Möglichkeiten des Vendor Managed Inventory (VMI)


Hausarbeit, 2011
18 Seiten, Note: 2,0

Leseprobe

INHALTSVERZEICHNIS

Abbildungsverzeichnis

1 Einleitung
1.1 Begriff
1.2 Entstehung

2 Vendor managed inventory
2.1 Einordnung und Formen
2.2 Einsatzgebiete und Anwendungsbereiche
2.3 Voraussetzungen
2.4 Funktionsweise
2.5 Möglichkeiten und Zielsetzungen des
2.5.1 Vor- und Nachteile aus Sicht des Kunden
2.5.2 Vor- und Nachteile aus Sicht des Lieferanten

3 Schlussbetrachtung

Literaturverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: Architektur eines Advanced Planning Systems

Abbildung 2: Funktionsweise des Vendor Managed Inventory

Abbildung 3: Dreieck des Projektmanagements

1 Einleitung

Die Globalisierung hat heute weitreichende Auswirkungen auf die Unternehmen und deren Wettbewerb. So können sich Unternehmen immer schwieriger wie alt hergebracht durch ihre Produkte und deren Qualität einen Vorteil gegenüber anderen verschaffen. Heutzutage wird es immer wichtiger, Logistikketten effizient zu gestalten und sich so einen entscheidenden Wettbewerbsvorteil zu verschaffen. Dabei kommt unter anderem den Lägern eine große Bedeutung zu. Kapitalbindungskosten sind in diesem Zusammenhang oft der Anstoß neuer Vorgehensweisen und Entwicklungen. Betrachtet man Just-in-time- oder Just-in-sequence-Konzepte, bei denen Waren erst kurz vor Bedarfszeitpunkt geliefert werden, stellt man fest, dass Bestände immer weiter auf die Transportwege verlagert werden. Nicht zuletzt sind auch Lagerhaltungskosten ein Akzelerator dieser Entwicklung. Das Vendor Managed Inventory ist ein System, bei dem der Lieferant für das Lagerbestandsmanagement des Kunden zuständig ist.

1.1 Begriff

Übersetzt man den Begriff des Vendor Managed Inventory (VMI) ins Deutsche, so wäre eine mögliche Übersetzung: "verkäufergesteuertes Inventar". Dieser Begriff gibt schon erste Hinweise auf die logistische Bedeutung des VMI und was man darunter verstehen kann. Allgemein wird VMI in Deutschland als ein Konzept des herstellergesteuerten Bestandsmanagements bezeichnet. Daraus lässt sich ableiten, dass man unter VMI die Verwaltung des Lagerbestands durch Lieferanten versteht. Es wird also die Verantwortung für das Bestandsmanagement gänzlich den oder dem Lieferanten übertragen. Welche Ziele dadurch verfolgt werden, welche Vor- und Nachteile entstehen, welche Möglichkeiten VMI bietet und wie das VMI funktioniert wird in den folgenden Kapiteln vorgestellt.

1.2 Entstehung

Die Anfänge des VMI waren sehr praktischer Natur. So kann man sich gut vorstellen, dass ein Lieferant von Supermärkten, um nicht täglich mit einer Maximalmenge an Waren wie z.B. Cola-Flaschen zu seinem Kunden fahren zu müssen und die Produktion anpassen zu können, einfach die Verbrauchsmenge einer Vorperiode beim Einräumen der Flaschen in die Regale analysiert hat, um somit einschätzen zu können wie viele Cola-Flaschen bei der nächsten Lieferung benötigt werden. Diese manuelle Art des Bestandsmanagements durch den Lieferanten, bei dem Mitarbeiter die Bestände beim Kunden überprüfen, und somit Zeitpunkt und Menge der zu liefernden Artikel bestimmen gibt es schon relativ lange. Allerdings lassen sich ganz im Gegensatz zu einer vollautomatisierten Variante keine genauen Zeitangaben machen.

Bereits Ende der 1980er Jahre wurde das erste vollautomatische System bei WalMart und Procter&Gamble eingeführt. Zu dieser Zeit hatte WalMart sehr stark mit saisonal volatilen Absätzen zu kämpfen. Um die Verfügbarkeit der Waren trotzdem sicherstellen zu können wurde das erste vollautomatische VMI-System eingeführt, welches Mindestbestände eines Artikels selbständig erkennt und dem Lieferanten dann meldet.

Mit der Zeit haben auch andere Industriezweige die Nützlichkeit von VMI-Systemen erkannt. So wurden ab Mitte der 1990er Jahre VMI Konzepte als individuelle logistische Problemlösungen für das Bestandscontrolling auch in produzierenden Unternehmen eingesetzt.

Heute kann man VMI als weitreichende informationstechnische Vernetzung zwischen Kunde und Lieferanten verstehen. Je nach Grad der Zusammenarbeit und Offenlegung von internen Daten des Kunden für den Lieferanten, kann dies sogar so weit gehen, dass der Lieferant bereits in die Zukunftsplanungen mit einbezogen wird um zukünftige Bedarfe zu sichern.

2 Vendor managed inventory

2.1 Einordnung und Formen

Das Vendor Managed Inventory ist ein modernes unternehmensübergreifendes Management- und Logistiksystem zu Performanceverbesserung der Lieferkette zwischen Kunden und Lieferanten. Es ist also eine Anwendungsmöglichkeit zur kontinuierlichen Warenversorgung, dem sog. "Continuous Replenishment Program (CRP)". Das CRP hat zum Ziel eine kontinuierliche Warenversorgung entlang der Supply-Chain vom Hersteller zum Händler zu gewährleisten. Dabei unterscheidet man drei Arten:

- Co Managed Inventory (CMI - gemeinsam gesteuertes Bestandsmanagement)
- Vendor Managed Inventory (VMI - Herstellergesteuertes Bestandsmanagement)
- Buyer Managed Inventory ( BMI - Kundengesteuertes Bestandsmanagement)

Auch heute gibt es noch unterschiedliche Formen (Ausprägungen) von herstellergesteuertem Bestandsmanagement (VMI). Diese sind in der unterschiedlichen Tiefe der Zusammenarbeit zwischen Kunde und Lieferant und in den unterschiedlichen Zielsetzungen begründet. Dabei sind die Übergänge oft fließend, jedoch kann folgendermaßen unterschieden werden:

1. Die klassische Form des Continuous Replenishment, bei der der Lieferant den Kunden in regelmäßigen Abständen besucht, dort den Fehlbestand ermittelt und diese Daten für die nächste Lieferung zugrunde legt. Dieses Vorgehen wird oft bei Verbindungselementen in der mittelständischen Industrie angewandt.
2. Das klassische VMI, bei dem der Kunde seinen Verbrauch (z.B. durch Verkaufsdatenerfassung) ermittelt und dem Lieferanten mithilfe elektronischer Datenübertragung mitteilt und dieser dann eine Bestellung generiert indem er Liefermengen und Zeitpunkt festlegt.
3. Die Form des Consignment Inventory, bei dem der Lieferant Eigentümer der Waren beim Kunden bis zu deren Verkauf bleibt (Konsignationslager). Je nach Bedarf kann der Lieferant dann dieses Lager bestücken.

Im Folgenden wird immer von der klassischen Form des VMI ausgegangen.

Innerhalb eines Unternehmens sind VMI-Systeme oft Bestandteil eines Advanced Planning Systems (APS), welche sich aus PPS-Systemen entwickeln, weil diese den Anforderungen nach einer integrierten kapazitätsorientierten Planung betrieblicher Leistungsprozesse in Wertschöpfungsketten nicht gerecht werden.[1] AP-Systeme sind modular aufgebaute Informationssysteme, die auf dem Konzept der hierarchischen Planung beruhen und die Planung aus Sicht einer zentral koordinierenden Einheit innerhalb eines Unternehmens oder einer Kooperation vornehmen. Wie ein VMI-System innerhalb eines APS angesiedelt sein kann zeigt folgend Abbildung:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung1: Architektur eines Advanced Planning Systems[2]

2.2 Einsatzgebiete und Anwendungsbereiche

Die Anwendungsbereiche des VMI hängen u. a. von der Art der einbezogenen Artikel ab. Dabei wird hinsichtlich dieser Artikel zwischen Normalware und Aktionsware unterschieden.[3]

Unter Normalware versteht man in diesem Zusammenhang Produkte und Artikel, die über einen längeren Zeitraum von einem Unternehmen geführt werden. Dabei kauft, lagert und verkauft dieses Unternehmen diese Produkte, die einer volatil saisonalen Nachfrage unterliegen können. Wenn ein Unternehmen herstellergesteuertes Bestandsmanagements bei Normalware anwendet kann im Normalfall auf Verkaufs- und Bestandsdaten zurückgegriffen werden, die über längere Zeiträume gesammelt wurden.

Unter Aktionsware werden dagegen solche Produkte und Artikel verstanden, die einmalig für eine Sonderverkaufsaktion von dem Unternehmen für einen kurzen Zeitraum ins Sortiment genommen werden. Dabei verfügt das Unternehmen meistens über keine Verkaufsdaten aus der Vergangenheit. Ggf. liegen jedoch Verkaufsdaten von ähnlichen Artikeln vor, die zur Unterstützung der Disposition genutzt werden können. Um Probleme zu vermeiden, sollte die Vorgehensweise des herstellergesteuerten Bestandsmanagements im Vorfeld unter den Partner bei Aktionsware abgesprochen werden.

Zum anderen hängen die Anwendungsbereiche des VMI aber auch von der Art der Belieferung ab. Hier unterscheidet man grundsätzlich zwischen Belieferung von Zentrallagern auf der einen Seite und Belieferung von Verkaufsfilialen auf der anderen Seite.[4]

Für die Belieferung von Zentrallager sind aktuelle Lagerbestandsdaten die Grundlage für die Steuerung und Disposition der Liefermengen. Insbesondere bei diesen Lagern sind oftmals auch Maßnahmen zur Optimierung der Transportlogistik gefragt (z. B. Auslieferung ganzer Paletten). Der Grund liegt darin, dass bei Zentrallagern in der Regel auch größere Mengen bewegt werden müssen.

Bei der Direktbelieferung von Filialen dienen Abverkaufsberichte als Grundlage für die Ermittlung der Bedarfe und die Disposition der Lieferungen. Hier ist zu beachten, dass es bei einer großen Anzahl an Filialen zu einem höheren Datenaufkommen kommen kann, als bei der Belieferung eines Zentrallagers. Damit wird im Vergleich zur Belieferung eines einzigen Zentrallagers der dispositive Aufwand ebenfalls höher.

Aus o.g. Zusammenhängen von Güterart und Belieferung haben sich mit der Zeit Einsatzgebiete entwickelt bei denen VMI im Vergleich besonders oft eingesetzt wird. Diese sind:

- Einzelhandel / Kaufhäuser
- Automobilindustrie
- Tanklagerung (chem. Industrie)

Grundsätzlich ist für jeden Einzelfall zu prüfen, ob herstellergesteuertes Bestandsmanagement sinnvoll einsetzt bar ist. Dies unterliegt unter anderem bestimmten Voraussetzungen.

2.3 Voraussetzungen

Die weitaus wichtigste Voraussetzung zur Implementierung eines VMI-Systems ist, eine sehr gut funktionierende partnerschaftliche Beziehung zwischen Kunde und Lieferant. Dabei muss ein gegenseitiges Vertrauensverhältnis vorherrschen, da unter den vielen gegenseitig gesendeten Daten durchaus auch sensible Daten wie z.B. Verkaufszahlen oder Kapazitäten sein können. Es darf keinesfalls der Eindruck bei einem der Partner entstehen hintergangen zu werden oder nur Geber zu sein. Dafür ist ein Management mit guter Führungsfähigkeit notwendig, um eine langfristig gute strategische Partnerschaft aufzubauen.

Eine ganzheitliche Betrachtungsweise der Prozesse über die eigenen Unternehmensgrenzen hinaus ist eine weitere Grundlage, für eine funktionierende Zusammenarbeit zwischen Kunde und Lieferant. Dabei müssen die Partner lernen Prozesse aufeinander abzustimmen und so zu verbessern.

Nicht jeder Artikel oder jedes Gut eignet sich gleichermaßen zum Einsatz von VMI. Besonders geeignet sind Güter mit hohem Standardisierungsgrad und regelmäßigem Bedarfsverlauf. So muss zunächst eine Analyse der Bestandsartikel durchgeführt werden. Ein geeignetes Instrument wäre hierfür beispielsweise die ABC-XYZ-Analyse, bei der sich Artikel mit Bedarfsschwankungen und entsprechendem Umsatz abbilden lassen.

Das klassische VMI basiert auf elektronischem Datenaustausch. Kunde und Lieferant müssen also beide entsprechende Systeme zur Datenerfassung und Datenübermittlung vorhalten. Dabei kommen zur Datenerfassung nur automatisierte oder teilautomatisierte Systeme wie Barcode- oder RFID-Erfassung in Frage. Eine manuelle Datenerfassung würde die Anforderung an häufig aktualisierte bis hin zu Echtzeitbeständen nicht erfüllen. Zur Datenübermittlung gibt es mehrere Möglichkeiten, dabei können verschiedenste Netzwerke (auch Internet) genutzt werden. Letztendlich müssen sich die Beteiligten auf einen EDI-Standard einigen, eine Möglichkeit wäre EDIFACT. Dabei ist oft ein Problem, dass vorhandene Software nicht kompatibel ist und die Schnittstellen erst angepasst werden müssen.

[...]


[1] Vgl. Schwindt, Christoph; Trautmann, Norbert (2004), Seite 5

[2] In enger Anlehnung an: EBZ Beratungszentrum GmbH, http://www.ebz-beratungszentrum.de/logistikseiten/artikel/vmi.htm

[3] Vgl. PROZEUS, Broschüre: Herstellergesteuertes Bestandsmanagement, http://www.prozeus.de/imperia/md/content/prozeus/broschueren/vmi_umsetzer.pdf

[4] Vgl. PROZEUS, Broschüre: Herstellergesteuertes Bestandsmanagement, http://www.prozeus.de/imperia/md/content/prozeus/broschueren/vmi_umsetzer.pdf

Ende der Leseprobe aus 18 Seiten

Details

Titel
Möglichkeiten des Vendor Managed Inventory (VMI)
Hochschule
BVL Campus gGmbH  (Deutsche Außenhandels- und Verkehrs-Akademie)
Veranstaltung
Strategisches Logistikmanagement
Note
2,0
Autoren
Jahr
2011
Seiten
18
Katalognummer
V195080
ISBN (eBook)
9783656210320
ISBN (Buch)
9783656210870
Dateigröße
432 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
VMI, Vendor Managed Inventory, Logistik, Supply Chain Management
Arbeit zitieren
Christian Krogmann (Autor)Sebastian Schmoll (Autor), 2011, Möglichkeiten des Vendor Managed Inventory (VMI), München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/195080

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