Der Ansatz der Politischen Ökologie

Dargestellt am Beispiel Ökotourismus


Hausarbeit, 2011

15 Seiten, Note: 2,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Die Politische Ökologie
2.1 Definition
2.2 Forschungsrichtungen

3 Forschungsansätze der Third World Political Ecology
3.1 Chain of explanation
3.2 Politische Diskurse
3.3 Sozio-ökonomische Merkmale
3.4 Akteursorientierter Ansatz
3.5 Kritische Betrachtung zur „chain of explanation

4 Fallbeispiel: Ökotourismus in Baja California Sur, Mexiko (E. H. Young)
4.1 Hintergrund
4.2 Konflikte in San Ignacio
4.3 Folgen

5 Fazit

6 Literaturverzeichnis

1 Einleitung

Bereits in den 1970er Jahren waren Politik und Wissenschaft dazu gezwungen, sich mit den Ursachen und Folgen der weltweit wachsenden Umweltprobleme zu beschäftigen. Die Zerstörung des Regenwaldes und Bodenerosion, Luft- und Wasserverschmutzung sowie Dürrekatastrophen und Desertifikation waren die Erscheinungen, welche durch das ungebremste Wachstum der Bevölkerung, der Wirtschaft und des Wohlstandes sowie durch „falsche“ Entwicklung hervorgingen.

Im Rahmen der Thematisierung der Umweltprobleme kam es zur Ausbildung von naturwissenschaftlich geprägten Ansätzen, welche sich auf Kausalitätsbeziehungen zw. Mensch und Umwelt konzentrierten. Die neo-malthusianische These der 1980er Jahre machte das enorme Bevölkerungswachstum für die Umweltprobleme verantwortlich (WATTS, M. 2000: 262). Das Konzept der nachhaltigen Entwicklung stellte die nachholende Entwicklung und das dafür benötigte Wachstum westlich-kapitalistischer Einflüsse in Frage. Insofern wurde die ökologische Degradierung lediglich als „Umwelt“-Problem angesehen. Die Relevanz der bestehenden Machtstrukturen bzw. der Einfluss politisch ökonomischer Faktoren wurde in der Regel ignoriert, sodass von einer apolitischen Grundidee gesprochen wird (AMMERING, U.; NEUBURGER, M.; SCHMITT, T. 2008: 95).

Die Entstehung der Politischen Ökologie geht bis in die 1970er Jahre zurück und wurde 1972 von Eric Wolf geprägt. Mitte der 1980er Jahre wurde der theoretische Ansatz der Politischen Ökologie, welcher die geringe Berücksichtigung politischer, ökonomischer und sozialer Dimensionen bei der Erklärung von Umweltveränderungen bemängelte, den apolitischen Grundideen entgegengesetzt (ROBBINS, P. 2004: 5).

In der vorliegenden Arbeit wird zunächst die Politische Ökologie mit ihren verschiedenen Ansätzen dargestellt. Folgend wird eine zum Ende der 1990er Jahre von der Autorin E. YOUNG durchgeführte Studie vorgestellt, in der aus der Perspektive der Politischen Ökologie der Ökotourismus in Mexiko untersucht wurde.

2 Die Politische Ökologie

Untersuchungen im Rahmen der Politischen Ökologie sind, im Hinblick auf die sich verschlechternde Umweltsituation, in zahlreichen Ländern der südlichen Hemisphäre ein zentrales Element der Global-Environmental Change Forschung. So ist die Erhaltung und Bewahrung der natürlichen Ressourcen, wie z.B. Wasser, Boden und Biodiversität, insbesondere in den Tropen, von existentieller Bedeutung für globale Bevölkerung.

Die Politische Ökologie ist kein einheitliches Theoriegebilde, sondern vielmehr ein Sammelbegriff für Studien mit unterschiedlichen Theorieansätzen. Entsprechend ist die Politische Ökologie ein multi- und transdisziplinär gefasster Analyseansatz, welcher als Antwort auf die apolitischen Ansätze zur Erklärung des Umweltwandels konzipiert wurde und in der geographischen sowie sozialwissenschaftlichen bzw. ethnologischen Forschung seit den 1980er Jahren an Bedeutung gewonnen hat. Aufgrund seines transdisziplinären Charakters könnte die Politische Ökologie auch als Umwelt-Soziologie, Umweltökonomie und Politikwissenschaft der Umwelt gekennzeichnet werden (BLAIKIE, P. 1999: 131).

Grundlegende und bedeutende Werke, welche das Thema Bodenerosion und Landdegradierung in einen politisch-ökologischen Kontext stellen sind: BLAIKIE, Piers (1985): „ The Political Economy of Soil Erosion in Developing Countries“

BLAIKIE, Piers und BROOKFIELD, Harold (1987): „Land Degradation and Society“

2.1 Definition

Im Unterschied zu anderen Bereichen in der Sozial- und Umweltforschung, ist die Politische Ökologie als ein Forschungsfeld nicht genau definiert. Die Differenzen ergeben sich mit der Schwerpunktsetzung, wobei einige Wissenschaftler die Politische Ökonomie betonen und Andere näher auf politische Institutionen oder Umweltveränderungen eingehen. Gemeinsamkeit besteht dahingehend, dass jene Ansätze eine Alternative zur apolitischen Ökologie repräsentieren (ROBBINS, P. 2004: 5). Die Politische Ökologie umfasst insofern sehr viele Definitionen und wurde erstmalig von den angelsächsischen Geographen BLAIKIE und BROOKFIELD definiert:

„The phrase ‚political ecology‘ combines the concerns of ecology and a broadly defined political economy. Together this encompasses the constantly shifting dialectic between society and land-based resources, and also within classes and groups within society itself.“ (BLAIKIE, P. & BROOKFIELD, H. 1987: 17).

Insofern entstehen Umweltveränderungen in einem konfliktreichen Zusammenspiel von diversen Handlungen und Interessen; sowohl politischer und gesellschaftlicher als auch ökonomischer Natur. Wichtig bei dieser Betrachtung ist die Einbeziehung der individuellen, der lokalen, der nationalstaatlichen und der globalen Ebene.

Im deutschsprachigen Raum gelten Helmut GEIST und Thomas KRINGS als starke Vertreter des Ansatzes. Krings definierte Politische Ökologie wie folgt:

„Unter dem Begriff Politische Ökologie vereinigen sich (…) verschiedene auf das Mensch-Umwelt-Verhältnis bezogene Arbeitsrichtungen vornehmlich in den angelsächsischen Ländern, deren gemeinsamer Nenner die Integration der politischen und historisch-gesellschaftlichen Faktoren in Analysen zu Umweltveränderungen darstellt.“ (KRINGS, T. 1999: 129).

2.2 Forschungsrichtungen

Seit BLAIKIE und BROOKFIELD (1987) den Grundstein für die Politische Ökologie gelegt haben, wurde der Ansatz in viele verschiedene Richtungen weiterentwickelt. Im Mittelpunkt der Politischen Ökologie der Entwicklungsländer, der Third World Political Ecology, stehen z.B. die Ursachen von Bodendegradation, Tropenwaldzerstörung, Konflikte um Wasser und Weideland, die Folgen des internationalen Ferntourismus oder Überfischung der Weltmeere. In der Politischen Ökologie der hoch entwickelten Länder, der First World Political Ecology, geht es um ganz allgemeine Fragen der Umweltgerechtigkeit. Die Urban Political Ecology erforscht gesellschaftliche Hintergründe für städtische Umweltprobleme und untersucht die Gewinner und Verlierer von Stadtplanungsprozessen. Zudem werden in sozial benachteiligten Stadtteilen die Folgen von negativen Umwelteinflüssen, z.B. Emissionen und Verkehrslärm, untersucht (Universität Freiburg 2011).

3 Forschungsansätze der Third World Political Ecology

Bei der Anwendung der politisch-ökologischen Perspektive zur Untersuchung von MenschUmwelt-Beziehungen kann eine Vielzahl von Ansätzen gewählt werden. Diese Vielfalt der Ansätze reflektiert insofern die verschiedenen Forschungsprioritäten und die zahlreichen Möglichkeiten politisch-ökologische Forschungen durchzuführen. In vielen Fällen werden Elemente aus zwei oder mehreren Ansätzen kombiniert.

3.1 Chain of explanation

In einem Ansatz der Third World Political Ecology werden ein spezielles oder mehrere Umweltprobleme untersucht und erklärt (Bodenerosion, Abholzung tropischer Wälder, Wasserverschmutzung oder Landdegradierung). Dieser Ansatz ist in vielerlei Hinsicht ein traditionell geographisches Forschungsthema, bei dem der menschliche Einfluss auf die physische Umwelt analysiert wird, aber zusätzlich mit einem politischen-ökonomischen Beigeschmack. BLAIKIEs (1985) Studie über die politische Ökonomie der Bodenerosion erläutert dieses Problem in der Form einer Hierarchie von miteinander verknüpften sozialen, politischen und ökonomischen Kräften, welche auf lokaler, regionaler und globaler Ebene wirken. BLAIKIE und BROOKFIELD (1987) haben diese Studie ausgearbeitet mit Bezug auf die umfassenderen Probleme der Landdegradierung. Im Zuge dieser Arbeiten entstand der Ansatz der „chain of explanation“ (BRYANT, R.; BAILEY, S. 1997: 20-21).

Methodischer Ansatzpunkt der der „chain of explanation“ ist eine sich über mehrere Betrachtungsebenen erstreckende Verursachungskette, in welcher das Handeln und die Interessen der Akteure in Zusammenhang mit Umweltveränderungen gebracht werden. Hierbei handelt es sich um eine Methode, welche verschiedene geographische Skalen und sozio-ökonomische Hierarchien (Person, Haushalt, Dorf, Region, Staat, Welt) analysiert (BLAIKIE, P. 1999: 132). Dabei sind physische Umweltprobleme nicht isoliert an einem lokalen Ort zu betrachten, sondern auf mehreren, oftmals miteinander verflochtenen Handlungsebenen in einen sozialen und ökonomischen Kontext zu stellen. Unter Berücksichtigung der lokalen Ebene sowie nationaler und globaler Einflüsse besteht das Ziel folglich darin, komplexe Ursache-Wirkungszusammenhänge zu durchleuchten. So beschreibt BLAIKIE die Komplexität der Land- bzw. Umweltdegradierung folgendermaßen:

[...]

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Details

Titel
Der Ansatz der Politischen Ökologie
Untertitel
Dargestellt am Beispiel Ökotourismus
Hochschule
Christian-Albrechts-Universität Kiel  (Geographisches Institut)
Veranstaltung
Kulturgeographie
Note
2,3
Autor
Jahr
2011
Seiten
15
Katalognummer
V194400
ISBN (eBook)
9783656194514
ISBN (Buch)
9783656197676
Dateigröße
516 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
ansatz, politischen, ökologie, dargestellt, beispiel, ökotourismus
Arbeit zitieren
Sylvia Lorenz (Autor), 2011, Der Ansatz der Politischen Ökologie, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/194400

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