Um die Frage nach der Auswirkung der Folterdarstellungen in „24“ auf die Gefühle und Meinungen der Rezipienten beantworten zu können, entschloss sich die Forschungsgruppe für eine empirische Untersuchung anhand eines quantitativen Fragebogens und drei moderierten qualitativen Gruppendiskussionen.
Mit Hilfe des Fragebogens sollen vor dem Einsatz des Stimulusmaterials – nämlich eine ausgewählte Folge der Serie „24“ - Informationen über das allgemeine Rezeptionsverhalten sowie über die persönliche Einstellung der Probanden gegenüber der Legitimation von Folter eingeholt werden. Anschließend wurde das Stimulusmaterial eingesetzt und moderierte Gruppendiskussionen durchgeführt. Diese wurden für die Transkription per Videokamera aufgezeichnet.
Zunächst werden die Ergebnisse einer quantitativen Auswertung der Fragebögen präsentiert, bevor eine qualitative Auswertung der Fragebögen im Rahmen der späteren Diskussionsgruppen dargelegt wird. Auf die ermittelten Daten wird in einer anschließenden Ergebnisinterpretation der einzelnen Gruppendiskussion zurückgegriffen. Dabei wurde nicht nur auf die spezifische Zusammensetzung der Gruppen, sondern auch auf die jeweilige Gruppendynamik geachtet. Um der Präsentation der Aussagen der Probanden eine Systematik aufzuerlegen, wurden die Diskussionen aller drei Gruppen nach Hauptthemengebieten strukturiert und anschließend analysiert. In eine abschließende Gesamtanalyse fließen alle zentralen Ergebnisse der zuvor durchgeführten Auswertungen und Interpretationen. Dabei versucht das Forschungsteam, die Ausgangsfragen anhand der Ergebnisse aus den Gruppen zu beantworten.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Theorieteil
2.1. Sichtweise Folter in Deutschland und den USA
2.1.1 Definition Folter
2.1.2. Folter in Deutschland
2.1.3. Folter in den U.S.A.
2.1.4. Gegenüberstellung der Folter in Deutschland und den USA
2.2. Die Serie „24“
2.2.1. Motive der Produzenten
2.2.2. Inhaltsanalyse der Serie
2.2.3. Reaktion im amerikanischen und deutschsprachigen Raum
3. Beschreibung des Experiments „24“
3.1. Begründung der Methodik
3.2. Steckbrief des Forschungsexperiments
3.3. Der Fragebogen
3.3.1. Aufbau des Fragebogens
3.4. Stimulusmaterial für die Gruppendiskussion
3.4.1. Inhaltsangabe der gezeigten Folge 12 der Staffel 2
3.4.2. Begründung für die Wahl der Folge
3.5. Die Gruppendiskussion
3.6 Aufbau des Moderations-Leitfadens
4. Analyse des Experiments „24“
4.1. Quantitative Fragenbogenauswertung gesamt
4.2. Analyse Gruppendiskussionen
4.2.1. Gruppe 1
4.2.2. Gruppe 2
4.2.3. Gruppe 3
4.3. Analyse der Kategorien aus der Gruppendiskussionen
4.3.1. Medienrezeption
4.3.2. Serie „24“
4.3.3. Übertragung der Debatte auf Amerika
4.3.4. Aufnahme der Folterdebatte
4.3.5. Gesellschaftlicher Blick
4.4. Analyse des Experiments
5. Fazit
6. Erfahrungsbericht
6.1 Themenwahl und Vorbereitung
6.2 Vorbereitung des Experiments
6.3 Verlauf der Gruppendiskussionen, Auswertung der Fragebögen
6.4 Transkription
6.5 Auswertung der Fragebögen
7. Literaturverzeichnis
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit untersucht die Auswirkungen der fiktionalen US-Fernsehserie "24" auf die Wahrnehmung und Legitimation von Folter bei den Zuschauern. Dabei wird analysiert, inwiefern die Serie durch ihre Darstellung von Folterpraktiken den öffentlichen Diskurs beeinflusst und ob Rezipienten die Argumentationsmuster der Serie in die Realität übertragen.
- Wissenschaftliche Definition von Folter und Terrorismus
- Die Rolle von "24" als Instrument der Folterlegitimation
- Empirische Analyse des Rezeptionsverhaltens mittels Gruppendiskussionen
- Der Einfluss von Militainment auf gesellschaftliche Einstellungen
- Diskurs über Recht, Moral und Ausnahmesituationen im Rechtsstaat
Auszug aus dem Buch
1. Einleitung
„Geschickt spielt „24“ mit der Frustration eines Volkes im Krieg gegen den Ter ror. […] Umgekehrt lässt das fiktive Armageddon in amerikanischen Städten die irakischen Bomben fast harmlos erscheinen. […] Amerika, die unfähige Super macht, ist endlich wieder ein Gewinner.“
In vielen Diskussionen über die Ursache der anzutreffenden Folterpraktiken unter US-Soldaten an Gefangenen, wie dem Gefangenenlager Abu Ghraib, fällt der Name „24“. Denn die erfolgreich dargestellten Foltertechniken des Serien-Stars Jack Bauer sollen sich sehr inspirierend auf die Verhörspezialisten von Guantanamo ausgewirkt haben. So konstatiert die Rechtsberaterin des Oberkommandierenden von Guantanamo, Diana Beaver, zu der Popularität von „24“ unter den amerikanischen Soldaten: „Es gab den Leuten eine Menge Ideen.“ Phillip Sands bestätigt diese Aussage: „[the series] normalise violence and justify aggression.“
Das fragile Verhältnis zwischen Realität und Fiktion zeigt sich daran, dass die PR Abteilungen der US-Regierung nach den veröffentlichen Skandalen in den amerikanischen Gefangenenlagern in Bagdad im Jahr 2009 mit der Bitte an die Serienmacher herangetreten sind, der Protagonist Jack Bauer solle sich mit seinen Folterpraktiken zurückhalten. Auffällig ist zudem, dass die erste Folge dieser amerikanischen Fernsehserie am 6. November 2001 ausgestrahlt wurde, das heißt kaum zwei Monate nach dem 11. September. Nicht zuletzt wurden in „24“ – zwar fiktive, aber nicht weniger aufmerksamkeitsstarke – Präzedenzfälle wie „Ticking Bomb Szenarien“ geschaffen.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Zusammenfassung der Forschungsfrage und der Relevanz der Serie "24" im Kontext der Folterdebatte nach dem 11. September.
2. Theorieteil: Definition von Folter und Terrorismus sowie Analyse der geschichtlichen und rechtlichen Situation in Deutschland und den USA.
3. Beschreibung des Experiments „24“: Darstellung der methodischen Vorgehensweise, inklusive Versuchsaufbau und Gruppendiskussionen.
4. Analyse des Experiments „24“: Auswertung der quantitativen Fragebögen und der qualitativen Gruppendiskussionen zur Wirkung der Serie.
5. Fazit: Zusammenfassende Bewertung der Untersuchungsergebnisse hinsichtlich der Folterlegitimation durch die Serie.
6. Erfahrungsbericht: Reflexion über den Forschungsprozess und die methodischen Herausforderungen bei der Durchführung.
7. Literaturverzeichnis: Auflistung aller verwendeten Quellen.
Schlüsselwörter
Folter, Terrorismus, "24", Jack Bauer, Legitimation, Fernsehserie, Gruppendiskussion, Medienwirkung, Rechtsstaat, Ethik, Rettungsfolter, Ticking Bomb Szenario, Gewalt, Fiktion, Realität.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit?
Die Arbeit untersucht, ob die US-Serie "24" durch ihre explizite Darstellung von Folter als vermeintlich legitimes Mittel zur Terrorabwehr dazu beiträgt, die gesellschaftliche Akzeptanz für Folter zu erhöhen.
Welche zentralen Themen werden behandelt?
Zu den Kernbereichen gehören der Diskurs über Folter in Deutschland und den USA, die Analyse von "24" im Kontext des "Krieges gegen den Terror" sowie die psychologischen Auswirkungen von Mediengewalt.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, herauszufinden, ob Rezipienten die in der Serie angewendeten Argumentationsmuster (z.B. das "Ticking Bomb Szenario") auf die reale Welt übertragen und dadurch Folter unter bestimmten Bedingungen für akzeptabel halten.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Die Arbeit nutzt ein zweistufiges empirisches Design: eine quantitative Befragung mittels Fragebögen sowie qualitative Gruppendiskussionen, um die Wirkung der Serie auf die Probanden zu erfassen.
Was wird im Hauptteil analysiert?
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Aufarbeitung der Folterproblematik und eine detaillierte Auswertung des durchgeführten Experiments, unterteilt in quantitative Daten und qualitative Diskussionsanalysen.
Welche Begriffe charakterisieren die Arbeit am besten?
Begriffe wie Folterlegitimation, "24", Jack Bauer, Ticking Bomb Szenario und Medienrezeption stehen im Zentrum der Untersuchung.
Wie bewerten die Probanden die Rolle von Jack Bauer?
Viele Probanden empfanden Jack Bauer trotz Kritik an seinen Methoden als fiktive Figur, zeigten jedoch in emotionalen Ausnahmesituationen (z.B. bei Bedrohung von Familienangehörigen) Verständnis für sein Handeln.
Ergibt die Studie ein eindeutiges Ergebnis zur Folterlegitimation?
Nein, die Ergebnisse sind komplex: Während Folter allgemein abgelehnt wird, zeigen sich in simulierten Ausnahmesituationen innerhalb der Diskussionen Tendenzen, Folter als "letztes Mittel" unter Inkaufnahme rechtlicher Konsequenzen zu rechtfertigen.
- Arbeit zitieren
- Bennet B. (Autor:in), 2010, Inwiefern trägt die US-amerikanische Serie „24“ zur Legitimation von Folter bei?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/194818