Kommunismus und die Studentenbewegung von 1968

Parallelen zwischen dem Kommunismus und der 68er Bewegung


Hausarbeit, 2010
14 Seiten, Note: 2

Leseprobe

1. Inhaltsverzeichnis

2. Fragestellung

3. Die Studentenbewegung von 1968 und der Kommunismus
3.1. Hinführung zum Themenbereich/Antwort?
3.2. Ziele der Studentenbewegung
3.2.1. Die kritische Theorie
3.2.1.1. Ursprünge
3.2.1.1.1. Kommunistische Grundidee
3.2.1.1.2. Der Marxismus
3.2.1.2. Notwendigkeit der Veränderung
3.2.1.3. Veränderungen in der Kritischen Theorie
3.2.2. Die praktischen Ansichten der Studenten von 68
3.3. Konklusion

4. Nachwort

5. Literaturverzeichnis

2. Fragestellung

Die folgende Arbeit hat zum Ziel zu analysieren, inwiefern sich die Studenten der Bewegung von 1968 mit dem Kommunismus identifiziert haben, beziehungsweise inwiefern sie diese Gesellschaftsordnung als eine erstrebenswerte angesehen haben.

Sie soll zeigen, was die Studenten unter dem Begriff ͣKommunismus“ sahen, beziehungsweise wie sie meinten, dass er sein sollte. Auch soll betrachtet werden, ob die Studentenbewegung von 1968 als eine kommunistische Bewegung bezeichnet werden kann, oder nicht. Und wenn Ja, so warum, beziehungsweise wenn Nein, so warum nicht. Wie sieht die Gesellschaftsordnung aus, welche sich die Studenten der 68er Bewegung vorgestellt haben?

3. Die Studentenbewegung von 1968 und der Kommunismus

3.1. Hinführung zum Themenbereich/Antwort?

Mehr zufällig kommt Konrad Löw auf die Fragestellung dieser Arbeit zu sprechen, wenn er von der Faszination des Kommunismus von gestern und heute schreibt. Er leitet gleich damit ein, dass die Frankfurter Allgemeine Zeitung am 2. Oktober 1978 das Ergebnis einer Umfrage veröffentlicht habe, wonach 67 Prozent der befragten Studenten die Idee des Kommunismus für gut hielten und weitere 6 Prozent keine Meinung zu der Fragestellung äußerten.1 An dieser Stelle kommt die Frage auf, inwiefern die Studenten meinten, dass es bereits ein funktionierendes Beispiel für diese Staatsform gäbe. ͣDie eingangs erwähnten 67 Prozent der Studenten, die den Kommunismus für gut halten, setzen sich zusammen aus 61 Prozent, denen der Kommunismus, wie die bestehenden kommunistischen Staaten ihn praktizieren, mißfällt, und 6 Prozent […΁, die das dortige Gesellschaftssystem für überlegen halten […΁.“2

Nun gibt es jedoch zahlreiche Formen des Kommunismus, sowohl von ihrer Theorie her, als auch in ihrer Umsetzung. Auch dies lässt Löw nicht unbedacht, und so fährt er mit einer weiteren Umfrage fort. Das Ergebnis dieser besagt, dass die Studenten bei dem generellen Begriff Kommunismus die Idee des Marxismus im Kopf hatten.3

Dies ist für das Thema dieser Arbeit eine durchaus interessante Erkenntnis, doch keineswegs die Antwort, interessiert doch, weswegen die Studenten die marxistischen Ideen für so ansprechend hielten, und inwiefern sie, und ihr Handeln, tatsächlich mit den Ideen von Karl Marx übereinstimmten.

Um die Erörterung dieses Sachverhaltes soll es im Folgenden gehen.

3.2. Ziele der Studentenbewegung

Wenn man über die Studentenbewegung von 1968 liest, so begegnet man mehreren Aussagen immer wieder. Einerseits, dass es sich hierbei um eine antiautoritäre Bewegung gehandelt habe - also um eine Negation aller bestehenden Herrschaftssysteme. Andererseits stößt man jedoch auch immer wieder auf ihre Theoriebesessenheit: Die Studenten versuchten, die Welt durch eine neue Theorie zu ändern, ein alternatives Gesellschaftssystem zu entwickeln und darzulegen.

Natürlich ist es bei einem weltweiten Phänomen schwer zu sagen, was genau nun die Ziele waren. Denn je nach Land und dortigem Herrschafts- und Gesellschaftssystem gab es unterschiedliche Schwerpunkte. Verallgemeinernd kann man nur sagen, dass es um eine Gleichstellung aller Gesellschaftsschichten und Personen gehen sollte, egal welcher Nationalität oder Abstammung.

Ein simples Suchen nach einer Überschrift ͣZiele der 68er Bewegung“ trägt kaum Früchte. Vielmehr lassen sich diese erst über die bereits erwähnte Theoriebesessenheit und die gesetzten Aktionen erörtern und verstehen. Hier, in dieser Arbeit, soll es nur um Ersteres gehen, da uns der andere Ansatzpunkt auf zu große Umwege vom eigentlichen Thema bringt. An dieser Stelle sei nur kurz, in Anknüpfung zur ebenfalls bereits erwähnten Negation, erwähnt, dass die Studenten versuchten, die Missstände der Gesellschaft durch bewusste Überschreitung von Konventionen und Regelverletzungen zu entlarven.4

3.2.1. Die kritische Theorie

3.2.1.1. Ursprünge

Der theoretische Überbau der 68er Bewegung wurde als Kritische Theorie bezeichnet. Der Begriff war von Max Horkheimer ins Leben gerufen worden, doch während der Name gleich blieb, änderte sich über die Zeit seine Bedeutung. Anfangs verstand die Kritische Theorie sich noch als Erbin der marxistischen Philosophie5 - was nicht weiter verwundert, wenn man die anfangs erwähnten Studentenumfragen betrachtet.

Der Marxismus war also die Grundlage der Studenten. Mit seiner Hilfe formulierten sie ihre eigenen Vorstellungen einer ersehnenswerten Gesellschaft. Aber warum dieser Umweg über das kommunistische Konzept, wenn es doch eigentlich keine linke Bewegung war/sein sollte?

3.2.1.1.1. Kommunistische Grundidee

Meiner Meinung nach war dies eher ein unbewusster Griff. Denn was versteht man unter Kommunismus?

Kommunismus ist eine politische Bewegung, welche durch die Anwendung wissenschaftlicher Erkenntnisse für alle Menschen auf der Erde ein menschenwürdiges Dasein ohne Not und Furcht schaffen will.6

Eine sehr schöne und bündige Beschreibung, welche zugleich den studentischen Protest für die Dritte Welt Länder und gegen den Vietnamkrieg mit einbeziehen kann.

Aber auch die Definition der KPdSU von Kommunismus ist sehr interessant für diese Untersuchung.

Kommunismus ist eine klassenlose Gesellschaftsordnung, in der die Produktionsmittel einheitliches Volkseigentum und sämtliche Mitglieder der Gesellschaft sozial völlig gleich sein werden, in der mit der allseitigen Entwicklung der Individuen auf der Grundlage der ständig fortschreitenden Wissenschaft und Technik auch die Produktivkräfte wachsen und alle Springquellen des gesellschaftlichen Reichtums voller fließen werden und wo das große Prinzip herrschen wird: Jeder nach seinen Fähigkeiten, jedem nach seinen Bedürfnissen. Der Kommunismus ist eine hochorganisierte Gesellschaft freier, arbeitender Menschen von hohem Bewußtsein, in der gesellschaftliche Selbstverwaltung bestehen wird, in der die Arbeit zum Wohle der Gesellschaft zum ersten Lebensbedürfnis für alle, zur bewußt gewordenen Notwendigkeit werden und jeder seine Fähigkeiten mit dem größten Nutzen für das Volk anwenden wird.7

In dieser Formulierung sieht man bereits die Probleme, welche die Studenten mit einer solchen offiziellen Definition haben mussten - weswegen sich diese nicht von sich aus als Kommunisten bezeichneten.

[...]


1 Vgl. Löw, Konrad: Warum fasziniert der Kommunismus? Eine systematische Untersuchung. Köln: Deutscher Instituts-Verlag 21981; S. 13.

2 Ebd.; S. 16.

3 Vgl. Ebd.; S. 34.

4 Vgl. Heigl, Richard: Oppositionspolitik. Wolfgang Abendroth und die Entstehung der Neuen Linken (1950- 1968). Hamburg: Argument 2008; S. 345.

5 Vgl. Gilcher-Holtey, Ingrid: Kritische Theorie und Neue Linke. In: 1968. Vom Ereignis zum Mythos. Hrsg. v. Ingrid Gilcher-Holtey. Frankfurt am Main: Suhrkamp 2008, von S. 223-248; S. 224.

6 Simon, Hermann: Kommunismus heute. Mainz: Hase & Koehler 1968; S. 8.

7 Parteiprogramm der KPdSU von 1961. zit. n. Ebd.; S. 10.

Ende der Leseprobe aus 14 Seiten

Details

Titel
Kommunismus und die Studentenbewegung von 1968
Untertitel
Parallelen zwischen dem Kommunismus und der 68er Bewegung
Hochschule
Universität Wien  (Deutsche Philologie)
Note
2
Autor
Jahr
2010
Seiten
14
Katalognummer
V194466
ISBN (eBook)
9783656197942
ISBN (Buch)
9783656197638
Dateigröße
925 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
kommunismus, studentenbewegung, parallelen, bewegung
Arbeit zitieren
Johannes Hackl (Autor), 2010, Kommunismus und die Studentenbewegung von 1968, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/194466

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