Mit der zunehmenden Europäisierung und Verflechtung der west- und mitteleuropäischen Staaten zu einer wirtschaftlichen Handelseinheit traten vermehrt ehemals nationale Strukturprobleme in den Mittelpunkt europäischer Betrachtung.
Dass sich diese Punkte nicht mit der Gründung der Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft (EWG) von selbst lösen konnten, liegt auf der Hand. Vielmehr entwickelten sie sich zu vornehmlich auf europäischer Ebene zu bewältigenden Aufgaben. Exempel und gleichzeitig Gegenstand der Betrachtung soll im Rahmen dieser Arbeit in erster Linie die Landwirtschaft sein, da die europäische Agrarpolitik als spezielle Sektoralpolitik mit über 50 % den größten Budgetposten des Haushalts der EU-Kommission ausmacht; weiterhin soll der Maßnahmenkatalog2 der EU-Kommission, der unter dem Stichwort Agenda 2000 Bekanntheit erlangte, auf seine Geeignetheit in Bezug auf die Lösung struktureller Probleme und die Erhöhung der Wettbewerbsfähigkeit speziell der deutschen Landwirtschaft untersucht werden.
Inhaltsverzeichnis
1. Ziel der Untersuchung
1.1 Gegenstand
1.2 Bestimmung und Entwicklung der Problematik
2. Theoretische Grundüberlegungen
2.1 Protektionismus versus Liberalisierung
2.2 Agrarpolitische Ziel- Mittel Zusammenhänge
2.2.1 Ziele
2.2.1.1 Verteilung
2.2.1.2 Wirtschaftliche Freiheit
2.2.1.3 Stabilität
2.2.1.4 Effizienz
2.2.2 Mittel
2.3 Begründung und Instrumente der Strukturinterventionen
2.3.1 Marktversagen und Marktstörungen
2.3.2 Strategien und Instrumente staatlicher Strukturpolitik
2.4 Die Agrarreform von 1992 (MacSharry Reform)
2.5 Agenda 2000
2.5.1 Inhalt und Ziele
2.5.2 Die einzelnen Maßnahmen der GAP- Reform
2.5.2.1 Stützungsregelung für Erzeuger bestimmter landwirtschaftlicher Kulturpflanzen
2.5.2.3 Senkung der Interventionspreise für Getreide
2.5.2.4 Marktorganisation für Rindfleisch
2.5.2.5 Marktorganisation für Milch und Milcherzeugnisse
2.5.2.6 Zusatzabgabe für Milch und Milcherzeugnisse
2.5.2.7 Förderung des ländlichen Raumes
2.5.2.8 Finanzierung der GAP
2.5.2.9 Gesamtbetrachtung
3. Situation der Landwirtschaft vor der Agenda 2000
3.1 Europäische Union
3.1.1 Struktur des Agrarsektors
3.1.2 Status der europäischen Wettbewerbsfähigkeit auf dem Weltmarkt
3.1.2.1 Export
3.1.2.2 Import
3.2 Deutschland
3.2.1 Struktur des Agrarsektors
3.2.1.1 Getreideproduktion
3.2.1.2 Milchproduktion
3.2.1.3 Nutztierhaltung
3.2.2 Status der deutschen Wettbewerbsfähigkeit in der EU
3.2.2.1 Export
3.2.2.2 Import
3.2.3 Status der deutschen Wettbewerbsfähigkeit auf dem Weltmarkt
4. Situation der deutschen Landwirtschaft nach der Agenda 2000/Empirische Bewertung der Zielerreichung
4.1 Deutschland
4.1.1 Struktur des Agrarsektors
4.1.1.1 Getreideproduktion
4.1.1.2 Milchproduktion
4.1.1.3 Nutztierhaltung
4.1.2 Auswirkungen auf die Wettbewerbsfähigkeit in der EU
4.1.2.1 Export
4.1.2.2 Import
4.1.3 Auswirkungen auf die Wettbewerbsfähigkeit auf dem Weltmarkt
5. Stellungnahme und Fazit
5.1 Marktversagen versus Politikversagen- Gesamtbetrachtung und Wertung der Agenda 2000
5.2 Stellungnahmen von Interessenverbänden und Institutionen
5.2.1 Bauernverband
5.2.2 Europäische Kommission
5.2.3 Position der Bundesregierung
5.2.4 Eigene Bewertung und Vorschläge
6. Ausblick: Mögliche Auswirkungen einer EU- Osterweiterung auf die europäische, speziell die deutsche Landwirtschaft
Zielsetzung und Themen der Arbeit
Das Hauptziel dieser Arbeit besteht darin, die Geeignetheit des Maßnahmenkatalogs der EU-Kommission, bekannt als "Agenda 2000", im Hinblick auf die Lösung struktureller Probleme und die Erhöhung der Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Landwirtschaft zu untersuchen und kritisch zu bewerten.
- Theoretische Grundlagen zur Agrarpolitik (Protektionismus vs. Liberalismus)
- Analyse der Agrarreform 1992 (MacSharry-Reform) als Basis
- Eingehende Betrachtung der Inhalte und Ziele der Agenda 2000
- Empirische Bewertung der Situation der deutschen Landwirtschaft vor und nach der Agenda 2000
- Stellungnahme zur Zielerreichung sowie Ausblick auf die EU-Osterweiterung
Auszug aus dem Buch
2.1 Protektionismus versus Liberalisierung
Die Agrarpolitik ist eine vielschichtige und in verschiedene Richtungen forcierbare, nicht zuletzt von rein politischen Zielsetzungen abhängige Materie. Maßgeblich beeinflusst werden politische Maßnahmen dadurch, dass der Agrarsektor wie kein anderer Bereich von externen Einflüssen wie etwa Umwelteinwirkungen oder örtlichen Gegebenheiten der Betriebe abhängig ist. Diese der Landwirtschaft immanenten Faktoren spielen stets eine wichtige Rolle und sind vielfach mitursächlich für eventuellen politischen Handlungsbedarf.
Um den aus genannten Gründen wirtschaftlich sensiblen Agrarsektor auf nationaler Ebene zu stabilisieren, wurden in den meisten westlichen Industrieländern Maßnahmen getroffen, um preissenkend wirkende ausländische Konkurrenz aus dem Agrarmarkt fernzuhalten. Dies sollte im Wesentlichen durch Importzölle für ausländische Agrarprodukte erreicht werden, die so hoch bemessen wurden, dass eine mögliche Preisdifferenz zu günstigeren ausländischen Produkten ausgeglichen und ein „Preiskampf“ unmöglich wurde. Aber auch im nichttarifären Bereich fanden Maßnahmen statt, die die Einfuhr ausländischer Güter beschränken sollte, wie etwa so genannte Importquoten, bei denen die Höchstimportmenge pro Jahr staatlich fixiert wird. Dieses Verhalten, das in Europa seit dem Fortschreiten der Industrialisierung im letzten Viertel des 19. Jahrhunderts üblich war, wird in der Wissenschaft unter das Stichwort Protektionismus gefasst.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Ziel der Untersuchung: Definiert den Gegenstand der Arbeit und beleuchtet die Notwendigkeit der Untersuchung der Agenda 2000 für die deutsche Landwirtschaft.
2. Theoretische Grundüberlegungen: Erläutert die agrarpolitischen Ziel-Mittel-Zusammenhänge sowie die ordnungspolitische Rechtfertigung für Strukturinterventionen.
3. Situation der Landwirtschaft vor der Agenda 2000: Analysiert den Status quo der Agrarstrukturen und Wettbewerbsfähigkeit in der EU sowie Deutschland als Referenzpunkt.
4. Situation der deutschen Landwirtschaft nach der Agenda 2000/Empirische Bewertung der Zielerreichung: Bewertet die Auswirkungen der Reformmaßnahmen auf Struktur, Einkommen und Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Landwirtschaft.
5. Stellungnahme und Fazit: Diskutiert Markt- versus Politikversagen und fasst die Ergebnisse der Untersuchung der Agenda 2000 kritisch zusammen.
6. Ausblick: Mögliche Auswirkungen einer EU- Osterweiterung auf die europäische, speziell die deutsche Landwirtschaft: Erörtert die Herausforderungen der EU-Osterweiterung und die damit verbundenen Risiken für die Agrarstruktur.
Schlüsselwörter
Agenda 2000, Gemeinsame Agrarpolitik, Landwirtschaft, Wettbewerbsfähigkeit, Protektionismus, Liberalisierung, Strukturwandel, Agrarsubventionen, Interventionspreise, EU-Osterweiterung, Agraraußenhandel, Marktversagen, Direktzahlungen, Strukturpolitik, Einkommenssicherung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht, ob die im Rahmen der "Agenda 2000" eingeführten agrarpolitischen Maßnahmen der EU geeignet sind, die Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Landwirtschaft nachhaltig zu steigern.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Die zentralen Themen umfassen die theoretischen Grundlagen der Agrarpolitik, die Bewertung bisheriger Reformansätze (MacSharry-Reform), eine empirische Analyse der deutschen Landwirtschaft vor und nach der Agenda 2000 sowie den Ausblick auf die EU-Osterweiterung.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage der Arbeit?
Die Forschungsfrage konzentriert sich darauf, inwiefern die Agenda 2000 strukturelle Probleme löst und ob sie den Anforderungen an einen zukunftsorientierten, wettbewerbsfähigen Agrarmarkt gerecht wird.
Welche wissenschaftliche Methode wird in dieser Arbeit verwendet?
Die Arbeit nutzt eine wirtschaftspolitische Analyse, die theoretische ökonomische Konzepte (wie das Marktversagen) mit einer empirischen Auswertung von Agrarberichten und Statistiken verknüpft.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Im Hauptteil werden zunächst die theoretischen Hintergründe erläutert, gefolgt von einer detaillierten Beschreibung der Reformmaßnahmen der Agenda 2000 und einer empirischen Gegenüberstellung der Situation der Landwirtschaft vor und nach deren Inkrafttreten.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren diese Arbeit?
Wesentliche Begriffe sind Gemeinsame Agrarpolitik (GAP), Agenda 2000, Wettbewerbsfähigkeit, Strukturwandel, Interventionspreise und EU-Osterweiterung.
Wie bewertet der Autor die Rolle des Bauernverbandes in diesem Reformprozess?
Der Autor stellt fest, dass der Bauernverband Reformen kritisch gegenübersteht und sich primär für die Einkommenssicherung der Landwirte durch Stützung einsetzt, was der notwendigen Marktorientierung oft entgegensteht.
Welche spezifische Kritik äußert der Autor an der Umsetzung der Agenda 2000?
Kritisiert wird insbesondere der Zielkonflikt zwischen Erwerbssicherung und echter Marktorientierung; zudem wird bemängelt, dass Direktzahlungen teilweise kontraproduktiv zur Wettbewerbsfähigkeit wirken, da sie den Anreiz zur Überproduktion nicht vollständig beseitigen.
- Quote paper
- Jörg Böhmer (Author), 2003, Agenda 2000: Geeignete Maßnahmen zur Erhöhung der Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Landwirtschaft?, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/19500