Wirtschaftskrise im 3. Jahrhundert nach Christus?!


Hausarbeit, 2011
16 Seiten, Note: 1,3
Thomas Hasfelder (Autor)

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

I. Wirtschaft im Römischen Reich
I.1. Der Staat
I.2. Der Staatshaushalt – Einnahmen
I.3. Der Staatshaushalt – Ausgaben
I.4. Der Staatshaushalt – Bewertung

II. Wirtschaft & Krise
II.1. Wirtschaftliche Grundlagen
II.2. Verringerung des „Münzwertes“ & Inflation
II.3. Krisenbewusstsein
II. 3.1. Cassius Dio
II.3.2. Herodian
II.3.3. Die Inschrift von Skaptopara
II.4. Krise? Wirtschaftskrise? – Problematik der Begriffe

Zusammenfassung & Fazit

Quellen- & Literaturverzeichnis

Einleitung

Die Geschichtswissenschaft ist von Theorien geprägt. Wenn ein Historiker eine bestimmte Zeit untersucht, so sieht er einzelne Phänomene, die er dann versucht zu ordnen. Im besten Fall kann er diese miteinander verknüpfen. Es macht seine Arbeit einfacher, da jede Theorie Strukturen gibt. Mit der Zeit können dadurch Forschungsparadigmen entstehen, die lange Zeit das Forschungsbild bestimmen, jedoch früher oder später mit hoher Wahrscheinlichkeit angezweifelt werden.

„Das 3. Jahrhundert“, allein dies ein fester, paradigmenartiger Begriff, bietet eine Menge solcher Paradigmen. Die Zeit wird von vielen Historikern als eine Zeit der Krise und Transformation gesehen. Neben außenpolitischen Misserfolgen und stetigem Herrscherwechsel sollen vor allem wirtschaftliche Krisen das Imperium Romanum gebeutelt haben. Lange Zeit galt so in der Geschichtswissenschaft das 3. Jahrhundert nach Christus als Zeit der Instabilität und des offensichtlichen Niedergangs. Jedoch neigt vor allem die neuere Forschung dazu, dieses Bild widerlegen zu wollen. Aus einer Weltwirtschaftskrise wird so ganz schnell eine Zeit der (neutralen) Transformation. Es haben sich zwei Lager gebildet, die deutlich unterschiedliche Meinungen vertreten.

Im Folgenden sollen diese Lager gegeneinander aufgewogen werden, die Frage, ob sich eine Wirtschaftskrise im 3. Jahrhundert nachweisen lässt, soll beantwortet werden. Hierfür soll zunächst die Wirtschaft des Römischen Reiches untersucht werden. Anschließend werden ausgewählte „Krisensymptome“ genauer beleuchtet und deren Ursachen und Auswirkungen erörtert.

I. Wirtschaft im Römischen Reich

Bevor über Krisen in einem bestimmten Bereich des Staates oder im gesamten Staat nachgedacht werden kann, müssen die Grundlagen bearbeitet werden. Um also zu klären, ob das 3. Jahrhundert von einer Wirtschaftskrise geplagt wurde, muss zuerst einmal überlegt werden, was Wirtschaft im Römischen Reich in dieser Zeit überhaupt bedeutete. Bewusst wird hierbei auf tiefer gehende Ausführungen zu demografischen oder geografischen Grundlagen verzichtet. Hauptaugenmerk liegt auf dem Staat, der in seiner Funktion und wirtschaftlichen Aktivität wichtig für die Stabilität der gesamten Wirtschaft und des Reiches ist.

I. 1. Der Staat

Ob es eine Wirtschaftspolitik im modernen Sinne im Römischen Reich gab, ist schwer nachweisbar, die Quellen schweigen sich darüber aus, Einzelphänomene sind jedoch immer zu verzeichnen. So förderte der Staat unter anderem durch den Straßenbau die Infrastruktur[1]. Von einer modernen Wirtschaftspolitik mit stetigen Eingriffen, strengen Vorgaben und Regelungen ist dennoch, aufgrund der geringen Bürokratisierung und des geringen Verwaltungsapparates, eher nicht auszugehen. Mehr Aufschluss geben uns die Quellen über Einnahmen und Ausgaben des Staates, die jedoch immer kritisch hinterfragt werden müssen.

I.2. Der Staatshaushalt – Einnahmen

Haupteinnahmequelle des Fiskus dürften wohl die Steuern gewesen sein, die immer direkt und indirekt erhoben werden konnten. An oberster Stelle der Steuererhebung stand der Kaiser, der stets Überblick erhalten konnte und letzte Entscheidungsgewalt hatte, verwaltet und durchgeführt wurde die Steuererhebung von den in den Provinzen lebenden städtischen Oberschichten oder der Aristokratie einzelner Stammesgemeinden[2]. Man muss jedoch darauf hinweißen, dass es trotz steigender Ausgaben nicht zu steuerlichen Mehreinnahmen kam. Der Steuerdruck war seit der frühen Kaiserzeit wohl in etwa gleich geblieben[3]. Es wäre jedoch falsch, dies als Versuch zu attestieren, die Wirtschaft anzukurbeln und dies damit als ein Zeichen der Krise zu deuten, da Steuereinnahmen in der Antike eher untypisch waren und nur im Bedarfsfall, so zumindest die Theorie, erhoben werden sollten[4]. Außerdem erscheint diese Deutung, in Hinblick auf eine, wohl eher nicht im großen Stile gesteuerte Wirtschaftspolitik und bei unsicheren Aussagen über vorhandene oder mangelnde ökonomische Kompetenz des Kaisers und seiner Finanzprokuratoren als eher unwahrscheinlich.

Weiterer Staatseinnahmen konnte man sich gewiss sein, solange man bei Kriegen außenpolitisch erfolgreich war. Hierbei ging es nicht nur um neue Rohstoffe, Gebietserweiterungen, Raub, Plünderung oder Entschädigungszahlungen, auch Lösegelder für Gefangene wurden gerne gefordert und bescherten dem Fiskus regelmäßig erneute Einnahmen[5]. Doch auch hier muss man sich überlegen, inwiefern dies noch als Einnahmequelle im 3. Jahrhundert gelten kann, in der außenpolitische Siege immer mehr zur Seltenheit werden und man eher um den Erhalt des Status-quo kämpft, als erneute Eroberungen und damit erhöhte Einnahmen.

Ein weiterer wichtiger Faktor, vor allem in der frühen Kaiserzeit, bildete das sogenannte patrimonium caesaris, das „Privatvermögen“ des Kaisers. Immer wieder wurden den Kaisern persönliche Geschenke gemacht, wodurch diese enormen Reichtum anhäufen konnte und da zwischen Staatseigentum und persönlichem Eigentum des Kaisers kein Unterschied bestand, bzw. es laut Tacitus[6] egal war, ob man Geldeinnahmen dem Fiskus oder dem Kaiser überschreiben würde, können diese direkt als Staatseinnahmen angesehen werden. Auch besaßen die Kaiser durch Enteignung oder Erbe sowohl Land als auch Gutshöfe, Steinbrüche oder sonstige „Nebenerwerbsquellen“, die sie, so gut es ihnen möglich war, nutzten[7]. Herrscherwechsel fanden in der Zeit des 3. Jahrhunderts durch die Soldatenkaiser allerdings sehr häufig statt. Tatsächlich kamen die Kaiser teilweise auch aus einfachem Stand, sodass bezweifelt werden kann und muss, dass sie viele Möglichkeiten hatten, Geld durch Geschenke oder Erbe anzuhäufen. Dies erscheint für eine Zeit dynastischer Kontinuität und stetigem Erbe wahrscheinlicher als für das 3. Jahrhundert.

Natürlich gibt es noch weitere große und kleine Einnahmequellen des Fiskus, wie z.B. Geldgeschenke an den Kaiser (collationes). Bei der Vielzahl der Einnahmen und Relativierungen bleibt jedoch festzuhalten, dass sich, im Großen und Ganzen, im Laufe der Zeit, bis zu Beginn des 3. Jahrhunderts, die Einnahmen des Staates deutlich erhöht haben. Es ist davon auszugehen, dass um 150 n. Chr. Ausgaben in Höhe von 832-983 Mio. HS bezahlbar waren und gerade einmal 65 Jahre später knapp 1,462 oder 1,613 Mill. HS zur Verfügung standen[8].

I.3. Der Staatshaushalt – Ausgaben

Alle Einnahmen des Staates sind jedoch wenig interessant ohne die dazugehörenden Ausgaben. Eine Bewertung ist erst nach einem Vergleich der beiden Posten möglich, erst dann lässt sich abschätzen ob wir von einem stabilen System mit geregelten und ausgewogenen Ein- und Ausnahmen reden können. Die Ausgaben sind weit besser verzeichnet, als die Einnahmen, trotzdem sollen exemplarisch nur zwei Punkte genannt werden.

Das Gros der Ausgaben wurde für das Militär getätigt und trotz vieler Unsicherheiten über Truppenstärken lassen sich die Kosten relativ gut schätzen. Der Sold stieg im Laufe der Jahrhunderte deutlich an[9]. Dies ist möglicherweise, in den erfolgreichen Phasen, mit erhöhter Beute zu erklären. Andere Überlegungen zielen in die Richtung, dass der Heeresdienst nicht attraktiv genug war und durch Solderhöhungen die Attraktivität gesteigert wurde[10]. Dass der Sold jedoch auch bei geringeren Staatseinnahmen und außenpolitischen Misserfolgen nicht sank, lag mit hoher Wahrscheinlichkeit an der Angst vor den Soldaten. Wer den Sold kürzt, macht sich zwangsläufig unbeliebt und gerade im 3. Jahrhundert hatten die meisten Kaiser die persönliche Erfahrung gemacht, dass ihre Soldaten wenig zimperlich waren einen neuen Kaiser auszurufen und gegen den Alten ins Feld zu ziehen[11]. Von ihrem Sold erhielten die Soldaten allerdings nur den geringsten Teil, es gab massive Abzüge für Materialkosten und Verpflegung, weiterhin Abzüge für verpflichtende Ansparungen der Soldaten in Sparkonten[12]. Neben Soldzahlung gab es weitere Ausgaben, wie donativa, die beim Regierungsantritt eines neuen Kaisers ausgegeben wurden, oder Entlassungsgelder bei vollständiger Ableistung des Pflichtdienstes. Insgesamt scheint es angemessen zwischen 14 n.Chr. und 84 n. Chr. von c.a. 500 Mio. HS Militärausgaben zu sprechen, die sich bis zur Zeit Caracallas etwa verdreifacht haben[13].

Einen ganz anderen, aber sehr interessanten, Posten bildet die „Freigebigkeit des Kaisers“. Die stadtrömische Bevölkerung erhielt ansehnliche Mengen an monatlichen Getreidezahlungen, die congiaria. Dies ist durchaus nachvollziehbar, schließlich war die plebs urbana eine der drei kaiserlichen Machtsäulen. Freigebigkeit und Großzügigkeit gegenüber der stadtrömischen Bevölkerung wurde sowohl gewünscht, als auch gerne demonstriert. Aus diesem Grund gab es noch andere Zeichen der Freigebigkeit, wie zum Beispiel die missilia. Ähnlich, wie bei einem modernen Faschingsumzug warf der Kaiser Bargeld oder Sachgeschenke in die Menschenmassen, besonders Nero soll für diese, heute verschwenderisch anmutende, Gebärde bekannt gewesen sein[14].

[...]


[1] Drexhage, Wirtschaft, S. 28.

[2] Ebd., S. 43.

[3] Galsterer, Steuern, in: DNP, S. 984/2.

[4] Ebd., S. 982/2.

[5] Drexhage, Wirtschaft, S. 45.

[6] Tac. Ann. VI, 2,1.

[7] Drexhage, Wirtschaft, S. 46.

[8] Ebd., S. 48.

[9] Ebd., S. 49.

[10] De Blois, Soldiers‘ Pay, S. 95f.

[11] Für das ökonomische Verhältnis von Kaiser und Heer vgl. auch: Hartmann, Herrscherwechsel, S. 84-87.

[12] Drexhage, Wirtschaft, S. 179.

[13] Ebd., S. 52.

[14] Ebd., S. 55.

Ende der Leseprobe aus 16 Seiten

Details

Titel
Wirtschaftskrise im 3. Jahrhundert nach Christus?!
Hochschule
Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg
Note
1,3
Autor
Jahr
2011
Seiten
16
Katalognummer
V195190
ISBN (eBook)
9783656210566
ISBN (Buch)
9783656211853
Dateigröße
655 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
wirtschaftskrise, jahrhundert, christus
Arbeit zitieren
Thomas Hasfelder (Autor), 2011, Wirtschaftskrise im 3. Jahrhundert nach Christus?!, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/195190

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