitel II ,,Die Mahdi-Vorstellung im schiitischen Islam“ in Ourghi 2008 (wie Anm. 19), S.27ff.

[26] Sachedina 1981 (wie Anm. 17), S. 176ff.

[27] Halm 2005 (wie Anm. 16), S.32; Buchta (wie Anm. 7), S. 24.

[28] Ignac Goldziher: Vorlesungen uber den Islam, Nachdruck der 2. umgearbeiteten Auflage von Franz Babinger von 1925, Darmstadt 1963, S. 217.

[29] Madelung (wie Anm. 20).

[30] Buchta (wie Anm. 7), S. 27.

[31] Momen(wie Anm. 15), S. 154.

[32] Hajatpour(wie Anm. 18), S. 82.

[33] Muhammad-Reza-Schah PahlavT (1919-1980): letzter Schahinschah. Nach dem Sturz seines

[34] Vaters durch die Briten und Sowjets wurde er 1941 Schah. Er versuchte Investoren ins Land zu

[35] holen und mit der ,,Weiden Revolution41 Reformen durchzusetzen, was bis in die 1960er Jahre

[36] auch einen Wirtschaftsaufschwung zur Folge hatte. Er legte grodten Wert auf das Militar, wo-

[37] bei er durch die USA grofie Unterstutzung erfuhr. Jedoch entfremdete er sich seinem Volk

[38] durch Prank und Selbstdarstellung, wie die Einfuhrung eines neuen Kalenders. Wahrend seiner

[39] Amtszeit wurden mehrere Attentate auf ihn verubt, von denen zwei ihm schwere Verletzungen

[40] zufugten. Er starb an einem Krebsleiden im Exil in Kairo.

Ende der Leseprobe aus 32 Seiten

Details

Titel
Die Rolle des Mahdī in der Verfassung der Islamischen Republik Iran
Hochschule
FernUniversität Hagen  (Kultur- und Sozialwissenschaften)
Veranstaltung
Politischer Islam
Note
1,7
Autor
Jahr
2012
Seiten
32
Katalognummer
V194212
ISBN (eBook)
9783656195931
ISBN (Buch)
9783656196174
Dateigröße
2568 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Iran, Iranische Revolution, Islamische Revolution, 1979, Mahdi, Eschatologische Figur, Imam, 12. Imam, Schiiten, Endzeit, Iranische Republik, 1978/79, 1978, Muḥammad-Reżā-Schāh Pahlavī, Schah Reza, Pahlavi, Ruhollah Musavi Khomeini, Khomeini, Ayatollah Khomeini, Messianismus, Politischer Islam, Mahmud Ahmadinedschad, Verfassung, Iranische Verfassung
Arbeit zitieren
Christiane Arndt (Autor), 2012, Die Rolle des Mahdī in der Verfassung der Islamischen Republik Iran, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/194212

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