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Eine Differenzierung der Begriffe Erziehung und Bildung

Titre: Eine Differenzierung der Begriffe Erziehung und Bildung

Exposé Écrit pour un Séminaire / Cours , 2009 , 13 Pages , Note: 1,2

Autor:in: Stefanie von Rossek (Auteur)

Pédagogie - Théorie de la science, Anthropologie
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Es geschieht immer wieder, dass die Begriffe Erziehung und Bildung synonym füreinander gebraucht werden, obgleich das eine nicht immer das andere ersetzen kann, beziehungsweise der eine Begriff nicht immer optional den anderen beschreibt. Doch warum sollte man auch den Versuch wagen, Bildung in einer Definition von Erziehung zu trennen, „wenn der Begriff sich in der Abgrenzung von Erziehung (…) nahezu allein in der deutschen und russischen Sprache findet“? Es ist zu beachten, dass beispielsweise in der englischen Sprache nur ein Wort für beide Begriffe zu finden ist, nämlich „education“. Oder im Italienischen existiert lediglich „educazione“.
Theoretisch darf allerdings nicht missachtet werden, wie viele unterschiedlich präzisierte Begriffe, sowohl von „Erziehung“, als auch von „Bildung“ , in wissenschaftlichen Disputen kursieren; das allein verweist auf die Tatsache, dass es absolut notwendig ist, Differenzen zu artikulieren, um ein etwas klareres Bild aus dieser verschwommenen Begrifflichkeit zu schaffen. Um nun zwei Gegenstände voneinander unterscheiden zu können, sollte man sich vollständig bewusst darüber sein, was genau man vor sich hat. Und hier taucht bereits ein Problem auf: Es gibt keine prägnante, kurze Definition. Weder von Erziehung, noch von Bildung. Zahlreiche Theorien wurden verfasst, ganze Artikel bis hin zu Büchern befassen sich mit diesen Themen, jeder kennt die Begriffe, jeder versteht auch etwas darunter. Und doch bleiben sie an Zeit und Kultur, an Gesellschaft und an Individuum gebunden.
Um nun diverse Gemeinsamkeiten und Unterschiede der Begriffe Erziehung und Bildung herauszuarbeiten, werde ich vorerst Theorien zusammentragen, um die jeweiligen Bezeichnungen zumindest einzuschränken. Ich werde mich dabei zuerst allein auf den Ausdruck Erziehung konzentrieren, danach auf den Ausdruck Bildung und erst dann beide mit einer Gegenüberstellung konfrontieren. Nicht unerwähnt sollte der Terminus Pädagogik bleiben, der ebenso häufig mit den anderen beiden auf eine Ebene gestellt wird, beziehungsweise diese ersetzt, doch auf den folgenden Seiten werde ich mich nicht mit ihm beschäftigen, es würde zu weit führen und von dem Argumentationsgang ablenken.
Was also ist nun Erziehung; und was ist Bildung; und inwiefern tragen die beiden Vokabeln den gleichen Gehalt?

Extrait


Inhaltsverzeichnis

1. Die Notwendigkeit einer Differenzierung der Begriffe Erziehung und Bildung

2. Erziehung oder was man darunter versteht

3. Der Bildungsbegriff in seinen Dimensionen

4. Erziehung und Bildung im Vergleich

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit setzt sich kritisch mit der häufigen synonymen Verwendung der Begriffe Erziehung und Bildung auseinander. Ziel ist es, theoretische Grundlagen zu erarbeiten, um die spezifischen Merkmale, Wirkungsweisen und zeitlichen Begrenzungen beider Konzepte klar voneinander abzugrenzen und deren wissenschaftliche Bedeutung zu präzisieren.

  • Historischer Wandel der Begriffe Erziehung und Bildung
  • Die Rolle der Ethik und Intersubjektivität in der Erziehung
  • Mehrdimensionale Betrachtung des Bildungsbegriffs nach Langewand
  • Kontrastierung von Erziehung als soziales Phänomen und Bildung als lebenslanger Prozess
  • Notwendigkeit einer begrifflichen Trennung in der erziehungswissenschaftlichen Debatte

Auszug aus dem Buch

2. Erziehung oder was man darunter versteht

Geht man ganz einfach an die Bedeutung von Erziehung heran, so handelt es sich wohl um „diejenigen Akte, die sich auf das heranwachsende Individuum richten und dessen Entwicklung (…) fördern wollen“. Streng genommen lässt sich Erziehung jedoch nicht definieren. Ich werde mich nun auf Gudjon beziehen und in erster Linie der Frage nachgehen, wofür Erziehung überhaupt notwendig ist. Um es in Arnold Gehlens Worten zu sagen: „Der Mensch ist – im Vergleich zum Tier – ein „Mängelwesen“.“ Er braucht Kleidung, um nicht zu erfrieren, er muss sich seine Waffen erst selbst bauen, um sich verteidigen zu können, er muss etliche Fähigkeiten erst lernen, welche Tiere von Natur aus besitzen, so kann „ein Kalb (…) z.B. nach der Geburt gehen und stehen“. Wenn man es kurz fassen will: Der Mensch ist hochgradig abhängig von Erziehung, sie bestimmt sein Überleben. Das Dasein des Menschen basiert auf einer selbst geschaffenen Kultursphäre, die mit stabilisierenden Gewalten einhergeht, wie zum Beispiel die Familie, das Recht oder den Staat.

Ein anderer biologischer Aspekt wäre von Jacob Uexküll, nach welchem der Mensch „weltungebunden“ und „weltoffen“ sei. Infolgedessen würden menschlich-kulturelle Einwirkungen Verhaltensweisen und Normen zum Überleben in einer Gruppe vermitteln. Im erneuten Gegensatz zu den Tieren brauchen die Menschen keine spezifische Umwelt, ihre Fähigkeiten sind nicht auf eine Gegend ausgerichtet, sondern werden je nachdem angelernt. Man kann dies nun sowohl negativ, als auch positiv auffassen. Einerseits sind wir auf das Lernen und die Erziehung angewiesen, andererseits sind wir allerdings auch dazu befähigt. Nicht nur in der Wissenschaft der Biologie, sondern auch in der Philosophie kommt die tragende Bedeutung von Erziehung zur Geltung. Bereits Immanuel Kant sagte: „Der Mensch kann nur zum Menschen werden durch Erziehung. Er ist nichts, als was die Erziehung aus ihm macht.“

Zusammenfassung der Kapitel

1. Die Notwendigkeit einer Differenzierung der Begriffe Erziehung und Bildung: Einleitung in die Problematik der oft synonymen Verwendung dieser Begriffe und Begründung, warum eine theoretische Differenzierung für ein wissenschaftliches Verständnis essenziell ist.

2. Erziehung oder was man darunter versteht: Untersuchung der anthropologischen Notwendigkeit von Erziehung als Überlebenshilfe für das „Mängelwesen“ Mensch unter Berücksichtigung ethischer und historischer Aspekte.

3. Der Bildungsbegriff in seinen Dimensionen: Analyse der Komplexität von Bildung anhand von fünf Dimensionen nach Alfred Langewand, die Bildung als lebenslangen und kritisch-reflexiven Prozess verdeutlichen.

4. Erziehung und Bildung im Vergleich: Synthese der vorangegangenen Kapitel durch direkte Gegenüberstellung der beiden Begriffe, wobei insbesondere Unterschiede hinsichtlich Zielsetzung, Kommunikation und zeitlicher Begrenzung hervorgehoben werden.

Schlüsselwörter

Erziehung, Bildung, Pädagogik, Intersubjektivität, Mängelwesen, Enkulturation, Sozialisation, Lebenslanges Lernen, Anthropologie, Ethik, Bildungsbegriff, Erziehungswissenschaft, Individualität, Selbstbestimmung, Kontingenz

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in der Arbeit grundlegend?

Die Arbeit beschäftigt sich mit der differenzierten Betrachtung und Abgrenzung der Begriffe Erziehung und Bildung im pädagogischen Kontext.

Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?

Zentrale Themen sind die anthropologische Bedingtheit von Erziehung, die mehrdimensionale Struktur von Bildung sowie die historische Wandlung beider Konzepte.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Ziel ist es, die häufig synonyme Verwendung von Erziehung und Bildung aufzubrechen und klare Kriterien zur Unterscheidung der Begriffe zu definieren.

Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?

Die Autorin nutzt eine literaturgestützte, theoretische Diskursanalyse, bei der pädagogische Theorien (u.a. von Gudjons, Langewand und Brezinka) zusammengetragen und gegenübergestellt werden.

Was steht im inhaltlichen Fokus des Hauptteils?

Der Hauptteil gliedert sich in eine detaillierte Analyse der Erziehung als obligatorische Lebenshilfe und eine Untersuchung der verschiedenen Dimensionen von Bildung, gefolgt von einem abschließenden Vergleich.

Durch welche Schlüsselbegriffe ist die Arbeit geprägt?

Wesentliche Begriffe sind unter anderem Anthropologie, Intersubjektivität, Mängelwesen, Autonomie und die Unterscheidung zwischen Fremd- und Selbstbestimmung.

Warum wird Erziehung als "Mängelwesen"-Konzept beschrieben?

In Anlehnung an Arnold Gehlen wird der Mensch als biologisch unzureichend ausgestattet betrachtet, wodurch er auf Erziehung und eine selbst geschaffene Kultursphäre angewiesen ist, um zu überleben.

Wann ist nach der Arbeit Erziehung beendet?

Erziehung gilt als beendet, sobald der Zögling in der Lage ist, sein eigenes Leben selbstständig zu meistern und seine Lebensbedingungen aktiv zu kontrollieren.

Inwiefern unterscheidet sich Bildung von Erziehung hinsichtlich der Kommunikation?

Während Erziehung zwingend auf Intersubjektivität und eine soziale Interaktion zwischen Erzieher und Zögling angewiesen ist, kann Bildungsprozessen auch eigenständig und ohne direkte Kommunikation stattfinden.

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Résumé des informations

Titre
Eine Differenzierung der Begriffe Erziehung und Bildung
Université
LMU Munich
Note
1,2
Auteur
Stefanie von Rossek (Auteur)
Année de publication
2009
Pages
13
N° de catalogue
V194289
ISBN (ebook)
9783656195818
ISBN (Livre)
9783656196495
Langue
allemand
mots-clé
differenzierung begriffe erziehung bildung
Sécurité des produits
GRIN Publishing GmbH
Citation du texte
Stefanie von Rossek (Auteur), 2009, Eine Differenzierung der Begriffe Erziehung und Bildung , Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/194289
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Extrait de  13  pages
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