Aristoteles Werke lassen sich in drei Gruppen unterteilen: populäre Schriften, wissenschaftliche Notizen und Lehrschriften. Die Lehrschriften lassen sich ihrerseits unterteilen in logische Schriften, naturwissenschaftliche Schriften, ethische Schriften,
ästhetische Schriften und allgemeinphilosophische Schriften. Die „Politik“ wird zu den ethischen Schriften gezählt. Während die Ethik das politische Leben aus der Sicht des Handelnden untersucht, erforscht es die Politik unter der Perspektive der Staatsformen und
Institutionen. Ethik und Politik sind auch deshalb miteinander verschränkt, weil die wichtigsten sittlichen Tugenden politische Tugenden sind, die Freundschaft und die Gerechtigkeit. Die Freundschaft stiftet einträchtige Verbindungen unter den Menschen, und die Gerechtigkeit ordnet die verschiedensten Beziehungen der Menschen untereinander.
Immer ergänzt durch Billigkeit, teilt sie je nach Verdienst Ehre, Geld und Güter zu, regelt ohne Ansehen der Person den gesamten Bereich der Vertragsverhältnisse und stellt bei Rechtsverletzung die gestörte Rechtsordnung wieder her.
Der Ausgangspunkt der Lehre des Aristoteles ist die Aneignung und Kritik der Lehre Platons. Erst allmählich setzt eine Verselbständigung ein, die sich vor allem an der kritischen
Auseinandersetzung mit der Ideenlehre Platons ausrichtet. Die Staatswissenschaft gehört mit der Ethik zur praktischen Philosophie des aristotelischen Modells. Basierend auf dem Grundsatz einer politischen Anthropologie, wonach der Mensch von Natur aus ein politisches Wesen ist, werden in der Schrift die bestehenden Staatsformen und Institutionen sowie vorstaatliche Formen des menschlichen Zusammenlebens erörtert. Aristoteles definiert zunächst die Grundlagen verschiedener Arten von Herrschaft und ihre Möglichkeiten, Strukturen und Gefährdungen, um dann eine ideale Polis zu bestimmen.
Ich will beweisen, dass die Politie die beste Verfassung für Aristoteles ist und dass sie sich aus zwei entarteten Verfassungen zusammensetzt, auf der Grundlage seiner Schrift „Politik“, indem ich die Politie mit den sonstigen Verfassungsmodellen vergleiche.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Einführung in die „Politik“ des Aristoteles
3. Die Staatsformenlehre
4. Für die Bildung der besten Verfassung unbedeutende Verfassungsformen
5. Die beste Polisverfassung innerhalb der aristotelischen Verfassungslehre
5.1. Was ist die Polis eigentlich und wie ist sie beschaffen?
5.2. Das wünschenswerteste Leben: Ein Bürger in der Politie
5.3. Für die Bildung der besten Verfassung bedeutende Verfassungsformen
5.3.1. Oligarchie
5.3.2. Demokratie
5.4. Zur Entstehung der Politie
5.5. Wieso kann die Politie überhaupt bestehen?
6. Kritik am Textes
7. Zusammenfassung
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit untersucht auf Basis der „Politik“ von Aristoteles, inwiefern die Politie als bestmögliche Staatsverfassung angesehen werden kann und ob sie sich paradoxerweise aus zwei als „schlecht“ eingestuften Verfassungsformen – Oligarchie und Demokratie – zusammensetzen lässt.
- Analyse des aristotelischen Staats- und Polisbegriffs.
- Untersuchung der aristotelischen Staatsformenlehre und ihrer Kriterien.
- Abgrenzung von wünschenswerten Verfassungen gegenüber entarteten Formen.
- Erörterung der Bedeutung des Mittelstands für die Stabilität der Politie.
- Vergleichende Betrachtung von Oligarchie und Demokratie als Ausgangselemente der Politie.
Auszug aus dem Buch
5.5. Wieso kann die Politie überhaupt bestehen?
Es stellt sich die Frage, wie die Politie als Mischung aus Oligarchie und Demokratie bestehen soll, wo diese doch entartete Verfassungen sind. Fundamental für die Beantwortung dieser Frage ist die Aufteilung der Bevölkerung in Arme und Reiche. Sie sind die wesentlichen Teile des Staates. Nur diese beiden Teile des Staates scheinen sich wirklich entgegengesetzt zu sein. Parallel dazu sind sich auch zwei Verfassungen entgegengesetzt, je nachdem welcher dieser beiden Teile Übergewicht hat. Gemeint sind Oligarchie und Demokratie. (1291b7-14)
Die meisten Verfassungen sind teils demokratisch teils oligarchisch. Denn wenn in den Staaten der Mittelstand gering ist, kommt es vor, das Arme oder Reiche versuchen, die Staatsgewalt an sich zu reißen. Die Demokratien beruhen auf dem Grundsatz der Freiheit und Gleichheit. Die Bestimmungen der Freiheit sind, dass alle Staatsbürger abwechselnd regieren und regiert werden müssen, und leben zu können, wie man will. In der Demokratie ist Recht, was die Mehrheit beschließt. In der Oligarchie dagegen ist Recht, was die Vermögenden beschließen. (1317a40-1317b17) Die Zahl der Regierenden ist für Aristoteles kein zureichendes Kriterium für die allgemeine Bestimmung von Demokratie und Oligarchie.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung verortet das Werk „Politik“ innerhalb der aristotelischen Schriften und legt die Forschungsfrage zur bestmöglichen Verfassung sowie den methodischen Aufbau der Untersuchung dar.
2. Einführung in die „Politik“ des Aristoteles: Dieses Kapitel gibt einen Überblick über die Gliederung der „Politik“ und führt in die zentralen Begriffe wie Polis, Mensch als politisches Lebewesen und das höchste Gut ein.
3. Die Staatsformenlehre: Aristoteles entwirft hier eine neue Verfassungslehre, die Idealismus und Realismus verbindet, um den praktischen Nutzen für die Politik zu wahren und die Entstehung verschiedener Staatsformen durch soziale Unterschiede zu erklären.
4. Für die Bildung der besten Verfassung unbedeutende Verfassungsformen: Es werden die für die Wunschpolis irrelevanten Verfassungen wie Königtum, Tyrannei und Aristokratie erläutert und deren Wesensmerkmale sowie Abgrenzungen skizziert.
5. Die beste Polisverfassung innerhalb der aristotelischen Verfassungslehre: Hier steht die Untersuchung der Polis als Funktionszusammenhang und die Bestimmung des wünschenswertesten Lebens für den Bürger der Wunschpolis im Zentrum.
6. Kritik am Textes: Das Kapitel bietet eine kritische Reflexion über die Relevanz der aristotelischen Politik für die moderne Philosophie, unter Berücksichtigung von zeitgebundenen Elementen und zeitlosen Aussagen.
7. Zusammenfassung: Abschließend werden die zentralen Argumente zur Rolle der Vernunft, der sozialen Schichtung und der Bedeutung des Mittelstands für die Stabilität der Politie resümiert.
Schlüsselwörter
Aristoteles, Politik, Polis, Verfassungslehre, Politie, Oligarchie, Demokratie, Gemeinwohl, Mittelstand, Eudaimonia, Tugend, Staatsbürger, Wunschpolis, Stabilität, Gerechtigkeit
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht die politische Philosophie des Aristoteles, insbesondere sein Werk „Politik“, um zu klären, wie die Politie als ideale Verfassungsform definiert ist.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Arbeit fokussiert sich auf die aristotelische Staatsformenlehre, die soziale Differenzierung der Polis und die Bedeutung des Gemeinwohls.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist der Nachweis, dass die Politie für Aristoteles die beste Verfassung darstellt und wie diese aus der Mischung zweier als „entartet“ geltender Formen – Oligarchie und Demokratie – resultieren kann.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt die systematische Analyse der Quellentexte sowie deren philosophische Interpretation und Einordnung in den Kontext der antiken Staatsphilosophie.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil befasst sich mit der Definition der Polis, dem idealen Leben des Bürgers, der Analyse von Oligarchie und Demokratie sowie der Stabilitätsfunktion des Mittelstands.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Aristoteles, Polis, Politie, Oligarchie, Demokratie, Gemeinwohl und Eudaimonia.
Warum hält Aristoteles die Politie für stabiler als andere Staatsformen?
Die Politie ist laut Aristoteles stabiler, weil sie den breiten Mittelstand fördert und eine wechselseitige Kontrolle zwischen den Extremen (Reiche und Arme) ermöglicht, was das Risiko von Bürgerkriegen mindert.
Welche Rolle spielt die „Mußeklasse“ in der aristotelischen Wunschpolis?
Die Mußeklasse besteht aus denjenigen, die sich nicht um den Lebensunterhalt kümmern müssen, sondern ihre Zeit der tugendhaften politischen Teilhabe widmen können, was Aristoteles als notwendige Bedingung für die Ausübung der Eudaimonia sieht.
- Citation du texte
- B.A. Ira Ekmann (Auteur), 2009, Aristoteles' Politik, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/195061