Ausgehend von dem lange Zeit vorherrschenden Verständnis der Differenzminimierung als Aufgabe der Sozialen Arbeit, soll über den Grundsatz der Differenzakzeptanz und das Konzept der Lebensweltorientierung der Bogen zum bertriebswirtschaftlichen "Diversity-Management" gespannt werden. Es soll versucht werden zu klären, wo sich die Soziale Arbeit von diesem Verständnis von diversity abgrenzen muss und wo Anknüpfungspunkte vorhanden sind. Abschließend soll geklärt werden, wo sich die Profession unter Umständen sogar weiterentwickeln muss, um dem ganzheitlichen Anspruch von diversity politics gerecht werden zu können, denn "es bedarf der kritischen Reflexion des eigenen Selbstverständnisses und einer bewussten Gegensteuerung gegen das Fortschreiben der Normalität, will man die Dominanzverhältnisse nicht einfach reproduzieren"(Rommelspacher 2003, S. 79).
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Das Verständnis von Differenz in der Sozialen Arbeit
3. Akzeptanz von Differenzen und die Lebensweltorientierung in der Sozialen Arbeit
4. Das Konzept des "Diversity-Managements" in Unternehmen - Abgrenzung, Gemeinsamkeiten und Bedeutung für die Soziale Arbeit
5. Fazit - Die Repolitisierung der Sozialen Arbeit in Praxis und Lehre als Voraussetzung für die Umsetzung von diversity politics
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht das Potenzial von Diversity-Konzepten für die Soziale Arbeit, wobei die zentrale Forschungsfrage darauf abzielt, inwieweit die Soziale Arbeit von betriebswirtschaftlichen Diversity-Ansätzen lernen kann, ohne dabei ihre eigenen ethischen Grundlagen und den Fokus auf soziale Gerechtigkeit zugunsten einer ökonomischen Verwertbarkeit aufzugeben.
- Kritische Analyse des Differenzverständnisses in der Sozialen Arbeit.
- Gegenüberstellung von betriebswirtschaftlichem Diversity-Management und dem gesellschaftspolitischen Anspruch der Sozialen Arbeit.
- Die Rolle der Lebensweltorientierung im Umgang mit Diversität.
- Notwendigkeit einer Repolitisierung der Sozialen Arbeit in Lehre und Praxis.
- Abgrenzung der Sozialen Arbeit von einer rein instrumentellen Ökonomisierung des Sozialen.
Auszug aus dem Buch
1. Einleitung
Die Soziale Arbeit muss sich nicht zwangsweise vorwerfen lassen, dass sie den Umgang mit Differenzen, also Verschiedenheiten, in ihren Arbeitsfeldern nicht beachten würde. Sie begeht bisher aber auch den Fehler, dass das Thema Vielfalt zwar aufgenommen, aber "organisatorisch wie inhaltlich mit jeweils isolierten Ansätzen beantwortet wird" (Schröer 2006, S.1), wenn überhaupt. Der Sozialen Arbeit fehlt bisher schlicht die ganzheitliche Sichtweise bei Problemkonstellationen, zu dem diversity ja einen Beitrag leisten will und die auch eine zentrale Forderung des "Diversity-Management" in Unternehmen ist: Ganzheitliche Sichtweise und die Verankerung in allen Bereichen einer Firma als Selbstverständlichkeit (ebd., S. 2).
Auch muss die Soziale Arbeit in dieser Frage immer wachsam sein, denn nicht alle Verschiedenheiten in einer Gesellschaft sind grundsätzlich positiv, ganz im Gegenteil. Akzeptanz von Differenzen ist beispielsweise dort nicht angezeigt, wo sich Machtverhältnisse reproduzieren, wo Diskriminierung unter dem Deckmantel von "diversity" stattfindet, wo sich antidemokratische Einstellungen manifestieren (beispielsweise in bestimmten migrantisch geprägten Milieus, siehe u.a. Bozay: "..ich bin stolz, Türke zu sein", 2005, zur Problematik des türkischen Faschismus der MHP bzw. der "Grauen Wölfe" in Deutschland). Auch dort sind die Akteure/innen Sozialer Arbeit gefragt, damit Vielfalt innerhalb einer Gesellschaft wirklich eine Zukunft haben kann, und nicht mit der Bildung von Gesellschaften innerhalb der Gesellschaft verwechselt wird. Dazu muss sie aber auch zuerst die Bereitschaft zeigen, sich der Thematik "diversity" ernsthaft anzunehmen und diese Vorstellung in ihr eigenes Handeln integrieren.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die Notwendigkeit einer ganzheitlichen Auseinandersetzung mit Diversität in der Sozialen Arbeit und stellt die Frage nach der Übertragbarkeit von Diversity-Konzepten.
2. Das Verständnis von Differenz in der Sozialen Arbeit: Dieses Kapitel kritisiert die historische Strategie der Differenzminimierung und fordert einen reflektierteren Umgang mit Differenzen, der Machtverhältnisse stärker einbezieht.
3. Akzeptanz von Differenzen und die Lebensweltorientierung in der Sozialen Arbeit: Das Kapitel diskutiert, inwiefern das Konzept der Lebensweltorientierung als Basis dienen kann und ob eine explizite Diversitätsorientierung einen notwendigen nächsten Schritt darstellt.
4. Das Konzept des "Diversity-Managements" in Unternehmen - Abgrenzung, Gemeinsamkeiten und Bedeutung für die Soziale Arbeit: Hier wird verdeutlicht, dass betriebswirtschaftliches Diversity-Management primär auf Profitmaximierung zielt, während Soziale Arbeit die Überwindung sozialer Ungleichheiten fokussieren muss.
5. Fazit - Die Repolitisierung der Sozialen Arbeit in Praxis und Lehre als Voraussetzung für die Umsetzung von diversity politics: Das Fazit fordert eine grundlegende Repolitisierung der Profession sowie eine intensivere Auseinandersetzung mit Diversität bereits in der Bachelor-Ausbildung.
Schlüsselwörter
Soziale Arbeit, Diversität, Diversity-Management, Differenz, Machtverhältnisse, Lebensweltorientierung, Repolitisierung, soziale Ungleichheit, Diskriminierung, gesellschaftliche Konstruktion, Ressourcenexploration, Professionalität, Sozialpolitik, Bildung, Diversitätsorientierung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundlegend?
Die Arbeit untersucht das Spannungsfeld zwischen Diversity-Konzepten aus der Wirtschaft und den fachlichen Anforderungen der Sozialen Arbeit.
Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Die zentralen Themen sind der professionelle Umgang mit Differenzen, die Abgrenzung von ökonomischen Diversity-Strategien und die Notwendigkeit einer Repolitisierung der Sozialen Arbeit.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Ziel ist es zu klären, inwieweit die Soziale Arbeit von Diversity-Konzepten profitieren kann, ohne ihre ethische Zielsetzung der sozialen Gerechtigkeit aufzugeben.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer theoretischen Analyse aktueller Fachliteratur sowie einer kritischen Reflexion bestehender Konzepte der Sozialen Arbeit und des Diversity-Managements.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil analysiert das Verständnis von Differenz, die Rolle der Lebensweltorientierung und vergleicht das Ziel von Diversity in der Wirtschaft mit dem Auftrag der Sozialen Arbeit.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Charakterisierende Begriffe sind unter anderem Soziale Arbeit, Diversität, Machtverhältnisse, Differenzakzeptanz und Repolitisierung.
Wie grenzt sich die Arbeit vom betriebswirtschaftlichen Diversity-Management ab?
Die Arbeit betont, dass Soziale Arbeit auf die Überwindung von Ungleichheit zielt, während das wirtschaftliche Diversity-Management lediglich Mittel zum Zweck der Profitmaximierung ist.
Welche Rolle spielt die Ausbildung von Sozialarbeitern für die Umsetzung von Diversity-Zielen?
Der Autor fordert, dass Diversität als Querschnittsthema bereits intensiv in grundständigen Bachelor-Studiengängen bearbeitet werden sollte, statt nur auf spezialisierte Master-Studiengänge zu setzen.
- Citation du texte
- Florian Paul (Auteur), 2012, Die Verbindung von Diversity-Konzepten und Sozialer Arbeit, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/194483