Populismus im Mehrparteiensystem ist ein interessantes Forschungsgebiet der heutigen Politikwissenschaft. Es bietet nicht nur genug Lücken bzw. Uneinigkeit bezüglich der Populismustheorien, die eine weitere Untersuchung notwendig machen, auch ist es stets von aktuellster Bedeutung. Die verschiedenen Parteien entwickeln sich im Laufe der Zeit auch immer weiter und sind ständigen Kurs- und Stilwechseln unterworfen. Die Frage, ob sie dabei populistische Züge tragen, kann daher oft nur eine temporäre Bestandsaufnahme sein.
Wie schon erwähnt ist das Thema der Populismusforschung deswegen so interessant, weil es keine allgemein anerkannten, gültigen Theorienkonstrukte zu diesem Thema gibt. Vielfach gibt es Ansätze, die klären sollen, ob Populismus eine Frage des Inhalts oder nur der Form sei, welche Mindestvoraussetzungen ein Populismusbegriff mit sich bringt und auf wen diese Definition nun zutrifft. Oftmals kann es hilfreich sein, dazu die Geschichte zu untersuchen und aus den vielen verschiedenen populistischen Strömungen der Vergangenheit die wesentlichen Merkmale zu extrahieren und sie wie ein Raster auf die zu untersuchenden Objekte anzuwenden.
Neben einem Streit über die Frage, inwiefern die deutschen Nationalsozialisten im „Dritten Reich“, Populisten waren, herrscht jedoch Einigkeit darüber, dass die Mehrzahl von heutigen Bewegungen oder Parteien aus dem rechten politischen Spektrum stammen. Es ist eine Vielzahl an Literatur zu Rechtspopulisten in Europa vorhanden, die sich oftmals auch mit deren Vertretern in der Bundesrepublik Deutschland auseinandersetzt.
Warum die Forschung über Populismus im linken Spektrum eher zurücksteht, kann nur vermutet werden. Möglicherweise gibt es einfach mehr Vertreter im rechten Lager, vielleicht trat der moderne Linkspopulismus erst später auf die politische Bühne, oder die Forschung wie auch die Öffentlichkeit sehen historisch bedingt im rechten Parteienspektrum eine größere Gefahr für die Demokratie.
Diese Frage muss auch nicht abschließend beantwortet werden, jedoch macht sie die Erforschung der populistischen Merkmale in der Linkspartei zu einem lohnenden Forschungsziel.
Inhaltsverzeichnis
Einleitung
Materialien, Methoden und These
Der Populismusbegriff
Historie
Merkmale des Populismusbegriffs
Zusammenfassung
Untersuchung der Partei „Die Linke“
Ideologeme
Volksbegriff vs. Eliten
Sündenbocktheorie
Direkte Demokratie
Fazit und Schlussfolgerung
Literaturverzeichnis
Häufig gestellte Fragen
Was kennzeichnet Linkspopulismus?
Linkspopulismus zeichnet sich durch die Gegenüberstellung von „dem Volk“ und „den Eliten“ (meist Wirtschaftseliten) sowie die Forderung nach radikaler sozialer Gerechtigkeit aus.
Gilt die Linkspartei als populistische Partei?
Die Forschung untersucht bei der Linkspartei Merkmale wie die Sündenbocktheorie (z.B. Neoliberalismus) und die Forderung nach mehr direkter Demokratie.
Was ist der Unterschied zwischen Rechts- und Linkspopulismus?
Rechtspopulismus grenzt oft ethnisch oder national aus, während Linkspopulismus primär sozioökonomische Gegensätze (Arm gegen Reich) betont.
Was versteht man unter der „Sündenbocktheorie“?
Die Zuschreibung komplexer gesellschaftlicher Probleme auf eine spezifische Gruppe oder ein System, wie zum Beispiel „die Banker“ oder „den Kapitalismus“.
Ist Populismus eine Gefahr für die Demokratie?
Das ist umstritten; er kann als Korrektiv wirken, indem er vergessene Themen anspricht, oder Institutionen durch Vereinfachung und Polarisierung schwächen.
- Citation du texte
- Sven Ursinus (Auteur), 2012, Die populistischen Merkmale der Linkspartei, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/195270