Die Rolle Internationaler Unternehmen in Entwicklungsländern. Ausbeuter oder Entwicklungshelfer?


Hausarbeit, 2002

21 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

INHALTSVERZEICHNIS

ABKÜRZUNGSVERZEICHNIS

1. EINLEITUNG
1.1 THEMA
1.2 LÖSUNG

2. DIE VERTEILUNG VON AUSLÄNDISCHEN DIREKT INVESTITIONEN

3. ENTWICKLUNG DURCH AUSLÄNDISCHE DIREKTINVESTITIONEN?
3.1 WACHSTUMSSPEZIFISCHE EINFLUSSBEREICHE
3.1.1 Impulse auf die Zahlungsbilanz
3.1.2 Technologietransfer
3.1.3 Impulse auf Markt- und Wettbewerbsstruktur
3.2 ENTWICKLUNGSPARAMETER JENSEITS DES WACHSTUMS
3.2.1 Arbeitskonditionen
3.2.2 Umwelt
3.2.3 Soziokulturelle Entfaltung

4. SCHLUSSFOLGERUNG

LITERATURVERZEICHNIS

ANHANGSVERZEICHNIS

ABKÜRZUNGSVERZEICHNIS

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1. Einleitung

1.1 Thema

"Die Rolle Internationaler Unternehmen in Entwicklungsländern. Ausbeuter oder Entwicklungshelfer?" 12

1.2 Lösung

Die Analyse ist auf Internationale Unternehmen (IU) der Industrieländer begrenzt, die als Arbeitgeber in Entwicklungsländern auftreten. Folglich ist die Wirkung von Ausländischen Direktinvestitionen (ADI) auf die Entwicklung der Zielländer3 Gegenstand dieser Arbeit.

IU treten in verschiedener Weise und mit unterschiedlichen Absichten in die Entwicklungsmärkte ein, zudem bieten die aufnehmenden Länder völlig ungleiche Voraussetzungen. Alle genannten Variablen beeinflussen die Rolle IU in Entwicklungsländern. Um eine möglichst homogene Gruppe von IU untersuchen zu können, ist die Analyse auf sogenannte effizienzsuchende4 Investitionen begrenzt. Rohstoffsuchende- und marktsuchendeInvestitionen bleiben außen vor.5 Dabei werden Aspekte der Markteintrittsformen: M&A und Greenfield Investment berücksichtigt.6

Wenngleich in der Literatur keine Einigung über die eigentliche Bedeutung des Begriffs "Entwicklung" herrscht, so wird er doch häufig als direkt korrespondierend mit dem Begriff "Wachstum" verstanden.7 Ausgehend von dieser Annahme soll zunächst auf die Relation zwischen ADI und Wirtschaftswachstum eingegangen werden. Die Wirkung von ADI auf das Wachstum hängt aber nicht nur isoliert von der Wirtschaftsleistung der Auslandsinvestition ab. Vielmehr können durch die Aktivität der ADI komplexe Impulse auf Zahlungsbilanz, Technologie sowie Markt- und Wettbewerbsstruktur des Empfängerlandes ausgehen, die wiederum das nachhaltige Wirtschaftswachstum determinieren. Deshalb wird der Einfluss von IU auf die genannten Aspekte einzeln analysiert.

Darüber hinaus müssen in Bezug auf die Fragestellung, ob IU die Rolle als Entwicklungshelfer oder Ausbeuter in Entwicklungsländern inne haben, zudem der Einfluss von ADI auf die Arbeitskonditionen, die Umwelt und die soziokulturelle Entwicklung der Entwicklungsländer untersucht werden. Diese Sichtweise wird unter anderem von der durch die UNO etablierte Initiative "Globaler Pakt" unterstützt.8

2. Die Verteilung von Ausländischen Direkt Investitionen

Der Anteil der Entwicklungsländer von ca. 1/3 der in den letzten Jahren weltweit geflossenen ADI ist in hohem Maße ungleich auf die einzelnen Regionen der Dritten Welt verteilt. Während Lateinamerika, Südostasien und die Entwicklungsländer von Zentral- und Osteuropa zusammen mehr als 90% der an die Dritte Welt fließenden ADI aufnehmen, sind die ärmsten Entwicklungsländer der Welt von diesem Einfluss nahezu ausgeschlossen.9 IU spielen demnach durch ADI nur dort eine nennenswerte Rolle wo schon ein bestimmtes Maß an Wachstumspotential vorhanden ist.

3. Entwicklung durch Ausländische Direktinvestitionen?

Gemäß der in der "Lösung" getroffenen Annahme, dass Entwicklung direkt mit Wachstum korrespondiert, ist es zunächst von Interesse welche Wirkung allgemein ADI auf das Wirtschaftswachstum des Empfängerlandes haben. Hierzu gibt es eine Vielzahl von empirischen Untersuchungen, die in ihren Ergebnissen zwar zu unterschiedliche Ausmaßen des Wachstumseffektes von ADI kommen aber dennoch gemeinsam eine tendenziell positive Wachstumswirkung diagnostizieren.10 Die im Jahr 2000 für die OECD veröffentlichte Studie von Marcelo Soto "Capital flows and growth in developing countries" zeigt für den Zeitraum 1986 -1997 für eine Auswahl von insgesamt 44 Entwicklungsländern11, dass ein einprozentiger Zuwachs der ADI in Relation zum BIP ein kurzfristiges Wirtschaftswachstum von 0,16 % und langfristig von 0,6 % induziert.12

Dieses und die Ergebnisse ähnlicher Studien müssen aber unter der Beachtung bewertet werden, dass sie lediglich für den in der Studie betrachteten Zeitraum und die betrachteten Länder zutreffen. Zudem behandeln sie ADI als ein homogenes Phänomen13 und vernachlässigen somit die eigentlichen Faktoren, die in bedeutendem Maße über die Erreichung des Ziels der nachhaltigen Entwicklung entscheiden.

3.1 Wachstumsspezifische Einflussbereiche

Was die im vorigen Kapitel genannten Studien nicht vermitteln, nämlich die Rolle IU im Bereich der Zahlungsbilanz, im Technologietransfer sowie ihre Wirkung auf Markt- und Wettbewerbsstrukturen der Empfängerländer von ADI, soll im Folgenden erörtert werden.

3.1.1 Impulse auf die Zahlungsbilanz

Im Bereich der Zahlungsbilanz müsste eigentlich auf den Einfluss ADI auf Kapitalbilanz und Leistungsbilanz getrennt eingegangen werden; da aber die Auswirkungen auf die Leistungsbilanz stark mit dem Themenbereich Markt- und Wettbewerbsstruktur korrelieren, werden diese Aspekte erst später behandelt.

Die erste Auswirkung auf die Kapitalbilanz ergibt sich bei ADI direkt aus dem Kapitaltransfer vom Industrieland in das Entwicklungsland für den Neuaufbau oder die Übernahme eines Unternehmens. Nur zu einem kleinen Teil wird das Investitionskapital in Entwicklungsländern aufgenommen und damit kein Kapitaltransfer vom Ausland ins Entwicklungsland bewirkt.14

Die Summe der Einzahlungen aus Anfangs- und Folgeinvestitionen steht der Summe der Rückzahlungen an das Industrieland gegenüber. Rückzahlungen umfassen an das Industrieland rückfließende Gewinne, Kredittilgung und Kreditzinsen sowie Zahlungen aus Unternehmensschließungen. Im World Investment Report 2000 berichtet die UNCTAD für jeden von Entwicklungsländern repatriierten Dollar einen Investitionszufluss von vier Dollar.15 Diese Aussage wird allerdings durch die Nutzung des Instruments der Transferpreise von Seiten der IU relativiert. Transferpreise für konzerninterne Transaktionen werden von IU manipuliert, um verdeckt Gewinne in andere Länder zu transferieren.16 Dieser Mechanismus verhindert die Registrierung des tatsächlichen Gewinntransfers in den Zahlungsbilanzen und den Bilanzen der Unternehmen. Die direkte Folge sind neben der negativen Auswirkung auf die Zahlungsbilanz sinkende Steuereinnahmen des Entwicklungsstaates. Diese eindeutig als Ausbeutung anzusehende Praxis wird durch eine 1990 veröffentlichte Studie des US States House of Representatives bestätigt. Hierbei wurden unter knapp 40 IU ca. 20 Unternehmen ausgemacht, die über einen Zeitraum von zehn Jahren quasi keine Steuern gezahlt hatten.17

3.1.2 Technologietransfer

Der durch Technologietransfer mögliche Beitrag von ADI zur Entwicklung wird als wichtigster Bestandteil der von IU ausgehenden Entwicklungshilfe angesehen.

Tatsächlich besteht ein hohes Potential für Entwicklungsländer in diesem Zusammenhang von der Präsenz IU zu profitieren, da IU regelmäßig über weitaus fortgeschrittene Technologien und Know-How im Bereich der Produktion, Forschung und Managementsysteme verfügen.18

Nun liegt es aber in der Natur des gewinnmaximierenden Unternehmens, interne Ressourcen und Fähigkeiten vor dem gegenwertslosen Transfer an Unternehmensexterne zu schützen.

Trotzdem bewirken ADI indirekt Technologietransfers, wenn mit einheimischen Unternehmen kooperiert wird oder einheimische Arbeitskräfte eingesetzt werden. Dieser als "spill-over"19 bezeichnete Effekt wird aber durch die Tatsache reduziert, dass IU technologieintensive Produktion und vor allem Forschung und Entwicklung in Industrieländern betreiben, während einfache Produktion und Montage innerhalb der Wertschöpfungskette in Entwicklungsländern ausgeführt wird.20 Laut United Nations Library on Transnational Corporations wurden 1982 von IU ledig 2 % der weltweit unternommenen F&E Aktivitäten aber 12 % weltweiter Fertigungsproduktion in Entwicklungsländern ausgeführt.21 Der Trade and Development Report, 2002 der UNCTAD sagt in diesem Zusammenhang: "Statistics showing a considerable expansion of technology-intensive, supply-dynamic, high-value-added exports from developing countries are misleading.", da die entscheidenden, technologieintensiven Komponenten aus Industrieländern importiert würden, um dann das fertige Produkt aus den Entwicklungsländern zu exportieren.22

Auf der einen Seite kann hierbei also von Entwicklungshilfe gesprochen werden, da zumindest im Anfangsstadium der Industrialisierung auch niedrigqualifizierte Arbeit zu Wachstum führen kann. Auf der anderen Seite besteht die Gefahr für Entwicklungsländer, durch diese Form der Arbeitsteilung als "verlängerte Werkbank"23 benutzt zu werden und somit aufgrund mangelnder Diversifizierung in eine Abhängigkeit zu geraten.24

Ein Gegenbeispiel zu der dargestellten Tendenz repräsentiert die Akquisition des angeschlagenen koreanischen Unternehmens Samsung Heavy Industires durch den schwedischen Konzern Volvo. Der Standort Korea dient seit 1998 als globales F&E Zentrum für Volvos Sparte construction equipment.25

3.1.3 Impulse auf Markt- und Wettbewerbsstruktur

Die Einflüsse von ADI auf Markt- und Wettbewerbsstruktur sind außerordentlich komplex. ADI können zur Verdrängung oder zur Stimulierung lokaler Unternehmen führen, sie können Import-Export Verhältnisse verändern und zur Anziehung weiterer ADI beitragen.

[...]


1 Abkürzung vom Verfasser definiert

2 Siehe: Anhang I - Definitionen zu Begiffen des Titels, S. 16

3 Zielländer = Empfängerländer = Entwicklungsländer = Dritte Welt

4 Der Ausdruck "Effizienz" bezieht sich dabei i.d.R. auf Kostenvorteile aus dem Produktionsfaktor Arbeit.

5 Siehe: Nunnenkamp, Peter: Kieler Diskussionsbeiträge, Foreign direct investments in developing countries. Kiel 2001, S.9

6 M&A = Mergers & Acquisitions = Fusionen und Übernahmen, Greenfield Investment = Neuaufbau

7 Entgegen der dargestellten Auffassung vertritt bspw. Wolfgang Sachs den Ansatz, dass jeder Versuch, Entwicklung normativ zu definieren, die Funktion impliziere, "alle Gesellschaften auf eine von den Entwicklungsländern vorgezeichnete Bahn der Geschichte zu platzieren", siehe: Hein, Wolfgang: Unterentwicklung - Krise der Peripherie, Obladen 1998, S. 148.

8 Siehe: (Internet) UNO - Globaler Pakt - Die neun Grundsätze des Paktes

9 Siehe: Anhang II - Verteilung von Ausländischen Direktinvestitionen, S. 17

10 Siehe: Nunnenkamp, Peter: Kieler Diskussionsbeiträge, Foreign direct investments in developing countries. Kiel 2001, S.16

11 Siehe: Anhang III - Länder der OECD - Studie, S. 18

12 Siehe: (Internet) OECD - Marcelo Soto, Capital flows and growth in developing countrries, 2000

13 Siehe: Nunnenkamp, Peter: Kieler Diskussionsbeiträge, Foreign direct investments in developing countries. Kiel 2001, S.16

14 Siehe: UNCTAD [Hrsg.]: World Investment Report - Transnational Corporations and Competitiveness, New York, Genf 1995, S. 143

15 Siehe: UNCTAD [Hrsg.]: World Investment Report - Cross-boarder Mergers and Acquisitions and Development, New York, Genf 2000, S. 165

16 Hein, Wolfgang: Unterentwicklung - Krise der Peripherie, Obladen 1998, S.173.

17 Siehe: Dicken, Peter: Global Shift, New York, London 1998, S. 247

18 United Nations [Hrsg.]: Transnational Corporations and World Development, New York, London, 1996,

S. 181

19 Siehe: Kumar, Nagesh: Globalization, Foreign Direct Investment and Technology Transfers, New York, London 1998, S.116

20 Siehe: ebd., S. 115

21 Siehe: United Nations Library on Transnational Corporations [Hrsg.], Bd. 18: Technology Transfer to developing countries, New York, London 1994, S. 419f

22 Siehe: (Internet) UNCTAD - Trade and Development Report, New York, Genf 2002, S. 53

23 Siehe: Körner, Heiko: Direktinvestitionen und exportorioentierte Industrialisierung in

Entwicklungslämdern. Korreferat, in Behrens, Peter, Die Entwicklungsländer im Zeitalter der Globalisierung, Gesellschaft für Wirtschafs- und Sozialwissenschaften [Hrsg.], Berlin 1996, Bd. 245, S. 122

24 Dieser Mechanismus wird als "Heckscher-Ohlin-Falle" bezeichnet. Siehe: Rölike, Arndt: Diskussion zu den Referaten von Erich Gundlach, Peter Nunnenkamp und Heilo Körner in: Behrens, Peter, Die Entwicklungsländer im Zeitalter der Globalisierung, Gesellschaft für Wirtschafs- und Sozialwissenschaften [Hrsg.], Berlin 1996, Bd. 245 S.131

25 Siehe: UNCTAD [Hrsg.]: World Investment Report - Cross-boarder Mergers and Acquisitions and Development, New York, Genf 2000, S.178

Ende der Leseprobe aus 21 Seiten

Details

Titel
Die Rolle Internationaler Unternehmen in Entwicklungsländern. Ausbeuter oder Entwicklungshelfer?
Hochschule
Hochschule Mainz  (Wirtschaftswissenschaften)
Veranstaltung
Internationale Wirtschaftsbeziehungen
Note
1,0
Autor
Jahr
2002
Seiten
21
Katalognummer
V19522
ISBN (eBook)
9783638236218
Dateigröße
566 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Die Analyse ist auf Internationale Unternehmen (IU) der Industrieländer begrenzt, die als Arbeitgeber in Entwicklungsländern auftreten. Folglich ist die Wirkung von Ausländischen Direktinvestitionen (ADI) auf die Entwicklung der Zielländer Gegenstand dieser Arbeit.
Schlagworte
Rolle, Internationaler, Unternehmen, Entwicklungsländern, Ausbeuter, Entwicklungshelfer, Internationale, Wirtschaftsbeziehungen
Arbeit zitieren
Johannes Hartmann (Autor), 2002, Die Rolle Internationaler Unternehmen in Entwicklungsländern. Ausbeuter oder Entwicklungshelfer?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/19522

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