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Opferstrukturen in Max Frischs "Andorra"

Título: Opferstrukturen in Max Frischs "Andorra"

Tesis (Bachelor) , 2012 , 28 Páginas , Calificación: 2,0

Autor:in: Christian Schartz (Autor)

Filología alemana - Literatura alemana moderna
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In literaturwissenschaftlichen Auseinandersetzungen mit Andorra ist ist oftmals die Rede vom „Selbstbildnis“. In der Tat ist Andris Leidensweg von Bildnissen in mehrfacher Hinsicht geprägt. Die Literaturwissenschaft hat sich in den 50 Jahren seit der Uraufführung ausführlich mit den Selbst- und Fremdbildnissen der Andorraner und Andris auseinandergesetzt, woraus unterschiedliche Einschätzungen resultierten.

Zentral ist aber auch der Opferbegriff, der sich als problematisch herausstellt. Er kann einen breiten Bereich umfassen. Wie der Theologischen Realenzyklopädie zu entnehmen ist, finden sich zunächst semantische Abweichungen in verschiedenen Sprachen. Während beim Wort „opfern“ im Deutschen eher an „Verlust, Verzicht, Aufgeben, Abgeben“ gedacht wird, ist im englischen und im französischen Wort „sacrifice“ das Heilige noch enthalten (lat.: sacer: heilig). Im Deutschen wird dem Wort also eine profanere Bedeutung zugemessen, als im Englischen und Französischen, wo das Transzendente noch deutlich mitschwingt. Der Ursprung des Wortes ist in letzteren beiden Sprachen noch nicht verfälscht. Sie verweisen auf die heiligen Rituale, die mit Opfern einher gehen.

Heute wird der Begriff „Opfer“ vermehrt ohne bewussten Zusammenhang zum Heiligen benutzt. Dabei wird lediglich der profane Tod eines Menschen berücksichtigt, ohne nach einem Sinnbezug zu Höherem zu suchen.

Welchen Opferbegriff Frisch verfolgte, soll eine Untersuchung des von selbigem in Andorra klären. Die bisherigen Untersuchungen haben zumeist nur auf einen undeutlichen Opferbegriff zurückgegriffen, wobei nicht deutlich wurde, ob und inwiefern ein Sinnbezug zu Höherem hergestellt wird.

Nicht immer gelang es, einen sinnvollen Zugang zum Stück zu erschließen. Das ist etwa bei Gerd Alfred Petermanns Aufsatz zu Andorra der Fall, in dem er schlussfolgert, dass das Stück „als Ganzes zum plakativen Weihespiel“ verkommt. Dieses fatale Fazit stellt nicht nur den Wert des Stücks in Frage, sondern ebenso den Aussagegehalt vieler weiterer Andorra-Untersuchungen. Ob das Stück tatsächlich unweigerlich „ins Leere stößt“, wird anhand weiterer Lesarten, die den Opferbegriff einbeziehen, überprüft.

Extracto


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Opfersymbole – Ein erster Zugang

2.1. Der Pfahl

2.2. Die Schuhe

2.3. Das sprachliche Opfer

3. Opferrollen – Versuch einer Zuordnung

3.1. Barblin – Sündenbock?

3.2. Andri – Tatsächlich ein Opfer?

3.3. Lehrer und Senora – Ein Ausbruch

4. Der Raum – Schlüssel zum Opfertext?

4.1. Eine heilige Zeit in Andorra?

4.2. Bühnenraum = Opferraum

5. Schlussbemerkungen

Zielsetzung & Themen

Diese Bachelorarbeit untersucht Max Frischs Theaterstück „Andorra“ auf die darin enthaltenen Opferstrukturen. Das zentrale Forschungsziel besteht darin, die bisher oft oberflächliche oder widersprüchliche Interpretation der Figuren und Handlungen als „Opfer“ kritisch zu hinterfragen und zu systematisieren. Dabei wird der Frage nachgegangen, inwieweit das Stück als „Opfertext“ gelesen werden kann, indem theoretische Modelle zur Opferthematik (u.a. von René Girard, Mircea Eliade und Henri Hubert & Marcel Mauss) auf Symbole, Sprachverwendung sowie Raum-Zeit-Strukturen angewendet werden.

  • Analyse zentraler Opfersymbole wie der Pfahl und die Schuhe
  • Untersuchung von Opferrollen nach dem Sündenbock-Konzept von René Girard
  • Deutung sprachlicher Substitutionsprozesse als „Verbalexorzismus“
  • Untersuchung der Raum-Zeit-Struktur als Voraussetzung für sakrale Opferräume
  • Kritische Reflexion des Bühnenraums als Spiegel der „profanen“ Realität Andorras

Auszug aus dem Buch

2.1. Der Pfahl

In Andorra gibt es zwei hervorstechende Opfersymbole, die eine erste Bewertung des Stücks hinsichtlich der Opferthematik zulassen. Ein erstes Opfersymbol äußert sich bereits im ersten Bild im Gespräch des Lehrers mit dem Tischler, nämlich der Pfahl:

Lehrer Woher kommt dieser Pfahl?

Tischler Ich weiß nicht, was Sie meinen.

Lehrer Dort!

Tischler Sie sind ja bleich.

Lehrer Ich schreche von einem Pfahl! 6

Der Pfahl wird vom Lehrer gesehen, aber vom Tischler geleugnet. Es entsteht ein Bruch zwischen der verbalen und der non-verbalen Ebene, denn das Gesagte deckt sich offenbar nicht mit dem Dargestellten. Eine naheliegende Assoziation ist sicher jene mit der Passion Jesu. Petrus leugnet Jesus dreimal. Aber nicht nur zum Christentum lassen sich Verknüpfungen herstellen. Hubert & Mauss beschreiben in ihrer Untersuchung des „Scheme of Sacrifice“ einen Pfahl im Kontext des Hinduismus:

This is the yupa, the stake to which the animal is to be bound. It is not a piece of rough wood, but the tree from which it was hewn had already in itself a divine nature, which unctions and libations have further reinforced. It also occupies a prominent position, for it is there that the victim will stand, the most important of all the visible personages that will take part in the ceremony.7

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Einführung in das Thema, Klärung des Opferbegriffs und Darstellung der Forschungsrelevanz sowie der Problemstellung hinsichtlich der bisherigen Andorra-Forschung.

2. Opfersymbole – Ein erster Zugang: Analyse der zentralen Symbole „Pfahl“, „Schuhe“ und „Sprache“ als erste Indikatoren für eine Opferthematik innerhalb des Stücks.

3. Opferrollen – Versuch einer Zuordnung: Auseinandersetzung mit der Rollenverteilung der Figuren Barblin, Andri, Lehrer und Senora anhand von Modellen der Opfertheorie, insbesondere dem Sündenbock-Konzept.

4. Der Raum – Schlüssel zum Opfertext?: Untersuchung der Zeitwahrnehmung und des Bühnenaufbaus, um die Frage nach der Existenz eines sakralen Raums in der profanen Welt von Andorra zu beantworten.

5. Schlussbemerkungen: Zusammenfassende Synthese der Ergebnisse, die Andorra unter Einbeziehung des Bühnenraums als Stück mit sakraler Opferthematik bestätigt.

Schlüsselwörter

Andorra, Max Frisch, Opferthematik, Sündenbock, Pfahl-Symbolik, sakraler Raum, Profanität, Verfolgerillusion, Opfertext, Entdifferenzierung, Dramenanalyse, Bühnenraum, Sprache als Opfer, Identität, Figurenanalyse.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit untersucht Max Frischs Theaterstück „Andorra“ und analysiert, ob und wie es als „Opfertext“ interpretiert werden kann, unter Anwendung verschiedener literaturwissenschaftlicher und theoretischer Opfermodelle.

Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?

Die Untersuchung konzentriert sich auf die Symbolik (Pfahl, Schuhe), die Rollenzuweisungen der Charaktere (insbesondere das Sündenbock-Modell) sowie die besondere Raum-Zeit-Struktur des Dramas.

Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?

Das Ziel ist es, die oft unpräzise Verwendung des Opferbegriffs in der bisherigen Forschung zu Andorra durch eine systematische Analyse zu klären und zu prüfen, ob der Text über das „alltägliche“ Verständnis hinaus Opferstrukturen aufweist.

Welche wissenschaftlichen Methoden werden verwendet?

Es werden interpretative Methoden der Literaturwissenschaft angewandt, die durch kulturwissenschaftliche und anthropologische Theorien von Denkern wie René Girard, Mircea Eliade und Giorgio Agamben gestützt werden.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in eine symbolische Ebene (Symbole), eine figurenorientierte Ebene (Opferrollen) und eine strukturelle Ebene (Raum und Zeit auf der Bühne).

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Wichtige Begriffe sind unter anderem Andorra, Opferthematik, Sündenbock, Bühnenraum, sakraler Raum und Verfolgerillusion.

Warum spielt der „Pfahl“ eine so zentrale Rolle in der Argumentation?

Der Pfahl fungiert als zentrales, jedoch in seiner Materialität bewusst zweideutiges Symbol, das textintern sowie aufführungspraktisch als Ankerpunkt für Transzendenz und Opferprozesse interpretiert wird.

Inwiefern beeinflusst der Bühnenraum die Interpretation als „Opfertext“?

Die Arbeit argumentiert, dass erst durch die Unterscheidung von Vordergrund und Hintergrund auf der Bühne der Raum als „Opferraum“ wahrgenommen werden kann, der die profane Welt Andorras vom Zuschauer distanziert.

Final del extracto de 28 páginas  - subir

Detalles

Título
Opferstrukturen in Max Frischs "Andorra"
Universidad
University of Tubingen
Calificación
2,0
Autor
Christian Schartz (Autor)
Año de publicación
2012
Páginas
28
No. de catálogo
V195693
ISBN (Ebook)
9783656215653
ISBN (Libro)
9783656216605
Idioma
Alemán
Etiqueta
Max Frisch Andorra Germanistik Opfer Andri
Seguridad del producto
GRIN Publishing Ltd.
Citar trabajo
Christian Schartz (Autor), 2012, Opferstrukturen in Max Frischs "Andorra", Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/195693
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