Literatur mal anders - Peters Bichsels "Ein Tisch ist ein Tisch"


Hausarbeit, 2012
16 Seiten, Note: 10

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

0. Einleitung

1. Literatur im Fremdsprachenunterricht

2. Neue Medien im Fremdsprachenunterricht

3. Kriterien zur Textauswahl
3.1 Kurzgeschichte
3.2 „Ein Tisch ist ein Tisch“ - Inhaltsangabe
3.3 Deutung
3.4 Peter Bichsel - Autorenporträt

4. Lernziele

5. Übungen und Aufgabenideen

Literatur- und Quellenverzeichnis

Anhang:

I. Kurzgeschichte „Ein Tisch ist ein Tisch“ von Peter Bichsel a

II. Literaturverfilmung „Ein Tisch ist ein Tisch“ der Kurzgeschichte auf USB-Stick
oder auf vimeo.com

Literatur ist nicht bloß beliebiger, sondern notweniger Teil der Fremdsprachenlehre (H. Hunfeld)

0. Einleitung

In dieser Hausarbeit möchte ich die Kurzgeschichte des schweizerischen Schriftstellers Peter Bichsel „Ein Tisch ist ein Tisch“ im literaturdidaktischen Kontext mit einigen Übungen und Aufgabenideen vorstellen. Das Thema der Arbeit ist „Literatur mal anders“ und benutzt den literarischen Text im fremdsprachlichen Deutschunterricht sowohl in schriftlicher, als auch in audiovisueller Form.

1. Literatur im Fremdsprachenunterricht

Im Fremdsprachenunterricht können literarische Texte auf verschiedenste Art und Weise fungieren: Sie können das Interesse an der fremden Sprache wecken, indem sie diese -also die Fremdsprache- in bestimmter Weise erscheinen lässt, oder sie können Anreize und Themen zum Nachdenken und Diskutieren geben.

Mit dem Gebrauch der Literatur im fremdsprachlichen Unterricht beschäftigt sich die Literaturdidaktik. Koppensteiner (2001, 12 ff.) führt zahlreiche sprachliche, inhaltliche und methodisch-didaktische Argumente an, die den Einsatz von Literatur im fremdsprachlichen Unterricht rechtfertigt. Literatur enthalte ein außerordentliches Potenzial für interessante Lerninhalte, und erlernte Dialoge aus Lehrbüchern ließen sich in der Wirklichkeit nicht umsetzen, so betont er. Seiner Ansicht nach, schaffe die Arbeit mit literarischen Texten authentische Kommunikationssituationen, das heißt Situationen, die eine echte Kommunikation unter den Lernenden ermöglicht. Darüber hinaus führt er an, dass Literatur einen Beitrag zum Erwerb von Bildung leiste, und „Deutsch für Köpfe“ anbiete. Koppensteiner zufolge erleben Deutschlerner gemeinsam mit der Sprache ein Stück typisch deutscher (österreichischer/ schweizerischer) Kultur.

In dem Aufsatz „Von der Langeweile des Sprachunterrichts“ von Harald Weinrich, in dem er die „(Re)Literarisierung“ (Weinrich, 1985, S. 241) des Sprachunterrichts verlangt, betont er, dass literarische Texte wegen ihrer ästhetischen Qualität für Fremdsprachenlerner dienlicher seien, da sie die Aufmerksamkeit der Lernenden auf die Sprache selbst lenken würden.

Hunfeld. H.: Kriterien literarischer Wertung - aus der Perspektive des Didaktikers“, in: Ders. (Hrsg.): Literatur in der Sprachlehre. Ansätze eines hermeneutisch orientierten Fremdsprachenunterrichts - München: 1990, S. 34 Koppensteiner, J.: Literatur im DaF-Unterricht. Eine Einführung in produktiv-kreative Techniken, öbv und htp - Verlag - Wien: 2001, S. 12­17 Weinrich H.: Literatur im Fremdsprachenunterricht - Ja, aber mit Phantasie. In: Wege der Sprachkultur, dtv - München: 1985, S. 241-264 Dialoge und lebenspraktische Texte der kommunikativen Methode aus Lehrbüchern waren lange Zeit die bevorzugten Typen von Texten, während literarische Texte verstoßen, oder für Zwecke des Sprachenlernens verwendet wurden, ohne ihren literarisch-ästhetischen Charakter zu schätzen, weil sie als zu schwierig und lang gegolten haben. (Vgl. Ehlers, 2001) Somit standen mündliche Sprechfertigkeiten lange im Mittelpunkt des fremdsprachlichen Unterrichts. Ehlers argumentiert, dass das Angebot der Textsorten erweitert werden sollte, da Lerner die Fremdsprache in erster Linie über Texte lernen. Darüber betont sie, dass sowohl die Entzweiung von Sprachlernen und Literatur als auch die Abwertung von Literatur kritisiert wurde. Ehlers ist der Ansicht, dass im Gegensatz zu den künstlichen Texten aus Lehrbüchern literarische Texte mehr Anlässe für eine echte Kommunikation bieten und damit auch zur Realisierung des kommunikativen Ansatzes in der Lernergruppe beitragen. Literarische Texte regen zu persönlichen Fragen an, die in der Lernergruppe zum Ausdruck kommen und zur Interaktion in der Lernergruppe führen können, so betont sie. Ehlers zufolge dient Literatur nicht nur der Aufnahme von Informationen, sondern hat Unterhaltungswert und will Vergnügen am Lesen bereiten. Des Weiteren fördert Literatur die soziale, emotionale und kognitive Entwicklung von Lernenden, indem sie zur Identifikation anregt. (Vgl. Ehlers, 2001) Denn im Gegensatz zu künstlichen Lehrbuchtexten bringt Literatur den Schülern Identifikationsangebote, die eine fiktive Welt darstellt. Literarische Texte sind darüber hinaus spannender als Lehrbuchtexte, sie motivieren zum (Weiter-)Lesen, bringen Gesprächsangebote und fördern die Fantasie der Schüler. (Vgl. Koppensteiner 2001. 14-17) Darüber hinaus können im Literaturunterricht alle vier Fertigkeiten geübt werden: Man liest und hört Texte, man spricht mit der Lernergruppe darüber und kann auch darüber schreiben. Allerdings gibt es nicht nur Vorteile für den Literatureinsatz im Fremdsprachenunterricht. Einige Nachteile erwähnt Koppensteiner (Vgl. 2001, 12-14): Bei manchen Lernenden sei das Interesse an Literatur sehr gering und sie langweilen sich beim Lesen. Darüber hinaus seien manche Texte veraltet und das Niveau einiger Texte sei für viele Lerner zu hoch. Des Weiteren seien Texte sprachlich oft zu anspruchsvoll und zu schwierig, sodass sie Schüler nicht verstünden.

Ehlers. S.: Literarische Texte im Deutschunterricht, in: Deutsch als Fremdsprache - Ein internationales Handbuch, 1. Halbband, (Hrsg.) Helbig, G., Götze, L., Henrici, G., Krumm, H.-J., Gruyter Verlag - New York / Berlin: 2001, S. 1334-45 Koppensteiner, J.: Literatur im DaF-Unterricht. Eine Einführung in produktiv-kreative Techniken, öbv und htp - Verlag - Wien: 2001, S. 12­17

2. Neue Medien im Fremdsprachenunterricht

Das Interesse junger Menschen an Filmen ist außerordentlich hoch. Ballstaedt zufolge bedeutet die Arbeit mit dem Medium Film ein Anknüpfen an die Seh- und Lerngewohnheiten der Lerner, und somit eine Steigerung der Motivation. Heutzutage verfügen junge Menschen über eine akustische und visuelle Wahrnehmungsgeschwindigkeit, die 30 Prozent höher liegt als noch vor zwanzig Jahren. (Vgl. Ballstaedt, 2004, S. 1-15) Außerdem ermöglichen Filme ein mit Emotionen verknüpftes Lernen, und sie sprechen die Imaginationsfähigkeit der Lerner an. Sie erzählen Geschichten von Menschen und können somit sehr einfach an Erfahrungen der Lerner anknüpfen. Anne Sass erklärt die Vorteile des Medium Films für den Unterricht folgendermaßen:

Dies ist der große Schatz, den Filme in den Unterricht transportieren, denn sie erzählen von Menschen und sie erzählen Geschichten. Wenn diese Geschichten mit den Erfahrungen der Lernenden korrespondieren oder kollidieren, ist dies ein wahrer Fundus für authentische Sprachanlässe. [...] Der gezielte Einsatz von Bildmedien im modernen Deutschunterricht fördert somit nicht nur die Verstehens- und Sprachfertigkeit der Lernenden, sondern schärft auch ihren Blick für die Sprache der Bilder und baut auf diese Weise die virtuelle Literalität auf.

Biechele zufolge kann man beim Einsatz von Filmen im Fremdsprachenunterricht bei Lernenden eine höhere Verstehensleistung beobachten, was damit zusammenhängt, dass die Wahrnehmung eines audiovisuellen Textes durch die Verbindung optischer und akustischer Zeichen dem natürlichen Verarbeiten eher entspricht als die Wahrnehmung der Texte durch andere Medien. (Vgl. Biechele 2007, S. 194 ff.)

Ich habe zur Bearbeitung meiner konzipierten Übungs- und Aufgabenideen, passend zur Kurzgeschichte, den gleichnamigen Kurzfilm bzw. die Literaturverfilmung ausgewählt. Eine Literaturverfilmung die Umsetzung einer literarischen Vorlage, zum Beispiel Roman, Drama, Kurzgeschichte, in einen Film. Der Vorteil von Kurzfilmen ist, wie ihr Name schon sagt, die Kürze. Sie sind die kürzeste und konzentrierteste Art des Mediums. Mit Kurzfilmen kann man auch in einer einzigen Unterrichtsstunde Gespräche provozieren, Einstellungen, Urteile und Vorurteile hervorholen.

Ballstaedt. S.-P.: Kognition und Wahrnehmung in der Informations- und Wissensgesellschaft, Konsequenzen gesellschaftlicher Veränderungen für Psyche. In: Kübler, H.-D. et al (Hrsg.) Wissensgesellschaft. Neue Medien und ihre Konsequenzen - Bundeszentrale für politische Bildung - Bonn: 2004, S. 1-15

Biechele, B.: „Ich sehe was, was du nicht siehst“ - Reflexionen zum Lernen mit Spielfilmen im Unterricht Deutsch als Fremd- oder Zweitsprache, in: Eßer, R. / Krumm, H.-J. (Hrsg.) Bausteine für Babylon: Sprache, Kultur, Unterricht. . ., iudicium - München: 2007, S.194ff.

Koppensteiner, J.: Literatur im DaF-Unterricht. Eine Einführung in produktiv-kreative Techniken, öbv und htp - Verlag - Wien: 2001, S. 12­17 Sass, A.: Filme im Unterricht - Sehen(d) lernen, in: ders. Fremdsprache Deutsch Heft 36, (Hrsg.) Goethe Institut, Hueber Verlag - 2007, S. 7

3. Kriterien zur Textauswahl

Literatur ist auf jedem Lernniveau einsetzbar, man muss nur den passenden Text für die entsprechende Lernergruppe auswählen. Das Thema des Textes ist wichtig und sollte den Lernenden nahe sein, sodass sie einen leichten Zugang zu ihm finden und Identifikationsmöglichkeit haben, denn die Leser haben oft ähnliche Erlebnisse wie die agierende Figur und vergleichen diese Erlebnisse mit eigenen. Der einzusetzende literarische Text muss die Interessen, Erfahrungen und das Weltwissen der Lerner berücksichtigen, und darüber hinaus muss der Lehrer die vorhandenen Sprachkenntnisse und Kenntnisse im Umgang mit literarischen Werken berücksichtigen. Der literarische Text soll vor allem dem Alter der Lerner entsprechend, intellektuell und emotional sein.

Bei der Auswahl meines literarischen Textes habe ich mich für die Kurzgeschichte „Ein Tisch ist ein Tisch“ von Peter Bichsel entschieden, weil ich bei meiner Lernergruppe eine Gruppe Erwachsener vor Augen hatte, die seit Jahren oder gar Jahrzehnten in Deutschland lebt und aufgrund ihrer nicht vorhandenen Deutschkenntnisse nicht mit ihren deutschen Mitmenschen kommunizieren können. Die Lernergruppe soll erkennen, dass Kommunikation nur möglich ist, wenn sich die Sprachteilnehmer über sprachliche Konventionen im Klaren sind, und diese allen bekannt sind.

3.1.Kurzgeschichte

Als Gegenspieler zur Novelle tritt die Kurzgeschichte im 20. Jahrhundert als kurze prosaische Form hervor, die eine Begebenheit erzählt, welche dem alltäglichen Leben entnommen ist, und einen Auszug aus dem Leben der agierenden Figuren darstellt. Ihr Effekt entfaltet sich aus der Bündelung des Geschehens, der Betonung des Alltäglichen als etwas Besonderes und aus ihrem meist kurzen und knappen Sprachstil. Die Handlung der Kurzgeschichte ist klar und linear strukturiert und dabei auf das Wichtigste beschränkt. Das Erzählen setzt abrupt ein und führt mit dem ersten Satz oft mitten in die Geschichte hinein. Ihr offener Schluss soll die Mitarbeit des Lesers bewirken. Kennzeichen der Kurzgeschichte sind Aussparungen bei der Darstellung von Zeit, Raum und Figuren. Darüber hinaus verzichtet diese epische Form auf ausführliche Beschreibungen, und bevorzugt stattdessen Andeutungen und Skizzenhaftigkeit. Bekannt wurde die Kurzgeschichte in Deutschland nach 1945 durch den Einfluss der amerikanischen short story von Autoren wie Ernest Hemingway.

[...]

Ende der Leseprobe aus 16 Seiten

Details

Titel
Literatur mal anders - Peters Bichsels "Ein Tisch ist ein Tisch"
Hochschule
Philipps-Universität Marburg  (Institut Germanistische Sprachwissenschaft)
Veranstaltung
Literaturdidaktik
Note
10
Autor
Jahr
2012
Seiten
16
Katalognummer
V194346
ISBN (eBook)
9783656198598
ISBN (Buch)
9783656200185
Dateigröße
481 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Litertaurdidaktik, DaF
Arbeit zitieren
B.A. hons. Sina Krause (Autor), 2012, Literatur mal anders - Peters Bichsels "Ein Tisch ist ein Tisch", München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/194346

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