Arendt geht es insofern in Vita activa in erster Linie darum, darüber nachzudenken, „was wir eigentlich tun,
wenn wir tätig sind“. Hierbei kommt Arendt unweigerlich auch auf die produktiven Tätigkeiten des Menschen zu sprechen, die sie näher analysiert. Eine Auseinandersetzung mit dem Denken Karl Marx´ erscheint dabei auch Arendt als nahezu unausweichlich, gilt Marx
doch auch für sie trotz aller Kritik als „der größte der modernen Arbeitstheoretiker“. Worin unterscheiden sich jedoch Arendts Ausführungen von den Karl Marx´ Theorien? Wo lassen
sich Gemeinsamkeiten erkennen? Welche Schwerpunkte bilden die beiden Denker in ihrem Nachdenken über die produktiven Tätigkeiten des Menschen? Diese Fragen zu klären, soll Inhalt der vorliegenden Hausarbeit sein. Dabei werde ich zunächst Arendts Überlegungen zu
den produktiven Tätigkeiten des Menschen darstellen, bevor ich mich Karl Marx´ theoretischen Überlegungen zur menschlichen Arbeit zuwenden werde. In einer abschließenden Betrachtung werde ich dann das Denken der beiden Theoretiker einer kritischen Würdigung und einem Vergleich unterziehen.
Inhaltsverzeichnis
1. Vorwort
2. Arbeiten und Herstellen in Hannah Arendts Vita activa
2.1 Die Tätigkeit der Arbeit
2.1.1 Die Funktion des Arbeitens - Aufrechterhaltung des Lebensprozesses
2.1.2 Die Fruchtbarkeit des Arbeitens
2.1.3 Die natürliche Zyklik des Arbeitens
2.2 Die Tätigkeit des Herstellens
2.2.1 Die weltbildende Funktion des Herstellens
2.2.2 Die Gewaltsamkeit des Herstellens
2.2.3 Die Linearität der herstellenden Tätigkeit
2.2.4 Die Zweck-Mittel-Relation in der herstellenden Tätigkeit
2.3 Arbeiten und Herstellen in Antike, Mittelalter und Neuzeit
2.3.1 Arbeiten und Herstellen in der Antike
2.3.2 Arbeiten und Herstellen im Mittelalter
2.3.3 Arbeit und Herstellen in der Neuzeit
2.3.3.1 Der Sieg der Gesellschaft in der Neuzeit
2.3.3.2 Auswirkungen des Siegeszuges der Gesellschaft auf Arbeiten und Herstellen
3. Die Arbeit des Menschen in Karl Marx´ ökonomisch-philosophischem Werk
3.1 Arbeit als Vergegenständlichung und Faktor in der menschlichen Entwicklung
3.1.1 Arbeit als Vergegenständlichung
3.1.2. Arbeit als andauernder Prozess menschlicher Entwicklung
3.2 Charakteristika der menschlichen Arbeit
3.2.1 Arbeit als Arbeitskraft
3.2.2 Menschliche Arbeit als bewusste, universelle und freie Tätigkeit
3.2.3 Der teleologische Charakter der Arbeit
3.3 Arbeit und Gesellschaft
3.3.1 Arbeit als gesellschaftliche Tätigkeit
3.3.2 Arbeit und Menschheitsgeschichte
3.4 Die kapitalistisch-industrielle Arbeit
3.4.1 Die Entstehung der kapitalistisch-industriellen Arbeit
3.4.2 Die Entfremdung der Arbeit innerhalb der kapitalistisch-industriellen Produktion
3.4.3 Die sozialen Folgen industrieller Entfremdung
4. Vergleichende Schlussbetrachtung
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit vergleicht die Theorien von Hannah Arendt und Karl Marx bezüglich der produktiven Tätigkeiten des Menschen, um Gemeinsamkeiten und Unterschiede in ihrer Auffassung von Arbeit und menschlicher Entwicklung zu identifizieren.
- Differenzierung der menschlichen Grundtätigkeiten bei Arendt
- Marx’ Konzept der Arbeit als Vergegenständlichung und Gattungsleben
- Die Auswirkungen der industriellen Revolution auf die Arbeitsstruktur
- Vergleichende Analyse der Entfremdung und gesellschaftlicher Folgen
Auszug aus dem Buch
2.2.2 Die Gewaltsamkeit des Herstellens
Charakteristisch für die Tätigkeit des Herstellens ist, dass der Mensch zu ihrem Vollzug in die Natur eingreifen muss. Entsprechend erklärt Arendt die herstellende Tätigkeit folgendermaßen: „Material muß erst einmal gewonnen werden, seiner natürlichen Umgebung entrissen, und mit der Gewinnung von Material greift der Mensch in den Haushalt der Natur ein, indem er entweder ein Lebendiges zerstört – einen Baum fällt, um Holz zu gewinnen – oder einen der langsamen Naturprozesse unterbricht, wenn er das Eisen, den Stein, den Marmor aus dem Schoß der Erde bricht“.
Insofern lässt sich sagen, dass die Herstellung der menschlichen Welt stets nur durch die Zerstörung eines Stückes natürlicher Welt möglich wird. Seinem Wesen nach ist das Herstellen daher in gewissem Maße stets zerstörerisch und gewalttätig. „Alles Herstellen ist gewalttätig, und Homo faber, der Schöpfer der Welt, kann sein Geschäft nur verrichten, indem er Natur zerstört“, schreibt Arendt. Allerdings ist diese Gewalttätigkeit des Herstellens für Arendt keinesfalls negativ zu werten. Auf der individuellen Ebene verleiht gerade die Gewalttätigkeit in der herstellenden Tätigkeit dem Menschen durchaus auch ein Gefühl der Genugtuung, denn „Kraft und Stärke des Menschen äußern sich am elementarsten in den Erfahrungen der Gewalttätigkeit, und sie stehen daher im äußersten Gegensatz zu der qualvoll-erschöpfenden Anstrengung, welche die Grunderfahrung des Arbeitens ist. Aus ihnen stammen Selbstgewißheit und Selbstgefühl, und sie können sogar Quelle lebenslänglicher Zufriedenheit sein“.
Im Hinblick auf die Gattung ist die Gewalttätigkeit gegenüber der Natur darüber hinaus das entscheidende Merkmal, das den Menschen von allen anderen Lebewesen unterscheidet und ihn dazu befähigte, diese in entwicklungsgeschichtlicher Hinsicht zu überflügeln.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Vorwort: Einführung in Arendts Kritik an der modernen Arbeitsgesellschaft und die Notwendigkeit des Vergleichs mit Marx.
2. Arbeiten und Herstellen in Hannah Arendts Vita activa: Darstellung von Arendts Unterscheidung der Grundtätigkeiten und deren Entwicklung in Antike, Mittelalter und Neuzeit.
3. Die Arbeit des Menschen in Karl Marx´ ökonomisch-philosophischem Werk: Analyse von Marx' Verständnis der Arbeit als essenzielle Kategorie menschlicher Selbstverwirklichung und Entfremdung.
4. Vergleichende Schlussbetrachtung: Kritische Gegenüberstellung beider Denker hinsichtlich ihrer Auffassung von Natur, Fortschritt und gesellschaftlicher Entfremdung.
Schlüsselwörter
Hannah Arendt, Karl Marx, Vita activa, Arbeit, Herstellen, Entfremdung, Industriealisierung, Kapitalismus, Gattungswesen, Arbeitsteilung, Produktion, Menschheitsgeschichte, Naturverhältnis, Gesellschaft, Warenmarkt
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht und vergleicht die unterschiedlichen philosophischen Ansätze von Hannah Arendt und Karl Marx bezüglich der Bedeutung produktiver Tätigkeiten für den Menschen.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Themenfelder umfassen die Unterscheidung zwischen Arbeiten und Herstellen bei Arendt, Marx' Theorie der Arbeit als Selbstverwirklichung, das Phänomen der Entfremdung im Kapitalismus sowie die gesellschaftlichen Auswirkungen industrieller Produktionsformen.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Ziel ist es, die Gemeinsamkeiten und Differenzen in der Bewertung produktiver Arbeit bei Arendt und Marx aufzuzeigen und zu klären, welche Schwerpunkte beide Denker bei der Analyse der menschlichen Tätigkeit setzen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine vergleichende Literatur- und Ideengeschichtsanalyse basierend auf den Hauptwerken der beiden Philosophen.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert detailliert Arendts "Vita activa" und Marx' ökonomisch-philosophische Schriften, unterteilt in die Themenbereiche Arbeit, Herstellungsprozesse, gesellschaftliche Einbettung und die Entfremdung im industriellen Kapitalismus.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zentrale Begriffe sind Vita activa, Arbeit, Herstellen, Entfremdung, Industriekapitalismus und Gattungsleben.
Wie bewertet Arendt die moderne "Arbeitsgesellschaft"?
Arendt sieht in der zunehmenden Verherrlichung der Arbeit und der Überhöhung des Arbeitsprozesses eine Gefahr, da sie die weltbildenden Tätigkeiten und das politische Handeln verdrängt und den Menschen in einen zirkulären Prozess ohne dauerhaften Sinn einbindet.
Wo liegen die Hauptunterschiede in der Entfremdungstheorie?
Während Marx die Entfremdung als eine aufhebbare Folge der Eigentumsverhältnisse und der industriellen Produktion sieht, diagnostiziert Arendt eine grundlegende Verschiebung menschlicher Tätigkeitsmodi durch den Aufstieg des Gesellschaftlichen, die den Menschen in seiner Individualität entwertet.
- Citation du texte
- Diplom-Verwaltungswirt (FH) Florian Döring (Auteur), 2011, Die produktiven Tätigkeiten des Menschen bei Hannah Arendt und Karl Marx - Ein Vergleich, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/195187