Die deutsche Ausländer- und Einwanderungsdebatte handelt hauptsächlich von zu schlecht integrierten, zu schlecht qualifizierten und zu unangepassten Ausländern. In dieser Arbeit soll nun die Sicht der Ausländer selbst dargestellt werden. Da die türkischen Einwanderer den größten Anteil aller Ausländer in Deutschland darstellen, gibt es zahlreiche Veröffentlichungen und
Untersuchungen zu dieser Bevölkerungsgruppe. Auch die Ausländer aus der Europäischen Union standen und stehen immer wieder im Mittelpunkt zahlreicher Publikationen. Im Mittelpunkt dieser Arbeit steht eine zwar kleine ausländische Bevölkerungsgruppe, welche aber durch ihr auffälliges Äußeres verstärkt wahrgenommen wird. Ausländer deren Herkunft das Afrika südlich der Sahara ist, werden hier untersucht. Im Zentrum dieser Untersuchung stehen also Schwarze Menschen aus Afrika.
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Durch den Mangel an Forschungen, die Schwarze Menschen zum Gegenstand
haben, wird eine Notwendigkeit dieser Untersuchung deutlich. Diese
Diplomarbeit soll als explorative Studie zum Thema Lebensbedingungen von Afrikanern und Afrikanerinnen in Süddeutschland verstanden werden. Sie erhebt nicht den Anspruch, dieses Themengebiet vollständig abgedeckt zu haben.
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Die Ausgangssituation, die statistisch wichtigen Daten sowie die Fragestellungen und Hypothesen bilden die Grundlagen und werden eingangs beleuchtet und vorgestellt (Kapitel 2). Daran anschließend werden wichtige Begriffe, wie z.B. Rassismus, Parallelgesellschaft und Integration, kritisch diskutiert und im Rahmen dieser Arbeit definiert (Kapitel 3). Der Forschungsstand zum Thema Afrikanerinnen und Afrikaner in Deutschland wird dann überblicksartig vorgestellt, um einen Eindruck der Debatten und bislang vorliegenden Ergebnisse zu gewinnen (Kapitel 4). Im Folgenden werden die methodischen Instrumente sowie die Vorgehensweise der Untersuchung dargelegt (Kapitel 5). In den beiden anschließenden Kapiteln werden die erhobenen Daten ausgewertet und die Resultate vorgestellt (Kapitel 6 und 7). Es werden Einzelportraits der Interviewten, die wichtigsten sozio-demogaphischen Daten der Gesprächspartner und die Ergebnisse der Leitfadengespräche dargelegt. Die Originalzitate meiner Gesprächspartner sind dabei in kursiver Schreibweise dargestellt. Abschließend wird ein Fazit gezogen und die zuvor aufgeworfenen Fragen beantwortet (Kapitel 8).
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Grundlagen
2.1 Ausgangssituation
2.2 Statistische Daten
2.3 Fragestellungen und Hypothesen
3 Begriffsbestimmungen
3.1 Rassismus
3.2 Parallelgesellschaft
3.3 Integration
3.4 Afrikaner, Schwarze, Afros, Afro-Deutsche, Schwarze Deutsche usw.?
3.5 Afro-Shops
4 Forschungsstand
4.1 Historische Untersuchungen
4.2 Studien bzw. Untersuchungen über afrikanische Studierende in Deutschland
4.3 Untersuchungen zu binationalen Beziehungen
4.4 Qualitative und quantitative Untersuchungen zu unterschiedlichen Lebensbereichen
4.4.1 „Black European Studies“
4.4.2 „Afrikanische Diaspora in Deutschland“
4.4.3 „Afrika in Frankfurt“
4.4.4 „Deutschland vereint – wie ist die Situation der Schwarzafrikaner im vereinten Berlin?“
4.4.5 „Schwarze Deutsche. Lebensrealität und Probleme einer wenig beachteten Minderheit“
4.5 Erfahrungsberichte und (autobiographische) Romane
5 Methodenwahl, Beschreibung der Methoden und Vorgehensweise
5.1 Methodenwahl
5.2 Auswahl der Interviewpartner und Interviewpartnerinnen
5.3 Befragungssituation
5.4 Vorgehensweise bei der Auswertung
6 Sozio-demographische Daten und Einzelportraits
6.1 Sozio-demographische Merkmale der Befragten
6.2 Einzelportraits
6.2.1 Erstes Interview – CJ
6.2.2 Zweites Interview – Mike
6.2.3 Drittes Interview – Christian
6.2.4 Viertes Interview – Lee
6.2.5 Fünftes Interview – Jennifer
6.2.6 Sechstes Interview – Malik
6.2.7 Siebtes Interview – Ben
6.2.8 Achtes Interview – Joao
6.2.9 Neuntes Interview – Jean
6.2.10 Zehntes Interview – Kleptus
6.2.11 Elftes Interview – Nousaiba
6.2.12 Zwölftes Interview – Suger
6.2.13 Dreizehntes Interview – „Straßenbauer“
6.2.14 Vierzehntes Interview – „Alleinerziehender“
6.2.15 Fünfzehntes Interview – „Hip Hopper“
7 Ergebnisse
7.1 Rassismuserfahrungen
7.1.1 Rassismus/ Benachteiligung im alltäglichen Leben
7.1.2 Rassismus/ Benachteiligung bei Behörden
7.1.3 Rassismus/ Benachteiligung bei bzw. durch Polizeikontrollen
7.1.4 Rassismus/ Benachteiligung im Job oder bei der Arbeitsplatzsuche
7.2 Tendenz zu parallelgesellschaftlichen Strukturen?
7.3 Äußerungen zu den Beziehungen zwischen Europa und Afrika bzw. Deutschland und dem Herkunftsland
7.4 Offene Abschlussfrage
8 Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Diplomarbeit untersucht explorativ die Lebensbedingungen von Afrikanerinnen und Afrikanern aus dem subsaharischen Raum in Süddeutschland, mit einem besonderen Fokus auf Rassismuserfahrungen, Integrationsgrad und der Lebensrealität in Deutschland.
- Rassismuserfahrungen in verschiedenen Lebensbereichen (Alltag, Behörden, Polizei, Arbeitsmarkt).
- Strukturen der Integration und Tendenzen zur Bildung von Parallelgesellschaften.
- Die Rolle der afrikanischen Diaspora und informeller Netzwerke wie Afro-Shops.
- Einfluss von Herkunft, Hautfarbe und Aufenthaltsstatus auf die Lebenssituation in Deutschland.
- Beziehungen zwischen Europa und Afrika aus der Sicht der befragten Einwanderer.
Auszug aus dem Buch
3.1 Rassismus
Der Beginn einer rassistischen Haltung von Europa bzw. Deutschland gegenüber Afrika geht einher mit der Kolonisationszeit. Um die Kolonisation und den Sklavenhandel zu rechtfertigen, musste Afrika zuerst „entwertet“ werden, wie z.B. Susan Arndt anmerkte. Dies wurde mit einer zum Teil neu entwickelten Sprache/ Begrifflichkeit (z.B. den Neologismen „Hottentotten“, „Häuptling“) als auch über die Verwendung vorhandener, aber abwertender Begriffe (z.B. „Bastard“, „Stamm“) realisiert. Wichtig bei der Herabsetzung der Wertigkeit von Afrika mit seinen Bewohnern war auch stets der Bezug zur Natur. So waren die „Schwarzen“ immer das Bindeglied zwischen „Weißen“ und den Tieren. Breite Unterstützung fanden die Kolonialherren unter den Intellektuellen und Philosophen. David Hume, Immanuel Kant und Georg Friedrich Wilhelm Hegel propagierten regelrecht die Unterlegenheit der „Schwarzen“ gegenüber den „Weißen“. Dem afrikanischen Kontinent, inklusive allen Bewohnern („Einheimischen“), wurde jede Entwicklungsfähigkeit abgesprochen.
Diese lange geschichtliche Tradition der Abwertung Afrikas ist auch heute noch zu spüren. In den Medien beherrschen Bilder von halb nackten, ausgemergelten, zum Teil kranken Männern und Frauen, mit ihren zahlreichen Kindern, in ihren spärlichen Behausungen, die Berichterstattung. Immer wieder werden auf die Armut, die Trockenheit (Wüsten), die Ernteausfälle und die neuen AIDS-/HIV-Ansteckungen aufmerksam gemacht. Es gibt kaum Erfolgsmeldungen, kaum erfolgreiche afrikanische Konzepte, über die berichtet werden. Auch die – wenn auch vergleichsweise sehr kurze – deutsche Kolonisationszeit wurde in Deutschland noch nicht aufgearbeitet und alte Vorurteile halten sich bis heute. So ist es nicht verwunderlich, dass Afrikaner mit Universitätsabschluss in Deutschland nur als Reinigungskraft oder in der Gastronomie (natürlich als Spülkraft oder Küchenhilfe) tätig ist. Menschen mit afrikanischer Abstammung bekommen diese Vorurteile stark zu spüren – wie später die Auswertung der Interviews zeigen wird.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Die Arbeit beleuchtet die Notwendigkeit, die Sicht afrikanischer Einwanderer auf ihre Lebensbedingungen in Deutschland darzustellen, da diese Gruppe oft nur als Objekt der Debatte wahrgenommen wird.
2 Grundlagen: Hier werden statistische Daten zur afrikanischen Bevölkerung in Bayern dargelegt und die methodischen Annahmen für die Untersuchung präzisiert.
3 Begriffsbestimmungen: Zentrale Begriffe wie Rassismus, Parallelgesellschaft und Integration werden definiert und kritisch für den Kontext der Arbeit diskutiert.
4 Forschungsstand: Das Kapitel bietet einen Überblick über bestehende historische und soziologische Studien, die sich mit der Situation afrikanischer Menschen in Europa befassen.
5 Methodenwahl, Beschreibung der Methoden und Vorgehensweise: Es wird die Entscheidung für ein qualitatives, exploratives Vorgehen sowie die Methodik der Interviewführung und Auswertung erläutert.
6 Sozio-demographische Daten und Einzelportraits: Dieser Teil präsentiert die demographische Struktur der Befragten sowie Kurzportraits der einzelnen Interviewteilnehmer.
7 Ergebnisse: Die erhobenen Daten zu Rassismuserfahrungen, Integrationsaspekten und Beziehungen zum Herkunftsland werden ausgewertet und mit der Literatur in Beziehung gesetzt.
8 Fazit: Die Ergebnisse werden zusammengefasst, die Hypothesen bewertet und ein Ausblick für zukünftige Forschungen sowie politische Leitlinien gegeben.
Schlüsselwörter
Afrikanische Diaspora, Süddeutschland, Rassismus, Integration, Parallelgesellschaft, Qualitative Forschung, Lebensbedingungen, Migrationshintergrund, Othering, Soziale Integration, Politische Mitsprache, Identität, Diskriminierung, Afro-Shops, Migrationsmotive.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Diplomarbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht qualitativ die Lebensverhältnisse von Afrikanerinnen und Afrikanern, die südlich der Sahara stammen und in Bayern bzw. Süddeutschland leben.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Die zentralen Themen umfassen Rassismuserfahrungen, den Integrationsgrad, die Nutzung sozialer Einrichtungen sowie die allgemeine Lebenssituation und die Perspektiven der Befragten in Deutschland.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage dieser explorativen Studie?
Ziel ist es, die Sichtweisen der afrikanischen Einwanderer selbst zu erfassen und ihre Erfahrungen mit Rassismus, Arbeitsmarktzugang und sozialer Teilhabe in einer explorativen Studie aufzuarbeiten.
Welche wissenschaftliche Methode wird in dieser Arbeit verwendet?
Die Arbeit verwendet eine Kombination aus Leitfadeninterviews (qualitativ) und ergänzenden Fragebögen (quantitativ), um eine triangulative Auswertung der Daten zu ermöglichen.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Im Hauptteil werden neben den theoretischen Begriffsbestimmungen und dem Forschungsstand vor allem die Ergebnisse aus den durchgeführten Interviews sowie deren sozio-demographische Einordnung detailliert dargestellt.
Welche Schlüsselbegriffe prägen die Analyse?
Wichtige Begriffe sind unter anderem Rassismus, Othering, Integration, Parallelgesellschaft, Identität und die spezifische Lebensrealität als „Andere Deutsche“.
Wie gehen die befragten Personen mit Rassismus im Alltag um?
Die Befragten berichten von vielfältigen Formen des Rassismus; viele reagieren darauf, indem sie diese Erfahrungen ignorieren, Selbstbewusstsein zeigen oder sich bewusst in eigenen sozialen Netzwerken (Communities) bewegen.
Welche Bedeutung haben sogenannte „Afro-Shops“ für die befragten Afrikaner?
Afro-Shops fungieren nicht nur als Einkaufsmöglichkeit für spezielle Lebensmittel, sondern dienen vorwiegend als zentrale Treffpunkte und Informationsplattformen für die afrikanische Community.
Spielt die Hautfarbe bei der Arbeitsplatzsuche eine Rolle?
Ja, die Mehrheit der Befragten gibt an, dass ihre Hautfarbe und die damit verbundenen Vorurteile den Zugang zum Arbeitsmarkt massiv erschweren, unabhängig von ihrer formalen Qualifikation.
Wie beurteilen die Befragten das Verhältnis zwischen Europa und Afrika?
Die Befragten kritisieren oft die bestehenden politischen und wirtschaftlichen Strukturen, fordern Hilfe zur Selbsthilfe statt Bevormundung und betonen die Notwendigkeit echter Kooperation auf Augenhöhe.
- Citar trabajo
- Melanie Gelück (Autor), 2009, Qualitative Untersuchung zu den Lebensverhältnissen von Afrikanerinnen und Afrikanern südlich der Sahara in Bayern / Süddeutschland, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/194601