Über die Grundlagen der Weberthese


Hausarbeit (Hauptseminar), 2010
25 Seiten, Note: 2,3

Leseprobe

Inhalt

1. Einleitung

2. Wer war Weber?

3. Das Erbe der Reformation – protestantischer Geist und kapitalistische Ethik?
3.1 Was sagt Weber?
3.2 Was sagen die anderen?

4. Textanalyse: Konfession und soziale Sichtung

5. Fazit

6. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

In dieser Hausarbeit geht es um den Aufsatz „Die protestantische Ethik und der Geist des Kapitalismus“ von Max Weber. Dabei soll insbesondere der erste Abschnitt, welcher von dem problematischen Verhältnis zwischen Konfession und sozialer Schichtung handelt, analysiert werden. Das Forschungsinteresse besteht in diesem Fall darin, zu erkennen, welche historischen Phänomene und Gruppierungen aus der Sicht von Max Weber als empirische Beispiele für seine Thesen gesehen werden können. Außerdem werden die daraus resultierenden Behauptungen Webers aus dem Text extrahiert und kritisch hinterfragt. Es geht bei dieser Hausarbeit also eigentlich um eine Quellenanalyse einer kurzen Passage aus dem häufig analysierten und vermutlich noch häufiger kritisierten Aufsatzpaar „Die protestantische Ethik“ und der Geist des Kapitalismus“ aus den Jahren 1904 und 1905.

Diese Analyse geschieht vor dem Hintergrund der Fragestellung, in welcher Art und Weise Weber historische Begriffe, Ereignisse und Prozesse in seinem Werk verwendet hat und, ob die häufig geäußerte Kritik an Weber eben durch seine Art der Begriffsverwendung die Kritik noch intensiviert haben könnte.

Zu Beginn der Arbeit wird Max Weber als Person beschrieben. Im zweiten Abschnitt wird der Inhalt des Aufsatzpaares „Der Geist des Kapitalismus und die protestantische Ethik“ zusammengefasst dargestellt. Im Anschluss daran wird die Rezeptionsgeschichte des Aufsatzes nachgezeichnet und außerdem werden die von Weber verwendeten Begriffe zum Protestantismuskontext analysiert. Dies geschieht als Vorbereitung auf die Analyse des Abschnitts „Konfession und soziale Schichtung“. Die Aussagen Webers in Bezug auf die frühen Protestanten werden in eigene Worte gefasst und auf ihren Bezug zu den historischen Ereignissen hin analysiert. Insbesondere an dieser Stelle soll der Bogen zu dem Hauptseminar „Calvin, die Reformierten und das frühneuzeitliche Europa“, in dessen Kontext diese Hausarbeit entstanden ist, gespannt werden.

2. Wer war Weber?

Karl Emil Maximilian Weber, genannt „Max“, wurde am 21. April 1864 in Erfurt geboren und verstarb am 14. Juni 1920 in München. Er hatte sieben Geschwister. Sein Vater, Max Weber sen., war Jurist und entstammte einer Industriellen- und Kaufmannsfamilie. Sein Großvater Karl August Weber war Mitglied des Bielefelder Handelspatriziats und blieb für Max jun. Das Beispiel des frühkapitalistischen Unternehmers. David Carl Weber, der Onkel von Max jun., übernahm später die Fabrik des Großvaters und führte dort die moderne Unternehmensführung ein. Er wurde für Max Weber so zum Vorbild für den modernen kapitalistischen Unternehmer. Der Vater von Max Weber kann durchaus als Berufspolitiker charakterisiert werden.[1]

Die Familie ihrer Mutter war ursprünglich hugenottischer Herkunft. Helene Weber (15.4.1844), geborene Fallenstein, war sehr gebildet und hatte Interesse an religiösen und sozialen Themen. Ab 1904 war sie in der Armenverwaltung der Charlottenburger Stadtverwaltung tätig.[2] Schon während der Schulzeit wurde das außergewöhnliche geistige Talent Webers deutlich. Zu dieser Zeit erlitt Max Weber jedoch auch seine ersten gesundheitlichen Rückschläge. 1866 erkrankte er an halbseitiger Meningitis. Außerdem kam es zu ernsten Spannungen zwischen ihm und seinem Vater.[3]

Ab 1882 studierte Weber Im Hauptfach Jurisprudenz, in den Nebenfächern Nationalökonomie, Geschichte, Philosophie und Theologie zunächst in Heidelberg, danach in Straßburg und Berlin. In Straßburg ließ Weber sich von liberalen Ideen beeinflussen. 1884 ging Weber nach Berlin zurück. Hier hörte Weber unter anderem Vorlesungen von Treitschke, dessen übersteigerter Patriotismus ihn jedoch abstieß.[4]

Ab bereitete er sich in Göttingen auf das juristische Examen vor. 1889 folgte in Berlin die Promotion. 1892 habilitierte er mit einer Untersuchung über die Bedeutung der römischen Agrargeschichte für das Staats- und Privatrecht. 1893 heiratete Weber die sechs Jahre jüngere Marianne Schnitger und wandte sich verstärkt der Untersuchung von zeitgeschichtlichen sozialen Konflikten zu. Er übernahm die Leitung der, vom „Verein für Sozialpolitik“ durchgeführte, Untersuchung zur Lage der Landarbeiter in Deutschland. Den Ergebnissen der 1892 veröffentlichen Studie maß Weber große politische Bedeutung zu. Er hatte festgestellt, dass deutsche Landarbeiter aus den ostelbischen Gebieten vermehrt in die westlichen Gebiete des Reiches abwanderten und Landarbeiter aus Polen diese frei gewordenen Arbeitsplätze mehr und mehr besetzten. Weber führte dies auf den sich ausbreitenden Kapitalismus zurück. Er plädierte dafür, in diesen Gebieten anstatt der großkapitalistischen Agrarbetriebe Bauern anzusiedeln, die für den Eigenbedarf und nicht für den Markt produzierten.[5] Es ging ihm darum, die Einwanderung die Einwanderungswellen osteuropäischer Menschen in das Deutsche Reich zu stoppen.

1894 ging Weber an die Universität in Freiburg, um dort den Lehrstuhl für Nationalökonomie zu übernehmen. Weber interpretierte seinen Lehrstuhl so, dass es bei der Nationalökonomie weniger um die Entwicklung von Bewertungskriterien für die Effizienz von Produktionsweisen ging, sondern vielmehr um die Frage, wie der Nationalstaat wirkungsvoll gestärkt werden konnte. In diesem Zusammenhang sprach Weber sich vehement für deutsche Großmachtpolitik aus.

1896 wurde Weber an die Universität in Heidelberg berufen, um dort ebenfalls eine Professur für Nationalökonomie einzunehmen. Aufgrund gesundheitlicher Probleme, Weber litt an Depressionen, musste er 1897 seinen Lehrstuhl jedoch aufgeben und war von dieser Zeit an als Honorarprofessor in Heidelberg tätig. Im selben Jahr verstarb sein Vater, mit welchem er sich jedoch nicht besonders gut verstand.[6] Nicht nur zu seinen Eltern, sondern auch zu den Frauen hatte Weber ein schwieriges Verhältnis. Seiner Ehefrau Marianne, welche die Enkelin eines Bruders seines Vaters war, führte er eine emotionslose Beziehung.[7]

Die Arbeitseinstellung Webers war bemerkenswert. Zu der Zeit als seine depressiven Phasen begannen, strebte er sowohl eine Universitäts- als auch eine Juristenkarriere an. Als Grund für seine Schaffensbesessenheit nannte er die die unbestimmte Angst vor der „Bequemlichkeit“ des Seins. Dies resultierte unter anderem auch aus einer Rebellion gegen die Lebensweise seines Vaters, gegen welche Weber zu rebellieren versuchte.

Bei seinen Vorlesungen in Heidelberg bemühte Weber sich stets um einen Brückenschlag zwischen der Wirtschaftslehre, der Vermittlung historischer Handelsabläufe und dem stark normativ geprägtem Feld der Nationalökonomie. 1903, als es ihm gesundheitlich besser ging, begann er mit einer Reihe von methodologischen Aufsätzen, in welchen er versuchte, die Aufgaben der Sozialwissenschaften zu definieren. Sozialwissenschaften einschließlich der Geschichtswissenschaften waren danach Wirklichkeitswissenschaften, die nicht in erster Linie Gesetzmäßigkeiten, sondern die Kulturbedeutung aller gesellschaftlichen Phänomene rationellem Verstehen zu erschließen berufen seien. Sein Verständnis von dem, was die Sozialwissenschaften zu leisten haben, war demnach sehr weit gefasst. Hilfsmittel für das Verstehen dieser Phänomene dienen dabei die Idealtypen. Durch diese ist es möglich, die Beziehung zwischen den empirischen Objekten der Forschung und den jeweils leitenden Wertideen der Forscher in einer objektiven und vor allem überprüfbaren Weise zu thematisieren. Die Idealtypen dienen dabei als Hilfsgerüst, welches dafür sorgt, dass auf Werturteile verzichtet werden kann.[8]

In den Jahren 1904 und 1905 veröffentlichte Weber das Aufsatzpaar „Die protestantische Ethik und der Geist des Kapitalismus“. Diese wurden, wie schon zuvor der Aufsatz zur die Abhandlung zur Aufgabe der Sozialwissenschaften, in der Zeitschrift „Archiv für Sozialwissenschaften und Sozialpolitik“ veröffentlicht. Im darauf folgenden Jahr unternahm Weber eine Reise in die USA. Dort sammelte er Kenntnisse über protestantische Sekten und verbreiterte seine Quellensammlung bezüglich der „protestantischen Ethik“.[9]

Daneben begann Weber sich für die Entstehung liberaler Ordnungen und die Gefährdung Gesellschaft durch Bürokratisierung und Rationalisierung zu interessieren. Weber verband dieses Interesse mit seinem Engagement für die Ausbreitung der Demokratie. Bemerkenswert ist, dass Weber im politischen Diskurs zeitweise sowohl linke als auch rechte Positionen vertrat.

[...]


[1] Käsler, Dirk: Einführung in das Studium Max Webers, München 1979, S.9.

[2] Matthiesen, Michael: Weber, Helene, in: NDB, hrsg. v. der historischen Kommission bei der bayrischen Akademie der Wissenschaften, 23. Bde., 15. Bd., Berlin 1987, S.442.

[3] Käsler: Einführung Weber, S.10f.

[4] Käsler: Einführung Weber, S.12.

[5] Mommsen, Wolfgang J.: Weber, Max, in; DBE, hrsg. v. Rudolf Vierhaus, 13 Bde. Bd. 10, München 2008, S.443f.

[6] Käsler: Weber Einführung, S.16f.

[7] Käsler: Weber Einführung, S.18f.

[8] Mommsen: Weber, S. 443.

[9] Käsler: Einführung Weber, S.19f.

Ende der Leseprobe aus 25 Seiten

Details

Titel
Über die Grundlagen der Weberthese
Hochschule
Christian-Albrechts-Universität Kiel  (Historisches Seminar)
Note
2,3
Autor
Jahr
2010
Seiten
25
Katalognummer
V194230
ISBN (eBook)
9783656195504
ISBN (Buch)
9783656195948
Dateigröße
533 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
über, grundlagen, weberthese
Arbeit zitieren
Jan Jankowski (Autor), 2010, Über die Grundlagen der Weberthese, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/194230

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