Diese Arbeit beschäftigt sich mit den literarischen und psychologischen Aspekten der Biographie und Autobiographie. Erarbeitet werden die Ergebnisse anhand von Thomas Glavinics Roman 'Das bin doch ich'.
Inhaltsverzeichnis
1. Einführung
2. Gegenstandbestimmung
2.1 Biographie
2.2 Autobiographie
2.3 Schnittmengen und Versuche der Abgrenzung
3. Vergleich und Niederschreiben - identitätsstiftende Momente
4. Realität und Kritik
5. Fazit
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Die vorliegende Arbeit untersucht die (auto)biographischen Aspekte in Thomas Glavinics Roman "Das bin doch ich". Dabei wird analysiert, wie der Autor die Gattungsgrenzen zwischen Autobiographie und Biographie nutzt, um sowohl eine Identitätskonstruktion für den Protagonisten zu ermöglichen als auch eine satirische Medienkritik an der österreichischen Literaturszene zu formulieren.
- Theoretische Abgrenzung der Begriffe Biographie und Autobiographie.
- Die Funktion des Schreibens zur Identitätsbildung und Selbstvergewisserung.
- Nutzung von Kontrastfiguren (wie Daniel Kehlmann) zur Selbstdarstellung.
- Spiel mit der Realität und der Fiktionalität im post-postmodernen Roman.
- Kritische Auseinandersetzung mit der Rolle des Autors im Literaturbetrieb.
Auszug aus dem Buch
Vergleich und Niederschreiben - identitätsstiftende Momente
„Foer antwortet mit freundlicher Gelassenheit. Der Mann ist der weltweit bestbezahlte Autor unter Dreißig, schreiben Journalisten, weil Journalisten so etwas gerne schreiben. Diese Gelassenheit kann aber durchaus mit Erfolg zu tun haben, wenn auch nicht zwingend mit finanziellem. Ich beneide ihn um sie, denn in mir tobt ständig etwas, und ich frage mich, was mich eigentlich zusammenhält.“
Dieses Zitat stammt aus Thomas Glavinics Das bin doch ich. Ich habe es ausgewählt, weil es komprimiert die Themen des Protagonisten wiedergibt: Wer bin ich – im Vergleich zu anderen, aus der Perspektive der Öffentlichkeit und aus meiner eigenen?
Ich werde die theoretisch erarbeiteten Besonderheiten der Gattungen Biographie und Autobiographie im Folgenden auf dieses Werk anwenden. Im Falle der Autobiographie geht es mir um die Möglichkeit der Identitätsbildung, im Falle der Biographie um Identifikations- und Vergleichsmomente.
In dem von mir ausgewählten Zitat spricht Glavinic* vom amerikanischen Autor Jonathan Safran Foer. Das Vergleichsobjekt, das häufiger im Roman vorkommt, stellt jedoch Glavinics Freund Daniel Kehlmann* dar. Dieser wird biographisch beschrieben und dient durch seinen wachsenden Erfolg als Gegenpart zum Verlierer-Entwurf Glavinics*.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einführung: Vorstellung der Forschungsfrage und der methodischen Herangehensweise, den Autor vom autodiegetischen Erzähler zu unterscheiden.
2. Gegenstandbestimmung: Definition der Begriffe Biographie und Autobiographie sowie Untersuchung ihrer historischen Entwicklung und Abgrenzungsschwierigkeiten.
3. Vergleich und Niederschreiben - identitätsstiftende Momente: Analyse der Identitätsbildung durch das Schreiben und des Vergleichs mit anderen Autoren im Roman.
4. Realität und Kritik: Diskussion über das Spiel mit faktischen und fiktiven Elementen sowie die Medienkritik des Werkes.
5. Fazit: Zusammenfassende Betrachtung der Schreibabhängigkeit des Autors und der Bedeutung des Werkes für die Identitätsfrage.
Schlüsselwörter
Thomas Glavinic, Das bin doch ich, Autobiographie, Biographie, Identitätsbildung, Literaturbetrieb, Medienkritik, Fiktionalität, Postmoderne, Erzähltheorie, Selbstreflexion, Daniel Kehlmann, Autodiegiese, Schreibprozess, Identitätsdiffusion.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit?
Die Arbeit untersucht die autobiographischen Aspekte im Roman „Das bin doch ich“ von Thomas Glavinic und analysiert, wie der Autor literarische Gattungen zur Selbstinszenierung und Kritik am Literaturbetrieb einsetzt.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Die Schwerpunkte liegen auf der Theorie der Biographik, den psychologischen Aspekten der Identitätsbildung durch das Schreiben sowie dem Spannungsfeld zwischen Fiktion und Realität.
Welches primäre Ziel verfolgt die Forschungsarbeit?
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie Glavinic durch die Vermischung von Biographie- und Autobiographie-Elementen eine Kohärenz seiner eigenen Identität im Text schafft.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Es wird eine literaturwissenschaftliche Analyse durchgeführt, die theoretische Grundlagen der Biographik und Identitätstheorien (u.a. nach Erikson) auf den Primärtext anwendet.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Begriffsbestimmung, eine textnahe Analyse der Identitätsstiftung im Roman und eine Untersuchung der Realitäts- und Medienkritik.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Untersuchung?
Zentrale Begriffe sind Identitätsbildung, Autobiographik, Medienkritik, Fiktionalität und Selbstreflexion.
Wie unterscheidet der Autor zwischen dem realen Autor und der Romanfigur?
Der Verfasser nutzt eine methodische Markierung (*), um den realen Thomas Glavinic klar von dem autodiegetischen, fiktionalisierten Erzähler im Roman zu trennen.
Warum fungiert Daniel Kehlmann im Roman als wichtige Kontrastfigur?
Kehlmann wird als erfolgreicher Gegenentwurf zum scheiternden Protagonisten aufgebaut, wodurch Glavinic den Vergleichsmoment nutzt, um die eigene Identität und Position im Literaturbetrieb zu schärfen.
- Quote paper
- Lisa Atzler (Author), 2012, Auf der Suche nach sich selbst, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/195636