Wie stand es um das Verhältnis zwischen Deutschland und Israel am 8. Oktober 1973?


Hausarbeit, 2012
12 Seiten, Note: 2,3

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Einordnung der Quellen
2.1 Dokument 313: Gespräch des Bundesministers Scheel mit den Botschaftern arabischer Staaten
2.2 Dokument 314: Gespräch des Bundesministers Scheel mit dem israelischen Botschafter Ben-Horin
2.3 Vergleich der Quellen
2.4 Welche Erkenntnisse lassen sich für die deutsch-israelischen Beziehungen gewinnen?

3. Fazit

4. Quellen- und Literaturverzeichnis

1. Einleitung

In dieser Hausarbeit geht es um die so genannten „Yom Kippur" Krieg aus dem Oktober 1973. Agyptische und syrische Truppen hatten am 6. Oktober 1973 israelische Stellungen auf der Sinaihalbinsel und auf den Golanhohen angegriffen. Der 6. Oktober wurde ausgewahlt, weil die israelis an diesem Tag das Yom Kippur Fest feierten und deshalb nur mit Verzogerung auf die Angriffe reagieren konnten.[1]Der Einmarsch war von langer Hand geplant dennoch erklarten die arabischen Staaten, sie wurden sich gegen israelische Aggressionen verteidigen.[2]Ziel dieser Hausarbeit ist es, die Beziehungen zwischen der Bundesrepublik und Israel direkt nach dem Ausbruch des vierten Nahostkrieges zu untersuchen. Es geht um die Frage, welche Haltung die Bundesrepublik zum Staat Israel in dieser dramatischen Situation eingenommen hat. Stand man Israel als Bundnispartner zur Seite, blieb Deutschland neutral oder distanzierte sich die Bundesrepublik gar von Israel? Der 8. Oktober 1973 ist fur die Beziehungen der beiden Staaten deshalb so interessant, weil die Israelis zu diesem Zeitpunkt von den arabischen Truppen in die Defensive gedrangt worden waren und damit rechnen mussten, eine Niederlage in diesem Krieg zu erleiden.

Um die deutsch-israelischen Beziehungen zu diesem Zeitpunkt zu untersuchen, werden im Folgenden zwei Quellen analysiert und anschlieBend verglichen. Analyse und Vergleich dieser beiden Quellen sind deshalb sinnvoll, weil es sich um Gesprachsprotokolle zwischen dem damaligen BundesauBenminister Scheel und den Botschaftern einiger arabischer Staaten einerseits und dem Botschafter Israels andererseits handelt. Die arabischen Staaten haben das Verhaltnis Deutschlands zu Israel seit der Grundung des judischen Staates beeinflusst und zeitweise sogar bestimmt. Die Haltung der Bundesrepublik zu den Arabern durfte daher mindestens ebenso aufschlussreich fur die Frage nach den deutsch-israelischen Beziehungen sein, wie die Notizen des Gesprachs zwischen Scheel und Ben-Horin.

Beide Seiten versuchten in diesen Gesprachen die Haltung der Bundesrepublik zu diesem Krieg zu erfahren und Zugestandnisse fur die eigene Position zu erringen. Beide Gesprache fanden am 8. Oktober im Abstand von nur wenigen Minuten statt. Der Informationsstand des AuBenministers war also bei beiden Gesprachsrunden vergleichbar. Im ersten Abschnitt wird Auskunft uber die Herkunft dieser Quellen gegeben. Danach werden die beiden Einzelquellen analysiert. Im dritten Abschnitt werden diese Quellen dann vor dem Hintergrund des Kriegsgeschehens miteinander verglichen. In einem kurzen Fazit wird schlieBlich eine Aussage uber das Verhaltnis Deutschlands zu den Konfliktparteien getatigt.

2. Einordnung der Quellen

Beide Gesprachsprotokolle entstammen der Reihe „Akten zur Auswartigen Politik der Bundesrepublik Deutschland". Sie wurden im Auftrag des Auswartigen Amtes vom Institut fur Zeitgeschichte im Jahr 2004 herausgegeben und vom R. Oldenbourg Verlag (Munchen) gedruckt. Grundlage fur den Inhalt des Bandes bilden die Bestande des Politischen Archives des Auswartigen Amtes. Zur Kommentierung wurden auch Schriftstucke aus anderen Ministerien, die Einzug in die Akten des Auswartigen Amtes gefunden hatten, herangezogen. AuGerdem wurden auch Gesprachsnotizen aus dem Bundeskanzleramt verwendet. Fur das Jahr 1973 wurden auGerdem der Nachlass des Bundeskanzlers Willy Brandt sowie das Depositum des damaligen Bundesministers Egon Bahr herangezogen.

Besonders hervorgehoben wird in der einleitenden Quellenbeschreibung, dass auch die Verschlusssachen den Wissenschaftlern, die diese Publikation erarbeitet haben, vollstandig zuganglich gemacht wurden. Diesen Forschern wurde die Moglichkeit gegeben, einen Antrag auf Herabstufung und damit auf Veroffentlichung der jeweiligen Verschlusssachen zu stellen. Ob die betreffenden Akten die Freigabe erhielten, wurde dann von der Behorde, die das jeweilige Aktenstuck besitzt, entschieden. Die vorliegende Dokumentensammlung ist also mehrfach gefiltert worden. Zunachst durch den ublichen Archivierungsprozess, dann durch das Veto der jeweiligen Bundesbehorde und nicht zuletzt durch die Quellenauswahl Forscher, die diesen Band zusammengestellt haben. AuGerdem wurde der Inhalt der Akten in die vorliegende Quellenedition ubertragen, auch hier kann es zu Veranderungen gekommen sein. Diese Quellensammlung bietet dennoch gute Einblicke in die Funktionsweise der deutschen AuGenpolitik und ist fur diese Art der Hausarbeit sicherlich vollkommen ausreichend. Es wird davon ausgegangen, dass die in den Quellen enthaltenen Informationen nicht manipuliert sind, weil es sich um Verschlusssachen handelt, deren Zweck die interne Dokumentation der Arbeitsablaufe des Auswartigen Amtes war. Die Verfasser der Quellen waren in der Anfertigung dieser Schriftstucke geschult und bei den dokumentierten Ereignissen anwesend. Die Anordnung der Quellen in diesem Werk ist standardisiert. Sie sind in chronologischer Abfolge abgedruckt und mit laufenden Nummern versehen. Jedes Dokument beginnt mit einem halbfett gedruckten Dokumentenkopf, in dem die wesentlichen formalen Angaben zusammengefasst sind. Rechts darunter folgt das Datum und auf der linken Seite in derselben Zeile die Geschaftszeichen des editierten Schriftstuckes und der Geheimhaltungsgrad (falls vorhanden) und weiteren Elementen. Aus dem Dokumentenkopf lasst sich auGerdem die Art des jeweiligen Dokuments, sowie Verfasser Empfanger entnehmen. Im Folgenden werden die Dokumente 313 und 314 analysiert und anschlieGend miteinander verglichen.

2.1 Dokument 313: Gespräch des Bundesministers Scheel mit den Botschaftern arabischer Staaten

Die Quelle wurde am 8. Oktober 1973 vom Ministerialdirigenten Dr. Jesser angefertigt, vermutlich in Bonn. Da der Autor bei dem Ereignis anwesend und, weil seine Aufgabe die Erstellung dieser Quelle war, sind die Aussagen glaubwurdig. Seine Intention war die Vermittlung des Gesprachsinhalts. Die Quelle entstand zwei Tage nach dem Beginn des Yom Kippur Krieges und damit zu dem Zeitpunkt, als die agyptischen und libyschen Truppen am weitesten in israelisch besetztes Gebiet eingedrungen waren.

An dieser Quelle interessieren zwei Fragen, von denen erwartet wird, dass sie Auskunft uber die Beziehungen zwischen Deutschland und Israel zu diesem Zeitpunkt geben konnen. Erstens muss wird es darum gehen zu erfahren, wie die arabischen Botschafter den Ausbruch des Krieges erklaren und, wie die deutschen Vertreter darauf reagieren. Zweitens ist von Bedeutung, welche Forderungen an die deutschen Vertreter gestellt werden und welche Reaktion darauf erfolgt.

Der jordanische Botschafter ergriff als erster das Wort und beantwortete dabei auch die Frage nach dem Kriegsausbruch. Den aktuellen Krieg habe die arabische Seite nicht angefangen, sondern es sei ein Akt der Selbstverteidigung. AnschlieBend erlauterte er, dass die arabischen Staaten seit 1967 versucht hatten, auf der Ebene der UN Friedensverhandlungen herbei zu fuhren, diese jedoch an Israel gescheitert seien. Der agyptische Botschafter sah ebenfalls die Unnachgiebigkeit Israels bei der Umsetzung der UN-Resolution 242 als Ursache fur den Yom Kippur Krieg. Die UN-Resolution 242 wurde als Reaktion Sechs-Tage-Krieg einstimmig vom Sicherheitsrat der Vereinten Nationen beschlossen. Israel wurde in dieser aufgefordert, sich aus den besetzten Gebieten zuruck zu ziehen.[3]Auch der tunesische Botschafter machte die israelische Politik fur diesen Krieg verantwortlich.

Der Minister Scheel ging auf die Frage nach dem Ausbruch des Krieges nicht ein. Er bemuhte sich um die Vermittlung der offiziell neutralen Position, die die Bundesrepublik zu diesem Zeitpunkt inne hatte. Fur eine Positionierung lagen der Bundesregierung vermutlich ohnehin zu wenig belastbare Daten vor. Die Kriegsparteien beschuldigten sich gegenseitig, den Krieg begonnen zu haben. Agypten hatte zum Beispiel am selben Tag eine Pressemittleilung herausgegeben, in welcher eine israelische Militaraktion vom 13. September als Ausloser fur die agyptischen und syrischen Truppenbewegungen gebrandmarkt wurde. Es ist jedoch bemerkenswert, dass der agyptische Botschafter nur von einem „Akt der Selbstverteidigung" spricht und nicht von einfach von „Selbstverteidigung".

[...]


[1]Wumser, David, Art. Yom Kippur War, in: Reich, Bernhard (Hrsg.): An Historical Encyclopedia of the arab-israeli Conflict, London 1996, S. 595-600.

[2]Schwarz, Hans Peter u.a. (Hrsg.): Akteis 31. Dezember 1973, Munchen 2004, Nr. 313, S.1528, hier Fn. 5.

[3]UN-Resolution 242, in: http://www.un.org/Depts/german/sr/sr 67u73n zur AuBenpolitik der Bundesrepublik Deutschland 1973, Bd. III: 1.Oktober bZsr242-67.pdf, zuletzt abgerufen am 7.1.2010.

Ende der Leseprobe aus 12 Seiten

Details

Titel
Wie stand es um das Verhältnis zwischen Deutschland und Israel am 8. Oktober 1973?
Hochschule
Christian-Albrechts-Universität Kiel  (Historisches Seminar )
Veranstaltung
Deutsch-Israelische Beziehungen 1949-1995
Note
2,3
Autor
Jahr
2012
Seiten
12
Katalognummer
V194224
ISBN (eBook)
9783656195542
ISBN (Buch)
9783656196389
Dateigröße
664 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Deutschland, Israel, Yom Kippur, deutsch-israelische Beziehungen, 1972
Arbeit zitieren
Jan Jankowski (Autor), 2012, Wie stand es um das Verhältnis zwischen Deutschland und Israel am 8. Oktober 1973? , München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/194224

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