Luxus- oder Massenkonsum? Südostasiatische Importe in den Niederlanden der Frühen Neuzeit


Hausarbeit, 2008

15 Seiten, Note: 3,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Wie gelangten die Produkte in die Niederlande?

3. Gewürze

4. Kaffee

5. Tabak

6. Resumée

7. Quellen- und Literaturverzeichnis

1. Einleitung:

Als am 20. März 1602 die „Vereenigde Oostindische Compagnie“[1] gegründet wurde, konnte man noch nicht absehen, welchen Siegeszug dieser, später als „das reichste Unternehmen der Welt“[2] bezeichnete, Zusammenschluss niederländischer Kaufmannskompanien im 17. und 18. Jahrhundert antreten werde.

Ausgehend von der VOC und ihrem englischen Pendant der „East India Company“[3], gelangten viele neue und fremdartige Produkte in großer Stückzahl nach Europa.

Ziel der folgenden Arbeit ist es aufzuzeigen, wie diese Produkte am heimischen Markt angenommen wurden und der Frage nachzugehen, ob manche Produkte nur von bestimmten Schichten konsumiert wurden, oder ob sich diese neuen Konsumgüter rasch in der gesamten Bevölkerung ausbreiteten.

Dabei wird nicht nur Wert auf eine rein wirtschaftshistorische Sichtweise gelegt, sondern es werden auch sozialgeschichtliche Aspekte des Umgangs mit Kolonialwaren behandelt. Dies soll exemplarisch anhand von Gewürzen, Kaffee und Tabak aufgezeigt werden. Hier wird ein besonderer Schwerpunkt auf die indonesischen Kolonien der Niederlande gelegt, da diese maßgeblichen Anteil an der Etablierung der, häufig als Genussmittel bezeichneten, Produkte in Europa hatten.

2. Wie gelangten die Produkte in die Niederlande?

Um verstehen zu können, welchen Einfluss die südostasiatischen Konsumartikel auf den europäischen Markt hatten und wie diese gesellschaftlich wahrgenommen wurden, ist es wichtig, sich vor Augen zu führen, wie diese Artikel nach Europa gelangen konnten.

Eine wesentliche Rolle bei der Beschaffung der, vielfach zuerst als Arzneimittel wahrgenommenen Produkte[4], spielte dabei die VOC.

Die 1602 aus der Vereinigung von Handelskompanien der gesamten Niederlande entstandene VOC[5] wurde vom niederländischen Parlament mit einem Handelsmonopol in Ostindien[6] ausgestattet und konnte somit, gepaart mit der Ausgabe von Aktien[7], rasch in den lukrativen südostasiatischen Markt vordringen.

Die Niederlande, welche im achtzigjährigen Krieg (1568- 1648) die Unabhängigkeit von der spanischen Krone erlangten, kämpften ebenfalls gegen die durch Personalunion mit Spanien verbundenen Portugiesen[8].

Es gelang den von der VOC befehligten niederländischen Truppen eine schrittweise Eroberung der von den Portugiesen kontrollierten Gewürzroute[9], welche seit dem 15. Jahrhundert Europa mit den begehrten asiatischen Gewürzen und anderen Waren versorgte[10].

1619 nahmen die Niederländer Batavia[11] in Indonesien ein[12]. Die Stadt wurde zur Hauptstadt der Kolonie Niederländisch- Indien erklärt und war fortan Zentrum des Ostindien- Handels der VOC.

Bis zu ihrer Auflösung im Jahre 1799 kontrollierte die VOC alle niederländischen Handelsgeschäfte in Indonesien.[13]

Die Rolle der asiatischen „Kolonien“ blieb in den Niederlanden stets umstritten, da nicht klar war, ob es sich hierbei um nationale Eroberungen oder um das Eigentum von privaten Kaufleuten handelte[14].

Ungeachtet der politischen Rolle der VOC zeigt sich gerade in ihrer wirtschaftlichen Stärke der Einfluss, den sie im 17. und 18. Jahrhundert ausüben konnte.

Durch den Aufstieg der VOC und einer immer größeren Anzahl an Schiffen, welche in die niederländischen Häfen einliefen[15], verbreiteten sich auch nach und nach die eingangs erwähnten neuartigen Waren in Europa.

Im Folgenden soll anhand von Gewürzen, Kaffee und Tabak untersucht werden, ob diese Artikel bloße „Luxusprodukte“ waren, oder ob sie sich schon früh breiten Bevölkerungsschichten erschlossen.

3. Gewürze:

Grundlage des Ostindien- Handels der VOC bildeten zum Anfang des 17. Jahrhunderts Gewürze. Die VOC und ihre Vorgängergesellschaften waren nicht nur gegründet worden, um die sich bekämpfenden niederländischen Handelskompanien zu vereinen, sondern auch um am florierenden indonesischen Gewürzmarkt teilzuhaben.

Es bestand in Europa zu dieser Zeit, anders als bei Plantagenprodukten wie Kaffee und Tabak, bereits eine große Nachfrage nach Gewürzen[16]. Die kostengünstige Aneignung der, als „Schätze des Ostens“[17] geltenden, Gewürze war demnach gepaart mit dem Wunsch nach Ausschaltung der inner-niederländischen Konkurrenz der Hauptgrund für die Gründung der VOC.

Der Anteil der Gewürze an der Warenausfuhr nahm zwar im Laufe des 17. und 18. Jahrhunderts kontinuierlich ab[18], trotzdem war gerade zu Beginn des 17. Jahrhunderts der Handel mit als exotisch geltenden Gewürzen derjenige Faktor, welcher maßgeblichen Anteil an der Etablierung der niederländischen Besitzungen in Südostasien hatte[19].

Den Hauptanteil an den Gewürzimporten machte dabei der Pfeffer aus[20]. Der Pfeffer, welcher in Europa schon seit der Antike bekannt war, war auch dasjenige Gewürz, an welchem man die Entwicklung der Gewürze von Luxusgütern zu Konsumgütern am Besten festmachen kann.

Jährlich wurden im 17. Jahrhundert ca. 3500 Tonnen Pfeffer von den indonesischen Gewürzinseln importiert[21]. Allein die Menge der Pfefferimporte gibt schon Aufschluss über den Verbreitungsgrad des Pfeffers, welcher ja ein Artikel des täglichen Bedarfs und gerade kein Luxusartikel[22] darstellt, in der Bevölkerung. Unterstützt wird diese These von den, auch gemessen an anderen Gewürzen niedrigen, Pfefferpreisen an den europäischen Märkten des ausgehenden ersten Kolonialzeitalters[23].

Pfeffer, kostete kaut Hans- Jürgen Gerhard im Jahre 1736 in Amsterdam ca. einen halben Gulden pro Pfund, während Safran, das auch heute noch als teures Gewürz gehandelt wird, mit 12, 20 Gulden pro Pfund zu Buche schlägt[24].

Grund für den niedrigen Pfefferpreis, und somit auch für die Zugänglichkeit dieses und anderer Produkte für breite Bevölkerungsschichten, war ein funktionierender Wettbewerb mit der englischen EIC in Bezug auf Gewürze[25]. Dies unterscheidet die Gewürze auch maßgeblich von den Preisen anderer Kolonialwaren, welche von der VOC kontrolliert wurden.

Die Höhe des Preises und die Menge an importierter Ware sind wichtige Indizien für den Verbreitungsgrad eines Produktes in einer Gesellschaft.

Es lässt sich nicht mit Sicherheit sagen, ob und in welcher Form Gewürze in der Frühen Neuzeit bereits ein Massenkonsumartikel waren, doch deutet vieles darauf hin, dass sie bereits für breite Bevölkerungsschichten verfügbar waren, dies gilt sowohl für die Stadt, als auch auf dem Land[26], auch wenn es durchaus Stimmen gibt, die gegen diese These sprechen[27].

Die Rolle, welche die südostasiatischen Kolonien bei der Etablierung von Gewürzen in Europa gespielt haben, lässt sich aber nicht von der Hand weisen, denn erstmals konnten durch einen funktionierendes marktwirtschaftlich orientiertes System Waren nach Europa gelangen, deren Kosten zuvor so hoch waren, dass man von Luxusprodukten sprechen konnte.

Erst die Einfuhr der Gewürze durch die Europäer machten eine schrittweise Annäherung zum Massenkonsumgut heutiger Zeit möglich. Hierbei spielten gerade das 17. und 18. Jahrhundert eine wichtige Rolle, da gerade diese Zeit eine Art Übergangsperiode vom Luxus- zum Massenkonsumgut bildete.

4. Kaffee:

Der Anteil, den die Gewürze im 17. Jahrhundert bei den südostasiatischen Exporten ausmachten wurde im Laufe des 18. Jahrhunderts immer geringer[28].

Ein anderes Produkt, wurde zu einem wichtigen Wirtschaftsfaktor in der Region: Der Kaffee.

Wichtiger Wegbereiter war auch in diesem Falle die VOC, welche den in Europa schon bekannten Kaffee zu einem Artikel machte, der sich zu einem „popular beverage“[29] entwickelte.

Die VOC gelangte bereits 1616 in den Besitz von Kaffeebohnen und pflanzte diese an mehreren Orten ein. Mit dem Kaffeeanbau auf Java begannen die Niederländer allerdings erst 1699, zu einem Zeitpunkt, als die VOC bereits den Kaffeepreis kontrollierte[30], da sie schon hier über andere Kaffeeanbaugebiete verfügen konnte.

Die VOC wollte gegen das jeminitische Kaffeemonopol[31] vorgehen und eine Alternative zum arabischen Kaffee anbieten. Immer wieder kam es seitens der Kaufleute zur Einflussnahme auf die Produktion, um den Preis konstant zu halten[32]. Die entscheidende Rolle, welche der überseeische Kaffeeanbau für die Machterhaltung der VOC im 18. Jahrhundert spielte, wird durch das wachsende Importvolumen deutlich.

[...]


[1] Dt: Niederländische Ostindien- Kompanie

[2] Hobhouse, Henry: Fünf Pflanzen verändern die Welt, Stuttgart 1987.

[3] Dt: Ostindien- Kompanie

[4] Menninger, Annerose: Genuss im kulturellen Wandel, Stuttgart 2004, S. 246.

Zur Rezeption des Tabaks siehe auch: Höllmann, Thomas O.: Tabak in Südostasien, Berlin 1988, S.101.

[5] Joost Jenker und Keetie Sluyterman: At home on the world markets: Dutch international trading companies from the 16th century until the present, Den Haag 2000, S. 46.

[6] Menninger: Genuss im kulturellen Wandel, S. 175.

[7] http://www.oldest-share.com/index_deu.htm, letzter Zugriff am 27.2.2008.

[8] Joost Jenker und Keetie Sluyterman: Dutch international trading companies, S.44.

[9] Prakash, Om: Spice Trade in the Indian Ocean in the Early Modern Period, S. 32, in: Markus A. Denzel: Gewürze: Produktion, Handel und Konsum in der frühen Neuzeit, St. Katharinen 1999.

[10] Zur Nachfrage nach Gewürzen im Europa des 16. und 17. Jahrhunderts sei beispielhaft auf Wolfgang Reinhard verwiesen. Reinhard, Wolfgang: Parasit oder Partner? : Europäische Wirtschaft und Neue Welt, 1500 – 1800, Münster 1997, S.162.

[11] Das heutige Jakarta (M.B.).

[12] Joost Jenker und Keetie Sluyterman: Dutch international trading companies, S. 47.

[13] http://www.aktion-europa.diplo.de/diplo/de/Laenderinformationen/Indonesien/Geschichte.html, letzter Zugriff am 26.2.2008.

[14] Steensgaard, Niels: The Asian Trade Revolution of the Seventeenth Century, Chicago und London 1974, S. 130f.

[15] Waren es im Zeitraum von 1600 bis 1610 noch 59 niederländische Schiffe, so liefen im Zeitraum von 1690 bis 1700 bereits 241 Schiffe nach Asien aus. Freilich kehrten nicht alle Schiffe zurück, dennoch lässt sich anhand der Größe der Flotte erkennen, welch Wachstum die VOC- Flotte hatte. Quelle: Braun, Helmut E.: Zum interkontinentalen Transport von Gewürzen in der Frühen Neuzeit, S. 125, in: Markus A. Demel: Gewürze.

[16] Nagel, Jürgen G.: Abenteuer Fernhandel: Die Ostindienkompanien, Darmstadt 2007, S. 19.

Schmitt, Eberhard: Europäischer Pfefferhandel und Pfefferkonsum im ersten Kolonialzeitalter, S. 19, in: Markus A. Demel: Gewürze.

[17] Ebd., S. 19.

[18] Der Anteil der Gewürze an den Gesamtimporten in die Niederlande lag 1619 bei 74 %, 1668 bei ca. 60 %, 1749 bei nur noch 24 % und 1780 bei 12,1 %, siehe: Schmitt, Eberhard: Europäischer Pfefferhandel und Pfefferkonsum, S. 23 und Joost Jenker und Keetie Sluyterman: At home on the world markets, S. 48.

[19] Vgl. Nagel, Jürgen: Abenteuer Fernhandel, S.20.

[20] Siehe hierzu Om Prakashs These zum Pfefferhandel: „Pepper (...) was a substantially more important item for investment in the Indies then all the other spices put together.“, in: Om Prakash: Spice Trade in the Indian Ocean in the Early Modern Period, S.33.

[21] Diese Angabe bezieht sich auf eine Berechnung von Niels Steensgard. Ein alternativer Wert (4000 Tonnen) findet sich bei Eberhard Schmitt.

[22] Zumindest ab Mitte des 17. Jahrhunderts, Siehe hierzu besonders: Küster, Hansjörg: Wo der Pfeffer wächst: Ein Lexikon zur Kulturgeschichte der Gewürze, München 1987, S. 193.

[23] Siehe Tabelle im Anhang.

[24] Ebd.

[25] „Pfeffer (...) blieb ein Produkt, das (...) weiterhin und auf Dauer zahllose Anbieter und viele untereinander konkurrierende Abnehmer kannte.(...) So blieb Pfeffer ein Produkt , das (...) i.d.R. Zu Marktpreisen eingekauft oder eingetauscht werden mußte.“ , Schmitt, Eberhard: Europäischer Pfefferhandel und Pfefferkonsum, S. 23.

[26] Siehe: Radeff, Anne: Gewürzhandel en détail am Ende des Ancien Régime, S. 203, in: Markus A. Demel: Gewürze.

[27] Hierzu sei beispielhaft auf Eberhard Schmitt verwiesen, welcher eine Verbreitung von Gewürzen auch und vor Allem in den bürgerlichen, städtischen Schichten feststellt, siehe: Schmitt, Eberhard: Europäischer Pfefferhandel, S. 21.

[28] Siehe Fußnote Nr. 17.

[29] Joost Jenker und Keetie Sluyterman: Dutch international trading companies, S. 111f.

[30] Ferré, Felipe: Kaffee: Eine Kulturgeschichte, Tübingen 1991, S. 155.

[31] Heise, Ulla: Kaffee und Kaffeehaus: Eine Kulturgeschichte, Leipzig 1987. S. 77.

[32] So wurden teilweise ganze Plantagen zerstört, um den Preis möglichst hoch zu halten und für eine Art „Kaffeeknappheit“ zu sorgen, ebd. S. 155.

Ende der Leseprobe aus 15 Seiten

Details

Titel
Luxus- oder Massenkonsum? Südostasiatische Importe in den Niederlanden der Frühen Neuzeit
Hochschule
Universität Bielefeld  (Abteilung Geschichtswissenschaft)
Veranstaltung
Konsum und Markt in historischer Perspektive
Note
3,0
Autor
Jahr
2008
Seiten
15
Katalognummer
V194536
ISBN (eBook)
9783656196822
ISBN (Buch)
9783656200543
Dateigröße
458 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Luxusgüter, Massenkonsum, Konsum, Markt, Niederlande, Holland, Importe, Südostasien, Frühe Neuzeit
Arbeit zitieren
Markus Bingel (Autor:in), 2008, Luxus- oder Massenkonsum? Südostasiatische Importe in den Niederlanden der Frühen Neuzeit, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/194536

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