Untersuchung von Schlagertexten der frühen 1950er Jahre der Bundesrepublik Deutschland in Bezug auf die Rolle der Frau


Hausarbeit, 2009
14 Seiten, Note: 1,7

Leseprobe

Inhalt

1 Einleitung

2 Die Rolle der Frau in der Nachkriegszeit

3 Die Rolle der Frau zu Beginn der 1950er Jahre in der BRD

4 Untersuchung von Schlagertexten der frühen 1950er Jahre (1950-1952) der Bundesrepublik Deutschland in Bezug auf die Rolle der Frau
4.1 „Wer soll das bezahlen?“ (Jupp Schmitz, 1949/50)
4.2 „Maria aus Bahia“ (Danielle Mac & Renè Carol, 1950)
4.3 „Du bist die Rose vom Wörthersee“ (Maria Andergast, Hans Lang, 1950)
4.4 „Das machen nur die Beine von Dolores“ (Detlev Lais, 1951)
4.5 „Hab´n Sie nicht ´ne Braut für mich“ (Bully Buhlan, 1952)
4.6 „Egon“ (Friedel Hensch & Die Cyprys, 1952)

5 Fazit

6 Literatur- und Quellenverzeichnis

1 Einleitung

Während der Nachkriegszeit bauten die so genannten „Trümmerfrauen“ ein ganzes Land wieder auf. Sie übernahmen alle anfallenden Tätigkeiten / Arbeiten und ernährten dadurch ihre Familien. Zudem waren sie völlig auf sich allein gestellt, da ihre Männer und Söhne entweder im Krieg gefallen waren oder sich in Kriegsgefangenschaft befanden. Als die Männer zu Beginn der 1950er Jahre aus der Gefangenschaft zurückkamen, erhielten sie ihre Arbeitsplätze zurück und die Frauen in der Bundesrepublik Deutschland (BRD) verloren ihr gleichberechtigtes Leben. Ihr Aufgabenbereich in der Ehe lag von nun an darin den Haushalt zu führen, sich um ihre Ehemänner zu kümmern und Kinder zu bekommen sowie diese groß zu ziehen.

Dieser extreme Gegensatz der Rolle der Frau in der Gesellschaft vollzog sich innerhalb kürzester Zeit. Zu dieser Zeit waren deutsche Schlager sehr beliebt. Die Texte dieser Schlager befassen sich mit aktuellen Themen der damaligen Zeit, die für die Einwohner der BRD von Bedeutung waren und so den Kontext der Zeit widerspiegeln. Zudem handeln viele Texte von zwischenmenschlichen Beziehungen und beschreiben Alltagssituationen. Daraus resultiert die Fragestellung: „Spiegelt sich die Rolle der Frau in den frühen 1950er Jahren in der BRD in den Schlagertexten dieser Zeit wider?“

Beschäftigt man sich mit den Texten einiger bekannter Schlager von 1950-1952, die zu dieser Zeit sehr beliebt waren und somit oft gehört wurden, genauer, erkennt man, dass das Rollenbild der Frau in der BRD aus den 1950er Jahren deutlich in vielen Textpassagen der Schlager vertreten ist. Die Frau wird zum größten Teil über ihr Äußeres definiert, das in dieser Zeit sehr wichtig war, da die Frau ihrem Ehemann gefallen wollte oder aber auf der Suche nach einem Mann war, die nach dem Krieg in der Unterzahl waren. Des Weiteren lässt sich die Beziehung der Frau zu ihrem Ehemann beziehungsweise die klassische Rollenverteilung erkennen, die besagt, dass der Mann der Alleinverdiener ist und die Frau sich um ihn, die Kinder und den Haushalt kümmern muss.

In meiner Hausarbeit beschreibe ich zunächst die Rolle der Frau in der Nachkriegszeit, um dann den Kontrast zu dem Bild der Frau zu Beginn der 50er Jahre aufzuzeigen. Anschließend folgt die Untersuchung von sechs beliebten Schlagertexten der frühen 1950er Jahre (1950-1952) der BRD. Dabei betrachte ich speziell, wie die Rolle der Frau dargestellt wird. Abschließend werden alle Ergebnisse der Hausarbeit in einem Fazit zusammengefasst.

2 Die Rolle der Frau in der Nachkriegszeit

Mit dem Ende des Zweiten Weltkriegs sind die Frauen in der BRD auf sich allein gestellt. Ihre Männer und Söhne sind gefallen oder befinden sich in Kriegsgefangenschaft. „Der Zweite Weltkrieg hat das Land seiner Männer beraubt. 5,3 Millionen Soldaten sind tot, fast 11 Millionen in Gefangenschaft. Zurückgeblieben in den zerstörten Städten und Dörfern sind vor allem Frauen. Zur Stunde null sind fast 60 Prozent der Bevölkerung in Deutschland weiblich.“[1]

Aufgrund dieser Ausgangslage beginnen die Frauen ihr Land wieder aufzubauen, sie führen alle anfallenden Tätigkeiten aus und verdienen Geld für ihre Familien. „Sie schaffen Schutt beiseite und Essen heran. […] Frauen schichten Ziegel auf dem Bau, lenken Kräne, fahren LKW und Straßenbahnen.“[2] Somit übernehmen die Frauen deutlich die Verantwortung, das bedeutet, dass sie eigenständig arbeiten. „In all die Trauer und Verzweiflung über die Opfer des Krieges mischt sich eine wenig stolz über die neue Selbstständigkeit. In dem ganzen Land […] formieren sich Frauengemeinschaften und –ausschüsse.“[3] Es erfolgt eine Art Emanzipation auf diesem Weg, da die Frauen Tätigkeiten ausführen, die ansonsten den Männern vorbehalten sind, wie die Arbeit auf dem Bau.

3 Die Rolle der Frau zu Beginn der 1950er Jahre in der BRD

Durch die Rückkehr der Männer aus dem Krieg, zu Beginn der 1950er Jahre, verändert sich das Tätigkeitsfeld der Frauen in der BRD völlig. Während sie vorab arbeiteten, um ihre Familien zu versorgen, treten sie nun ihre Berufe wieder an die Männer ab und nehmen die Rolle der Hausfrau ein, „[…] um 1950 kehrt die Gattin wieder an den Herd zurück.“[4] Die Frauen verlieren ihre gleichberechtigte Stellung und die Ehemänner erhalten das alleinige Recht Beschlüsse für beziehungsweise über ihre Familien zu treffen. „Besonders die Paragraphen, die das männliche Entscheidungsrecht in allen Belangen der Familie beinhalten, wurden von der Regierung […] unverändert in den Bundestag eingebracht.“[5] Daher endete die Erwerbstätigkeit der Frau in der Regel mit dem Beginn der Eheschließung. Sie kümmerte sich dann ausschließlich um den Haushalt und ihre Familie. „Bis 1958, als […] das erste Gleichberechtigungsgesetz in Kraft tritt, dürfen Frauen ohne die Einwilligung des Ehemannes nicht einmal ein Bankkonto führen – geschweige denn gegen seinen Widerstand berufstätig sein.“[6]

Laut der zu dieser Zeit gültigen Gesetze des BGB besaß der Mann das alleinige Bestimmungsrecht, vor allem über Wohnort und Wohnung. Die Frau hatte sich sämtlichen Entscheidungen, die das Zusammenleben betrafen, zu fügen. Auch für das Wohl und die Erziehung der gemeinsamen Kinder war der Mann zuständig. Die Aufgabe der Frau bestand darin den Haushalt zu führen und eventuell ihren Ehemann in seinem Geschäft, falls vorhanden, zu unterstützen. Die Besitztümer der Frau übergab sie nach der Heirat ihrem Mann, der allein dazu berechtigt war sich um die Finanzen zu kümmern. Ebenso durfte der Ehemann Verträge, die von der Frau abgeschlossen wurden, kündigen.[7]

Franz-Josef Wuermeling, der erste Familienminister (1953), förderte mit seiner Politik zusätzlich die klassische Rollenverteilung des Alleinverdieners und der Hausfrau beziehungsweise Mutter. „Wuermeling […] propagiert die kinderreiche als die „richtige“ Familie. Die Frau hat sich Heim, Mann und Nachwuchs zu widmen.“[8] Somit hatten die Frauen die Aufgabe sich einen Ehemann zu suchen und mit ihm eine Familie zu gründen, um ein angesehenes Leben im Land zu führen beziehungsweise die auferlegten Normen zu erfüllen. Während es in der Nachkriegszeit üblich war alleinstehend sowie alleinerziehend zu sein, waren nun nur noch die Frauen angesehen, die verheiratet waren und eine „Mustergattin“ darstellten. Das bedeutet, dass die Frau sich voll und ganz um die Bedürfnisse ihres Mannes kümmerte. Die Rollenverteilung war eindeutig, der Mann verdiente das Geld und die Aufgabe der Frau in der Beziehung / Ehe bestand darin, den Haushalt zu führen und ihren Mann nach einem anstrengenden Arbeitstag zu verwöhnen, zum Beispiel mit einer Mahlzeit. Hier besaß die USA, eine der Besatzungsmächte der BRD, eine Vorbildfunktion, da dort die Ehefrauen ebenfalls ausschließlich für ihre Männer da waren beziehungsweise lebten. „Dort war es üblich sein Studium abzubrechen, sobald die Frau einen Ehemann gefunden hatte. […] Außerdem wurde die Frau in Amerika über ihren Ehemann definiert: Sie war „die Frau an seiner Seite“ […], die dem Ehemann und seiner Karriere diente.“[9]

[...]


[1] Theile (2006), S. 160.

[2] Ebd., S.160.

[3] Ebd., S. 161.

[4] Ebd., S. 160.

[5] Lüdtke (o. J.), S. 8.

[6] Theile (2006), S. 162.

[7] Vgl. http://hestia.hs-niederrhein.de/~gymoden/ge/frau50/gleich/recht.htm.

[8] Theile (2006), S. 162.

[9] Lüdtke (o. J.), S. 17.

Ende der Leseprobe aus 14 Seiten

Details

Titel
Untersuchung von Schlagertexten der frühen 1950er Jahre der Bundesrepublik Deutschland in Bezug auf die Rolle der Frau
Hochschule
Universität Kassel
Veranstaltung
Schlager der BRD der 1950er Jahre
Note
1,7
Autor
Jahr
2009
Seiten
14
Katalognummer
V195641
ISBN (eBook)
9783656217664
ISBN (Buch)
9783656217985
Dateigröße
471 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
untersuchung, bundesrepublik, deutschland, bezug, rolle, frau, 1950, brd, schlagertexte, schlager, 50er
Arbeit zitieren
Anna-Katharina Michel (Autor), 2009, Untersuchung von Schlagertexten der frühen 1950er Jahre der Bundesrepublik Deutschland in Bezug auf die Rolle der Frau, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/195641

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