Die Revolution 1978/79 in Iran stürzte die Pahlavi-Dynastie und installierte in der nun erlassenen Verfassung der Islamischen Republik ein neues Staatsoberhaupt: den Mahdi. Diese eschatologische Figur, die im schiitischen Glauben eine starke Rolle spielt, soll bei seinem Kommen kurz vor dem Ende der Welt dem Islam zum Durchbruch verhelfen und ein Reich des Friedens und Wohlstands errichten.
Diese Arbeit beleuchtet die Bedeutung des Mahdi in der Geschichte der Schia und Irans, die dazu führte, dass dieser als offizielles Staatsoberhaupt nun fungiert. Ein Schwerpunkt wird dabei auf Ayatollah Khomeini gelegt, der mit Anspielungen auf dem 12. Imam versuchte, seine Macht zu festigen. Bis heute spielt der Imam eine entscheidende Rolle in Iran, wie diverse Reden Mahmud Ahmadinedschads belegen.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Der Mahdī im schiitischen Glauben
3 Die Entstehung der Verfassung
4 Die Rolle des Mahdī
4.1 Die Rolle in der Politik vor 1979
4.2 Die Rolle in der Verfassung von 1979
5 Der Oberste Rechtsgelehrte als Mahdī? – Auswirkungen auf die iranische Politik
6 Fazit
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die historische und gegenwärtige Bedeutung der Mahdī-Vorstellung im schiitischen Islam sowie deren zentrale Rolle bei der politischen Legitimation und verfassungsrechtlichen Strukturierung der Islamischen Republik Iran.
- Historische Entwicklung des schiitischen Mahdī-Glaubens
- Genese der iranischen Verfassung im Kontext der Revolution von 1978/79
- Politische Instrumentalisierung eschatologischer Konzepte durch Ayatollah Khomeini
- Verhältnis zwischen dem "Obersten Rechtsgelehrten" (Vali Faqih) und dem verborgenen Imam
Auszug aus dem Buch
4 Die Rolle des Mahdī in der Verfassung
„The hidden Imam will unite the double rulership. He will be the authority in religious matters as well as in the affairs of the world.“, konstatiert Aneer. Dies stellt klar das Problem heraus, dass der Islam eine Trennung zwischen religiöser und politischer Macht nicht kennt. Somit fällt auch bei der ersehnten Herrschaft des Mahdī beides zusammen.
Das Imamat stellt eine Idealherrschaft dar. So wurde kein Ordnungs- und Staatskonzept entwickelt, da die Errichtung eines Gottesstaates durch den zwölften Imam erwartet wird. In der Zeit der Abwesenheit kam es zu keiner originär schiitischen Staatskonzeptentwicklung, sondern diese war oft unter den Einflüssen der Eroberer entstanden. Erst Khomeinis Theokratie konnte sich gegen andere Einflüsse durchsetzen und stellt etwas Neues dar, ohne in einer islamischen Tradition zu stehen. Die Schia war bis dahin eher an der Diskussion ihrer Stellung und Aufgaben innerhalb der Gesellschaft interessiert. Eine Regierungsbeteiligung wurde abgelehnt. Ein Staatskonzept war nicht nötig, da alle weltlichen Regierungen illegitim seien.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Die Einleitung führt in die eschatologische Bedeutung des Mahdī im schiitischen Islam ein und beleuchtet die Relevanz dieser Figur für das politische Verständnis im Iran.
2 Der Mahdī im schiitischen Glauben: Dieses Kapitel erläutert die religiösen Grundlagen, die Rolle des verborgenen zwölften Imams und die damit verbundene Hoffnung auf Gerechtigkeit und Wiederherstellung des wahren Islam.
3 Die Entstehung der Verfassung: Hier wird der historische Kontext der Revolution von 1978/79 analysiert, die zum Sturz der Pahlavi-Dynastie und zur Etablierung der neuen politischen Ordnung führte.
4 Die Rolle des Mahdī: Dieses Kapitel vergleicht die politische Bedeutung des Mahdī-Konzepts vor 1979 mit dessen konkreter verfassungsrechtlicher Verankerung nach der Revolution.
5 Der Oberste Rechtsgelehrte als Mahdī? – Auswirkungen auf die iranische Politik: Hier wird untersucht, wie Khomeini das schiitische Erwartungsmoment nutzte, um seine eigene Herrschaft als Stellvertreter des verborgenen Imams zu legitimieren.
6 Fazit: Das Fazit fasst zusammen, dass die Verfassung der Islamischen Republik die charismatische Herrschaft Khomeinis institutionell verankerte und damit eine neue, theokratische Machtstruktur schuf.
Schlüsselwörter
Mahdī, Schiitischer Islam, Islamische Republik Iran, Khomeini, Verfassung, Theokratie, Vali Faqih, Politischer Islam, Revolution 1979, Imam, Schia, Ideologie, Herrschaft, Glaube, Legitimation
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert, wie die schiitische Vorstellung des verborgenen Mahdī genutzt wurde, um die politische Ordnung und die Verfassung der Islamischen Republik Iran zu legitimieren.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themen sind die schiitische Eschatologie, die Geschichte der iranischen Revolution sowie die Transformation von religiöser Ideologie in staatliche Herrschaftsstrukturen.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist aufzuzeigen, wie Ayatollah Khomeini das Konzept des zwölften Imams interpretierte, um als „stellvertretender Herrscher“ religiöse und politische Autorität in einer Person zu vereinen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer Literatur- und Quellenanalyse, die historische Ereignisse mit theologischen Konzepten und verfassungsrechtlichen Texten verknüpft.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil befasst sich mit der Genese der Verfassung, dem historischen Wandel der Rolle der schiitischen Geistlichkeit und der spezifischen Instrumentalisierung des Mahdī-Glaubens durch die Revolutionsführung.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit lässt sich durch Begriffe wie Mahdī-Glaube, theokratische Legitimation, schiitische Identität, Revolution 1979 und die Rolle des Vali Faqih charakterisieren.
Wie unterscheidet sich die Rolle des Mahdī vor und nach der Revolution von 1979?
Vor 1979 war der Glaube an den verborgenen Imam oft mit einer quietistischen Haltung verbunden, während er nach 1979 durch Khomeini in ein aktives, politisches Herrschaftslegitimationsinstrument umgewandelt wurde.
Warum wird Khomeini von seinen Anhängern in manchen Kontexten als "Imam" bezeichnet?
Obwohl Khomeini nicht der zwölfte Imam war, nutzten seine Anhänger den Titel „Imam“, um seine besondere religiöse und spirituelle Autorität sowie seine Rolle als notwendiger Führer während der Abwesenheit des Mahdī zu betonen.
- Citar trabajo
- Christiane Arndt (Autor), 2012, Die Rolle des Mahdī in der Verfassung der Islamischen Republik Iran, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/194212