Das Dilemma im System

Wie man Dilemmastrukturen begegnen kann


Hausarbeit (Hauptseminar), 2011
18 Seiten, Note: 1,7

Leseprobe

Inhaltverzeichnis

1. Eine Entscheidung mit Folgen

2. Spieltheorie

3. Wege aus dem Dilemma

4. Fazit

5. Anhang 1, Utilitarismus

6. Anhang 2, Dilemma in der Abendplanung

7. Literaturverzeichnis

1. Eine Entscheidung mit Folgen

„Entscheiden heißt, sich angesichts alternativer Möglichkeiten auf eine bestimmte Handlungsweise (oder ein Unterlassen) festzulegen.“[1]

Doch was bedeutet es, sich zwischen zwei[2] alternativen Handlungsmöglichkeiten zu entscheiden? Mit welchem Ziel wähle ich eine Handlung(sunterlassung)?

Entscheide ich mich zwischen zwei Handlungen, bin ich z.B. versucht die Handlung zu wählen, die mir selbst den größeren Nutzen[3] verspricht.

Ich werde mir mit Sicherheit keine Katze kaufen, wenn ich von meiner schlimmen Katzenhaar-Allergie weiß. Ich werde aber vielleicht in eine andere Stadt ziehen, um an der besten Universität für meinen gewählten Fachbereich zu studieren oder zu arbeiten, wenn es mir mehr Vorteile, als Nachteile einbringt. Am Ende einer Entscheidung steht also eine Kosten-Nutzen-Rechnung und die gewählte Handlung hatte „unter'm Strich“ mehr Vorteile für mich als eine Handlung, die ich in diesem Prozess der Ergebnisoptimierung ausgeschlossen habe.

Wie man eine Entscheidung treffen kann, die das bestmögliche Ergebnis mit sich bringt, und Grundsätzliches über den Weg einer Entscheidung beschreibt die Entscheidungstheorie. Sie „ist Bestandteil vieler Wissenschaftszweige. Besonders die Logik, die Mathematik und die Philosophie haben sie geprägt.“[4]

Ein Zweig der Entscheidungstheorie ist die Spieltheorie, die Gegenstand meiner weiteren Behandlung sein wird. Sie möchte ich verwenden, um die Problemstruktur des berühmten Gefangenendilemmas zu erläutern, das ich auf wirtschaftliche und soziale Interaktionen übertragen möchte. „Dilemmastrukturen sind ein Konzept, das die Unwahrscheinlichkeit von Ordnung zum Ausgangspunkt der wissenschaftlichen Beobachtung macht.“[5] Sie als Modell zu verwenden stellt eine Vereinfachung der realen Zustände dar, ist aber für ein Grundverständnis der Probleme in Interaktionen hilfreich. Ich möchte in Ansätzen darstellen wie der Ausweg aus einer Dilemmastruktur, als mögliche Lösung für z.B. wirtschaftliche Schwierigkeiten gesehen werden kann. Nun genauer zur Spieltheorie.

2. Spieltheorie

Entscheidungen werden nicht nur im Privaten getroffen, sondern durch Institutionen, Menschen des öffentlichen Lebens und Unternehmensvertreter. Und diese Entscheidungen stehen nicht isoliert, sondern haben Konsequenzen für das Entscheidungsverhalten anderer Akteure. Es ist hierbei jedoch nicht so, dass man immer auf die Entscheidung eines anderen re-agieren kann, sondern vielmehr dessen möglichen (Spiel)Züge imaginieren muss, um die beste Antwortstrategie zu wählen. Solche Entscheidungssituationen lassen sich durch das bekannte Gefangenendilemma illustrieren. Die hierbei auftretenden Probleme der „Zwei-Personen-Gesellschaft des Modells [werden] auf die Realität der anonymen Großgesellschaft mit Markt und Wettbewerb und heute auf die Weltgesellschaft“[6] übertragen und vererbt.

2.1 Das Gefangenendilemma

Ich orientiere mich für meine Darstellung des Gefangenendilemmas an Morton D. Davis[7].

Zwei Männer (Albert und Brutus), die illegale Waffen mit sich tragen, werden von der Polizei aufgegriffen und getrennt voneinander verhört. Sie stehen unter Verdacht gemeinsam ein Verbrechen begangen zu haben. Die beiden Männer haben nun jeweils zwei Möglichkeiten - sie können die Tat gestehen oder sie können schweigen. Die Entscheidungen haben folgende Konsequenzen:

1. Wenn einer der beiden gesteht, der andere jedoch nicht, profitiert der Geständige von der sogenannten Kronzeugenregelung und kommt frei. Der Andere erhält eine Gefängnisstrafe von 20 Jahren.
2. Wenn beide gestehen, müssen beide für fünf Jahre ins Gefängnis.
3. Wenn beide schweigen, kommen sie für den unerlaubten Waffenbesitz jeweils für ein Jahr ins Gefängnis.

Daraus ergibt sich folgende Tabelle:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Die grau unterlegten Felder stellen den Ergebnisraum dar, die Zahlen stellen die Gefängnisstrafe in Jahren dar. Die Strafe für Albert ist durch die erste, die für Brutus durch die zweite der Zahlen in einem Feld festgehalten.

Beide Festgenommenen sitzen nun je allein im Verhör und denken über ihre Aussage nach. Albert denkt sich, dass es besser für ihn wäre zu gestehen, wenn Brutus dies ebenfalls tut (, denn 5 < 20). Doch auch, wenn Brutus schweigt, ist es für Albert besser, zu gestehen (, denn 0 < 1). Die selben Überlegungen gelten in umgekehrter Weise für Brutus. Es ist also für beide rational zu gestehen, egal was der andere tut. Das Ergebnis eines Geständnisses ist immer besser als das des Schweigens. Entscheiden jedoch beide nach dieser rationalen Abwägung und gestehen, müssen beide für fünf Jahre ins Gefängnis, was nicht das bestmögliche Ergebnis ist (, denn 5 > 1). Und hier liegt das Dilemma: Handeln beide für sich rational, erreichen sie nicht das beste Ergebnis. Hier sieht man also „eine Grenze des rationalen Egoismus bzw. des direkten Nutzenmaximierens“[8].

Will man also rational handeln, führen die individuellen Überlegungen (erkennbar in der Spalte bzw. der Zeile) und die Überlegungen über den gesamten Ergebnisraum zu unterschiedlichen Resultaten. Ich als Individuum sollte gestehen, wir als Team oder Einheit sollten gemeinsam schweigen.

2.2 Begriffserklärungen

Die spieltheoretischen Merkmale, die sich in diesem Dilemma darstellen, möchte ich durch einige Begriffserklärungen deutlich machen:

Dominanz

Eine Entscheidungsalternative ist dominant, wenn sie auf jede mögliche Entscheidung des Gegenspielers die bestmögliche Antwort ist.

(Nash-)Gleichgewicht

Eine Strategiekombination (also das Zusammenfallen der Entscheidungen beider Spieler) ist im Gleichgewicht, wenn sie für jeden Spieler die beste Antwort auf die gewählte Strategie des Gegners ist. Hier hat also keiner der Spieler einen Grund, als Einziger seine Strategie zu wechseln, da dies nur mit Verlusten einher gehen würde. Somit ist das Feld gA gB im Gleichgewicht, denn ein Spieler allein kann sein Ergebnis durch Strategiewechsel nur verschlechtern.

Ein Spiel ohne Gleichgewicht zeichnet sich dadurch aus, dass es keine gemeinsame Strategie gibt, die für alle Beteiligten die beste Wahl ist. Oder anders gesagt: Jede mögliche Strategie kann für einen der beiden Spieler immer verbessert werden.

Pareto-Effizienz

Ein Ergebnisfeld ist pareto-effizient, wenn es keine andere Strategie gibt, die einen Spieler besser stellt ohne einen anderen Spieler gleichzeitig schlechter zu stellen. Liegen also zwei Gleichgewichte vor, ist das pareto-effiziente zu wählen, da es beide Spieler besser stellt.

Was folgt aus diesen Begriffen und was soll ich tun, wenn ich vor einer Spielentscheidung stehe?

2.3 Strategisches Vorgehen:

1) Schauen Sie voraus und schließen Sie von dort zurück[9] bzw. finden Sie Ihre dominante Strategie.

2) Wenn Sie eine dominante Strategie haben, dann spielen sie diese.

3) Streichen sie alle dominierten Strategien aus ihren Überlegungen und fahren sie so sukzessive fort.

→ Schritt zwei und drei vermindern die Komplexität des Spiel. Sind sie vollständig vollzogen, kann es nicht weiter vereinfacht werden.

4) Sind die ersten drei Schritte vollzogen, ist es sinnvoll, ein Gleichgewicht anzustreben.

[...]


[1] Jörg Hardy: Entscheidung; in: Peter Prechtl, Franz-Peter Burkard (Hg.): Metzler Lexikon Philosophie. Stuttgart 20083, S. 139.

[2] In der Realität sind es häufig mehr, aber das ist an dieser Stelle nicht relevant für die Ausarbeitung, denn der Mechanismus der Entscheidung bleibt der Selbe. Er wird nur ungleich schwerer.

[3] Ich konzentriere mich auf den Begriff des „Nutzens“, da dieser in der ethisch-philosophischen Konzeption verschiedener Utilitaristen verwendet wurde und mir passend zu dem Thema der Entscheidungsoptimierung scheint. Im Anhang 1 habe ich versucht, die utilitaristische Theorie zusammenfassend darzustellen.

[4] Thomas Riechmann: Spieltheorie. München 20103, S. 1.

[5] Uwe Gere>

[6] Karl Homann: Vorteile und Anreize. Tübingen 2002, S. 99.

[7] Morton D. Davis: Spieltheorie für Nichtmathematiker. München 19932, S. 104 f.

[8] Wulf Kellerwessel: Gefangenendilemma; in: Peter Prechtl, Franz-Peter Burkard (Hrsg.): Metzler Lexikon Philosophie. Stuttgart 2008, S. 197 f.

[9] Dieser und die folgenden Punkte des strategischen Vorgehens sind entnommen aus: Avinsh K. Dixit; Barry J. Nalebuff: Spieltheorie für Einsteiger. Stuttgart 1997, S. 60, 67, 70 und 76.

Ende der Leseprobe aus 18 Seiten

Details

Titel
Das Dilemma im System
Untertitel
Wie man Dilemmastrukturen begegnen kann
Hochschule
Universität Stuttgart
Note
1,7
Autor
Jahr
2011
Seiten
18
Katalognummer
V195630
ISBN (eBook)
9783656214649
ISBN (Buch)
9783656218524
Dateigröße
512 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
system, dilemmastrukturen, gefangenendilemma, spieltheorie
Arbeit zitieren
Lisa Atzler (Autor), 2011, Das Dilemma im System, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/195630

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