Das Herstellen von Baugruben und Gräben stellt in der Regel einen Eingriff in die vorliegende Bodenstruktur dar. Der Boden befindet sich vor dem Eingriff im Gleichgewicht. Durch Sicherungsmaßnahmen muss dieser Gleichgewichtszustand erhalten werden.
Bei einer Störung des Gleichgewichts werden Kräfte frei, die Erdmassen in Bewegung setzen. Personen, die von abrutschenden Massen getroffen werden, sind in höchster Gefahr. Allgemein werden die Geschwindigkeit des hereinbrechenden Materials, die Berechenbarkeit des Störfalls und die auftretenden Kräfte unterschätzt. Unfälle, die selbst bei Grabentiefen von 1,20 m tödlich ausgingen, beweisen das.
Zur Sicherung von Erdwänden stehen mehrere Möglichkeiten zur Verfügung:
• Anlegen von Böschungen
• Verbau von Erdwänden
• Bodenverfestigung
Sicherheitstechnische Festlegungen enthalten die
• UVV "Bauarbeiten" (BGV C22, bisher VBG 37) und die
• DIN 4124 Baugruben und Gräben.
Inhaltsverzeichnis
Vorwort
1 Bauvorbereitung
1.1 Erkundung des Baugrunds
1.2 Bestehende Bauliche Anlagen, Versorgungsleitungen
1.3 Beweissicherung
1.4 Unterlagen
1.5 Bauleitung
2 Allgemeine sicherheitstechnische Regeln für Baugruben und Gräben
2.1 Bauunterlagen
2.2 Ausführung nach DIN 4124 und nach Unfallverhütungsvorschrift Bauarbeiten (BGV C 22)
2.3 Mindestabstände zwischen Fahrzeugen, Baugeräten und Böschungs- und Verbaukanten
2.4 Kampfmittelbelastung
2.5 Vorhandene Altlasten –kontaminierte Böden
3 Geböschte Baugruben und Gräben
3.1 Baugruben und Gräben bis höchstens 1,25 m Tiefe
3.2 Baugruben und Gräben bis höchstens 1,75 m Tiefe
3.3 Nachweis der Standsicherheit bei besonderen Einflüssen und Gegebenheiten
3.4 Weitere Maßnahmen
4 Verbaute Baugruben und Gräben
4.1 Verbauarten
4.2 Die Verkleidung von freigelegten Erdwänden
4.3 Baugruben und Gräben bis 1,75 m Tiefe
4.4 Stirnwände von Gräben
4.5 Verbau - Details
4.6 Trägerbohlwände
4.6.1 Details der Ausfachung
4.7 Spundwandverbau
4.8 Massive Verbauarten
4.9 Spritzbetonbauweise
4.10 Bodenverfestigung
4.11 Aussteifungen und Verankerungen der Verbauwände
4.12 Abweichungen von den Regeln der DIN 4124
5 Grabenverbaugeräte
5.1 Bauarten der Grabenverbaugeräte
5.2 Begriffe
5.3 Regelungen
5.4 Einbau der Grabenverbaugeräte
5.5 Einzelheiten zum Einbau des Verbaus in senkrechter Richtung
5.6 Einzelheiten zum Einbau des Verbaus in waagerechter Richtung
5.7 Streben
6 Waagerechter und senkrechter Grabenverbau
6.1 Waagerechter Grabenverbau
6.2 Senkrechter Grabenverbau
6.2.1 Senkrechter Grabenverbau mit Holzbohlen
6.2.2 Senkrechter Grabenverbau mit Kanaldielen
7 Grabenloses Bauen
8 Arbeitsraumbreiten in Baugruben und Gräben
9 Regelwerke, Informationen
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit dient der praxisorientierten Vermittlung sicherheitstechnischer Standards beim Erstellen von Baugruben und Gräben unter besonderer Berücksichtigung der Anforderungen der DIN 4124 in der Fassung vom Januar 2012. Ziel ist es, die Gefahren beim Erdaushub zu minimieren und technisch sowie rechtlich korrekte Verfahren für die Standsicherung zu erläutern.
- Sicherheitstechnische Grundanforderungen für Baugruben und Gräben
- Verfahren zur Böschung und Standsicherung von Baugruben
- Methoden des Grabenverbaus (waagerecht, senkrecht, Spezialverfahren)
- Regelungen für Grabenverbaugeräte und Arbeitsraumbreiten
- Rechtliche Grundlagen und relevante DIN-Normen
Auszug aus dem Buch
1.1 Erkundung des Baugrunds
Soweit der vorhandene Baugrund nicht bereits aufgrund anderer durchgeführter Baumaßnahmen ausreichend bekannt ist, sind zu seiner Erkundung z.B. Sondierungen, Bohrungen oder Schürfungen durchzuführen. Von Interesse sind dabei die vorhandenen Bodenarten, ihre Schichtfolge, Dicke der Schichten und deren Lage (horizontal, einfallend), Lagerungsdichte usw. Wichtig für die Sicherung der Erdwände ist die Frage nach der (evtl. vorübergehenden) Standfestigkeit des Bodens.
Bei der Beurteilung des Grundwasserspiegels ist zu klären, ob er konstant, gespannt ist oder ob mit Schichtenwasser zu rechnen ist. Zu berücksichtigen ist ferner, dass sich der natürliche Böschungswinkel einiger Bodenarten je nach Feuchtigkeitsgehalt ändert.
Zusammenfassung der Kapitel
Bauvorbereitung: Dieses Kapitel erläutert die notwendigen Schritte wie Baugrunderkundung, Beweissicherung und die Planung von Baustellenlogistik vor Beginn der Erdarbeiten.
Allgemeine sicherheitstechnische Regeln für Baugruben und Gräben: Hier werden die grundlegenden Anforderungen an Bauunterlagen, Abstände zu Maschinen sowie der Umgang mit Altlasten und Kampfmitteln definiert.
Geböschte Baugruben und Gräben: Der Fokus liegt auf der Herstellung von unverbauten Baugruben durch definierte Böschungswinkel und entsprechende Sicherheitsabstände.
Verbaute Baugruben und Gräben: Es werden verschiedene Verfahren für den Bau von Stützwänden, wie Trägerbohlwände, Spundwände und Spritzbeton, detailliert beschrieben.
Grabenverbaugeräte: Dieses Kapitel behandelt die verschiedenen Typen von Verbaugeräten, ihre Bauarten sowie die spezifischen Einbauregeln für das senkrechte und waagerechte Einbringen.
Waagerechter und senkrechter Grabenverbau: Detaillierte Anleitung für den manuellen Verbau mit Holzbohlen oder Kanaldielen zur Absicherung der Grabenwände.
Grabenloses Bauen: Kurzer Überblick über moderne, unbemannte Vortriebsarten, um Verkehrsströme aufrechtzuerhalten.
Arbeitsraumbreiten in Baugruben und Gräben: Festlegung der notwendigen Arbeitsraummaße, um Arbeitssicherheit und ergonomische Bedingungen während der Bauphase zu gewährleisten.
Regelwerke, Informationen: Zusammenstellung der maßgeblichen DIN-Normen, Richtlinien und technischen Informationen für die sichere Planung und Durchführung von Erdarbeiten.
Schlüsselwörter
Baugruben, Gräben, DIN 4124, Standsicherheit, Erdaushub, Böschungswinkel, Verbauarten, Trägerbohlwand, Grabenverbau, Arbeitssicherheit, Grundwasser, Bodenverfestigung, Spundwand, Bauleitung, Bodenmechanik
Häufig gestellte Fragen
Was ist das zentrale Ziel dieser Arbeit?
Die Arbeit soll Fachleuten und Anwendern die sicherheitstechnischen Regeln für Baugruben und Gräben gemäß der DIN 4124 (Ausgabe 2012) praxisnah vermitteln.
Welche Themenfelder werden abgedeckt?
Die Publikation umfasst die gesamte Prozesskette von der Bauvorbereitung über geböschte und verbaute Bauweisen bis hin zu speziellen Verbaugeräten und Anforderungen an den Arbeitsraum.
Welche wissenschaftlichen oder technischen Grundlagen werden genutzt?
Als primäre Grundlage dient die DIN 4124 sowie ergänzende Normen wie die DIN EN 1997-1, DIN 1054 und verschiedene Unfallverhütungsvorschriften (UVV).
Worum geht es bei der Beweissicherung?
Sie dient dazu, vorab bestehende Schäden an angrenzenden Gebäuden zu dokumentieren, um unberechtigte Regressansprüche nach Aushubarbeiten abzuwehren.
Welche Verbauarten werden unterschieden?
Das Dokument unterscheidet zwischen einfachen Verbaugeräten, waagerechtem/senkrechtem Verbau mit Holzbohlen oder Kanaldielen sowie massiven Verbauarten wie Spund-, Schlitz- und Bohrpfahlwänden.
Wie werden die Anforderungen an den Arbeitsraum definiert?
Es werden Mindestbreiten und lichte Höhen festgelegt, um sowohl die Arbeitssicherheit als auch die Erreichbarkeit von Flucht- und Rettungswegen sicherzustellen.
Unter welchen Voraussetzungen dürfen Baugruben bis 1,25 m ungesichert bleiben?
Dies ist nur zulässig, wenn bestimmte Anforderungen an die Bodenbeschaffenheit und die Abstände zu angrenzenden Verkehrslasten oder Bauwerken eingehalten werden.
Was ist bei der Verwendung von Holzverbau zu beachten?
Holzverbau muss den Anforderungen der Sortierklasse S 10 entsprechen, fachgerecht eingebaut werden und ist bei Verbleib im Boden auf die Gefahr des Verrottens zu prüfen.
Warum ist die Unterscheidung der Bodenarten wichtig?
Die Bodenbeschaffenheit (bindig/nicht bindig, feuchtigkeitsabhängig) bestimmt maßgeblich den erforderlichen Böschungswinkel und die Wahl des notwendigen Verbauverfahrens.
- Citation du texte
- Dipl.-Ing. Univ. Christian Steiger (Auteur), 2012, Arbeitssicherheit: Baustellensicherung gemäß DIN 4124 Baugruben und Gräben und weiterer Vorschriften, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/195385