Eine Differenzierung der Begriffe Erziehung und Bildung


Seminararbeit, 2009
13 Seiten, Note: 1,2

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Die Notwendigkeit einer Differenzierung der Begriffe Erziehung und Bildung

2. Erziehung oder was man darunter versteht

3. Der Bildungsbegriff in seinen Dimensionen

4. Erziehung und Bildung im Vergleich

Literaturverzeichnis

1. Die Notwendigkeit einer Differenzierung der Begriffe Erziehung und Bildung

Es geschieht immer wieder, dass die Begriffe Erziehung und Bildung synonym füreinander gebraucht werden, obgleich das eine nicht immer das andere ersetzen kann, beziehungsweise der eine Begriff nicht immer optional den anderen beschreibt. Doch warum sollte man auch den Versuch wagen, Bildung in einer Definition von Erziehung zu trennen, „wenn der Begriff sich in der Abgrenzung von Erziehung (…) nahezu allein in der deutschen und russischen Sprache findet“?[1] Es ist zu beachten, dass beispielsweise in der englischen Sprache nur ein Wort für beide Begriffe zu finden ist, nämlich „education“. Oder im Italienischen existiert lediglich „educazione“.

Theoretisch darf allerdings nicht missachtet werden, wie viele unterschiedlich präzisierte Begriffe, sowohl von „Erziehung“, als auch von „Bildung“ , in wissenschaftlichen Disputen kursieren; das allein verweist auf die Tatsache, dass es absolut notwendig ist, Differenzen zu artikulieren, um ein etwas klareres Bild aus dieser verschwommenen Begrifflichkeit zu schaffen. Um nun zwei Gegenstände voneinander unterscheiden zu können, sollte man sich vollständig bewusst darüber sein, was genau man vor sich hat. Und hier taucht bereits ein Problem auf: Es gibt keine prägnante, kurze Definition. Weder von Erziehung, noch von Bildung. Zahlreiche Theorien wurden verfasst, ganze Artikel bis hin zu Büchern befassen sich mit diesen Themen, jeder kennt die Begriffe, jeder versteht auch etwas darunter. Und doch bleiben sie an Zeit und Kultur, an Gesellschaft und an Individuum gebunden.

Um nun diverse Gemeinsamkeiten und Unterschiede der Begriffe Erziehung und Bildung herauszuarbeiten, werde ich vorerst Theorien zusammentragen, um die jeweiligen Bezeichnungen zumindest einzuschränken. Ich werde mich dabei zuerst allein auf den Ausdruck Erziehung konzentrieren, danach auf den Ausdruck Bildung und erst dann beide mit einer Gegenüberstellung konfrontieren. Nicht unerwähnt sollte der Terminus Pädagogik bleiben, der ebenso häufig mit den anderen beiden auf eine Ebene gestellt wird, beziehungsweise diese ersetzt, doch auf den folgenden Seiten werde ich mich nicht mit ihm beschäftigen, es würde zu weit führen und von dem Argumentationsgang ablenken.

Was also ist nun Erziehung; und was ist Bildung; und inwiefern tragen die beiden Vokabeln den gleichen Gehalt?

2. Erziehung oder was man darunter versteht

Geht man ganz einfach an die Bedeutung von Erziehung heran, so handelt es sich wohl um „diejenigen Akte, die sich auf das heranwachsende Individuum richten und dessen Entwicklung (…) fördern wollen“.[2] Streng genommen lässt sich Erziehung jedoch nicht definieren. Ich werde mich nun auf Gudjon beziehen und in erster Linie der Frage nachgehen, wofür Erziehung überhaupt notwendig ist. Um es in Arnold Gehlens Worten zu sagen: „Der Mensch ist – im Vergleich zum Tier – ein „Mängelwesen“.“[3] Er braucht Kleidung, um nicht zu erfrieren, er muss sich seine Waffen erst selbst bauen, um sich verteidigen zu können, er muss etliche Fähigkeiten erst lernen, welche Tiere von Natur aus besitzen, so kann „ein Kalb (…) z.B. nach der Geburt gehen und stehen“.[4] Wenn man es kurz fassen will: Der Mensch ist hochgradig abhängig von Erziehung, sie bestimmt sein Überleben. Das Dasein des Menschen basiert auf einer selbst geschaffenen Kultursphäre[5], die mit stabilisierenden Gewalten einhergeht, wie zum Beispiel die Familie, das Recht oder den Staat.

Ein anderer biologischer Aspekt wäre von Jacob Uexküll, nach welchem der Mensch „weltungebunden“ und „weltoffen“ sei. Infolgedessen würden menschlich-kulturelle Einwirkungen Verhaltensweisen und Normen zum Überleben in einer Gruppe vermitteln. Im erneuten Gegensatz zu den Tieren brauchen die Menschen keine spezifische Umwelt, ihre Fähigkeiten sind nicht auf eine Gegend ausgerichtet, sondern werden je nachdem angelernt. Man kann dies nun sowohl negativ, als auch positiv auffassen. Einerseits sind wir auf das Lernen und die Erziehung angewiesen, andererseits sind wir allerdings auch dazu befähigt.

Nicht nur in der Wissenschaft der Biologie, sondern auch in der Philosophie kommt die tragende Bedeutung von Erziehung zur Geltung. Bereits Immanuel Kant sagte: „Der Mensch kann nur zum Menschen werden durch Erziehung. Er ist nichts, als was die Erziehung aus ihm macht.“[6]

Interessant ist auch die Gleichstellung von Erziehung mit einer „Sozial-Machung“, wie es nach Loch geschieht. Laut seiner These führen Erziehung und Sozialisation, wobei diese einer „Sozial-Werdung“ entspricht, zu einer Enkulturation, welche den Erwerb von kulturellen Basisfähigkeiten beschreibt. Ein Kind lernt also beispielsweise die deutsche Sprache und noch währenddessen, dass es die selbige nicht zum Fluchen benutzen soll. Aber auch hierbei läuft es darauf hinaus, dass die Erziehung einen Menschen lebens- und gesellschaftsfähig machen soll. Erziehung ist obligatorisch

[...]


[1] Tenorth, H.-E./ Tippelt R. (Hg.): BELTZ Lexikon Pädagogik. Weinheim, Basel 2007, S.95

[2] Tenorth, H.-E./ Tippelt R. (Hg.): BELTZ Lexikon Pädagogik. Weinheim, Basel 2007, S.204

[3] Gudjons, H.: Kapitel Sieben: Erziehung und Bildung. In: H. Gudjons (Hg.): Pädagogisches Grundwissen. Überblick – Kompendium – Studienbuch. Bad Heilbrunn 2008, S.176

[4] Gudjons, H.: Kapitel Sieben: Erziehung und Bildung. In: H. Gudjons (Hg.): Pädagogisches Grundwissen. Überblick – Kompendium – Studienbuch. Bad Heilbrunn 2008, S.177

[5] Vgl. Gudjons, H.: Kapitel Sieben: Erziehung und Bildung. In: H. Gudjons (Hg.): Pädagogisches Grundwissen. Überblick – Kompendium – Studienbuch. Bad Heilbrunn 2008, S. 176

[6] Vgl. Gudjons, H.: Kapitel Sieben: Erziehung und Bildung. In: H. Gudjons (Hg.): Pädagogisches Grundwissen. Überblick – Kompendium – Studienbuch. Bad Heilbrunn 2008, S. 179

Ende der Leseprobe aus 13 Seiten

Details

Titel
Eine Differenzierung der Begriffe Erziehung und Bildung
Hochschule
Ludwig-Maximilians-Universität München
Note
1,2
Autor
Jahr
2009
Seiten
13
Katalognummer
V194289
ISBN (eBook)
9783656195818
ISBN (Buch)
9783656196495
Dateigröße
435 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Schlagworte
differenzierung, begriffe, erziehung, bildung
Arbeit zitieren
Stefanie von Rossek (Autor), 2009, Eine Differenzierung der Begriffe Erziehung und Bildung , München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/194289

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