Jugend zwischen Teilnahmebereitschaft und Politikverdrossenheit

Bildung als Einflussfaktor und Voraussetzung zur Teilhabe an der Wissensgesellschaft


Hausarbeit, 2008

14 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Inhalt

1. Einleitung

2. Partizipation
2.1 Konventionelle und unkonventionelle Partizipation
2.2 Legale und illegale Partizipation.

3. Bedeutung der Partizipation der Jugend für die Politik

4. Jugend zwischen Teilnahmebereitschaft und Politikverdrossenheit

5. Bildung als Einflussfaktor und Voraussetzung zur Teilhabe an der Wissensgesellschaft

6. Ganztagsschulen als Problemlösung der Politikverdrossenheit?

7. Zusammenfassung

Bibliografie

1. Einleitung

„Die Partizipation von Kindern und Jugendlichen ist in der Tat eine Utopie, denn sie haben noch immer wenig zu sagen gehabt. [...] Noch immer hat es die Erwachsenenwelt verstanden, den Kindern das Maul zu stopfen: mit Gewalt oder Süßigkeiten oder mit beidem“ (Schorlemmer 2002: 46).

Das Zitat von Schorlemmer sagt aus, dass auch in der gegenwärtigen Gesellschaft junge Menschen kaum die Chance haben, sich politisch zu partizipieren. Doch welche Gründe gibt es dafür? Warum sind einige Jugendliche mehr und die anderen weniger politisch interessiert? Diese Fragestellungen und insbesondere die Auswirkung der Bildung auf die Teilnahmebereitschaft sollen in dieser Hausarbeit dargestellt werden.

Dabei wird zunächst auf die Begrifflichkeiten Bezug genommen, welche die Partizipation erläutern und die bereits als aufbauende Hinführung zum Kernthema dienen sollen. In Abschnitt 3 wird auf die Bedeutung der politischen Partizipation der Jugend für die Politik eingegangen. Das heißt, es wird Bezug darauf genommen, aus welchen Gründen die Teilhabe junger Menschen an der Politik überhaupt von so großer Wichtigkeit ist. Die Untersuchung in Abschnitt 4 soll die verschiedenen Einflussfaktoren zeigen, die sich auf die Politikverdrossenheit der Jugendlichen auswirken können. Die Bildung spielt dabei eine entscheidende Rolle. Aufgrund dessen und da Bildung die höchste Voraussetzung für die aufkommende Wissensgesellschaft ist, wird in Abschnitt 5 tiefer auf die Auseinandersetzung mit diesem Faktor eingegangen.

Es soll vermieden werden, sich lediglich auf Fakten, Theorien und Erklärungsversuche zu beziehen, sondern diese Hausarbeit soll auch eventuelle Lösungsansätze enthalten. Insbesondere wird auf den Lösungsvorschlag einer Ganztagsschule eingegangen. Dieses Thema ist Gegenstand in Abschnitt 6.

2. Partizipation

Auf die Frage, was Partizipation ist, gibt es unterschiedliche Antworten. Übereinstimmung besteht nur darüber, dass einerseits der wissenschaftliche Partizipationsbegriff von den geschichtlichen Entwicklungen politischer Beteiligung bestimmt wird, andererseits die Definition und Formalisierung von Partizipationsformen Forschungsergebnisse bedeutend beeinflussen (vgl. Geißel/Penrose 2003: 3). Politische Partizipation wurde bis Ende der 70er Jahre vordergründig als die Teilnahme der BürgerInnen an politischen Willensbildungs- wie Entscheidungsprozessen im Rahmen institutionalisierter Beteiligungsformen wie Wahlen und Parteien definiert (vgl. Beck 1977: 663). Durch Barnes/Kaase et al. (1979) wurde der Partizipationsbegriff erweitert. Sie verstehen die politische Partizipation ganz allgemein als jene Handlungen von Bürgern, welche in der Absicht ausgeführt werden, entweder direkt oder indirekt die politischen Entscheidungen auf den verschiedenen Ebenen des politischen Systems zu beeinflussen. Weiterhin wurde in dieser Studie erstmals zwischen konventioneller und unkonventioneller sowie legaler und illegaler Partizipation unterschieden.

2.1 Konventionelle und unkonventionelle Partizipation

Unter konventioneller („verfasster“) Partizipation versteht Kaase (1992: 340) „legale auf öffentliche Wahlen bezogene verfasste oder nicht verfasste Handlungen mit unstrittig positivem Legitimitätsstatus“. Dies sind traditionelle Formen der Beteiligung, wie die politische Diskussion, die Parteiaktivität, die Nutzung von politischen Medien oder auch die Teilnahme an politischen Treffen. Die unkonventionelle („unverfasste“) Partizipation ist hingegen ein Phänomen der postindustrialisierten Gesellschaft. Partizipation der unkonventionellen Art ist „...behaviour that does not correspond to the norms of law and custom that regulate political participation under a particular regime“ (Barnes/Kaase 1979: 41). Beispiele für Aktionen der unkonventionellen Partizipation sind Demonstrationen, Boykotte oder Petitionen. Die Einteilung von Barnes und Kaase eignet sich deshalb gut, weil die von ihnen unterschiedenen Partizipationsformen auch unterschiedliche Anforderungen an die Bürger stellen. Die unkonventionelle Partizipation ist mit höheren Kosten verbunden als die konventionelle Beteiligung, weil sie die Normen überschreitet und sich die Bürger mit ihrer Teilnahme dadurch gesellschaftlich herausheben. Zusätzlich geht es bei der unkonventionellen Partizipation meist um problemspezifische Fragen, was die Anforderungen an den Informationsgrad erhöht. Die Einteilung hat sich in verschiedenen Untersuchungen auch empirisch bewährt, allerdings hat sich gezeigt, dass es sinnvoll ist, die Wahlbeteiligung selbst als separate Klasse zu behandeln (Barnes/Kaase 1979: 86). Es soll also zwischen drei Beteiligungsformen: der Wahlen, der konventionellen und der unkonventionellen Partizipation differenziert werden. Es ist zu erwarten, dass nicht alle Partizipationsformen von den Organisationen gleich beeinflusst werden. Die Einteilung der Partizipation in die drei Klassen soll es also ermöglichen, ein differenzierteres Bild der Effekte der Organisationen zu erhalten.

2.2 Legale und illegale Partizipation

Neben konventioneller und unkonventioneller Partizipation gibt es eine weitere Klassifizierung, bei der zwischen legaler und illegaler Partizipation unterschieden wird. Legale Partizipation umfasst die gesetzesmäßigen Formen der politischen Beteiligung, illegale die gesetzeswidrigen. Allerdings wird die illegale Partizipation nochmals, nach unmittelbar gewaltsamen Akten des zivilen Ungehorsams und gewaltsamen Handlungen gegen Personen oder Gegenstände, differenziert (vgl. Burdewick 2003: 32). Dieses Kriterium lässt sich insofern mit der Verfasstheit nicht vereinbaren, da alle verfassten Formen politischer Beteiligung zugleich legal sind. Umgekehrt gibt es jedoch keine Verfasstheit, d.h. nicht verfasste Partizipationsformen müssen nicht illegal sein, da sie auch in einem rechtsfreien Gebiet vorkommen können. Ein Beispiel hierfür ist die Mitarbeit in einer Bürgerinitiative eine nicht verfasste, aber keineswegs illegale Beteiligungsform (vgl. Niedermayer 2005: 152).

3. Bedeutung der Partizipation der Jugend für die Politik

Die Teilhabe von Menschen am politischen Prozess ist generell von enormer Wichtigkeit für ein demokratisches System. Dies gilt ebenso für die politische Partizipation und gesellschaftliche Integration der Jugendlichen, denn diese tragen zur Entwicklung einer lebendigen Demokratie bei (vgl. Godewerth 2006: 15). Jugendliche haben einen anderen Zugang zur Politik als Erwachsene, denn er zeichnet sich vor allem durch eine hohe Sensibilität aus. Sie verstehen die Politik im Ganzen, d.h. nicht nur auf intellektueller, sondern auch auf emotionaler Ebene. Somit werden in politischen Diskussionen affektive Faktoren, wie Ängste oder Sorgen, mit einbezogen. Weiterhin wirkt sich die gegenwärtige Lebenssituation bei Jugendlichen positiv auf die Politik aus. Im Jugendalter setzen sich Menschen mehr mit Sinngebungs- und Orientierungsfragen auseinander (vgl. Hurrelmann 2001: 6). Somit sind „die politischen Einstellungen und Orientierungen Jugendlicher [...] eng mit der Entwicklung der individuellen Lebenssituationen und pluralistischen Jugendkulturen verbunden“ (Godewerth 2006: 15). Die Frage weshalb die Beziehung zwischen Jugendlichen und der Politik sowie der Gesellschaft von so hoher Relevanz ist, wird also damit beantwortet, dass die durch die jugendliche Lebenswelt geprägten Denk- und Deutungsmuster eine Besonderheit darstellen (Godewerth 2006: 18). Jugendliche haben stets eine Tendenz zum idealistischen und ethischen Denken und wollen sich nicht von der bestehenden politischen Orientierung einnehmen lassen. Somit wurden Jugendliche nicht selten als „Vorreiter [oder Architekten] einer besseren Gesellschaft“ (Keniston zit. nach Godewerth 2006: 18) bezeichnet. Jugendkulturen sind oftmals der Ursprung gesellschaftlicher Umwandlungen und/oder Ansprüche. Ein Beispiel hierfür ist die 68er Generation, an der nachgewiesen werden konnte, dass sie die Ursache für eine politische Erneuerung (konventionelle und unkonventionelle Beteiligung) und einen gesellschaftlichen Wertewandel war (vgl. Buhl 2003: 14).

Dennoch zeigt eine Vielzahl von Studien, dass die Jugend zur Politikverdrossenheit tendiert. Auf dieses Problem wird nun im folgenden Punkt eingegangen.

4. Jugend zwischen Teilnahmebereitschaft und Politikverdrossenheit

Zunächst stellt sich die Frage, ob und in welchem Ausmaß Jugendliche politisches Interesse besitzen und welche Bedeutung Politik in ihrem Leben hat. Wird die Politik in andere Lebensbereiche, wie Partnerschaft, Beruf, Freunde und Freizeit eingeordnet, so erhält sie eine deutlich geringere Wichtigkeit. Dies scheint jedoch nicht nur bei Jugendlichen, sondern bei jeder Altersgruppe der Fall zu sein (vgl. Gille/Krüger/et al. 1997: 148). Weiterhin zeigen Ergebnisse von Repräsentativstudien, dass sich die Trends in der Gesamtheit der Jugendlichen eher langsam entwickeln, trotz des Wandels der seit den 60er Jahren im Verhältnis Jugendlicher zur Politik stattgefunden hat. Besonders ausgeprägt ist hierbei der Rückgang des Vertrauens in Politiker und politische Institutionen, was als Politik(er)verdrossenheit bezeichnet wird. Weiterhin leiden Parteien, Gewerkschaften, Kirchen und Jugendverbände unter Nachwuchsmangel, was ebenfalls auf die veränderten Einstellungen gegenüber Politik zurückzuführen ist.

[...]

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Details

Titel
Jugend zwischen Teilnahmebereitschaft und Politikverdrossenheit
Untertitel
Bildung als Einflussfaktor und Voraussetzung zur Teilhabe an der Wissensgesellschaft
Hochschule
Universität Leipzig  (Institut für Politikwissenschaft)
Veranstaltung
Wissensgesellschaft/Wissenspolitik
Note
1,0
Autor
Jahr
2008
Seiten
14
Katalognummer
V195772
ISBN (eBook)
9783656215493
ISBN (Buch)
9783656219569
Dateigröße
423 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Politik, Politikwissenschaft, Powi, Wissensgesellschaft, Jugend, Partizipation, Politikverdrossenheit, Ganztagsschulen
Arbeit zitieren
Jenny Fischer (Autor), 2008, Jugend zwischen Teilnahmebereitschaft und Politikverdrossenheit, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/195772

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