Bourdieu kritisiert die Art und Weise wie wissenschaftlich gearbeitet wird. In der Arbeit wird erklärt, was er im ersten Buch kritisiert.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung und Kapitel 1: Die Objektivierung objektivieren
2. Kapitel 2: Die imaginäre Anthropologie des Subjektivismus
3. Kapitel 3: Strukturen, Habitusformen, Praktiken
4. Kapitel 4: Glaube und Leib
5. Kapitel 5: Die Logik der Praxis
6. Kapitel 6: Die Wirkung der Zeit
7. Kapitel 7 : Das symbolische Kapital
8. Kapitel 8: Die Herrschaftsweisen
9. Kapitel 9: Die Objektivität des Subjektiven
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit setzt sich kritisch mit Pierre Bourdieus Werk „Sozialer Sinn“ auseinander. Ziel ist es, Bourdieus Analyse zur Überwindung des Gegensatzes zwischen Objektivismus und Subjektivismus in der Soziologie darzulegen und die Mechanismen sozialer Praxis, wie Habitus, symbolisches Kapital und die Rolle der Zeit, zu explorieren.
- Überwindung der Dichotomie von Objektivismus und Subjektivismus
- Analyse des Habitus als strukturierende Struktur
- Die Funktion von symbolischem Kapital und Gabentausch
- Die Rolle der Zeit in sozialen Interaktionen und Herrschaftsverhältnissen
- Kritik an theoretischen Modellen der Sozialwissenschaft
Auszug aus dem Buch
Die Objektivität des Subjektiven
Sozialwissenschaft kann nur dann „soziale Fakten behandeln“, wenn Sozialwissenschaft objektiv als Sozialwissenschaft, die nicht objektiv sein kann, behandelt wird. Individuen und Gruppen werden nicht nur durch ihr Sein definiert, sondern auch durch die Wahrnehmung des Seins. Materillen Eigenschaften (physische Welt) und die symbolischen Eigenschaften (Wechselbeziehungen = Unterscheidungsmerkmale) müssen von der Sozialwissenschaft berücksichtigt werden. Die Sozialphysik erschöpft sich in der objektivistischen Ökonomie. Die Sozialphänomenologie verzeichnet und entschlüsselt die Bedeutung der Verteilungsunterschiede. Dieselbe Eigenschaft wird unterschiedlich wahrgenommen. Es geht hier nicht um eine relaistische Objektivität von Menschen, weil das nicht möglich ist. Vielmehr kann man einen anderen nur subjektiv wahrnehmen, weil der andere nicht sein wahres Gesicht zeigt, sondern nur Teilstücke und weil die Wahrnehmung auch durch andere Einflüsse bestimmt wird.
Objektivität kann nicht erreicht werden, weil der „symbolischen Schleier“ der symbolischen Verhältnisse unabhängig von ihren Klassenverhältnissen nicht aufgedeckt werden kann. Wenn Wahrnehmungs- und Beurteilungsschemata erschlossen sind, also analysiert werden könnten, werden willkürliche Unterschiede zu Zeichen selbstverständlicher Unterscheidung. Sie fungieren wieder als Symbole, je seltener sie auftreten. Je öfter also das gleiche Merkmal ausgesprochen wird (je mehr Titel etc. verteilt werden), desto eher kämpft man darum. Was also früher gut genug war, verliert an Bedeutung. Materiell bleibt es das gleiche, aber die Symbolik verändert sich.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung und Kapitel 1: Die Objektivierung objektivieren: Bourdieu thematisiert die Kluft zwischen theoretischem Objektivismus und praktischer Erkenntnis und fordert eine kritische Reflexion des Standpunkts des Beobachters.
2. Kapitel 2: Die imaginäre Anthropologie des Subjektivismus: Das Kapitel untersucht Sartres Philosophie des Handelns und die Spannung zwischen Freiheit des Subjekts und strukturellen Determinanten.
3. Kapitel 3: Strukturen, Habitusformen, Praktiken: Hier wird der Habitus als System dauerhafter Dispositionen definiert, das als Vermittler zwischen objektiven Strukturen und individuellem Handeln fungiert.
4. Kapitel 4: Glaube und Leib: Bourdieu erläutert, wie soziale Felder durch praktischen Glauben funktionieren und wie der Körper durch Sozialisation die Logik gesellschaftlicher Ordnung verkörpert.
5. Kapitel 5: Die Logik der Praxis: Dieses Kapitel analysiert die Begriffsanalyse der Praxis und kritisiert die entzeitlichte theoretische Beschreibung menschlichen Handelns.
6. Kapitel 6: Die Wirkung der Zeit: Der Fokus liegt auf der sozialen Funktion von Gabentausch, Ehrenhandlungen und der Bedeutung zeitlicher Verzögerungen in sozialen Interaktionen.
7. Kapitel 7 : Das symbolische Kapital: Das symbolische Kapital wird als theoretische Konstruktion beschrieben, die eigennützige Verhältnisse durch eine Fiktion des uneigennützigen Tauschs verschleiert.
8. Kapitel 8: Die Herrschaftsweisen: Hier wird der Zusammenhang zwischen Macht, Zirkulation von Gaben und der Errichtung sowie Aufrechterhaltung von Abhängigkeitsverhältnissen untersucht.
9. Kapitel 9: Die Objektivität des Subjektiven: Das abschließende Kapitel reflektiert über die Unmöglichkeit totaler Objektivität in der Sozialwissenschaft und die Rolle symbolischer Verhältnisse in der Klassenbildung.
Schlüsselwörter
Pierre Bourdieu, Sozialer Sinn, Objektivismus, Subjektivismus, Habitus, Praktiken, Symbolisches Kapital, Gabentausch, Herrschaftsweisen, Sozialisation, Zeit, Gesellschaft, Strukturen, Macht, Wahrnehmungsschemata
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit bietet eine zusammenfassende Analyse von Pierre Bourdieus Werk „Sozialer Sinn“ und untersucht seine soziologischen Konzepte zur Überwindung der Trennung von Theorie und Praxis.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zu den zentralen Themen gehören das Verhältnis von Subjekt und Objekt, das Konzept des Habitus, die Rolle von symbolischem Kapital sowie die Funktionsweise von Macht und sozialer Interaktion.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das primäre Ziel ist es, Bourdieus theoretische Ansätze verständlich darzulegen und aufzuzeigen, wie er versucht, die soziale Welt jenseits rein objektivistischer oder subjektivistischer Erklärungsmodelle zu erfassen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer textanalytischen Auseinandersetzung mit dem Werk Bourdieus, wobei die wesentlichen Argumente kapitelweise strukturiert und zusammengefasst werden.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil behandelt systematisch die neun Kapitel des Buches, von der Kritik des Objektivismus bis hin zur Analyse der Objektivität des Subjektiven und der Herrschaftsmechanismen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit ist geprägt durch Begriffe wie Habitus, symbolisches Kapital, Praxis, Herrschaftsweisen und die dialektische Beziehung zwischen sozialen Strukturen und individuellem Handeln.
Wie definiert Bourdieu den Habitus laut dem Text?
Der Habitus wird als System dauerhafter Dispositionen verstanden, das als strukturierende Struktur fungiert und sowohl kollektiv als auch individuell wirksam ist.
Welche Rolle spielt die Zeit bei Bourdieus Verständnis von Gabentausch?
Die Zeit spielt eine entscheidende Rolle, da die Verzögerung bei der Gegengabe den Eigennutz der Transaktion verschleiert und so die soziale Interaktion und das symbolische Kapital aufrechterhält.
Warum hält Bourdieu eine rein objektive Wissenschaft für schwierig?
Weil der Wissenschaftler selbst Teil der sozialen Welt ist und durch seinen Standpunkt sowie den „symbolischen Schleier“ der Wahrnehmung daran gehindert wird, eine neutrale, objektive Sichtweise einzunehmen.
- Citar trabajo
- Miri Unger (Autor), 2012, Rezensionsessay: Pierre Bourdieu. 1987. Sozialer Sinn , Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/195144