Grin logo
de en es fr
Shop
GRIN Website
Texte veröffentlichen, Rundum-Service genießen
Zur Shop-Startseite › Didaktik für das Fach Deutsch - Literatur, Werke

Das Hildebrandslied

Eine exemplarische Untersuchung zur Entstehungsgeschichte und Dramaturgie des einzigen erhaltenen althochdeutschen Heldenliedes

Titel: Das Hildebrandslied

Zwischenprüfungsarbeit , 2000 , 49 Seiten , Note: 1,0

Autor:in: Andreas Hanke (Autor:in)

Didaktik für das Fach Deutsch - Literatur, Werke
Leseprobe & Details   Blick ins Buch
Zusammenfassung Leseprobe Details

Die althochdeutsche Heldendichtung hat sich in der Vergangenheit nicht immer allgemeiner u. ungeteilter Beliebtheit erfreut. Nicht nur im hohen u. späten Mittelalter, das von einer variablen Verbindung antiker u. christlicher Ideale u. der lateinischen Sprache geprägt war, sondern auch noch zur Zeit des aufgeklärten Absolutismus im 18. Jahrhundert, gab es immer wieder einflussreiche Persönlichkeiten, die die germanische Heldendichtung, ebenso wie die später aus ihr hervorgegangenen Epen, am liebsten ganz aus dem Kanon der deutschen Literatur verbannt hätten. Auf jeden Fall kann es unter diesen widrigen Umständen sowie in Anbetracht der vornehmlich mündlichen Überlieferungstradition der althochdeutschen Heldendichtung u. ihrer starken Konkurrenz durch lateinische Werke als ein großer Glücksfall gelten, dass uns von ihren einst sehr vielfältigen Formen wenigstens das fragmentarische Hildebrandslied als einziges Heldenlied in althochdeutscher Sprache erhalten geblieben ist. So verfügen wir wenigstens über ein als Paradigma zu betrachtendes Heldenlied, in dem die Dramatik eines unausweichlichen Zweikampfes zwischen Vater und Sohn geschildert wird: Der gealterte Hildebrand kehrt nach dreißig Jahren aus dem Exil beim Hunnenkönig Attila in seine Heimat zurück. Vermutlich an der Landesgrenze trifft er auf seinen Sohn Hadubrand, den er damals ebenso wie seine Frau zu Hause zurückgelassen hatte, als er mit Theoderich/Dietrich vor dem Hass Odoakers floh. Zwischen ihren feindlichen Heeren stehen sich die beiden Protagonisten gegenüber. Als Hadubrand sich als der jüngere u. weniger erfahrene Krieger zuerst vorstellt, erkennt Hildebrand schnell, dass es sich bei ihm um seinen Sohn handelt. Daraufhin macht Hildebrand eine vage Andeutung über ihr enges verwandtschaftliches Verhältnis - sein Sohn soll ihn wohl intuitiv erkennen - u. überreicht Hadubrand ein kostbares Geschenk, um ihn von seinen guten Absichten zu überzeugen. Hadubrand erkennt seinen Vater, von dessen Tod er überzeugt ist, jedoch nicht, missversteht dieses Zeichen als kriegerische Heimtücke u. lässt sich nun durch nichts mehr von einem Zweikampf abbringen, dessen Ende nicht überliefert ist, der aber aller Wahrscheinlichkeit nach für einen der beiden Beteiligten, vermutlich für Hadubrand, tödlich ausgeht.
Zu welcher Zeit und unter welchen Umständen ist das Hildebrandsliedes entstanden? Wodurch zeichnet es sich besonders aus? Diese u. weitere Fragen sollen in dieser Arbeit genauer untersucht werden.

Leseprobe


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Abgrenzung der Heldensage von verwandten Formen althochdeutscher Literatur

3. Zur Herkunft und Rekonstruktion von Heldendichtung

4. Zur Entstehungsgeschichte des Hildebrandsliedes

4.1 Die mündliche Urform

4.2 Die schriftliche Endfassung

5. Inhalt und Erzähltechnik

5.1 Inhalt

5.2 Erzähltechnik

6. Dramaturgie und Tragik

6.1 Dramaturgie

6.2 Tragik

7. Formale und metrische Besonderheiten

7.1 Formale Merkmale

7.2 Metrische Merkmale

8. Zusammenfassung und Ausblick

9. Anhang: Das Hildebrandslied mit Übertragung

10. Literatur

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht das Hildebrandslied als exemplarische Quelle, um dessen Entstehungsgeschichte, innere Dramaturgie und formale Struktur tiefgehend zu analysieren. Dabei steht die Forschungsfrage im Mittelpunkt, inwiefern sich die besonderen, teils rätselhaften Merkmale des Textes — wie die fragmentarische Überlieferung, die archaische Sprachgestalt und der Vater-Sohn-Konflikt — historisch und literaturwissenschaftlich einordnen lassen.

  • Literarische Gattungsbestimmung und Abgrenzung der Heldensage.
  • Rekonstruktion der Entstehungsbedingungen (mündliche vs. schriftliche Überlieferung).
  • Analyse der inneren Dramaturgie und des tragischen Vater-Sohn-Konflikts.
  • Untersuchung der formalen und metrischen Besonderheiten des Liedes.
  • Einordnung in den historischen Kontext der Karolingerzeit und der christlichen Missionierung.

Auszug aus dem Buch

Zur Entstehungsgeschichte des Hildebrandsliedes

Die mündliche Urform des einzigen althochdeutschen Heldenliedes, das uns in nur geringfügig abgewandeltem Wortlaut überliefert ist, wurde wahrscheinlich schon im 7., spätestens aber im 8. Jahrhundert geschaffen. Als ursprünglicher Entstehungsort des Hildebrandslieds kommt grundsätzlich ein sehr breiter geographischer Raum in Frage, der sich vom Territorium der Langobarden u. Goten in Italien, über den altbayrischen Siedlungsraum bis hin zum Franken- oder gar Sachsenreich an der Weser erstreckt.

Dennoch deuten aber sowohl spezifische formale als auch inhaltliche Merkmale des Hildebrandsliedes darauf hin, dass die Wahrscheinlichkeit für eine korrekte Lokalisierung seiner mündlichen Urform vom Süden zum Norden kontinuierlich abnimmt. Wie gelangt die altphilologische Forschung nun zu dieser - nach wie vor mit großen Unsicherheiten behafteten - zeitlichen u. örtlichen Einordnung des Hildebrandsliedes?

Zunächst gibt es für beide Dimensionen der Entstehungsgeschichte zwei recht sichere Eckdaten u. zwar die Ermordung des Skirenfürsten Odoaker durch den Gotenführer Theoderich im Jahre 493 in Ravenna auf der einen u. die Eintragung der schriftlichen Endfassung der Heldensage in einen lateinischen Kodex mit biblischen u. patristischen Aufzeichnungen zwischen 810 u. 840 im Kloster Fulda. Diese beiden Eckdaten können insofern mit großer Wahrscheinlichkeit zugrundegelegt werden, als die Tötung Odoakers durch Theoderich in zahlreichen historischen Quellen erwähnt wird u. die schriftliche Niederlegung des Hildebrandsliedes durch paläographische Untersuchungen sowie die Interpolation mit anderen Einträgen in die Bibelhandschrift recht zuverlässig eingeordnet werden kann.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die problematische Rezeptionsgeschichte der germanischen Heldendichtung und führt in das spezifische Fragment des Hildebrandsliedes ein, um die Forschungsziele der Arbeit zu umreißen.

2. Abgrenzung der Heldensage von verwandten Formen althochdeutscher Literatur: In diesem Kapitel werden die Gattungsmerkmale der Heldensage im Vergleich zu Zaubersprüchen, Segensformeln und christlicher Bibeldichtung herausgearbeitet.

3. Zur Herkunft und Rekonstruktion von Heldendichtung: Das Kapitel analysiert die schwierige Quellenlage und die Methoden der Rekonstruktion verschütteter Sagenkerne aus anderen literarischen Zeugnissen.

4. Zur Entstehungsgeschichte des Hildebrandsliedes: Hier werden die zeitliche und geographische Einordnung der mündlichen Urform sowie die historischen Bedingungen der schriftlichen Fixierung im Kloster Fulda untersucht.

5. Inhalt und Erzähltechnik: Dieses Kapitel liefert eine detaillierte Darstellung der Handlung und analysiert die spezifischen narrativen Mittel, wie etwa den Verzicht auf Psychologisierung.

6. Dramaturgie und Tragik: Die Untersuchung konzentriert sich auf den spannungsvollen Aufbau der Dialoge und die tragische Konsequenz der Handlung, die aus dem Zusammenprall von Sippenbindung und Kriegerehre resultiert.

7. Formale und metrische Besonderheiten: Das Kapitel widmet sich der elaborierten Dialogführung und den metrischen Abweichungen des Hildebrandsliedes, die inhaltlich funktional gedeutet werden.

8. Zusammenfassung und Ausblick: Abschließend werden die zentralen Untersuchungsergebnisse zusammengefasst und Perspektiven für zukünftige Forschungen, etwa im Bereich der Heldensagentheorien, aufgezeigt.

9. Anhang: Das Hildebrandslied mit Übertragung: Der Anhang enthält den basalen Text des Heldenliedes inklusive einer modernen Übertragung.

10. Literatur: Dieses Kapitel listet die für die Arbeit herangezogene Sekundärliteratur auf.

Schlüsselwörter

Hildebrandslied, althochdeutsche Literatur, Heldendichtung, Heldensage, Hadubrand, Theoderich, Fulda, mündliche Überlieferung, Dramaturgie, Tragik, Vater-Sohn-Konflikt, Germanistik, Stabreim, karolingische Renaissance, Ehrenkodex.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit untersucht das althochdeutsche Hildebrandslied als literarisches Zeugnis und analysiert dessen Entstehungsgeschichte, inhaltliche Struktur sowie die dramaturgischen Mittel, mit denen das tragische Schicksal des Vater-Sohn-Kampfes dargestellt wird.

Welche zentralen Themenfelder behandelt das Dokument?

Zu den Schwerpunkten gehören die literaturwissenschaftliche Gattungsbestimmung, die Rekonstruktion der mündlichen Überlieferung, die Analyse der inneren Dramaturgie und die Erforschung der formalen sowie metrischen Beschaffenheit des Textes.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Das Hauptziel besteht darin, die Entstehungsgeschichte des Fragments nachzuzeichnen, die Motivationen hinter seiner Verschriftlichung zu beleuchten und die Tragik des Vater-Sohn-Konflikts als Ergebnis spezifischer ethischer und kriegerischer Kodizes zu ergründen.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Es werden methodisch primär literaturhistorische und altphilologische Analysen eingesetzt, wobei Sekundärliteratur (etwa von Heusler, Haubrichs oder Schlosser) herangezogen wird, um Hypothesen zur Entstehung und Interpretation des Textes zu überprüfen.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung der Entstehungsgeschichte, die Analyse von Inhalt und Erzähltechnik, die Darstellung der Dramaturgie und Tragik sowie die Erörterung der formalen Merkmale des Liedes.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Die Arbeit lässt sich durch Begriffe wie Hildebrandslied, Heldendichtung, Entstehungsgeschichte, Dramaturgie, Tragik, germanischer Ehrenkodex und mittelalterliche Literaturrekonstruktion charakterisieren.

Warum ist das Motiv des Vater-Sohn-Konflikts im Hildebrandslied besonders?

Das Hildebrandslied unterscheidet sich durch das Motiv der wissentlichen Tötung des eigenen Sohnes durch den Vater von anderen Sagen der Weltliteratur, in denen dieser Konflikt oft erst im Nachhinein oder unbewusst verarbeitet wird.

Welche Rolle spielt die "Saxonisierung" des Textes?

Die Arbeit diskutiert die sächsischen Spracheinflüsse ("Saxonismen") im Text und prüft Hypothesen darüber, ob diese auf eine bewusste philologische Korrektur durch Fuldaer Mönche oder auf eine missionarische Zweckbestimmung zurückzuführen sind.

Inwiefern beeinflussen die "redetechnischen" Markierungen das Verständnis?

Die Verwendung der Verben "gimahalta" für statische bzw. epische Passagen und "quad" für dynamische, dramatische Momente dient als formales Strukturprinzip, das die inhaltliche Gliederung des Liedes unterstützt.

Ende der Leseprobe aus 49 Seiten  - nach oben

Details

Titel
Das Hildebrandslied
Untertitel
Eine exemplarische Untersuchung zur Entstehungsgeschichte und Dramaturgie des einzigen erhaltenen althochdeutschen Heldenliedes
Hochschule
Universität Bielefeld
Veranstaltung
Ausgewählte althochdeutsche u. frümittelhochdeutsche Texte
Note
1,0
Autor
Andreas Hanke (Autor:in)
Erscheinungsjahr
2000
Seiten
49
Katalognummer
V195000
ISBN (eBook)
9783656204695
ISBN (Buch)
9783656206804
Sprache
Deutsch
Schlagworte
hildebrandslied eine untersuchung entstehungsgeschichte dramaturgie heldenliedes
Produktsicherheit
GRIN Publishing GmbH
Arbeit zitieren
Andreas Hanke (Autor:in), 2000, Das Hildebrandslied, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/195000
Blick ins Buch
  • Wenn Sie diese Meldung sehen, konnt das Bild nicht geladen und dargestellt werden.
  • Wenn Sie diese Meldung sehen, konnt das Bild nicht geladen und dargestellt werden.
  • Wenn Sie diese Meldung sehen, konnt das Bild nicht geladen und dargestellt werden.
  • Wenn Sie diese Meldung sehen, konnt das Bild nicht geladen und dargestellt werden.
  • Wenn Sie diese Meldung sehen, konnt das Bild nicht geladen und dargestellt werden.
  • Wenn Sie diese Meldung sehen, konnt das Bild nicht geladen und dargestellt werden.
  • Wenn Sie diese Meldung sehen, konnt das Bild nicht geladen und dargestellt werden.
  • Wenn Sie diese Meldung sehen, konnt das Bild nicht geladen und dargestellt werden.
  • Wenn Sie diese Meldung sehen, konnt das Bild nicht geladen und dargestellt werden.
  • Wenn Sie diese Meldung sehen, konnt das Bild nicht geladen und dargestellt werden.
  • Wenn Sie diese Meldung sehen, konnt das Bild nicht geladen und dargestellt werden.
  • Wenn Sie diese Meldung sehen, konnt das Bild nicht geladen und dargestellt werden.
Leseprobe aus  49  Seiten
Grin logo
  • Grin.com
  • Versand
  • Kontakt
  • Datenschutz
  • AGB
  • Impressum