Wirtschaftskrise 2008

Von der amerikanischen Immobilienkrise über den Globalen Bankencrash zur Weltwirtschaftskrise


Hausarbeit, 2011

27 Seiten, Note: 1,00


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis:

Abkürzungsverzeichnis

Einleitung

1. Leistungsbilanzdefizit der USA als makroökonomischer Auslöser der Finanzkrise

2. Mikroökonomische Auslöser der Finanzkrise
2.1. Immobilienkrise
2.1.1. Regressfreie Kredite
2.1.2. Leben über eigene Verhältnisse
2.1.3. Kommunales Wiederaufbauprogramm und die Clinton-Novelle
2.1.4. Subprime-Krise und ihre Folgen
2.2 Bankenkrise
2.2.1. Das Phänomen Haftungsbeschränkung
2.2.2. Geschäfte mit kreditbesicherten Wertpapieren als Finanzierungsinstrument im Bankensektor
2.2.2.1 Die Verbriefung der Hypothekendarlehen
2.2.2.2 Die Wertpapiere: MBS und ABS
2.2.2.3 CDO-Papiere. Die Verbriefungskaskade
2.2.2.4 Die Verbriefungstricks

4. Fazit

Literaturverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildungsverzeichnis:

Abb. 1: Die Sparquote der amerikanischen Privathaushalte (1929 – 2009)

Abb. 2: „Beleihen Sie ihr Haus bis zu 125% des Wertes bei keiner anfänglichen Kreditprüfung“

Abb. 3: Abgeschlossene Hypothekenkredite in Subprime-Markt (1. Quartal 1998 bis 2.Quartal 2009)

Abb. 4: Der Anteil der Verbriefungen von Krediten geringer Bonität am Markt der Mortgage-Backed Securities (2001 - 2008, Ströme)

Abb. 5: Die Verbriefungskaskade

Einleitung

Finanzkrisen erschütterten in den letzten Jahrzehnten nicht nur einzelne Länder und Regionen, sondern sind unabhängig von Gesellschaftsform oder Wirtschaftssystem zu einem globalen Phänomen geworden. Damit kann niemand behaupten, dass sich die periodisch auftauchenden marktwirtschaftlichen Krisen vermeiden ließen.[1] Lokal begrenzte oder globale Wirtschaftskrisen gelten als eine selbstverständliche Begleiterscheinung der Weltmarktwirtschaft.

Am 11.September 2008 wurde mit dem Konkurs der Investmentbank Lehmen Brothers offiziell der Beginn der sogenannten Finanzkrise erklärt. Dennoch liegt der Ursprung der Finanzkrise viele Jahre zurück und fängt mit den US-Immobilien an. Als das System von US-Hypothekenfinanzierung Ende 2006 ins Stottern geriet und in den Monaten danach endgültig zusammenbrach, fanden sich nicht nur US-Banken unter den Opfern. Banken aus der ganzen Welt mussten Verluste einräumen, teilweise in zweistelliger Milliardenhöhe.

"Wenn innerhalb eines Jahresüber hundert Banken untergehen oder teilverstaatlich werden und 60% der großen amerikanischen Investmentbanken verschwinden, weil sie nicht in der Lage waren, die eingegangenen Risiken zu schultern, muss etwas grundlegend falsch gelaufen sein."[2]

Die Anlagen ausländischer Investoren in riskanten Subprime-Hypothekenkrediten sind aber nur die Spitze eines gewaltigen Kapitalstroms, der sich seit zwei Jahrzehnten in die USA fließt.

1. Leistungsbilanzdefizit der USA als makroökonomischer Auslöser der Finanzkrise

Über die Ursachen des amerikanischen Leistungsbilanzdefizits laufen seit Jahren bizarr anmutende Debatten. Dieses Leistungsbilanzdefizit, das im Jahr 2007 rund 800 Milliarden Dollar ausmachte, führte zwangsweise dazu, dass die USA im gleichen Jahr Kapital in Höhe von fast 800 Milliarden Dollar importieren, das Ausländern gehört.[3]

Im Durchschnitt der Jahre 2005 bis 2008 exportierten nur die Schwellen- und Entwicklungsländer das Kapital im Umfang von 624 Milliarden Dollar, während der durchschnittliche Nettokapitalimport der USA bei 746 Milliarden Dollar lag.[4] So absorbierten die USA mehr als die Hälfte der Nettokapitalexporte aller Länder 303 Milliarden Dollar pro Jahr. Ferner exportieren Deutschland und Japan viel Kapital, was durch „die extrem niedrigen Investitionsquoten dieser Länder erklärt werden kann. In beiden Länder wurde kräftig gespart, doch nur ein kleiner Teil der Ersparnisse wurde zu Hause investiert“. Die deutschen Haushalte, Unternehmen und stattlichen Körperschaften hatten in diesen drei Jahren netto 220 Milliarden Euro pro Jahr gespart, doch es flossen nur 65 Milliarden Euro in private und stattliche Nettoinvestitionen. Der Löwenanteil der Ersparnis, 155 Milliarden Euro, ging als Kapitalexport ins Ausland.[5]

Wie kam es überhaupt dazu, dass der Rest der Welt einen größten Teil ihrer Ersparnisse dafür einsetzte, die USA mit dem notwendigen Kapital für Wachstum und Wohlstand zu versorgen?

Um einen Überblick über die makroökonomischen Auslöser der Krise zu verschaffen, wird hier kurze Statistik der volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung dargestellt.

Abb. 1 : Die Sparquote der amerikanischen Privathaushalte (1929 – 2009)

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: Sinn 2010, S. 45

Der wichtigste makroökonomische Aspekt wird in der Abb. 1. deutlich, die die Sparquote[6] der amerikanischen Haushalte seit 1929 zeigt. Nach 1980 fiel sie und erreichte in der Periode von 2005 bis 2008 fast den Wert null, mit einem seinerzeit veröffentlichen Durchschnittswert von 0,9% und einem Tiefstwert von 0,4% im Jahr 2005, was im internationalen Vergleich extrem wenig ist.[7] „Zum Beispiel wiesen die Länder der Eurozone in den Jahren von 2005 bis 2008 eine durchschnittliche Sparquote von 8,7% auf. Und die Sparquote der deutschen Haushalte betrug im Durchschnitt dieser Jahre gar 10,8%.“[8]

Es fehlt an Mitteln zur Finanzierung des staatlichen Budgetdefizits und der fremdfinanzierten Unternehmensinvestitionen, wenn die Privathaushalte nicht mehr sparen.

Da Leistungsbilanz und Kapitalbilanz wie die beiden Seiten einer doppelten Buchführung zusammen wirken, bewirkt ein Defizit in der Leistungsbilanz stets einen Kapitalimport etwa in der gleichen Höhe.[9] „Es gibt dann nur noch einen Weg, die fehlende Mitteln zu beschaffen: durch Kapitalimporte. Die Amerikaner haben diesen Weg in großem Umfang genutzt“. Wenn ein Land importiert mehr, als es exportiert, was gleichbedeutend ein Vermögensrückgang (Sinken des Nettoauslandsvermögens) ist, entsteht ein Überschuss der Importe über die Exporte, den man mit den Vermögenswerten, bzw. mit den Schuldverschreibungen privater Emittenten und Aktien, die Ansprüche auf Realvermögen darstellen, abgeltet. Zunächst fließen die Dollars auf die Girokonten von Ausländer gegenüber ab, doch da Girokonten keine Zinsen bringen, tauschen die Ausländer ihre Dollars in amerikanische Wertpapiere und Realvermögensobjekte um.[10]

Die vorher genannten Entwicklungen führten dazu, dass die USA von einem der größten Gläubiger zum größten Schuldner der Welt aufgestiegen sind.[11]

Amerikanischer Notenbankchef Ben Bernanke erklärte in seiner Rede wieso gerade die USA so viele Investitionen aus der ganzen Welt bekamen: der amerikanische Kapitalmarkt ist wegen seiner „Tiefe, Liquidität und rechtlichen Sicherungseinrichtungen“ so attraktiv, dass alle Investoren aus aller Welt versuchen das Geld nach der USA zu tragen, um dort am Wirtschaftsaufschwung partizipieren zu können.[12]

Präsident des Instituts für Wirtschaftsordnung Hans-Werner Sinn vertritt seine Meinung nicht:

„Die Ursache liegt weniger in der standortstärke der USA als in der Innovationsfreudigkeit seines Systems, um nicht zu sagen, den Tricks, mit Hilfe deren die amerikanischen Banker den Sparern der Welt das Geld aus der Tasche zogen“.[13]

Da das Land aufgehört hat zu sparen, musste sich es im Ausland finanzieren und immer mehr amerikanische Wertpapiere auf den Markt zu werfen. Es wurde immer schwieriger die Käufer zu finden, weil die Portfolios der internationalen Kapitalanleger schon mit amerikanischen Papieren gefüllt waren, deswegen „müssten sich die Amerikaner mit immer niedrigen Preisen zufriedengeben und immer höhere Renditen versprechen, um diese Abneigung zu überwinden.“[14]

2. Mikroökonomische Auslöser der Finanzkrise

In diesem Kapitel werden die unmittelbaren Auslöser der Finanzkrise von der mikroökonomischen Ebene untersucht. Mehrere Ökonomen gehen davon aus, dass nämlich die „hemmungslosen Kaufentscheidungen“[15] der amerikanischen Privathaushalte zu der Immobilienblase und als Folge dessen zur globalen Bankenkrise führten.

Ausgelöst wurde die Krise von einem zuerst stagnierenden Immobilienmarkt in den USA, steigenden Zinsen und damit einhergehenden Kreditausfällen. Viele Banken mussten daraufhin Abschreibungen auf Kredite vornehmen. Dadurch wurde die erst Verunsicherung im Markt ausgelöst und die Banken wurden restriktiver in der Kreditvergabe. Verstärkt wurde diese Tendenz durch sinkende Immobilienpreise, die den Banken weitere Kreditausfälle bescherten. Damit wurde ein Teufelskreislauf in Gang gesetzt, dem immer mehr Immobilienkreditnehmer zum Opfer fielen.[16]

2.1. Immobilienkrise

2.1.1. Regressfreie Kredite

Wenn in Deutschland jemand einen Kredit für einen Hauskauf aufgenommen hat und illiquide ist, muss er damit rechnen, dass die Bank sein Haus versteigert, um sich aus dem Verkaufserlös zu bedienen. Falls der Erlös nicht reicht, greift die Bank auf das Eigenvermögen und auch auf das zukünftige Einkommen des Hauseigentümers zurück. In den USA gibt es keine Durchgriffshaftung gegen das restliche Vermögen oder das Arbeitseinkommen der Schuldner. In aller Regel werden die Hauskredite als „non-recourse loans“[17] vergeben. Die „antideficiency laws“[18] zwingen die Banken die besagten regressfreien Kredite anzubieten. Im Insolvenzfall darf die Bank sich nur aus der beliehenen Immobilie bedienen, und hat keine darüber hinausgehenden Ansprüche.[19]

2.1.2. Leben über eigene Verhältnisse

Wie die Abb. 2. zeigt, waren die Banken bereit, die Häuser über 100% ohne anfängliche Kreditwürdigkeitsprüfung zu finanzieren. „Von solchen Angeboten konnte man bei Kauf und auch bei Aufstockung der Kredite im Falle steigender Hauspreise Gebrauch machen.“[20]

Abb. 2 : „Beleihen Sie ihr Haus bis zu 125% des Wertes bei keiner anfänglichen Kreditprüfung“

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: www.loanweb.com , abgerufen am 14.Juli 2007

Stellen wir uns vor, Mr. Jones hat kein Geld, aber er möchte ein Haus erwerben, dass ihm zu teuer vorkommt. Er braucht eine 100% Finanzierung und sein Glück hängt von der weiteren Preisentwicklung der Immobilie ab. Falls die Preise steigen, könnte Mr. Jones das Haus in ein paar Jahren wider verkaufen, seinen Kredit zurückzahlen und einen Gewinn in Höhe des Wertezuwachses erzielen. Im anderen Fall, wenn die Preise sinken, müsste er einfach den Schlüssel des Hauses bei der Bank abgeben und in einem Brief den Verzicht auf sein Eigentum und die Nichtbedienung des Kredites zu erklären. Solche Briefe haben bei den Banken den Namen „jingle mail“[21], weil die Schlüssel im Briefumschlag wie Glöckchen klingen. Ansonsten hat Mr. Jones mit der Sache nichts mehr zu tun. So werden amerikanische Privathaushalte zu „Immobilienspekulanten“. So viele Menschen kaufen sich Häuser, dass die Bauindustrie alle Aufträge gar nicht bewältigen konnte. In der Folge stiegen die Hauspreise immer weiter.[22]

[...]


[1] Vgl. Lueer 2009, S. 9

[2] S.108

[3] Vgl. Köhler 2008, S.124

[4] Vgl. Sinn 2010, S.48

[5] Vgl. ebd., 2010, S.51

[6] Die Sparquote gibt an, welcher Anteil der verfügbaren Einkommen der privaten Haushalte, also der Bruttoeinkommen nach Abzug der Steuern und Sozialabgaben, nicht konsumiert, sondern gespart wird.

[7] Vgl. Sinn 2010, S.45

[8] Ebd ., 2010, S.45

[9] Vgl. Köhler 2008, S.124

[10] Vgl. Sinn 2010, S.47

[11] Vgl. Brunner 209, S.25

[12] Vgl. Bernanke 2007: „These external imbalances are to a significant extent a market phenomenon and, in case of the U.s. deficit, reflect the attractivities of both the U.S. economy and the depth, liquidity, and legal safeguards associated with is capital markets.“

[13] Sinn 2010, S.53

[14] Vgl. ebd., S. 53

[15] Ebd. S. 142

[16] Vgl . Brunner 2009, S. 44

[17] Wörtlich übersetzt: regressfreie Kredite

[18] Wörtlich übersetzt: Armutsschutzgesetze

[19] Vgl. Sinn 2010, S.140

[20] Sinn 2010, S. 144

[21] Glöckchen-Post

[22]

Ende der Leseprobe aus 27 Seiten

Details

Titel
Wirtschaftskrise 2008
Untertitel
Von der amerikanischen Immobilienkrise über den Globalen Bankencrash zur Weltwirtschaftskrise
Hochschule
Hochschule der Medien Stuttgart
Note
1,00
Autor
Jahr
2011
Seiten
27
Katalognummer
V195632
ISBN (eBook)
9783656218951
Dateigröße
7766 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Investition, Finanzierung, Finanzkrise, Weltwirtschaftskrise, Bankencrash, immobiliencrash
Arbeit zitieren
Natalia Schuchardt (Autor), 2011, Wirtschaftskrise 2008, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/195632

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