Der Hostile Media Effect

Die Rolle des Publikums


Hausarbeit, 2011

13 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Gliederung

1. Einführung

2. Grundannahmen und zentrale empirische Befunde

3. Die Rolle des Publikums
3.1 Dimensionen des Publikums
3.1.1 Experience of Exposure
3.1.2 Size of Audience
3.1.3 Social Structure
3.2 Befunde

4. Fazit

Literatur

1. Einführung

Oft werden Journalisten mit dem Vorwurf konfrontiert, sie würden subjektiv angefärbt berichten und eine neutrale mediale Berichterstattung impraktikabel machen. Schließlich wurde der Einfluss medialer Komponenten hinterfragt, da vermutet wurde, die Problematik dieser Vorwürfe sei nicht (oder nur teilweise) durch die Journalisten selber herbeigeführt worden. Insbesondere der US-amerikanische Präsidentschaftswahlkampf im Jahr 1980 warf wiederholt das Thema der media bias auf: Die Bürger nutzten die Gelegenheit sich über Radio- und TV-Stationen sowie Leserbriefe zu Wort zu melden und beschwerten sich über die einseitige Berichterstattung durch die Medien während der Kampagne. Auffällig hierbei war, dass diese Beschwerden nicht nur aus einem Wahlkampflager kamen. Stattdessen meldeten sich Personen aus allen Lagern, die der Ansicht waren, ihr Kandidat würde durch die Darstellung in den Medien benachteiligt werden (Vallone, Ross, & Lepper, 1985).

Im Zuge dessen befassten sich Vallone et al. (1985) mit dem als Hostile Media Effect bezeichneten Phänomen und konnten durchaus Hinweise in ihrer Studie finden, dass Personen dazu neigten, die Berichterstattung als zu ihren Ungunsten verzerrt zu betrachten. Mehrere Hypothesen über die zugrunde liegenden Mechanismen wurden bereits erforscht, insgesamt lassen sie sich aber als nicht hinreichend gesichert betrachten.

Ein Punkt, der in den neueren Studien aufgegriffen wurde, ist die Annahme, der Effekt würde nur bei einer massenmedialen Präsentation auftreten. Dies wirft die Frage nach dem Rezeptionspublikum, beziehungsweise spezieller dem Co-Publikum, auf, welches in einer massenmedialen Kommunikation von den Rezipienten mental repräsentiert wird. Hartmann (2012) beschäftigte sich in seiner experimentellen Studie genau mit dieser Frage und arbeitete zuvor verschiedene Einfluss-Dimensionen des Publikums heraus.

Ziel dieser Ausarbeitung ist es, im ersten Teil einen Überblick über die Grundannahmen des Hostile Media Effects zu geben und den aktuellen Forschungsstand bezüglich der ihn auslösenden Mechanismen aber auch möglicher moderierender Variablen aufzuzeigen. Im zweiten Teil rückt das Publikum als Forschungsgegenstand in den Vordergrund: Die Dimensionen des Publikums werden nach Hartmann und Dohle (2005) erklärt und schließlich hinsichtlich empirischer Befunde interpretiert.

2. Grundannahmen und zentrale empirische Befunde

Die auffällige kritische Rückmeldung der Rezipienten während des US-amerikanischen Präsidentschaftswahlkampfs veranlasste Vallone, Lepper und Ross (1981, zit. n. Vallone et al., 1985) dazu, eine Telefonbefragung durchzuführen. Die Ergebnisse zeigten, dass ein Großteil, nämlich 66% der Befragten, der Meinung war, die Medien seien fair und objektiv gewesen. Vom letzten Drittel äußerten dagegen fast alle, ihr eigener Kandidat würde von den Medien negativ dargestellt werden. In einer weiteren Studie beschäftigten sich die Autoren daher intensiver mit der Frage, ob die Rezipienten tatsächlich glaubten, die Medienberichterstattung würde durch die Auswahl der Argumente ihre eigene Position negativer darstellen, als die der gegnerischen Position. Dies widerspricht der bis dahin angenommenen Tendenz, man würde eher Informationen suchen und für wahr halten, die den eigenen Standpunkt unterstützen (vergleiche u.a. Wason, 1968). In ihrer Studie konnten Vallone et al. (1985) den Hostile Media Effect demonstrieren, denn sowohl die pro-Israelischen als auch die pro-Arabischen Teilnehmer glaubten, der rezipierte Filmbeitrag über das Beirut-Massaker würde mehr negative als positive Argumente über die eigene Position aufzeigen und neutrale Betrachter dazu bringen, die ihnen entgegengesetzte Position zu favorisieren. In weiteren Studien über den Präsidentschaftswahlkampf konnten dagegen keine Anzeichen für den Hostile Media Effect gefunden werden, woraus die Forscher schlossen, dass es in diesen Fällen nicht gegebene notwendige Variablen für das Auftreten des Effekts geben muss (Vallone et al., 1985).

Zwei mögliche Mechanismen wurden bereits von Vallone et al. (1985) untersucht: Das Phänomen der different standards – sie selber bezeichneten den Effekt noch als differing evaluation – findet auf der kognitiv-evaluativen Ebene statt, denn es besagt, die Rezipienten würden die gleichen Inhalte wahrnehmen, aber die Argumente der gegnerischen Position als unfair und unangemessen betrachten. Letzteres basiert auf der Annahme, dass innerhalb der Berichterstattung der Teil an Argumenten, der für die jeweils eigene Position spricht, als unverhältnismäßig klein im Vergleich zur tatsächlichen Masse an verfügbaren Informationen gesehen wird. Allerdings merkten die Forscher bereits an, sie würden die different standards nicht als hinreichende Variable für den Hostile Media Effect sehen. Die zweite postulierte Möglichkeit betrifft dagegen die perzeptuelle Ebene. Die Idee der differing perceptions or recollections geht davon aus, dass die Versuchspersonen unterschiedliche Stimuli wahrnehmen und behalten. In ihrer Studie zum Beirut-Massaker schlossen sie aus den Ergebnissen, dass beide Mechanismen auf unterschiedliche Weise am Hostile Media Effect beteiligt wären. Im weiteren Verlauf der Forschung wurden die differing perceptions or recollections als zwei Mechanismen getrennt betrachtet und untersucht. Giner-Sorolla und Chaiken (1994) unterschieden selective categorization und selective recall: Ersteres nimmt an, die Rezipienten würden sich zwar an die gleichen Dinge wie Argumente oder Bilder erinnern, aber speziell die neutralen Stimuli unterschiedlich einordnen. Stimuli, die nicht eindeutig die eigene Position unterstützen, werden somit als gegnerisch gewertet. Der selective recall besagt dagegen, dass Informationen, die der eigenen Haltung widersprechen salienter bleiben und somit leichter zu erinnern sind.

Giner-Sorolla et al. (1994) kritisierten, dass die zugrunde liegenden Mechanismen noch immer unklar seien und fügten daher zu den Mechanismen, die Vallone et al. (1985) in Betracht zogen, schließlich eine vierte Möglichkeit hinzu. Ausgehend von der Annahme, dass die eigene Haltung eine gewichtige Bedeutung für den Hostile Media Effect hat, ziehen sie in Erwägung, sogenannte prior beliefs könnten eine wichtige Rolle bei der Bewertung von Nachrichtenmaterial spielen. Denn wenn Rezipienten – durch ihre vermeintliche Erfahrung - von vorneherein glauben, die Medien seien subjektiv und würden keine zuverlässige Berichterstattung bieten, kann genau diese Erwartungshaltung einen Einfluss auf die Perzeption der Inhalte haben. In ihrer Studie fragten sie daher auch prior beliefs ab und führten Recall- und Recognition-Tests durch. Die Ergebnisse ihrer Studie werteten sie insgesamt als positiv für die Annahme der prior beliefs als Einflussfaktor auf den Hostile Media Effect. Sie konnten dagegen keine Hinweise für den selective recall oder auch die selective categorization finden. Die Daten zeigten sogar das Gegenteil auf: Das Erinnerte unterstützte eher die eigene Position statt der feindlichen. Darüber hinaus merkten sie an, die Teilnehmer seien zu einem geringeren Grad involviert gewesen als zum Beispiel die Teilnehmer an der Studie von Vallone et al. (1985).

Schmitt, Gunther und Liebhart (2004) empfanden den Hostile Media Effect durch vorhergegangene Befunde als ausreichend bestätigt und fokussierten sich daher in ihrer Studie nur auf die noch ungeklärten Mechanismen, die ihm zugrunde liegen. Schmitt et al. (2004) sahen in der Studie von Vallone et al. (1985) großen Interpretationsspielraum, dennoch sprachen die Ergebnisse in ihren Augen entweder für den selective recall oder aber für die selective categorization. Giner-Sorolla et al. (1994) deuteten ihre Befunde dagegen im Sinne der different standards. Da sie diese Befunde insgesamt als unzureichend betrachteten, griffen Schmitt et al. (2004) die drei Mechanismen auf, um ihre Gültigkeit bezüglich des Hostile Media Effects empirisch zu untersuchen. Ihre eigenen Ergebnisse sahen sie als Hinweis auf die selective categorization als zugrundeliegenden Mechanismus und regten an, andere Möglichkeiten wie die prior beliefs noch näher zu analysieren.

Vallone et al. (1985) erklärten sich die fehlenden unterstützenden Befunde aus den Studien zum Präsidentschaftswahlkampf damit, dass das Thema für die Teilnehmer nicht mehr relevant genug sei, um einen Effekt zu evozieren. In ihrer Studie über das Beirut Massaker legten die Forscher daher Wert darauf, mit Versuchspersonen zu arbeiten, die zu einem hohen Grad in die Thematik involviert waren. Ihre Ergebnisse zeigten auf, dass ein höheres Involvement bei den Versuchsteilnehmern dazu führte, die Medien als stärker gegen sich gerichtet zu betrachten. Um die Variable Involvement weiter auszudifferenzieren, merkten sie aber an, dass das Wissen über den Sachverhalt nicht weniger wichtig sei als die emotionale Involviertheit. Dies wurde in späteren Studien wieder aufgegriffen und argumentiert, dass ein höheres Involvement oft mit gefestigteren Meinungen einhergeht. Perloffs (1989) Ergebnisse unterstrichen dabei den angenommenen Einfluss des eigenen Involvements und zeigten auf, dass der Einfluss der Massenmedien auf andere Personen im Sinne des third-person-effects überschätzt wird. Auch gilt das Auftreten des Hostile Media Effects als wahrscheinlicher, wenn das Thema Konfliktpotenzial für ein größeres öffentliches Publikum birgt (D’Alessio, 2003, zit. n. Hartmann, 2012).

[...]

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Details

Titel
Der Hostile Media Effect
Untertitel
Die Rolle des Publikums
Hochschule
Universität zu Köln  (Sozialpsychologie II: Kommunikations- und Medienpsychologie )
Veranstaltung
Medienrezeption- und wirkung
Note
1,3
Autor
Jahr
2011
Seiten
13
Katalognummer
V195198
ISBN (eBook)
9783656210542
ISBN (Buch)
9783656212164
Dateigröße
459 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
hostile, media, effect, rolle, publikums
Arbeit zitieren
Frauke Fabelje (Autor), 2011, Der Hostile Media Effect, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/195198

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