1.1 Thema
"Die Rolle Internationaler Unternehmen in Entwicklungsländern. Ausbeuter oder
Entwicklungshelfer?"2
1.2 Lösung
Die Analyse ist auf Internationale Unternehmen (IU) der Industrieländer begrenzt, die als
Arbeitgeber in Entwicklungsländern auftreten. Folglich ist die Wirkung von Ausländischen
Direktinvestitionen (ADI) auf die Entwicklung der Zielländer3 Gegenstand dieser Arbeit.
IU treten in verschiedener Weise und mit unterschiedlichen Absichten in die
Entwicklungsmärkte ein, zudem bieten die aufnehmenden Länder völlig ungleiche
Voraussetzungen. Alle genannten Variablen beeinflussen die Rolle IU in Entwicklungsländern.
Um eine möglichst homogene Gruppe von IU untersuchen zu können, ist die Analyse auf
sogenannte effizienzsuchende4 Investitionen begrenzt. Rohstoffsuchende- und marktsuchende-
Investitionen bleiben außen vor.5 Dabei werden Aspekte der Markteintrittsformen: M&A und
Greenfield Investment berücksichtigt. 6
Wenngleich in der Literatur keine Einigung über die eigentliche Bedeutung des Begriffs
"Entwicklung" herrscht, so wird er doch häufig als direkt korrespondierend mit dem Begriff
"Wachstum" verstanden.7 Ausgehend von dieser Annahme soll zunächst auf die Relation
zwischen ADI und Wirtschaftswachstum eingegangen werden. Die Wirkung von ADI auf das
Wachstum hängt aber nicht nur isoliert von der Wirtschaftsleistung der Auslandsinvestition ab.
Vielmehr können durch die Aktivität der ADI komplexe Impulse auf Zahlungsbilanz, Technologie sowie Markt- und Wettbewerbsstruktur des Empfängerlandes ausgehen, die
wiederum das nachhaltige Wirtschaftswachstum determinieren. Deshalb wird der Einfluss von
IU auf die genannten Aspekte einzeln analysiert. [...]
2 Siehe: Anhang I - Definitionen zu Begiffen des Titels, S. 16
3 Zielländer = Empfängerländer = Entwicklungsländer = Dritte Welt
4 Der Ausdruck "Effizienz" bezieht sich dabei i.d.R. auf Kostenvorteile aus dem Produktionsfaktor Arbeit.
5 Siehe: Nunnenkamp, Peter: Kieler Diskussionsbeiträge, Foreign direct investments in developing countries.
Kiel 2001, S.9
6 M&A = Mergers & Acquisitions = Fusionen und Übernahmen, Greenfield Investment = Neuaufbau
7 Entgegen der dargestellten Auffassung vertritt bspw. Wolfgang Sachs den Ansatz, dass jeder Versuch,
Entwicklung normativ zu definieren, die Funktion impliziere, "alle Gesellschaften auf eine von den
Entwicklungsländern vorgezeichnete Bahn der Geschichte zu platzieren", siehe: Hein, Wolfgang:
Unterentwicklung - Krise der Peripherie, Obladen 1998, S. 148.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
1.1 Thema
1.2 Lösung
2. Die Verteilung von Ausländischen Direkt Investitionen
3. Entwicklung durch Ausländische Direktinvestitionen?
3.1 Wachstumsspezifische Einflussbereiche
3.1.1 Impulse auf die Zahlungsbilanz
3.1.2 Technologietransfer
3.1.3 Impulse auf Markt- und Wettbewerbsstruktur
3.2 Entwicklungsparameter jenseits des Wachstums
3.2.1 Arbeitskonditionen
3.2.2 Umwelt
3.2.3 Soziokulturelle Entfaltung
4. Schlussfolgerung
Zielsetzung und Themen der Arbeit
Das Hauptziel dieser Arbeit besteht darin, die Rolle internationaler Unternehmen aus Industrieländern als Arbeitgeber in Entwicklungsländern kritisch zu beleuchten und zu untersuchen, ob sie primär als Entwicklungshelfer oder als Ausbeuter agieren. Die Forschungsfrage fokussiert dabei auf die Auswirkungen von ausländischen Direktinvestitionen auf verschiedene ökonomische und soziale Faktoren in den Zielländern.
- Analyse der Wirkung ausländischer Direktinvestitionen auf das Wirtschaftswachstum in Entwicklungsländern.
- Untersuchung der Einflussbereiche Zahlungsbilanz, Technologietransfer sowie Markt- und Wettbewerbsstruktur.
- Betrachtung von Entwicklungsparametern jenseits des Wachstums, wie Arbeitsbedingungen und Umwelteinflüsse.
- Bewertung soziokultureller Auswirkungen und der Manipulation von Konsumverhalten.
- Diskussion des Einflusses internationaler Initiativen, wie dem "Globalen Pakt" der UNO.
Auszug aus dem Buch
3.1.2 Technologietransfer
Der durch Technologietransfer mögliche Beitrag von ADI zur Entwicklung wird als wichtigster Bestandteil der von IU ausgehenden Entwicklungshilfe angesehen.
Tatsächlich besteht ein hohes Potential für Entwicklungsländer in diesem Zusammenhang von der Präsenz IU zu profitieren, da IU regelmäßig über weitaus fortgeschrittene Technologien und Know-How im Bereich der Produktion, Forschung und Managementsysteme verfügen. Nun liegt es aber in der Natur des gewinnmaximierenden Unternehmens, interne Ressourcen und Fähigkeiten vor dem gegenwertslosen Transfer an Unternehmensexterne zu schützen.
Trotzdem bewirken ADI indirekt Technologietransfers, wenn mit einheimischen Unternehmen kooperiert wird oder einheimische Arbeitskräfte eingesetzt werden. Dieser als "spill-over" bezeichnete Effekt wird aber durch die Tatsache reduziert, dass IU technologieintensive Produktion und vor allem Forschung und Entwicklung in Industrieländern betreiben, während einfache Produktion und Montage innerhalb der Wertschöpfungskette in Entwicklungsländern ausgeführt wird. Laut United Nations Library on Transnational Corporations wurden 1982 von IU ledig 2 % der weltweit unternommenen F&E Aktivitäten aber 12 % weltweiter Fertigungsproduktion in Entwicklungsländern ausgeführt.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Definiert den Rahmen der Analyse, begrenzt auf effizienzsuchende Investitionen internationaler Unternehmen, und stellt die Kernfrage nach der Rolle als Entwicklungshelfer oder Ausbeuter.
2. Die Verteilung von Ausländischen Direkt Investitionen: Zeigt die ungleiche globale Verteilung der Investitionen auf, wobei die ärmsten Entwicklungsländer weitgehend von ADI-Zuflüssen ausgeschlossen bleiben.
3. Entwicklung durch Ausländische Direktinvestitionen?: Untersucht empirisch und theoretisch die positiven Wachstumseffekte von ADI und die komplexen, teilweise problematischen Einflussbereiche für die Zielländer.
3.1 Wachstumsspezifische Einflussbereiche: Analysiert detailliert die Auswirkungen auf Zahlungsbilanz, Technologietransfer sowie Markt- und Wettbewerbsstrukturen.
3.1.1 Impulse auf die Zahlungsbilanz: Beleuchtet das Verhältnis zwischen Investitionszuflüssen und Repatriierungen von Gewinnen sowie die Problematik manipulierter Transferpreise.
3.1.2 Technologietransfer: Diskutiert das Potenzial für Know-How-Transfer und die Einschränkungen durch den Schutz interner Unternehmensressourcen sowie die Konzentration auf einfache Produktionsschritte.
3.1.3 Impulse auf Markt- und Wettbewerbsstruktur: Erörtert die komplexen Effekte von Markteintrittsformen wie M&A und Greenfield FDI auf lokale Unternehmen.
3.2 Entwicklungsparameter jenseits des Wachstums: Erweitert die Perspektive um soziale und ökologische Faktoren, die für eine nachhaltige Entwicklung wesentlich sind.
3.2.1 Arbeitskonditionen: Untersucht die quantitativen und qualitativen Effekte von Beschäftigung durch internationale Unternehmen sowie Lohn- und Weiterbildungsaspekte.
3.2.2 Umwelt: Analysiert den Ressourcenverbrauch und die Umweltbelastung durch internationale Unternehmen sowie die Rolle von Umwelttechnologietransfers.
3.2.3 Soziokulturelle Entfaltung: Beleuchtet den Einfluss auf familiäre Strukturen und das Konsumverhalten in Entwicklungsländern.
4. Schlussfolgerung: Kommt zu dem Ergebnis, dass keine pauschale Klassifizierung der Unternehmen möglich ist, da sie je nach Kontext sowohl entwicklungsfördernde als auch ausbeuterische Aspekte aufweisen.
Schlüsselwörter
Internationale Unternehmen, Entwicklungsländer, ausländische Direktinvestitionen, ADI, Wirtschaftswachstum, Technologietransfer, Zahlungsbilanz, Arbeitsbedingungen, Umweltbelastung, Globaler Pakt, Entwicklungshilfe, Spill-over Effekt, Markteintrittsformen, Greenfield Investment, M&A.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht die ökonomischen und sozialen Auswirkungen von internationalen Unternehmen aus Industrieländern auf ihre Standorte in Entwicklungsländern, wobei die zentrale Frage ist, ob diese Unternehmen eher zur Entwicklung beitragen oder ausbeuterisch wirken.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themen sind die Verteilung von Direktinvestitionen, der Einfluss auf das Wirtschaftswachstum, Technologietransfer, Marktstrukturen, Arbeitsbedingungen, Umweltauswirkungen und soziokulturelle Veränderungen.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das primäre Ziel ist es, auf Basis einer theoretischen und empirischen Analyse zu klären, ob internationale Unternehmen in Entwicklungsländern als Entwicklungshelfer oder Ausbeuter zu klassifizieren sind.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine Literaturanalyse, die aktuelle Studien und Berichte internationaler Organisationen wie UNCTAD, OECD und UNO heranzieht, um die verschiedenen Facetten der Auslandsinvestitionen zu bewerten.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Im Hauptteil werden zunächst die ökonomischen Effekte (Zahlungsbilanz, Technologie, Wettbewerb) und anschließend die nicht-monetären Entwicklungsparameter (Arbeitsqualität, Umwelt, Kultur) detailliert analysiert.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird durch Begriffe wie ADI (Ausländische Direktinvestitionen), internationale Unternehmen, Entwicklungsländer, Wachstumseffekte und Spill-over-Effekte charakterisiert.
Wie wirken sich M&A und Greenfield-Investitionen unterschiedlich auf die Entwicklung aus?
Die Arbeit verdeutlicht, dass Greenfield-Investitionen eher zu neuen Arbeitsplätzen führen, während M&A oft Umstrukturierungen mit Entlassungspotenzial zur Folge haben und unterschiedliche Importabhängigkeiten schaffen können.
Welche Rolle spielen NGOs und Initiativen wie der "Globale Pakt" der UNO?
Die Arbeit sieht in diesen Programmen eine Möglichkeit für internationale Unternehmen, sich öffentlich als verantwortungsbewusst (Entwicklungshelfer) zu präsentieren, stellt jedoch deren begrenzte Reichweite und Wirkung kritisch infrage.
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- Johannes Hartmann (Author), 2002, Die Rolle Internationaler Unternehmen in Entwicklungsländern. Ausbeuter oder Entwicklungshelfer?, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/19522