Zur Relevanz der Gründerteamqualität technologiebasierter Unternehmen

Aus Sicht von Venture Capital Gesellschaften


Seminararbeit, 2012

36 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Tabellenverzeichnis

1. Einleitung und Vorgehensweise

2. Venture Capital als Finanzierungsform technologieorientierter Unternehmensgrün-dungen
2.1 Finanzierungsarten und deren Voraussetzungen bei Unternehmensgründungen
2.2 Technologieorientierte Unternehmensgründungen und ihre Finanzierung
2.3 Zur Finanzierungsform Venture Capital

3. Gründerteams
3.1 Gründung in Teams bei technologieorientierten Unternehmen
3.2 Eigenschaften der Mitglieder der Gründerteams

4. Zur Erläuterung und Durchführung der Forschungsmethode
4.1 Erstellung und Aufbau des Fragebogens
4.2 Auswertung und Analyse der Ergebnisse

5. Fazit

Quellenverzeichnis

Anhang

Eidesstattliche Erklärung

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: Forschungsschritte

Abbildung 2: Investmentphasen

Abbildung 3: Analyse der Hard Skills

Abbildung 4: Analyse der sonstigen Eigenschaften

Tabellenverzeichnis

Tabelle 1: Merkmale der Finanzierungsarten

Tabelle 2: Finanzierungsvoraussetzungen

Tabelle 3: Risiken technologiebasierten Unternehmensgründungen

Tabelle 4: Aufbau des Fragebogens

Tabelle 5: Analyse der Soft Skills

1. Einleitung und Vorgehensweise

Jeder/jede Unternehmensgründer/-in muss bei der Gründung Investitionen tätigen. Zu diesen Investitionen gehören beispielsweise der Erwerb von Maschinen, Büromaterialien, Rohstoffen usw. Ohne dass schon Einnahmen in die neugegründete Unternehmung fließen, müssen ggf. Mieten, Gehälter usw. bezahlt werden. Diese Investitionen müssen bezahlt bzw. finanziert werden. Verfügt der Unternehmensgründer nicht über genügend Eigenmittel, müssen Wege gefunden werden, die angefallenen und entstehenden Kosten zu bezahlen. Dazu wird in dieser Seminararbeit die Finanzierungsmöglichkeit Venture Capital bei technologieorientierten Unternehmensgründungen betrachtet. Dabei gilt es zu untersuchen, welche Relevanz die Qualität der Gründerteams bei der Auswahl möglicher Beteiligungen der Capital Venture Unternehmen hat. Darüber hinaus sind die einzelnen Eigenschaften, die diese Qualität beeinflussen, zu erforschen.

In der Vergangenheit haben sich schon einige Studien mit dieser Thematik befasst.[1] Zu nennen ist z.B. „Die Bewertung von Gründerteams durch Venture-Capital-Geber“[2] aus dem Jahre 2004. Hierbei lag der Fokus darauf, die Bedeutung einzelner Eigenschaften der Gründerteams aus Sicht der Venture Capital Gesellschaften zu untersuchen. Bei dieser Studie wurden die Eigenschaften untersucht, die aus den vorgelegten Businessplänen der Gründerteams abgeleitet werden können.

Das Ergebnis der Studie ergab, dass die Branchenkenntnis die wichtigste Eigenschaft ist. Zu weiteren relevanten Eigenschaften gehören laut Forschungsergebnis die Ausbildungsrichtung, der erreichte Ausbildungsgrad (Studium / kein Studium), die Zusammengehörigkeit und die Personalverantwortung. Desweiteren kam heraus, dass nicht alle Teammitglieder diese Attribute erfüllen müssen.[3]

In dieser Seminararbeit werden einige der bereits untersuchten Attribute durch weitere Eigenschaften wie Persönlichkeitseigenschaften, die nicht aus dem Businessplan abgeleitet werden können, erweitert und untersucht. Hierbei kommt ein standardisierter Fragebogen zum Einsatz. Die Untersuchung beschäftigt sich mit folgenden Forschungsfragen:

1) Welche Relevanz hat die Gründerteamqualität bei der Auswahl möglicher Beteiligungen der Venture Capital Gesellschaften?
2) Welche sind die wichtigsten Eigenschaften des Gründerteams technologieorientierter Unternehmensgründungen aus Sicht von Venture Capital Unternehmen?

Der Forschungsprozess dieser Seminararbeit ist in vier Schritte eingeteilt (siehe Abbildung 1). Der erste Forschungsschritt vollzieht sich in Kapitel 2 und 3. Darin werden mit Hilfe der Literaturrecherche die möglichen Finanzierungsarten bei der Unternehmensgründung veranschaulicht. Anschließend wird die Finanzierungsart für technologieorientierte Unternehmensgründungen erläutert. Darauffolgend wird das zweite Kapitel mit der Darstellung des Venture Capital Wesens abgeschlossen. Im nachfolgenden Kapitel werden die Gründerteams von technologiebasierten Unternehmensgründungen nach möglichen relevanten Eigenschaften analysiert und die einzelnen fachlichen aber auch persönlichen Eigenschaften genauer erläutert.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: Forschungsschritte

Quelle: eigene Darstellung in Anlehnung an Burzan, N. (2005), S. 31.

Der zweite Forschungsschritt erfolgt in Kapitel 4. Dort wird die angewendete Forschungsmethode vorgestellt. Als Forschungsmethode wird der standardisierte Fragebogen angewendet. Dazu wird in Kapitel 4.1 dessen Aufbau und Erstellung erläutert. Desweiteren werden die Adressaten des Fragebogens definiert.

Nach der Datenerhebung und -aufbereitung findet in Kapitel 4.2 der vierte Forschungsschritt statt, indem die Ergebnisse ausgewertet und analysiert werden.

2. Venture Capital als Finanzierungsform technologieorientierter Unternehmensgründungen

Dieses Kapitel beginnt mit einer allgemeinen Einführung in die verschiedenen Finanzierungsarten bei der Unternehmensgründung. Dabei werden die jeweiligen Voraussetzungen herausgearbeitet, um diese bei der Erörterung zur Auswahl der geeigneten Finanzierungsart für technologieorientierte Unternehmensgründungen anzuwenden. Zudem werden neben der Beschreibung von technologieorientierten Unternehmensgründungen deren Risiken erläutert. Das 2. Kapitel wird mit Erläuterungen zum Venture Capital als Eigenkapitalfinanzierungsform abgeschlossen.

2.1 Finanzierungsarten und deren Voraussetzungen bei Unternehmensgründungen

Grundsätzlich lassen sich drei Finanzierungsarten unterscheiden, und zwar die Eigen- und Fremdkapitalfinanzierung und Mezzanine Finanzierung. Die Mezzanine Finanzierung ist eine Zwischenform von Eigenkapital- und Fremdkapitalfinanzierungen.[4] Auf diese Art der Finanzierung wird im Rahmen dieser Seminararbeit nicht weiter eingegangen, da diese nicht relevant ist.

Bei der Fremdkapitalfinanzierung wird das Kapital von externen Gläubigern zur Verfügung gestellt. Gläubiger sind Banken, Sparkassen und Förderinstitute, die das benötigte Kapital in Form von Krediten und/oder Darlehen anbieten. Bankkredite sind kurzfristige Kredite. Darlehen dagegen haben mittel- bis langfristige Laufzeiten.[5]

Eine andere Finanzierungsart ist die Eigenkapitalfinanzierung. Diese ist wie folgt definiert:[6]

Eigen- bzw. Beteiligungsfinanzierung liegt vor, wenn dem Unternehmen Eigenmittel (Eigenkapital) oder entsprechende Sacheinlagen durch bisherige bzw. neue Eigentümer (Einzelunternehmen, Personengesellschaften) oder bisherige bzw. neue Gesellschafter oder Anteilseigner (Kapitalgesellschaften) von außen zugeführt werden.“

Der Unterschied zwischen beiden Finanzierungsarten lässt sich an vier Kriterien erläutern und sind anschaulich in Tabelle 1 aufgeführt. Zum einen ist die Rechtsstellung des Kapitalgebers zu analysieren. Bei der Fremdfinanzierung nimmt der Kapitalgeber eine Gläubigerposition ein und beteiligt sich somit nicht am Unternehmen. Kommt es zu einer Insolvenz, kann beispielsweise die Bank, abhängig von der Rechtsform der Unternehmung, ins Gesellschaftsvermögen vollstrecken.[7] Bei der Eigenkapitalfinanzierung dagegen besitzt der Kapitalgeber Eigentumsrechte am Unternehmen und haftet bei einer Insolvenz mindestens in Höhe der Einlageverpflichtung. Die Höhe der Haftung ist von der Rechtsform des Unternehmens und ggf. von vertraglichen Abreden abhängig.[8]

Das nächste Kriterium setzt sich mit den Ansprüchen des Kapitalgebers auseinander. Fremdkapitalgeber haben neben dem Anspruch auf Rückzahlung des zur Verfügung gestellten Kapitals auch Anspruch auf Zinszahlungen von Seiten der Schuldner. Diese Zinszahlungen sind unabhängig vom Erfolg des Unternehmens.[9] Bei der Eigenkapitalfinanzierung erfolgen erfolgsabhängige Auszahlungen von Dividenden an die Kapitalgeber.[10]

Das dritte Kriterium befasst sich mit den Mitspracherechten der Kapitalgeber. Gläubiger haben grundsätzlich keine Mitspracherechte an der Geschäftsführung. Es können jedoch Informationsrechte vertraglich festgelegt werden. Als Beispiel ist die jährliche Einreichung des Jahresabschlusses zu nennen.[11] Eigenkapitalfinanziers haben dagegen sowohl Mitsprache- als auch Kontrollrechte.[12]

Das letzte Kriterium setzt sich mit der Befristung des zur Verfügung gestellten Kapitals auseinander. Im Gegensatz zur Fremdkapitalfinanzierung steht bei der Eigenkapitalfinanzierung das Kapital unbefristet zur Verfügung.[13]

Tabelle 1: Merkmale der Finanzierungsarten

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: eigene Darstellung

Um Finanziers sowohl von der Eigenkapital- als auch von der Fremdkapitalseite für die Finanzierung der Unternehmensgründung zu gewinnen bzw. zu überzeugen, sind gewisse Voraussetzungen zu erfüllen. Diese sind in Tabelle 2 aufgeführt.

Tabelle 2: Finanzierungsvoraussetzungen

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: modifiziert übernommen aus: Nathusius, K. (2001), S. 24.

Die Risikobereitschaft und -fähigkeit der Gründer ist bei beiden Finanzierungsarten von besonderer Wichtigkeit. Das unternehmerische Risiko kann als eine Prüfung für Gründer gesehen werden, inwiefern ihre persönlichen als auch managementbezogenen Fähigkeiten ausreichen, mit diesen umzugehen und somit das unternehmerische Vorhaben zum Erfolg zu bringen.

Für die Eigenkapitalfinanzierung ist die Partnerschaftsbereitschaft eine wichtige Voraussetzung. Der Kapitalgeber wird, wie oben erläutert, durch diese Finanzierungsart Mitgesellschafter mit allen Rechten und Pflichten. Den Gründern muss dabei bewusst sein, dass ihre Ziele nur in Gemeinschaft mit dem Kapitalgeber erreicht werden. Es empfiehlt sich, diese auf einer vertraglichen Basis zu manifestieren.

Eine weitere wichtige Voraussetzung für diese Finanzierungsart ist die Einzahlungsfähigkeit der Gründergesellschafter. Gerade um potenzielle Eigenkapitalfinanziers zur Beteiligung zu überzeugen, ist der Umfang der Bereitstellung finanzieller Mittel der Gründer ein besonderes Signal des Engagements am Gründungsvorhaben.

Um die Geschäftsidee für den Eigenkapitalgeber sowohl transparent als auch prüfbar zu machen, ist die Erstellung eines Businessplans unumgänglich.[14] Dieser enthält genaue Angaben über die Geschäftsidee, dem Produkt oder Dienstleistung. Zudem beinhaltet der Businessplan Informationen über das Management (Gründerteam), zur Markteinschätzung, zur Investitions- und Finanzierungsplanung und zum Marketing und Vertrieb.[15] Desweiteren dient der Businessplan auch als Tool zur Definition von Meilensteinen.

Die Intention der Eigenkapitalgeber besteht darin, langfristig einen Wertezuwachs bezogen auf die Geschäftsanteile zu erfahren. Aus diesem Grund ist das Wertezuwachspotenzial einer Unternehmung in der Gründungsphase von besonderem Interesse.

Bei der Fremdkapitalfinanzierung sind die Kapitalgeber an kurzfristigen Ertragspotenzialen interessiert, denn dies führt zu einer ausgewogenen Eigenkapitalbasis. Dies ist wiederum für die Kapitaldienstfähigkeit bezüglich der termingerechten Tilgung und Zahlung der Zinsen eine wichtige Voraussetzung.

Besonders charakteristisch für die Fremdkapitalfinanzierung ist die Forderung der Kapitalgeber nach Sicherheiten, um dem Risiko des Kreditausfalls entgegenzuwirken. Bei den Sicherheiten kann es sich u.a. um die Stellung eines Bürgen oder auch die Verpfändung von Forderungen oder beweglichen Sachen handeln. Eine weitere wichtige Voraussetzung für die Fremdkapitalfinanzierung ist die Bonität der Gründer.[16]

2.2 Technologieorientierte Unternehmensgründungen und ihre Finanzierung

Technologieorientierte Unternehmensgründungen sind „Unternehmensgründungen, deren Produkte oder Dienstleistungen auf einer neuen technologischen Idee oder neuen Forschungsergebnissen basieren“[17]. Bei diesem Gründungsmodell steht nicht der Aufbau einer Existenzgründung von Einzelpersonen im Mittelpunkt, sondern der „Aufbau eines Unternehmens mit Innovations- und Wachstumszielen“[18]. Die Unternehmensgründung ist durch die Gründung in Teamstrukturen gekennzeichnet. Ziel ist es, eine Rechtsperson zu schaffen, die personenunabhängig handeln kann. Somit kann es sein, dass das Unternehmen im Laufe der Zeit von anderen Personen als den Gründern geführt wird.

Technologieorientierte Unternehmen haben schon zu Beginn ihres Lebenszyklus‘ komplexe Strukturen in der Aufbau- und Ablauforganisation und ähneln daher etablierten Unternehmen. Desweiteren ist diese Form der Unternehmensgründung durch eine lange Verlustphase gekennzeichnet[19] Dies ist auf die langen technischen Entwicklungsarbeiten vor dem Markteintritt zurückzuführen.[20] Außerdem bestehen große Marktwiderstände.[21]

Die technologiebasierten Unternehmensgründungen sind besonderen Risiken ausgesetzt. Diese sind in Tabelle 3 aufgeführt.

Tabelle 3: Risiken technologiebasierten Unternehmensgründungen

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: modifiziert übernommen aus: Nathusius, K. (2001), S. 10.

Das allgemeine Gründerrisiko bezieht sich auf unvorhergesehene und ungeplante Situationen, die beim Eintritt der neuen Wirtschaftseinheit in den Markt entstehen können. Gerade in dieser Phase müssen neben der Schaffung neuer Strukturen und vertraglicher Regelungen Aufgaben der Markteinführung und -durchführung übernommen werden, die Raum für unvorhergesehene Situationen geben.

Desweiteren ist dieses Gründermodell dem allgemeinen Unternehmensrisiko ausgesetzt. Von diesem Risiko sind auch andere Unternehmensgründungsformen, die auf einer bloßen Existenzgründung basieren, betroffen.[22] Dabei kann es sich um betriebsexterne Verursachungsfaktoren wie Konjunkturschwankungen, Änderungen der Gesetzeslage oder Zunahme der Inflation handeln. Diese Risiken haben betriebsindividuelle Auswirkungen.[23]

Technologiebasierte Unternehmensgründungen sind zudem auch dem Produktentwicklungsrisiko ausgesetzt. Im schlimmsten Fall sind die technischen Neuheiten unlösbar oder auf Basis von Kosten und Preis nicht realisierbar.

Als weiteres Risiko ist das Time-to-Market-Risiko zu nennen. Davon sind Gründungsunternehmen betroffen, die im Wettbewerb mit anderen (ggf. internationalen) technologieorientierten Unternehmen stehen. Dabei besteht das Risiko darin, nicht als erster mit der neuen Technologie auf dem (internationalen) Markt aufzutreten, um große Marktanteile zu sichern und ggf. die Marktführerschaft zu erreichen.

Zu den anderen aufgeführten Risiken ist das Fertigungsrisiko zu benennen, wenn sich im Labor durchgeführte Ergebnisse nicht unbedingt in den späteren Produktionsstätten realisieren lassen und damit Produktionsprobleme entstehen können.

Das Marktakzeptanzrisiko bezieht sich auf die möglichen Einstellungen der potenziellen Kunden. Möchte das Unternehmen z.B. international agieren, muss es sich bewusst sein, dass in jedem Land unterschiedliche Einstellungen zu technologischen Neuheiten bestehen. Wird das neue Produkt in einem Land akzeptiert, heißt es nicht unbedingt, dass sich der Erfolg auf andere Länder bzw. Regionen übertragen lässt. Gerade durch das Gründerteam, die oft sehr technologiefokussiert sind und damit vielleicht nicht den Kundennutzen im Vermarktungsprozess beachten, kann dieses Risiko verstärkt werden.

Managementrisiken können dadurch entstehen, dass die Gründer häufig mit den unternehmerischen und marktorientierten Herausforderungen unerfahren sind. Aber auch die Zusammenarbeit und der Zusammenhalt in den Gründerteams beeinflussen diese Art von Risiko in kritischen Situationen.

Die technologieorientierte Unternehmensgründung ist aufgrund der Unsicherheit über den Erfolg des innovativen, technologischen Gutes dem Finanzierungsrisiko ausgesetzt. Die Finanzierung vollzieht sich oft in mehreren Finanzierungsrunden. Eine neue Runde ist davon abhängig, ob die davor festgelegten Meilensteine erreicht wurden. Dieses Risiko besteht, bis ein positiver und stabiler Cash Flow erreicht wird.[24]

Aus den oben aufgeführten Merkmalen der technologieorientierten Unternehmensgründung lassen sich zwei Argumente ableiten, die für eine Beteiligungsfinanzierung sprechen, und zwar:

- umsatzlose Entwicklungsphase
- hohe Risiken

Gerade aus Gründen der Überschuldunggefahr durch die Verlustphase und die damit einhergehende Einschränkung der Handlungsfähigkeit führt dazu, dass eine Eigenkapitalquote von 100% anzuraten ist.[25] Wie in Kapitel 2.1 erläutert wird, verlangen Fremdkapitalgeber u.a. Sicherheiten als Finanzierungsvoraussetzung. Die mit diesem Finanzierungsmodell einhergehenden hohen Risiken, veranlassen z.B. Banken dazu, die Besicherung der Kredite über das Privatvermögen der Gründer zu gewährleisten. Diese Tatsache veranlasst die potenziellen Unternehmensgründer meist dazu, das abhängige und relativ risikolose Anstellungsverhältnis beizubehalten. Somit stellt die Eigenkapitalfinanzierung eine geeignete Finanzierungsart der technologieorientierten Unternehmensgründung dar.[26]

2.3 Zur Finanzierungsform Venture Capital

Die Finanzierungsform Venture Capital (VC) stellt eine Beteiligungsfinanzierung bzw. Eigenkapitalfinanzierung dar. Der Begriff Beteiligungsfinanzierung wird seit Mitte der neunziger Jahre des letzten Jahrhunderts mit der englischen Form „Private Equity“ verwendet. Bei dem „Private Equity“ handelt es sich um Anteile nicht-börsennotierter Unternehmen. Das Venture Capital ist als eine Untergruppe des „Private Equity“ zu verstehen.[27] Portisch definiert das Venture Capital wie folgt:[28]

Venture Capital ist eine spezielle Form der externen Mitteleinbringung, mit dem das vorhandene Eigenkapital bei der Gründung gestärkt werden kann. Venture Capital wird dem Zielunternehmen in der Regel durch professionelle Gesellschaften gegen die Gewährung einer Minderheitenbeteiligung bereitgestellt.“

VC Gesellschaften beteiligen sich mittelfristig in der Regel von 3-7 Jahren an den Unternehmen. Da es sich bei VCs um eine Form der Eigenkapitalfinanzierung handelt, sind die VC Gesellschaften, wie in Kapitel 2.1 aufgeführt, entsprechend an einem Wertezuwachs (capital gain) interessiert. Daher verlangen die VC Gesellschaften keine Dividendenzahlungen. Vielmehr verbleiben diese Mittel im Unternehmen und sollen den Wertschöpfungsprozess unterstützen. Durch die Veräußerung der Beteiligung generiert die VC Gesellschaft ihre Gewinne.[29]

Wie aus Tabelle 1 hervorgeht, haben Eigenkapitalfinanziers ein Mitspracherecht an der Geschäftsführung. Auch wenn es sich bei der Venture Capital Finanzierung um eine Minderheitenbeteiligung handelt, so sind diese Mitsprache- und Kontrollrechte auch über die gesetzliche Grundlage hinaus vertraglich manifestiert. Dies wirkt sich folglich auf den Handlungsspielraum der Gründer aus. Neben dieser Form der Partizipation an der Geschäftsführung leisten die VC Geber auch Managementunterstützung.[30]

Der Prozess von der Suche nach Beteiligungsprojekten der VC Gesellschaften über den Abschluss von Verträgen mit Gründungsunternehmen bis hin zum gewinnbringenden Verkauf der Anteile vollzieht sich in acht Phasen. Die Investmentphasen sind in Abbildung 2 grafisch veranschaulicht.

In Phase 1 sucht das Venture Capital Managementteam nach Beteiligungsprojekten (Sourcing). Dazu zeigen sich ein großes Kontaktnetzwerk aus u.a. früheren Beteiligungsunternehmen, Banken, Investoren, aber auch Kontakten zu Gründer- und Technologiezentren als besonders hilfreich.

In der Phase 2 findet das sogenannte Screening statt, bei der in der Regel 75 bis 80% der Anfragen abgelehnt werden. Dabei werden solche Projekte gleich aussortiert, bei denen kein Businessplan vorliegt. Anschließend wird geprüft, ob das untersuchte Projekt in das Portfolio des VC Gesellschaft passt. Ist dies gegeben, werden Unterlagen nach Markt-, Produkt-, Technologie-, Rendite- und Managementkriterien analysiert. Es können auch schon Treffen mit dem Gründerteam in dieser Phase stattfinden.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 2: Investmentphasen

Quelle: modifiziert übernommen aus: Nathusius, K. (2001), S. 77 f.

Als nächstes findet der Due Diligence Prozess statt, bei der das Projekt einer Detailanalyse und Bewertung unterzogen wird. Unterstützt wird dieses Vorhaben des VC Managementteams durch Fachleute und Berater. Die Detailanalyse beinhaltet überdies auch die Überprüfung der Referenzen der Gründer. Auch nach dieser Phase scheiden typischerweise 10-15% der Bewerber aus.

Nach Verhandlungen des VC Managementteams mit dem für Investitionsentscheidungen zuständige Gremium, werden Gespräche mit den VC Nehmern in Phase 4 aufgenommen. In der darauffolgenden Phase können Veränderungen in der Beteiligungsstrukturierung vorgenommen werden. In der sechsen Phase werden die Verträge unterzeichnet und die Finanzmittel an die VC Nehmer überwiesen.

In der vorletzten Phase finden die Betreuungsmaßnahmen z.B. bei den Managementaktivitäten des finanzierten Unternehmens statt. Aber auch Kontrollaktivitäten von Seiten der VC Gesellschaften werden z.B. durch monatliche Kurzberichte oder laufende Soll-Ist-Vergleiche durchgeführt. In der letzten Phase werden durch das Abtreten der Beteiligungen Gewinne für die VC Gesellschaft erzielt.[31]

3. Gründerteams

In diesem Kapitel werden die Anforderungen an Gründerpersonen aufgeführt und die Teamgründung bei technologieorientierten Unternehmensgründungen gerechtfertigt. Nach der Erläuterung der verschiedenen Vor- und Nachteile bei Teamgründungen werden die Eigenschaften der Mitglieder der Gründerteams ausgearbeitet.

3.1 Gründung in Teams bei technologieorientierten Unternehmen

Wie in Kapitel 2.2 aufgeführt wird, ist die Gründung technologiebasierter Unternehmen mit hohen und vielen Risiken verbunden. Neben den hohen Wachstumszielen sind die Gründer dieser Gründungsgattung der Herausforderung der Durchsetzung eines Gründungskonzepts ausgesetzt. Dazu existieren fünf Anforderungen an die Gründerpersonen.

Als erste Anforderung ist die unternehmerische Sensorik zu nennen. Darunter ist die Fähigkeit zu verstehen, unternehmerische Möglichkeiten in einer bestimmten Markt- und Technologiekonstellation auszumachen.

Als nächstes ist die Unternehmerische Gestaltung aufzuführen. Diese beinhaltet Maßnahmen, diese unternehmerischen Möglichkeiten zu nutzen. Dazu gehört die Gründung einer Unternehmung, die Entwicklung von Konzepten, die Zuweisung von Ressourcen, der Aufbau von Strukturen und Produkten und/oder Leistungen zu entwickeln.

Die drittgenannte Anforderung ist die unternehmerische Risikobereitschaft. Darunter ist die Bereitschaft zu verstehen, die persönliche Haftung in einem definierten Rahmen zu übernehmen.

Die nachfolgenden Anforderungen beziehen sich auf die Innen- und Außenfunktion des Unternehmers. Unter der Innenfunktion ist die Übernahme der Unternehmensleitung in allen Unternehmensentwicklungsphasen zu verstehen. Die Außenfunktion des Unternehmers dagegen bezieht sich auf die Durchsetzung der angebotenen Güter im Markt.[32]

Da die oben aufgeführten Ansprüche zur Durchsetzung eines Gründerkonzepts mit großen Herausforderungen für die Gründerpersonen verbunden sind, vollziehen sich technologieorientierte Unternehmensgründungen in der Regel in Teams.[33] Dabei sollte die Zusammenstellung des Gründerteams in der Weise erfolgen, dass ein breites Kompetenzportfolio entsteht.[34] „Ein gut funktionierendes Gründerteam ist [..] die Basis für einen nachhaltigen Unternehmenserfolg und hat daher einen hohen Stellenwert.“[35] Nach Lechler und Gemünden ist der Begriff „Gründerteams“ wie folgt definiert:[36]

[...]


[1] Vgl. Franke N.; Gruber, M.; Henkel, J.; Hoisl, K. (2004), S. 656 f.

[2] Franke N.; Gruber, M.; Henkel, J.; Hoisl, K. (2004), S. 651.

[3] Vgl. Franke N.; Gruber, M.; Henkel, J.; Hoisl, K. (2004), S. 652 ff.

[4] Vgl. Nathusius, K. (2001), S. 18 f.

[5] Vgl. Portisch, W. (2008), S. 96 f.

[6] Bea, F. X.; Friedl, B.; Schweitzer, M. (2006), S. 450.

[7] Vgl. Portisch, W. (2008), S. 96.

[8] Vgl. Nathusius, K. (2001), S. 19.

[9] Vgl. Portisch, W. (2008), S. 96 f.

[10] Vgl. Nathusius, K. (2001), S. 18.

[11] Vgl. Portisch, W. (2008), S. 97.

[12] Vgl. Hannes, F.; Kuhn, T.; Brückmann, M. (2008), S. 154.

[13] Vgl. Portisch, W. (2008), S. 97.

[14] Vgl. Nathusius, K. (2001), S. 24 f.

[15] Vgl. Portisch, W. (2008), S. 116 f.

[16] Vgl. Nathusius, K. (2001), S. 25 f.

[17] Gabler Verlag (2012).

[18] Nathusius, K. (2001), S. 9.

[19] Vgl. Nathusius, K. (2001), S. 6 ff.

[20] Vgl. Gabler Verlag (2012).

[21] Vgl. Nathusius, K. (2001), S. 9.

[22] Vgl. Nathusius, K. (2001), S. 10.

[23] Vgl. Berufsbildungswerk der Deutschen Versicherungswirtschaft (BMV) e.V. (2006), S. 128.

[24] Vgl. Nathusius, K. (2001), S. 11 f.

[25] Vgl. Nathusius, K. (2001), S. 171.

[26] Vgl. Nathusius, K. (2001), S. 171.

[27] Vgl. Nathusius, K. (2001), S. 54.

[28] Portisch, W. (2008), S. 83.

[29] Vgl. Nathusius, K. (2001), S. 55.

[30] Vgl. Portisch, W.(2008), S. 88.

[31] Vgl. Nathusius, K. (2001), S. 78 f.

[32] Vgl. Nathusius, K. (2001), S. 170.

[33] Vgl. Timmons, Jeffry A. (1999), S. 277, zitiert aus: Nathusius, K. (2001) S. 171.

[34] Vgl. Kailer, N.; Weiß, G. (2009), S. 25.

[35] Portisch, W.(2008), S. 119.

[36] Lechler, T.; Gemünden, H. (2003), S. 5.

Ende der Leseprobe aus 36 Seiten

Details

Titel
Zur Relevanz der Gründerteamqualität technologiebasierter Unternehmen
Untertitel
Aus Sicht von Venture Capital Gesellschaften
Hochschule
Europa-Universität Flensburg (ehem. Universität Flensburg)
Veranstaltung
Entwicklung der Gründerpersönlichkeit
Note
1,3
Autor
Jahr
2012
Seiten
36
Katalognummer
V194709
ISBN (eBook)
9783656203353
ISBN (Buch)
9783656205272
Dateigröße
611 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Venture Capital, Gründerteams, Unternehmensgründung, Gründerpersönlichkeit, Gründerteamqualität, Gründung, Eigenkapitalfinanzierung, private equity, startup, Gründungsfinanzierung
Arbeit zitieren
Rouven Scheibe (Autor), 2012, Zur Relevanz der Gründerteamqualität technologiebasierter Unternehmen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/194709

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