Einer kurzen kritischen Auseinandersetzung mit dem Lesekompetenzbegriff der PISA-Studie und der Formulierung eines eigenen Begriffs der Lesekompetenz, welcher dem Gegenstand Literatur stärker gerecht wird folgt dann die Planung der Unterrichtseinheit zu Frischs "Andorra", welche die Schüler mittels handlungs- und produktionsorientierter Vorgehensweisen zu einem gegenstandsgerechten Umgang mit dem Drama befähigen soll. Die kritische Auswertung zeigt dann die Vorzüge und auch Schwierigkeiten, welche mit einem solchen Vorgehen an einer Real- bzw. Sekundarschule verbunden sind und führt dann zu einem fundierten Fazit bezüglich der Problemstellung.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitende Bemerkungen
1.1. Begründung der Themenwahl in Hinblick auf beobachtete Probleme
1.2. Forderungen zur Förderung von Lesekompetenz
1.2.1. Die Bedeutung des Lesens als Schlüsselkompetenz
1.2.2. Die erste PISA-Studie als Ausgangspunkt der Diskussion zur Leseleistung deutscher Schüler
1.2.3. Die Vorgaben der Bildungspolitik
2. Theoretische Überlegungen zur Vorbereitung der Unterrichtseinheit
2.1. Handlungs- und produktionsorientierter Literaturunterricht
2.2. Förderung von Lesekompetenz
2.3. Implikationen durch das Drama „Andorra“ von Max Frisch
2.4. Beitrag handlungs- und produktionsorientierter Methoden zur Förderung von Lesekompetenz in der Auseinandersetzung mit Max Frisch „Andorra“
2.4.1. Zusammenführung der theoretischen Überlegungen
2.4.2. Hypothesen und Indikatoren
3. Planung der Unterrichtseinheit
3.1. Analyse der Lerngruppe als Ausgangspunkt für die Planung
3.1.1. allgemeine Beschreibung der Lerngruppe
3.1.2. Auswertung der Eingangsbefragung
3.2. Ausgewählte handlungs- und produktionsorientierte Methoden
3.2.1. Klassenglossar
3.2.2. Innerer Monolog
3.2.3. Rollentext
3.2.4. Standbildbau
3.3. Darstellung der geplanten Unterrichtseinheit
3.4. Wesentliche Ziele der Unterrichtseinheit und Möglichkeiten ihrer Überprüfung
4. Evaluation der Durchführung der Unterrichtseinheit
4.1. Auswertung des Einsatzes ausgewählter handlungs- und produktionsorientierter Methoden
4.1.1. Klassenglossar
4.1.2. Innerer Monolog – Was denkt und fühlt Andri in seinem Moment des Glücks?
4.1.3. Rollentext – Welche Beziehung haben Andri und Barblin zueinander?
4.1.4. Standbildbau – Wie lassen sich die Beziehungen Andris zu den anderen Figuren darstellen?
4.2. Zusammenfassende Auswertung der Durchführung
5. Abschließende Reflexion des Unterrichtsvorhabens und Ausblick
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht, inwieweit handlungs- und produktionsorientierte Methoden im Deutschunterricht der Sekundarstufe dazu beitragen können, die Lesemotivation und Lesekompetenz bei der Erschließung des Dramas „Andorra“ von Max Frisch zu fördern.
- Analyse der Wirksamkeit handlungs- und produktionsorientierter Methoden
- Förderung der Lesemotivation bei anspruchsvollen literarischen Texten
- Einsatz kreativer Verfahren wie Klassenglossar, Rollentexte und Standbildbau
- Reflexion über die Verknüpfung von analytischem und produktivem Arbeiten
Auszug aus dem Buch
1.1. Begründung der Themenwahl in Hinblick auf beobachtete Probleme
Die Schüler der neunten Klasse, in welcher ich Deutsch unterrichte, sind nur schwer für literarische Texte zu begeistern. Diese Erfahrung musste ich jedenfalls im Umgang mit Kurzgeschichten und auch lyrischen Texten machen. Hierbei gibt es natürlich zum Teil recht große Unterschiede zwischen den einzelnen Schülern. So fällt es einigen Schülern durchaus nicht schwer, sich auf literarische Texte einzulassen, wohingegen andere demgegenüber eine ablehnende Haltung aufweisen. Diese ablehnende Haltung einiger Schüler hat wahrscheinlich vielfältige Ursachen, denn zum einen muss hier natürlich die Lebenssituation der Schüler bedacht werden, welche sich gerade in der Pubertät befinden und damit viele Dinge spannender finden als Unterricht und Schule. Zudem finden viele der Jugendlichen auch in ihrem sozialen Umfeld kaum Vorbilder, die sich für den Umgang mit Literatur begeistern können. Neben diesen und wohl auch noch weiteren Faktoren auf motivationaler und volitionaler Ebene jedes einzelnen Schülers muss zum anderen auch die Ebene der Fähigkeiten und Fertigkeiten als mögliches Hemmnis bedacht werden. Einige Schüler sind schon beim bloßen sinnentnehmenden Lesen einfacher und kurzer Texte überfordert. Es liegt damit nahe, dass dem Leseprozess gegenüber eine ablehnende Haltung eingenommen wird, wenn darin ein sehr anstrengendes bis kaum bewältigbares Problem gesehen wird.
Die Schüler haben also zum einen das Problem, literarische Texte zu lesen und zu verstehen, sowie zum anderen, hiermit natürlich in einer Wechselwirkung stehend, damit, sich für die intensive Auseinandersetzung mit Literatur zu motivieren. Das Vorhaben, mit Max Frisch „Andorra“ gemeinsam eine Ganzschrift zu bewältigen, welche zudem auch noch ein dramatischer Text ist, eine für die Schüler wohl weitgehend unbekannte Gattung, ist damit recht ambitioniert. Ein Ziel der Arbeit mit dem Drama muss es demnach auch sein, die Lesemotivation der Schüler nicht noch weiter zu dezimieren, sondern aufrecht zu erhalten oder aber erst zu entwickeln. Dazu soll der Einsatz handlungs- und produktionsorientierter Methoden erprobt werden, welche eine hohe Motivationskraft nachgesagt wird, die allerdings auch kritisch hinsichtlich ihres Mehrwerts für die Kompetenzentwicklung der Schüler betrachtet werden.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitende Bemerkungen: Darstellung der Ausgangslage in der neunten Klasse, der Problematik der Lesemotivation und Begründung der Wahl des Dramas „Andorra“ für die Unterrichtseinheit.
2. Theoretische Überlegungen zur Vorbereitung der Unterrichtseinheit: Erörterung der Grundlagen des handlungs- und produktionsorientierten Literaturunterrichts sowie der spezifischen Herausforderungen und Möglichkeiten durch das Drama „Andorra“.
3. Planung der Unterrichtseinheit: Beschreibung der Lerngruppe, Auswertung einer Eingangsbefragung zu Lesegewohnheiten und methodische Planung der Unterrichtsphasen mit Fokus auf kreative Verfahren.
4. Evaluation der Durchführung der Unterrichtseinheit: Detaillierte Analyse der Ergebnisse aus den eingesetzten Methoden (Klassenglossar, Innerer Monolog, Rollentext, Standbildbau) und der Schülereinschätzungen.
5. Abschließende Reflexion des Unterrichtsvorhabens und Ausblick: Kritische Zusammenfassung der Erfolge und Schwierigkeiten sowie persönliche Schlussfolgerungen für den zukünftigen Unterricht.
Schlüsselwörter
Andorra, Max Frisch, Lesekompetenz, Lesemotivation, Literaturunterricht, Handlungs- und Produktionsorientierung, Klassenglossar, Innerer Monolog, Rollentext, Standbildbau, Sekundarstufe, Kompetenzentwicklung, Dramenanalyse, Texterschließung, Schülerevaluation.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht die Anwendung und Wirksamkeit handlungs- und produktionsorientierter Methoden zur Förderung von Lesemotivation und -kompetenz bei der Behandlung des Dramas „Andorra“ in einer neunten Klasse.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Felder umfassen die Theorie der Literaturdidaktik, die Lesesozialisation Jugendlicher, die methodische Planung von Unterrichtseinheiten und die empirische Evaluation von Schülernutzung und Lernzuwachs.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Ziel ist es zu belegen, dass kreative Methoden wie das Klassenglossar oder der Rollentext das Verständnis komplexer Dramentexte erleichtern und die Lesemotivation der Schüler stärken können.
Welche wissenschaftliche Methode wurde verwendet?
Es wurde ein qualitativer Ansatz gewählt, der durch Eingangs- und Abschlussbefragungen der Schüler (mit quantitativen Elementen in den Diagrammen) sowie die Analyse von Schülerprodukten gestützt wird.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in theoretische Grundlagen, die konkrete didaktische Planung der 20-stündigen Unterrichtssequenz sowie die detaillierte Auswertung der einzelnen Unterrichtsschritte und der Schülerfeedback-Daten.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind unter anderem Lesekompetenz, Andorra, Max Frisch, Handlungs- und Produktionsorientierung, Leseleistung und Literaturdidaktik.
Wie reagierten die Schüler auf das Klassenglossar?
Das Klassenglossar wurde sehr positiv aufgenommen; es diente als motivierendes Element, das den Wortschatz erweiterte und den Fortschritt der Lektüre transparent machte.
Warum war der Standbildbau teilweise problematisch?
Die methodische Umsetzung stieß teilweise auf Schwierigkeiten bei der Konzentration und der Gruppenorganisation, was teilweise durch die Pubertätssituation der Schüler und die notwendige, aber anstrengende Analysearbeit bedingt war.
- Quote paper
- Stefanie Grzesikowski (Author), 2011, Handlungs- und produktionsorientierte Methoden zur Förderung der Lesekompetenz, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/194267