NT Textexegese Sturmstillung Mt 8,23-27


Quellenexegese, 2009

33 Seiten, Note: 2,3

Anonym


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Prolog

2. Übersetzung

3. Textkritik
3.1 Vers
3.2 Vers
3.3 Vers

4. Textanalyse
4.1 Abgrenzung des Textabschnittes und Kontextanalyse
4.2 Strukturanalyse
4.2.1 Grammatisch-Syntaktische Analyse
4.2.2 Semantische Analyse
4.2.3 Pragmatische Analyse
4.3 Gliederung
4.4 Feststellen der Kohärenz

5. Literarkritik
5.1 Synoptischer Vergleich
5.2 Alttestamentliche Quellen

6. Formkritik
6.1 Gattungsbestimmung
6.2 Sitz im Leben

7. Redaktionsgeschichte
7.1 Redaktionelle Arbeit des Verfasser
7.2 Theologisches Profil

8. Überlieferungsgeschichte

9. Begriffs- und Motivgeschichte

10. Resümee

11. Literaturverzeichnis

1. Prolog

In der vorliegenden Hausarbeit wird die Perikope Sturmstillung (Mt 8,23-27) anhand des Novum Testamentum Graece (Nestle-Aland)[1] mittels historisch-kritischer Exegese analysiert. Begründet wird die Wahl dieser Bibelstelle dadurch, dass sie sich bei drei Autoren (Mt, 8,23-27; Mk 4,35-41 und Lk 8,22-25) wiederfindet, jedoch mit unterschiedlichen Nuancen. Dies gilt es nähern zu erläutern und auf die Besonderheiten dieser Sequenz einzugehen. Dabei wird die im Seminar verwendete Reihenfolge der neutestamentlichen Exegese größtenteils eingehalten.

2. Übersetzung

Zuerst einmal die griechische Perikope aus dem Nestle-Aland[2]:

23 Kai. evmba,nti auvtw/| eivj to. ploi/on hvkolou,qhsan auvtw/| oi` maqhtai. auvtou/Å
24 kai. ivdou. seismo.j me,gaj evge,neto evn th/| qala,ssh|( w[ste to. ploi/on kalu,ptesqai u`po. tw/n kuma,twn( auvto.j de. evka,qeudenÅ
25 kai. proselqo,ntej h;geiran auvto.n le,gontej\ ku,rie( sw/son( avpollu,meqaÅ
26 kai. le,gei auvtoi/j\ ti, deiloi, evste( ovligo,pistoiÈ to,te evgerqei.j evpeti,mhsen toi/j avne,moij kai. th/| qala,ssh|( kai. evge,neto galh,nh mega,lhÅ
27 oi` de. a;nqrwpoi evqau,masan le,gontej\ potapo,j evstin ou-toj o[ti kai. oi` a;nemoi kai. h` qa,lassa auvtw/| u`pakou,ousinÈ
Und hier die Übersetzung nach der Autorin:
23 Und nachdem er in das Schiff hineingegangen war[3], folgten ihm seine Jünger.
24 Und siehe, es entstand ein großes Erdbeben auf/in dem Meer, so dass das Schiff von den Wellen eingehüllt wurde, er aber schlief.
25 Und die sich Nähernden[4] weckten ihn (und)[5] sagten: „Herr, errette, wir gehen zugrunde.“
26 Und er sagt ihnen: „Was seid ihr feige, Kleingläubige?“ Dann stand er auf, griff die Winde und das Meer an, und es entstand eine große Stille/Ruhe.
27 Aber die Menschen wunderten sich (und) sagten: „Was für einer ist dieser, dass auch die Winde und das Meer ihm gehorchen?“

3. Textkritik

Bei der Textkritik soll mithilfe exegetischer Methoden diejenige Lesart bestimmt werden, die nach der äußeren Bezeugung und der inneren Wahrscheinlichkeit als die älteste eingestuft werden kann.

Im Folgenden werden drei Stellen textkritisch[6] begutachtet.

3.1 Vers 23: eivj to. ploi/on

Lesart a)

eivj to. ploi/on

Zeugen für diese Lesart sind:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Äußere Kriterien:

Betrachtet man die Qualität der beiden Lesarten, ist zu sagen, dass sowohl Lesart a) als auch Lesart b) Handschriften der Kategorie I enthalten. Allerdings enthält Lesart b) mehr Handschriften der Kategorie I und II, denn sie beinhaltet zusätzlich Handschrift B 03, die in der Lesart a) fehlt. B 03, der Codex Vaticanus, gilt insgesamt als beste Handschrift des NT. Des Weiteren enthält Lesart b) eine Handschrift der Kategorie II mehr, worunter die Minuskel 33, die „Königin der Minuskeln“, fällt. Aufgrund dieser Kriterien und der Tatsache, dass Lesart b) mit 9 bzw. 10 Handschriften quantitativ stärker vertreten ist, kann man zunächst davon ausgehen, dass es sich bei Lesart b) um die ursprüngliche handelt.

Innere Kriterien:

Zuallererst ist zu sagen, dass jeweils beide Lesarten durchaus die ursprüngliche sein könnte, da der einzige Unterschied nur in dem bestimmten Artikel liegt. Die Tatsache, dass im Griechischen aufgrund des hebräischen Einflusses nicht zwingend der Artikel to, vor ein Nomen gesetzt werden muss, spricht auch hier für Lesart b), denn häufig wird das Substantiv ohne Artikel an die Präposition angeschlossen. Des Weiteren wird das Schiff vorher nicht erwähnt, sodass es hinsichtlich des Satzgefüges nicht erforderlich ist den Artikel zu nennen und etwas vorher Genanntes zu bestimmen.

Aufgrund dieser Aspekte und der äußeren Kriterien würde man Lesart b) als die originale ansehen.

3.2 Vers 25: Kai. proselqo,ntej

Lesart a)

Kai. proselqo,ntej

Zeugen für diese Lesart sind:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Äußere Kriterien:

Betrachtet man die äußeren Charakteristika, lässt sich feststellen, dass Lesart b) sowohl qualitativ, als auch quantitativ den anderen beiden nachsteht. Von wenigen Handschriften minderer Qualität bezeugt, ist diese daher zu verwerfen. Lesart c) wird zwar von mehr Handschriften bezeugt, allerdings ist keine einzige in die Rubrik I als die beste einzuordnen, wohingegen Lesart a) je zwei Handschriften der Kategorie I und II aufweist. Überdies sind die Handschriften im Vergleich zur Lesart c) älteren Datums. Lesart a) ist aus diesem Grund als die genuine anzunehmen.

Innere Kriterien:

Wie man deutlich konstatieren kann, unterscheiden sich die Lesarten in der Länge, wobei man aus der längsten die anderen beiden extrahieren kann, da bei Lesart a) und b) ein bzw. 2 Wörter eingefügt worden sind. Hinsichtlich des Satzverständnisses ist es nicht zwingend notwendig, wie in Lesart b) und c), die Jünger noch mal zu erwähnen, weil sie bereits in Vers 23 genannt werden. Da der Satz auch ohne die Ergänzung „Jünger“, ói maqhtai, verständlich ist, kann hier das innere Charakteristikum der lectio brevior potior gebraucht werden, wonach die kürzere Lesart oft zu bevorzugen ist.

Man könnte dem zwar entgegenstellen, dass aus der 3. Lesart c) sich alle anderen Varianten, wie oben erwähnt, herleiten können, allerdings ist das auvtou/ ebenfalls nicht wichtig zum Verständnis, ja beinahe redundant, da man weiß, dass es sich um seine Jünger handelt. Man kann daher sagen, dass Lesart b) und c) durch bewusste Veränderungen hervorgegangen sind, da Artikel bzw. Erläuterungen eingefügt worden sind.

Schaut man sich zusätzlich die Parallelstelle bei Lk 8,24 an, stellt man fest, dass dort ebenfalls lediglich geschrieben steht: proselqo,ntej de. dihgeiran auvto.n… […].

Aufgrund der Tatsache, dass Lesart a) am besten bezeugt ist und vollkommen zum Verständnis ausreicht, erscheint diese als die ursprüngliche Variante.

3.3 Vers 25 ku,rie, sw/son

Lesart a)

ku,rie, sw/son

Bezeugt durch:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Äußere Kriterien:

Lesart a) wird von mehr Majuskelhandschriften bezeugt als Lesart b). Sie weist außerdem die Handschrift א 01 und B 03, die unter die beste Gattung fallen, auf. Währenddessen findet sich bei Lesart b) keine Handschrift der Kategorie I wieder. Es ist den äußeren Kriterien zufolge daher anzunehmen, dass Lesart a) die primäre ist.

Innere Kriterien:

Zwar benötigt das transitive Verb sw|,zw ein Akkusativobjekt um aufzuzeigen, wer gerettet werden soll und hier bietet der Apparat des Nestlé-Aland eine gute Ergänzung (Errette uns). Allerdings erscheint es logisch, dass die Jünger sich selbst meinen. Der Bereich ist auf das Boot beschränkt, die Jünger sind mit Angst erfüllt und rufen: „Herr, errette“. Es reicht also zum Verständnis aus zu sagen ku,rie, sw/son. Dadurch, dass Lesart a) auch durch die äußeren Kriterien besser bezeugt wird, ist die im N-A verwendete Variante die wahrscheinlichere.

4. Textanalyse

Im Folgenden wird die sprachliche Struktur anhand der internen Beziehung der syntaktischen, semantischen und pragmatischen Ebene untersucht.

4.1 Abgrenzung des Textabschnitts und Kontextanalyse

Betrachtet man die Perikope, sollte man zuallererst Anfang und Ende derselben anschauen. Prima Vista erscheint der Textabschnitt 23 bis 27 als eine geschlossene Einheit. Die Furcht der Jünger vor dem Sturm und die Rettung durch Jesu Tat sind in sich kohärent und sinnvoll, sowie ohne Vorverständnis deutlich. In Vers 23 findet ein Ortswechsel statt, denn Jesus und die Jünger wechseln auf ein Boot und der Kreis der Mitfahrenden wird ebenfalls eingeschränkt. Schaut man allerdings auf Vers 27 ist von Menschen die Rede, die Jesu Tat bewundern und eine Frage stellen. Wo aber kommen sie her, wenn doch vorher nur Jesus und seine Nachfolger im Boot waren? Diese sogenannte Chorschlussfrage zeigt auf, dass nicht die Jünger, sondern die umstehenden Menschen, stellvertretend für die Gemeinde, Jesu Tat bezeugen.[7]

Laut Bornkamm, repräsentieren sie die Menschen, „[…] denen diese Geschichte in der Verkündigung begegnet“.[8] Und damit erweitert sich auch der Horizont der Perikope und der Hörer kann sich selbst noch heute in dieser Rolle einfinden.

Man darf des Weiteren nicht übersehen, dass der genannte Abschnitt an Mt 8,18 anknüpft. Dort heißt es: „Als aber Jesus eine große Volksmenge um sich sah, befahl er, an das jenseitige Ufer hinwegzufahren.“[9] Es folgt ein Einschub in 8,19-22, in dem es um die rechte Nachfolge Jesu geht. Die Überfahrt wird also ein wenig hinausgezögert. Aus diesem Grund betrachten einige Kommentare die Bibelstelle Mt 8,18-27 als ein Ganzes, denn die Stillung des Sturms ist eng verwoben mit den beiden Apophtegmen in Mt 8,19-22.[10]

Wenn man sich den weiteren Kontext anschaut, kann man sagen, dass sich die Perikope fest in Kapitel 8 eingliedern lässt. Alles, was ab Beginn dieses Kapitels berichtet wird, findet nach der Bergpredigt statt: „Als er aber von dem Berge herabgestiegen war, folgten ihm große Volksmengen.“[11]

In den Kapiteln 8 und 9 findet man viele Wundertaten und Heilungen. Dazu zählen in Kapitel 8 die Heilungen eines Aussätzigen, der Schwiegermutter des Petrus und schließlich die Heilung zweier Besessener. In den nachfolgenden Kapiteln ist auch noch von weiteren wunderhaften Genesungen die Rede. Zu diesen Wundertaten kann man auch die Stillung des Sturms durch Jesus zählen, allerdings steht hier nicht nur die Tat an sich im Mittelpunkt, sondern vielmehr der Kleinglaube der Jünger und die Tatsache, dass man Jesus vertrauensvoll durch alle „Stürme“ und Gewalten nachfolgen sollte.[12] So rückt die Glaubensfrage in den Vordergrund und das Wundergeschehen an den Rand.[13]

Bettet man diese Perikope in den Makrokontext ein, kann man sagen, dass sie zwischen der Bergpredigt (5,1-7, 29) und der Aussendungsrede (9,35-11,1) steht. Die dazwischen liegenden Verse befassen sich, wie eben erwähnt, hauptsächlich mit den Wundertaten Jesu.[14]

Die Bergpredigt und die Wundertaten werden zusammengezogen, da die vergleichbaren Redewendungen in Mt 4,23 und Mt 9,35 eine Art Rahmen bilden:[15] „Und Jesus zog in ganz Galiläa umher, lehrte in ihren Synagogen und predigte das Evangelium des Reiches und heilte jede Krankheit und jedes Gebrechen unter dem Volke.“[16]

Des Weiteren findet man im Mt-Ev. eine ähnliche Passage, die von Seenot handelt, nämlich Mt 14,22-33. Als die Jünger Jesu allein auf See sind, geraten sie in Not. Sie sehen Jesus über das Wasser wandeln, halten ihn aber für einen Geist. Obwohl sich Jesus zu Erkennen gibt, fordert Petrus einen Beweis für seine Identität. Auch hier stellt Jesus ihm nach seiner Rettung die Frage, warum er an ihm gezweifelt habe und kritisiert seinen Kleinglauben. Die Kennzeichnung der Jünger mit dem Begriff ovlig,opistoi ist aus Q übernommen und findet bei Mt häufig Gebrauch.[17]

4.2 Strukturanalyse

4.2.1 Grammatisch-Syntaktische Analyse

Beim Betrachten der vorliegenden Textstruktur fällt als Erstes die häufige Verwendung der Konjunktion kai,, was man auch als Polysyndeton bezeichnet. Diese Tatsache zeigt auf, dass es sich hierbei um eine Parataxe[18] handelt, d.h. eine Aneinanderreihung von Hauptsätzen, die gleichgeordnet sind. Dieser parataktische Stil bewirkt, dass die Perikope zwar eintönig erscheint, aber dadurch nur der wesentliche Inhalt zusammengefasst wird und die Sätze zugleich betont werden. Lediglich Vers 27 fällt hier aus der Reihe und beginnt mit den verwunderten Menschen, die eine Frage stellen. Kai, wird aber nicht nur parallel am Satzanfang sondern auch mehrfach innerhalb der Verse verwendet. Das Polysyndeton als rhetorische Figur vor allem mit kai, findet man in der Septuaginta, überwiegend in den Evangelien (z.B. Mk 10,44-52; Lk 17,11-14; Joh 5,37-38), sehr häufig. Die Konjunktion betreffend, kann man hier noch aufführen, dass das „und“ in Vers 26 auch als ein „aber“ übersetzt werden könnte, also genau gegensätzlich.[19] Hier kommt es auf den Standpunkt des Übersetzers an, wie „streng“ man Jesus sieht, denn er schiene dann weniger verwundert über den Kleinglauben seiner Jünger.

Ein weiterer wichtiger Punkt der grammatischen Untersuchung ist die verwendete Zeitform. Der Verfasser benutzt in der vorliegenden Perikope überwiegend den Aorist Indikativ für die finiten Verbformen, was im Deutschen meist mit dem Präteritum übersetzt wird, da er für punktuelle Handlungen steht. Neben dem genannten Aorist, findet man im Griechischen das imperfectum narrativum und das praesens historicum als Erzähltempora.[20] Zwei Ausnahmen finden sich, abgesehen von den wörtlichen Reden, wieder: evka,qeuden. in Vers 24, ein Imperfekt Indikativ und λe,γει in Vers 26, ein Präsens Indikativ.

Im ersten Fall wird unterstrichen, dass während der Sturm wütet, Jesus sozusagen einfach schläft. „[…] Jesus ist von der kosmischen Katastrophe völlig unbeeindruckt“.[21] In diesem Satz wurde für das Schlafen das Imperfekt gewählt um diese bestimmte Handlung in ihrem Verlauf hervorzuheben, während der Aorist das Unwetter als Hintergrundrahmen beschreibt.[22]

Der zweite Fall ist noch auffälliger und von theologischer Relevanz, da sich hier das einzige Gegenwartstempus (praesens historicum) wiederfindet und somit die Zeitstruktur in der Perikope durchbrochen wird. Das praesens historicum hebt Entscheidendes und Neues hervor. Im Gegensatz zum punktuellen Aorist, wird hier eine linear verlaufende Handlung beschrieben.[23] Jesus sagte nicht: „Was seid ihr furchtsam, Kleingläubige?“, er sagt es. Und zwar vielleicht gerade deswegen im Präsens, weil diese Frage auch heute noch berechtigt ist. Diese Frage, diese Worte kann Jesus an jeden Zuhörer zu jeder Zeit stellen. Denn sie beinhaltet den Vorwurf, dass der Glaube, vor allem in Notsituationen zu gering ist. Die Tatsache, dass hier das Präsens verwendet wird, zeigt, dass derjenige, der spricht, dies in Vollmacht tut.[24]

Im Folgenden wird auf die Besonderheiten der einzelnen Verse eingegangen.

Beginnend mit Vers 23 fällt das Partizip Aorist eμβaντι ins Auge, welches auf Grund des finiten Verbs hvkolou,qhsan, das die Nebenhandlung darstellt, temporal mit „nachdem“ übersetzt wird. Es stellt ein participium coniuctum dar, dem das in Kasus, Numerus, Genus übereinstimmende auvto,j folgt.[25] Jesus ist das voranschreitende Subjekt, dem seine Jünger nachfolgen, was durch die Doppelung des auvtou deutlich gemacht wird.

In Vers 24 folgt die Interjektion ivdou., die aussagt „Siehe, der Sturm kommt“. Hier sollte man darauf hinweisen, dass das große seismo.j ein Erdbeben ist und häufiger im Zusammenhang mit apokalyptischen Katastrophen steht (vgl. Off 6,12; 8,5; 11,13.19 etc.). Matthäus unterscheidet sich mit seinem Beben unter dem Meer daher auch von den Parallelstellen bei Markus (4,37) und Lukas (8,27).[26] Der kurze Satz „er[27] aber schlief“ verstärkt noch den Kontrast zwischen den sich in Not befindenden Jüngern und dem ruhenden Jesus.[28] Der Satz ist hier antithetisch (Sturm-Ruhe) aufgebaut mit einer Überkreuzung der vorangehenden Satzstellung (Chiasmus), da das Subjekt an den Anfang gestellt wurde und somit betont wird. In der Mitte dieser Ringkomposition stehen die Worte der Jünger und des Herrn.[29]

In Vers 25 treten die Jünger an Jesus heran um ihm die Situation zu schildern. Dazu wird das Partizip προσελθoντες benutzt und ihr Verhalten im Angesicht des Unglücks wird „in distanziert lehrhafter Art berichtet“[30]. Der absolute Imperativ sw/son signalisiert in Verbindung mit dem hoheitlichen „Kyrie“ eine die Situation übersteigende Bitte: Herr, schaffe Rettung (nicht nur jetzt, sondern immer)“[31]. Die bedrohliche Sachlage wird durch das Asyndeton, zwei unverbundene nebeneinanderstehende Verben, sw/son( avpollu,meqaÅ signalisiert, denn „die abrupte Redeweise vermittelt den Eindruck von Lebendigkeit“[32].

Mit to,te in Vers 26 findet man ein Adverb, das etwas Nachfolgendes im zeitlichen Verlauf anzeigt. Noch während die Jünger mit Jesus sprechen, liegt er; erst dann steht er auf und bedroht die Winde.

Im Vers 27 fragen sich daraufhin die Menschen mit der Frageformel ποταπoς (dies ist eine Nebenart von poi/oj)[33] was dieser denn für einer sei, dass sogar die Winde und das Meer ihm gehorchen. Man kann kai,)))kai, auch mit „sowohl...als auch“ übersetzen, je nachdem wie sehr man die Tatsache betonen will, dass Jesus so eine große Macht hat, dass wirklich beides ihm gehorcht.

[...]


[1] Nestle-Aland: Novum Testamentum Graece27.

[2] Ebenda, S.19, via BibleWorks.

[3] Man könnte hier das Partizip auch wie folgt übersetzen: ... als er in das Schiff hineingegangen ist

[4] auch: Und sie näherten sich, weckten ihn.

[5] da es sich bei le,gontej um ein weiteres Partizip handelt, kann man zum besseren grammatikalischen Verständnis ein deutsches und einfügen.

[6] Zur Aufschlüsselung und chronologischen Zuordnung des Apparates wird das Werk von K. u. B. Aland: Der Text des Neuen Testaments. Einführung in die wissenschaftlichen Ausgaben sowie in Theorie und Praxis der modernen Textkritik, Stuttgart ²1989, verwendet.

[7] Vgl. Sand, Alexander (1986), S.188.

[8] Bornkamm, Günther in: Bornkamm G et al. (1968), S.52.

[9] Mt 8,18 (Elberfelder Bibel)

[10] Vgl. Bornkamm, Günther in: Bornkamm G. et al. (1968), S.50.

[11] Mt 8,1 (Elberfelder Bibel)

[12] Vgl. Bornkamm, Günther in: Bornkamm G. et al. (1968), S.52.

[13] Vgl. Grundmann, Walter (1968), S.259.

[14] Vgl. Schnelle, Udo (2007), S.267.

[15] Ebd. S.269.

[16] Mt 4,23 (Elberfelder Bibel)

[17] Vgl. Grundmann, Walter (1968), S.261.

[18] Zu den rhetorischen Stilmitteln siehe: www.li-go.de (Literaturwissenschaftliche Grundbegriffe online)

[19] Vgl. Haubeck/ Siebenthal (2007), S.45.

[20] Vgl. Bornemann/Risch (1978), S.221.

[21] Sand, Alexander (1986), S.187.

[22] Vgl. Bornemann/Risch (1978), S.221.

[23] Ebd. S.219.

[24] Vgl. Sand, Alexander (1986), S.187.

[25] Vgl. Haubeck/ Siebenthal (2007), S.44.

[26] Vgl. Grundmann, Walter (1968), S.260.

[27] Normalerweise ist hier klar wer mit er, auvto.j, gemeint ist, sodass die nähere Ergänzung eines Namens nicht notwendig ist.

[28] Luck, Ulrich (1993), S.112.

[29] Luz, Ulrich in EKK 1/2 (1990), S.21.

[30] Sand, Alexander (1986), S.187.

[31] Ebd.

[32] Pesch/ Kratz (1976), S.24.

[33] Vgl. Haubeck/ Siebenthal (2007), S.45.

Ende der Leseprobe aus 33 Seiten

Details

Titel
NT Textexegese Sturmstillung Mt 8,23-27
Hochschule
Johannes Gutenberg-Universität Mainz
Note
2,3
Jahr
2009
Seiten
33
Katalognummer
V194390
ISBN (eBook)
9783656197058
ISBN (Buch)
9783656200116
Dateigröße
512 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Exegese, Sturmstillung, Matthäus, Bibel, Neues Testament
Arbeit zitieren
Anonym, 2009, NT Textexegese Sturmstillung Mt 8,23-27, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/194390

Kommentare

  • Gast am 1.6.2012

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Titel: NT Textexegese Sturmstillung Mt 8,23-27



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