Die Bestimmung des Begriffs der Gerechtigkeit tritt auf, wenn die Menschen beginnen, sich Rechenschaft bezüglich ihres Zusammenlebens in Gesellschaft und Staat zu geben. Verschiedene Ansätze können hier angeführt werden. Diese können ethisch oder politisch fundiert sein, jedoch auch unter einem religiösen Blickwinkel betrachtet werden. Von der Antike über das Mittelalter bis in die Moderne, gibt es
unterschiedliche, den gesellschaftlichen Umständen der jeweiligen Epoche entsprechende Versuche der Begriffsbestimmung. So beschreibt Aristoteles in seiner „Nikomachischen Ethik“ Gerechtigkeit als eine „Kardinaltugend“ und formuliert die Doktrin, „gleich ist gleich und ungleich ist ungleich zu behandeln“ (vgl. Horn/Scarano, 2002. S. 62 ff). Eine Sichtweise, die sich in der Antike als eine allgemeine Gültigkeit verstand. Besonderheit dieser Epoche ist die Tatsache, dass zwischen der juristischen Bedeutung der Gerechtigkeit und ihrer Zugehörigkeit zu den Tugenden nicht unterschieden wurde. Eine Änderung dieser Sichtweise lässt sich erst mit zunehmender zeitlicher Entwicklung bei verschiedenen Philosophen beobachten (vgl. Georg-Lauer, 1998. In: Jugendlexikon Philosophie S. 105).
In den unterschiedlichen zeitlichen Epochen wurden verschiedene
Gerechtigkeitstheorien entwickelt. So gilt Thomas Hobbes als bedeutendster Vertreter der Vertragstheorie. Gerechtigkeit wird als Vertragstreue, Ungerechtigkeit als Vertragsbruch verstanden. Hobbes geht in seiner Theorie von einem ‚Urvertrag‘ aus, von dem sich seiner Ansicht nach, alle gemeingültigen Gesetze ableiten lassen und aus dem die Gesellschaft selbst hervorgegangen ist (vgl. Horn/Scarano, 2002. S.166 ff). Ein weitere Ansatz findet sich bei John Stuart Mill. Dieser ist der Begründer des Utilitarismus. Mill formuliert Gerechtigkeit in seiner Theorie als größtmöglichen Nutzen für die Gesellschaft, d.h. Dinge oder Umstände gelten dann als gerecht, wenn
sie für die Majorität zum Vorteil verstanden und ausgelegt werden können (vgl.Horn/Scarano, 2002. S. 257 ff).
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung – Allgemeine Sichtweisen zum Begriff der Gerechtigkeit
2. Karl Marx Ausführungen zum Begriff der Gerechtigkeit
3. Zusammenfassung der Marxschen Kernaussagen
4. Der Arbeitsmarkt und die Arbeitsmarktpolitik
5. Marx Aussagen im Kontext zur aktuellen Arbeitsmarktpolitik – Stellungnahme des Autors
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Frage nach der sozialen Gerechtigkeit im Kontext der aktuellen deutschen Arbeitsmarktpolitik, indem sie diese kritisch mit den theoretischen Ausführungen von Karl Marx zum Gerechtigkeitsbegriff in Beziehung setzt.
- Grundlagen des Gerechtigkeitsbegriffs in verschiedenen Epochen.
- Marxsche Theorie zur sozialen Gerechtigkeit und Produktionsverhältnissen.
- Struktureller Wandel und aktuelle Herausforderungen des Arbeitsmarktes.
- Kritische Analyse aktueller arbeitsmarktpolitischer Reformansätze (z.B. Agenda 2010).
- Vergleich zwischen historischer marxistischer Theorie und moderner erwerbsorientierter Gesellschaft.
Auszug aus dem Buch
Karl Marx Ausführungen zum Begriff der Gerechtigkeit
Wie sich bereits in der Einleitung erkenn lässt, unterscheidet sich die Marxsche Theorie im Punkt der „überhistorischen“ Anschauung von den Ansichten übriger Theoretiker. Marx vertritt den Standpunkt, dass jede Gesellschaftsform auch einen spezifischen Gerechtigkeits-begriff entwickelt hat (vgl. Georg-Lauer, 1988. In: Jugendlexikon Philosophie S. 106). Dieser wird von den unterschiedlichen, der jeweiligen Gesellschaftform zugehörigen ökonomischen Produktionsverhältnisse und Bedingungen bestimmt (vgl. Dahrendorf, 1971. S. 52 f). So führt Marx aus, „das Recht kann nie höher sein als die ökonomische Gestaltung und dadurch bedingte Kulturentwicklung der Gesellschaft „ (Marx, 1875. In Dahrendorf, 1971. S. 49). Gerechtigkeitsbegriffe vorangegangener Epochen betrachtet Marx nicht unter dem Gesichtspunkt der Vergänglichkeit und somit diese als vergangen, sondern setzt diese als in ihrer Gültigkeit außer Kraft gestellt voraus (vgl. Dahrendorf, 1971. S. 53). Das Gerechte im Denken von Karl Marx ist relativ und steht in direktem Bezug zu den Produktionsweisen, welche ebenfalls als relativ zu verstehen sind (vgl. Dahrendorf, 1971. S. 54). Den Begriff der Gerechtigkeit benutzt Marx allerdings sehr selten. Dies erschwert auch eine direkte Ausarbeitung seines Standpunktes. In Anlehnung an Marx Ausführungen und Kritiken an den ökonomischen Verhältnissen der damaligen Epochen lassen sich jedoch theoretische Vorstellungen eines Gerechtigkeitsbegriffs bei Marx erkennen, ableiten und formulieren.
Zusammenfassung der Kapitel
Einleitung – Allgemeine Sichtweisen zum Begriff der Gerechtigkeit: Dieses Kapitel gibt einen Überblick über verschiedene historische Gerechtigkeitstheorien, von Aristoteles über Hobbes bis hin zum Utilitarismus bei Mill.
Karl Marx Ausführungen zum Begriff der Gerechtigkeit: Hier wird der Marxsche Gerechtigkeitsbegriff als abhängig von ökonomischen Produktionsverhältnissen dargestellt und die Notwendigkeit der Abschaffung des Privateigentums erörtert.
Zusammenfassung der Marxschen Kernaussagen: Eine übersichtliche Auflistung der zentralen Thesen von Marx bezüglich der ökonomischen Struktur und der Gerechtigkeit.
Der Arbeitsmarkt und die Arbeitsmarktpolitik: Das Kapitel analysiert die aktuelle deutsche Arbeitsmarktsituation, den Strukturwandel hin zur Dienstleistungsökonomie und die damit verbundenen sozialen Herausforderungen.
Marx Aussagen im Kontext zur aktuellen Arbeitsmarktpolitik – Stellungnahme des Autors: Der Autor führt eine kritische Gegenüberstellung der Marxschen Theorie mit heutigen Reformen wie der Agenda 2010 durch und zieht ein Fazit zum hohen Stellenwert der Arbeit in der heutigen Gesellschaft.
Schlüsselwörter
Gerechtigkeit, Karl Marx, Arbeitsmarktpolitik, Soziale Ungleichheit, Produktionsverhältnisse, Privateigentum, Arbeitslosigkeit, Sozialstaat, Strukturwandel, Agenda 2010, Erwerbsgesellschaft, Arbeitskraft, Zivilgesellschaft, Gerechtigkeitsbegriff, Klassenkampf
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht das Konzept der sozialen Gerechtigkeit im Kontext des deutschen Arbeitsmarktes und vergleicht dieses mit den philosophischen Ansätzen von Karl Marx.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen sind Gerechtigkeitstheorien, die ökonomische Bedingtheit von Recht, der aktuelle deutsche Arbeitsmarkt sowie staatliche Reformen wie die Agenda 2010.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist es, die marxsche Gerechtigkeitstheorie auf die heutige Problematik des Arbeitsmarktes anzuwenden und zu prüfen, inwieweit diese Theorien bei der Analyse aktueller politischer Reformen helfen können.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine literaturgestützte, sozialphilosophische Analyse, die zentrale Texte von Karl Marx und zeitgenössische arbeitsmarktpolitische Fachliteratur interpretiert und gegenüberstellt.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil erörtert die theoretischen Grundlagen bei Marx, die aktuelle Massenarbeitslosigkeit, den Wandel zur Dienstleistungsökonomie und die Folgen für das soziale Vertrauensverhältnis.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird primär durch Begriffe wie Soziale Gerechtigkeit, Marxsche Theorie, Arbeitsmarktpolitik und ökonomische Verhältnisse charakterisiert.
Wie bewertet der Autor die Übertragbarkeit der marxschen Theorie auf heute?
Der Autor stellt fest, dass die Marxschen Ansätze eine hohe Diskrepanz zur heutigen Dienstleistungsgesellschaft aufweisen, da die heutige Politik primär auf Eigenverantwortung statt auf einer grundlegenden Änderung der Eigentumsverhältnisse setzt.
Warum hält der Autor die aktuelle Fokussierung auf Arbeit für problematisch?
Der Autor warnt davor, dass die Identifikation des Menschen primär über die Erwerbsarbeit erfolgt; bei Arbeitsplatzverlust führt dies zu einer massiven psychischen und sozialen Krise, was den Abwärtstrend der Betroffenen beschleunigt.
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- B.A. Christian Mönch (Author), 2009, Arbeitslosigkeit und Arbeitsmarktpolitik, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/194681