Grundgedanken über Vagheit

Epistemische Sichtweise und Verschärfungstheorie


Hausarbeit (Hauptseminar), 2007

15 Seiten, Note: 1,7


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

A. Begriffs- und Theoriebestimmungen
I. Theorien von Vagheit
1. Die epistemische Theorie von Vaghe
a. Was ist Vagheit?
b. Ablehnen der Prämissen
c. Vagheit ist Unwissenheit
2. Verschärfungstheorie
a. Superwahrheit
b. Satz vom ausgeschlossenen Dritten

B. Epistemische Theorie versus Verschärfungstheor
I. Superwahrheit und Verschärfungstheor
1. Wahrheitswerte und -bedingungen
a. Unbekannter Dritte
b. Grenzlinie und Schärfung
c. Vagheit höherer Ordnun
II. Übereinstimmungen und Unstimmigkeit

C. Ergebnisse und Beurteilung

Literaturverzeichnis

Fine, Kit (1996): Vagueness, truth and logic. In: Vagueness: A Reader, hrsg. v. Keefe, Rosanna; Smith, Peter. Massachusetts. S. 119-150.

Sainsbury, Richard Mark (2001): Paradoxien. Erweiterte Ausgabe. Stuttgart. S. 41 - 65.

Standford Encyclopedia of Philosophy: Online-Quelle: http://plato.stanford.edu/entries/logic- epistemic/ zuletzt überprüft: 06.04.2007.

Ders.: http://plato.stanford.edu/entries/vagueness/ zuletzt überprüft: 06.04.2007.

Sorensen, Roy (2001): Vagueness and Contradiction. Oxford und New York.

Williamson, Timothy (1996): Vagueness and ignorance. In: Vagueness: A Reader, hrsg. v. Keefe, Rosanna; Smith, Peter. Massachusetts. S. 265-280.

Ders. (1994): Vagueness. New York.

Wittgenstein, Ludwig (1968): Philosophical Investigations. Oxford.

Grundgedankenüber Vagheit - Epistemische Sichtweise und Verschärfungstheorie

„Philosophy may in no way interfere with the actual use of language; it can in the end only describe it.“ (Wittgenstein 1968: 49 e )

Einleitung

„There is wide agreement that a term is vague to the extent that it has borderline cases. This makes the notion of a borderline case crucial in accounts of vagueness.” (Standford Encyclopedia of Philosophy: http://plato.stanford.edu/entries/vagueness/#5). Ein Begriff oder eine Aussage wird demnach als vage bezeichnet, sobald ein Grenzfall vorliegen kann, d.h. es ist nicht möglich, eine scharfe Linie zu ziehen, zwischen dem Fall, auf den die Eigenschaft (des Begriffs, der Aussage) zutrifft, der Extension, und dem Fall, auf den sie nicht zutrifft, der Anti-Extension. Während bei präzisen Begriffen Extension und Anti-Extension scharf aneinander grenzen, scheint es bei vagen Begrif- fen eine Art Grauzone zu geben: „In Grenzfällen ist es ganz einfach keine Tatsache: Es steht nicht fest, dass der Mann groß ist oder nicht, die Ansammlung ein Haufen ist oder nicht, die Farbe rot ist oder nicht.“ (Sainsbury 2001: 43). Diese Unbestimmtheit von Begrifflichkeiten und Aussagen macht eine Differenzierung hinsichtlich des Wahrheitsgehaltes im Grunde unmöglich, da sie von der Situation, in der sie zutrifft, eben nicht zu unterscheiden ist von der Situation, in der sie nicht zutrifft. Vagheit darf jedoch nicht mit Mehrdeutigkeit verwechselt werden, mehr dazu jedoch an passender Stelle (s. S. 3).

Nach der „Haufenparadoxie“, die ein klassisches Beispiel der Sorites-Paradoxien ist, - „die grie- chische Bezeichnung für ,Haufen’ - sor ó s - hat dazu geführt, dass das Wort ,Sorites’ häufig zur Bezeichnung aller Paradoxien dieser allgemeinen Gattung verwendet wird.“ (Sainsbury 2001: 41)

- trifft der Begriff „Haufen“ auf eine Ansammlung von vielen Sandkörnern zu. Es gibt aber auch Ansammlungen von Sandkörnern auf die die Beurteilung „Haufen“ nicht zutrifft, weil zu wenige Sandkörner vorhanden sind - aber ab wann ist ein Haufen ein Nicht-Haufen? Wo liegt der Über- gang von Eigenschaften, die auf einen Gegenstand zutreffen und Eigenschaften, die auf einen Gegenstand nicht zutreffen? Ist es möglich diese Linie klar zu präzisieren? Um mögliche Ant - worten auf diese Fragen zu geben, möchte ich zwei Theorien, die das Problem der Vagheit auf unterschiedliche Weise zu lösen bzw. zu umgehen versuchen, dar- und gegenüberstellen: die epistemische Theorie von Vagheit (Timothy Williamson) und die Verschärfungstheorie (Kit Fine). Zuvor jedoch müssen zum besseren Verständnis einige Begriffs- und Theoriebestimmungen vorgenommen werden. Das obige Zitat von Wittgenstein habe ich mir ausgesucht, da er mit diesem Fazit aus seinen Philosophischen Untersuchungen sehr schön verdeutlicht, dass der Gebrauch von Wörtern für uns häufig unwissend bleibt. Gerade beim Auftreten der Vagheit wissen wir nicht, wie wir Wörter zu verwenden haben. Erst durch den Versuch der Beschreibung können diese in ihrer Semantik fix werden (s.a. S. 3).

A. Begriffs- und Theoriebestimmungen

I. Theorien von Vagheit

1. Die epistemische Theorie von Vagheit

„Epistemic logic is the logic of knowledge and belief. It provides insight into the prop erties of individual knowers, has provided a means to model complicated scenarios involving groups of knowers and has improved our understanding of the dynamics of inquiry.” (http://plato.stanford.edu/entries/logic-epistemic/). Die epistemische Logik, die wie die formale Logik eine Form der Aussagenlogik ist, beschäftigt sich demnach - im Gegensatz zur formalen Logik - nicht mit dem Wahrheitsgehalt einer Aussage, sondern mit dem Glauben und Wissen.

Timothy Williamson, ein Verfechter eben dieser Theorie, hat sich u.a. in seinem Buch „Vagueness“ ausführlich damit auseinandergesetzt.

Als v age werden Wörter bezeichnet, die gewöhnlich - wie bereits erwähnt - Grenzfälle zulassen. Der epistemische Theoretiker ist überzeugt, dass vage Prädikate wie „Haufen“, „dünn“, „rot“ oder „kahlköpfig“ semantisch so zu verwenden sind wie präzise Begriffe - „Was ihre Semantik betrifft, sind vage Wörter ganz so wie präzise: Sie ziehen scharfe Grenzen.“ (Sainsbury 2001: 54) - und sind daher in der Lage, die Grenzlinie zu „Nicht-Haufen“, „nicht-dünn“ etc. zu ziehen - auch wenn epistemisch unklar ist, wo diese liegt.

Warum nun das, was offenbar nicht präzise erscheint nach der epistemischen Theorie von Vagheit tatsächlich präzise ist, soll im Folgenden mit untersucht werden.

a. Was ist Vagheit?

In seinem Aufsatz „Vagueness and ignorance“ erläutert Williamson eine andere Auffassung von Vagheit, die dem gewöhnlichen, alltäglich verwendeten Verständnis von Vagheit widerspricht, was wie folgt lautet: „A term is said to be vague only if it can have a borderline case, and a case is said to be borderline only if our inability to decide it does not depend on ignorance.“ (1996: 270). Der Satz „’TW is thin’“ (ebd.: 271) werde - wie das Prädikat Haufen - gewöhnlich als „,borderline ’ case“ (ebd.), Grenzfall, bezeichnet und sei dem allgemeinen Verständnis nach als vage zu benennen (vgl. ebd.: 271). Vage Begriffe machen es uns - wie bereits erwähnt - unmöglich zu sagen, ab wann ihre Bestandteile zu der Menge von Objekten gehören, die auf einen Gegenstand zutreffen und ab wann sie zur negativen Extension des Begriffs gehören. Nehmen wir ein auf den Sorites passendes Exempel: Stellen wir bspw. mehrere Personen nach ihrer Größe geordnet nebeneinander auf, „jede ein wenig kleiner als die vorherige, dann gibt es keine Person, welche die letzte wäre, auf die das Wort ,groß’ wirklich zutrifft, und keine Person, welche die erste wäre, auf die das Wort wirklich nicht zutrifft.“ (Sainsbury 2001: 43). Dieser Auslegung zufolge ist Vagheit „ein semantisches Phänomen.“ (ebd.), welches aufzeigt, dass der Gebrauch unserer Wörter nicht fix ist bzw. wir die exakte Bezeichnung nicht immer festlegen müssen oder können; wir darüber unwissend sind.

Bei vagen Begriffen können wir also nicht unterscheiden, ob ein Gegenstand des Prädikates not- wendiges Bestandteil eben dieses Prädikates ist oder nicht. Doch ist nicht jeder Ausdruck vage, nur weil wir seine genaue Verwendung nicht kennen bzw. der Sinngehalt der Aussage nicht ver- deutlicht wird: Der Satz Person A istüberdurchschnittlich gro ß verliert seinen (angeblichen) Vagheitsmoment, sobald vergegenwärtigt wird, gegenüber welchen weiteren Personen oder Personengruppen Person A [...]überdurchschnittlich gro ß ist. Auch ist Vagheit nicht mit Mehr- deutigkeit zu verwechseln, welche entsteht, wenn der Gebrauch von Wörtern uns ebenfalls un- wissend ist: Bspw. das Wort Bank - gemeint kann sein die Sitzbank oder das Geldinstitut - oder der Satz: Ein Junggeselle ist ein Mann, dem zum Glück noch die Frau fehlt, kann heißen a) „Eine Frau würde ihn glücklich machen.“ oder b) „Gott sei Dank hat er keine Frau.“. Unsere Unwissenheit über den Gebrauch der Wörter schwindet, sobald wir ihre Konnotation präzisieren. Bei vagen Begriffen ist diese Veranschaulichung jedoch nicht so leicht möglich. Es gibt ver- schiedene Ansätze und Überzeugungen, was Vagheit ist. Manche sagen Vagheit entstehe nur dann, und nur dann, wenn der Begriff Grenzfälle zulassen kann, andere sind überzeugt Vagheit gehe einher mit Ungläubigkeit. Es gibt verschiedene Ansätze, die versuchen das Problem der Vagheit zu umgehen. Timothy Williamson bspw. vertritt die Ansicht, dass Vagheit nichts anderes ist, als eine besondere Art von Unwissenheit: „For all we know, vagueness is a kind of ignorance.“ (1996: 265). Der epistemischen Theorie von Vagheit zufolge „gibt es sogar in Grenz- fällen eine Tatsache, wenn auch eine Tatsache, die wir nie wissen können.“ (Sainsbury 2001: 44).

[...]

Ende der Leseprobe aus 15 Seiten

Details

Titel
Grundgedanken über Vagheit
Untertitel
Epistemische Sichtweise und Verschärfungstheorie
Hochschule
Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt am Main  (Institut für Philosophie)
Veranstaltung
Philosophische Paradoxien
Note
1,7
Autor
Jahr
2007
Seiten
15
Katalognummer
V195211
ISBN (eBook)
9783656209492
ISBN (Buch)
9783656212072
Dateigröße
470 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Verschärfungstheorie, Vagheit, Epistemische Sichtweise, Logik, Paradoxien, Unwissenheit, Superwahrheit, Satz vom ausgeschlossenen Dritten, Grauzone, Grenzlinie, Schärfungen, Vagheit höherer Ordnung, Wittgenstein, Sainsbury, Prämisse, Williamson, Haufen, Nicht-Haufen, Extension, Anti-Extension
Arbeit zitieren
Jennifer Giwi (Autor:in), 2007, Grundgedanken über Vagheit, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/195211

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